Herkunft, Haus und Name

Almarian tritt in der Überlieferung Númenors einzig unter diesem einen Namen auf; Beinamen oder ein zweiter Name, wie sie im Königshaus sonst häufig begegnen, sind für sie nicht bezeugt. Die Form gehört dem Quenya an, das im Hause Elros' über viele Geschlechter hinweg die Sprache der Königsnamen blieb, bis erst spät in der Geschichte der Insel adûnaische Formen an ihre Stelle traten. Eine Deutung des Namens gibt Tolkien nicht; auffällig bleibt allein der Anklang an den Namen ihrer Tochter Almiel, ohne dass die Texte diese Ähnlichkeit erläutern.

Sie stammte nicht aus dem Königsgeschlecht selbst, sondern aus dem Umkreis der númenórischen Seefahrt: Ihr Vater war Vëantur, der unter Tar-Elendil das Amt des Kapitäns der Königsschiffe innehatte und damit an der Spitze jener Männer stand, die den Schiffbau und die Fahrten der Insel bestimmten. Über ihre Mutter und weitere Vorfahren schweigen die Quellen. Durch ihre Ehe mit Meneldur, dem Sohn Tar-Elendils, trat sie in das Haus der Könige ein und lebte mit ihm in Armenelos, der Stadt im Herzen der Insel. Ihr Gemahl war seiner Neigung nach kein Seemann, sondern den Bewegungen der Gestirne zugewandt, weshalb ihm später der Beiname Elentirmo, „Sternenschauer“, blieb.

Die Erzählung hebt vor allem ihre Schönheit hervor, die im Gedächtnis Númenors mit ihrem Namen verbunden blieb. Vom Meer selbst hielt sie wenig, und das Erbe ihres Vaters lebte in ihr nicht als eigene Sehnsucht fort, sondern erst wieder in der nächsten Generation. Drei Kinder werden ihr zugeschrieben: der Sohn Anardil, der später unter dem Namen Tar-Aldarion regierte, sowie die Töchter Ailinel und Almiel. Dass gerade der Sohn dem Großvater nachschlug und dessen Schiffen folgte, während Vater und Mutter anderen Dingen zugeneigt waren, gehört zu den stillen Voraussetzungen der Geschichte, die sich an dieses Haus knüpft.

Der belegte Gang ihres Lebens

Almarians Leben ist nur insoweit überliefert, als es die Geschichte ihres Sohnes berührt; eigene Jahresangaben für Geburt und Tod nennt keine Quelle. Ihr erstes datierbares Ereignis ist die Geburt Anardils im Jahr 700 des Zweiten Zeitalters, der später als Tar-Aldarion regieren sollte; die Töchter Ailinel und Almiel werden ohne Jahre genannt. Im Jahr 740 legte Tar-Elendil das Zepter nieder und gab es an seinen Sohn weiter, so dass Almarian von da an Königin an der Seite Tar-Meneldurs war, dessen Herrschaft bis 883 währte. Der Mittelpunkt des Hofes war Armenelos; von dort aus fallen alle Handlungen, die ihr die Überlieferung zuschreibt.

Der erste Eingriff, der ihr zugeschrieben wird, betrifft das Jahr 725. Vëantur, ihr Vater, wollte den fünfundzwanzigjährigen Enkel mit sich nehmen, wenn er in jenem Frühjahr nach Mittelerde segelte, wie er es Jahrzehnte zuvor als Erster seit langer Zeit getan hatte. Meneldur war dieser Fahrt nicht zugeneigt, denn ihm lag wenig am Meer und mehr an dem, was er über der Insel am Himmel las; die Erlaubnis kam erst zustande, weil Almarian bei ihm für den Wunsch ihres Vaters und ihres Sohnes eintrat. Die Fahrt führte Aldarion nach Mittelerde, und mit ihr begann die Seefahrt, die sein Leben bestimmte. Dass die Frau, die selbst nichts vom Meer hielt, diese Entscheidung ermöglichte, gehört zu den Eigenheiten der Erzählung.

In den Jahrzehnten danach wurden Aldarions Fahrten länger und seine Abwesenheiten häufiger, und zwischen Vater und Sohn wuchs ein Zerwürfnis, das die Erzählung ausführlich verzeichnet. Meneldur missbilligte die Bindung an die Küsten Mittelerdes, deren Ende er nicht absehen konnte, und ebenso den Holzeinschlag, mit dem der Schiffbau die Wälder der Insel zu zehren begann. In diesen Auseinandersetzungen hielt Almarian zu ihrem Sohn, nicht zu ihrem Gemahl; ihre Fürsprache blieb über Jahre hinweg der Rückhalt, den Aldarion am Hof besaß. Ein förmliches Verbot sprach der König nie aus, doch die Zustimmung, die er gab, gab er ungern.

Der zweite Strang ihres Wirkens betrifft Erendis, die 771 in den Westlanden der Insel geboren wurde, als Tochter Beregars, dessen Haus sich auf das Volk Beors zurückführte. Erendis kam mit ihrem Vater an den Königshof, und die Königin nahm sie in ihr Gefolge auf; dort begegneten sich Aldarion und Erendis. Almarian sah die Verbindung mit Wohlwollen und förderte sie, wo sie konnte, denn sie wünschte, dass ihr Sohn heirate und sich binde. Die Ehe kam erst 870 zustande, viele Jahrzehnte nach der ersten Begegnung, und 873 wurde die Tochter Ancalimë geboren, die später als erste Frau das Zepter Númenors führen sollte. Die Erzählung lässt keinen Zweifel daran, dass die Werbung ohne die Königin einen anderen Verlauf genommen hätte.

Was Almarian gefördert hatte, hielt sie nicht zusammen. Während der langen Abwesenheiten ihres Sohnes zog sich Erendis vom Hof zurück, und als das Zerwürfnis sich verhärtete, ließ die Königin sie nach Armenelos rufen, um eine Annäherung zu ermöglichen; die Kluft war damit nicht zu schließen. Auch ihr eigenes Verhältnis zu Aldarion änderte sich: Als er von der längsten seiner Fahrten zurückkehrte, fiel ihr Empfang kühler aus als in früheren Jahren, denn sie erkannte, was seine Fahrten Erendis und dem Haus gekostet hatten. Damit endet, was die Quellen von ihr berichten; über ihr weiteres Leben, ihr Alter und ihren Tod schweigen sie ebenso wie über den Zeitpunkt ihrer Geburt. Ihr Name bleibt an eine einzige, allerdings ausführlich erhaltene Erzählung gebunden, und was dort von ihr steht, steht nirgends sonst.

Stellung, Wirkung und ihre Grenzen

Almarian führt in der Überlieferung keinen Titel, der ihr eigene Gewalt verliehen hätte. Das Zepter Númenors lag beim König allein; die Frauen an seiner Seite erscheinen in den Königslisten der Insel als Gemahlinnen, nicht als Trägerinnen der Herrschaft, und die Änderung des Erbrechts, die einer Tochter den Vorrang eröffnete, fällt erst in die Regierungszeit ihres Sohnes. Ein Amt, ein Befehl über Schiffe oder ein Sitz in einer Ratsversammlung wird ihr nirgends zugeschrieben. Ihre Stellung ruhte auf zwei Bindungen zugleich: auf der Herkunft aus dem Hause des Mannes, der die Königsschiffe befehligte, und auf der Ehe mit dem Erben Tar-Elendils. So stand zwischen der Seefahrerschaft der Insel und dem Königshaus eine Person, die beiden Kreisen angehörte und keinem von beiden vorstand.

Ihr Wirken vollzieht sich deshalb durchweg in der Form der Fürsprache. Was ihr die Erzählung an Mitteln lässt, ist der Zugang: zum König in den Stunden, die kein Rat bezeugt, zum Sohn, der ihr länger vertraute als seinem Vater, und zu den Frauen ihres Hofes, über deren Aufnahme sie verfügte. Auf diesem Weg wird sie mehrfach zur Ursache von Entscheidungen, ohne je selbst eine zu treffen: Der Text verzeichnet, was sie wünschte, wofür sie eintrat und wen sie zusammenführte, aber keine einzige Verfügung, die in ihrem Namen ergangen wäre. Ihre Wirkung setzt zudem stets voraus, dass sie einer Neigung entgegenkommt, die ohnehin vorhanden ist; wo sie gegen einen entschlossenen Willen stünde, zeigt die Überlieferung sie nicht.

Ebenso deutlich sind die Grenzen. Almarian konnte den Weg zum Meer öffnen, nicht aber dessen Lauf bestimmen; sie konnte eine Werbung befördern und später die Entfremdeten unter ein Dach rufen, ohne die Ehe zu retten, die aus ihrem Zutun hervorgegangen war. In den großen Angelegenheiten der Regierung fehlt ihr Name: weder bei den Fragen des Holzeinschlags und der Bindung an die Küsten Mittelerdes noch bei jenem Hilfegesuch aus dem Osten, das Tar-Meneldur zur Niederlegung des Zepters bewog, wird sie als Ratgeberin genannt. Von übernatürlichen Gaben, von Vorauswissen, Zauber oder besonderer Kunst berichtet keine Quelle etwas; sie ist eine sterbliche Númenórerin, deren Lebensdauer die der Edain nicht überschreitet. Was ihr die Texte zusprechen, ist Ansehen und Einfluss in einem einzigen Haus — genug, um den Anfang einer Geschichte zu ermöglichen, zu wenig, um ihren Ausgang zu wenden.

Zwischen zwei Häusern: Bindungen und Treuen

Fast alles, was von Almarian erzählt wird, ergibt sich aus ihrer Stellung zwischen zwei Geschlechtern, die einander fremd blieben: dem Hause ihres Vaters, dessen Ansehen von den Schiffen kam, und dem Königshause, dessen Sinn in jenen Jahren anderen Dingen galt. Bemerkenswert ist dabei, dass die stärkste Bindung dieses Gefüges nicht von ihr ausgeht: Was Vëantur weiterzugeben hatte, ging an den Enkel und übersprang damit sowohl die Tochter als auch deren Gemahl. In dieser Kette erscheint sie weniger als Glied denn als Durchgang — als diejenige, die eine Neigung weiterreichte, ohne sie zu teilen, und die deshalb gerade dort wirksam wird, wo sie selbst nichts begehrte.

Ungleich verteilt ist auch ihre Treue. Zwischen Gemahl und Sohn stehend, zeigt die Überlieferung sie stets auf der Seite des Sohnes, doch nirgends als Gegnerin des Königs: In der Sache selbst — den Wäldern der Insel, den Küsten jenseits des Meeres, dem Nutzen der langen Fahrten — bezieht sie keine Stellung, ihre Parteinahme gilt der Person. Von einem Zerwürfnis zwischen ihr und Meneldur berichtet kein Text, und ebenso wenig davon, dass er ihr die Fürsprache je verwehrt hätte. Das Verhältnis der Eltern bleibt in eben dem Maße unbeschädigt, in dem sich das zwischen Vater und Sohn verhärtet.

Zu Erendis tritt sie in ein Verhältnis, das von Anfang an ungleich ist: Die jüngere Frau kommt als eine der Ihren an den Hof, nicht als Ebenbürtige, und was ihr dort zufällt, verdankt sie der Gunst der Königin. Noch der späte Ruf nach Armenelos setzt voraus, dass Erendis kommt, wenn die Königin ruft; Gunst und Anspruch sind hier dasselbe. Über die Töchter reicht ihre Verwandtschaft über die eigene Geschichte hinaus: Ailinel vermählte sich mit Orchaldor, und deren Sohn Soronto trat in späteren Jahren dem Anspruch Ancalimës entgegen, so dass aus Almarians eigenem Hause der Widerstand gegen die Erbin ihres Sohnes erwuchs. Beschrieben wird sie durchweg über andere — als Tochter, Gemahlin, Mutter und Herrin eines Gefolges; eine Bindung, die weder auf Verwandtschaft noch auf Hofstellung beruhte, nennt keine Quelle.