Herkunft und Namen
Adelard Took ist ein Hobbit des Auenlandes und gehört zu den Tuks, einer der alteingesessenen und wohlhabenden Sippen des Landes. Wie viele Angehörige weitläufiger Verwandtschaften erscheint er im Erzähltext nur beiläufig, und zwar im Umkreis der Abschiedsgaben, die Bilbo Beutlin vor seinem Fortgehen für seine Verwandten zurückließ: eines der Stücke ist durch eine Aufschrift ausdrücklich ihm zugewiesen. Über seine Lebensumstände — Alter, Wohnsitz, Beschäftigung — schweigt das Buch. Was von ihm bleibt, ist mithin ein Name, eine Sippenzugehörigkeit und eine kleine, ihm nachgesagte Eigenart, die anderswo erzählt wird.
Der Sippenname folgt der Übersetzerfiktion, die Tolkien im Anhang F darlegt: Die Namen der Hobbits sind dort nicht in ihrer eigenen Sprachform wiedergegeben, sondern in englische Gestalt gebracht; hinter der Form „Took“ steht ein hobbitisches Wort, das der Verfasser als Tûk ansetzt. Die deutsche Fassung von Margaret Carroux setzt diesen Weg fort und schreibt den Namen als „Tuk“. Für den Vornamen gilt eine zweite Beobachtung desselben Anhangs: In manchen alten Familien, unter ihnen die Tuks, war es Brauch, den Kindern klangvolle, hochtönende Rufnamen zu geben, die in ihrer Feierlichkeit nicht recht zur schlichten Lebensart des Auenlandes passen wollten. Diese Neigung wird auf das falbhäutige (Fallohide-) Erbe der Sippe zurückgeführt, das bei den Tuks besonders kräftig nachwirkte.
„Adelard“ fügt sich genau in diesen Brauch. Der Name ist germanischen Zuschnitts und gehört im Stammbaum der Tuks von Groß-Smials, den Anhang C mitteilt, zu einer ganzen Reihe gleichartig gebildeter Namen; neben ihm stehen dort Flambard, Reginard und Everard, so dass die Endung wie ein Kennzeichen des Hauses wirkt. Eine Bedeutung im Sinne der erfundenen Sprachen Mittelerdes ist damit nicht verbunden — anders als bei elbischen Namen ist hier kein Wortsinn ausgelegt, sondern ein Stilregister getroffen: das Feierliche, beinahe Ritterliche eines Namens, den ein Landvolk sich zulegt, weil es alte Geschichten gehört hat. Adelard Took trägt ihn ohne besonderen Anspruch; die Überlieferung verzeichnet ihn als einen unter vielen Verwandten am Rande eines großen Festes.
Geschichte
Alles, was von Adelard Took erzählt wird, fällt in einen einzigen Herbst. Am 22. September des Jahres 1401 nach der Zeitrechnung des Auenlandes — im Dritten Zeitalter das Jahr 3001 — beging Bilbo Beutlin in Hobbingen seinen einhundertelften Geburtstag und verband ihn mit dem dreiunddreißigsten seines Vetters und Erben Frodo, der damit mündig wurde. Das Fest war das größte, an das man sich im Auenland erinnerte: Zelte auf der Wiese unterhalb von Beutelsend, ein Feuerwerk Gandalfs, ein Abendessen für die engere Verwandtschaft und eine Rede, an deren Ende der Gastgeber vor aller Augen verschwand. Zu den Vorbereitungen gehörte, dass Bilbo den größeren Teil seiner Habe verschenkte und die Stücke vorher mit Zetteln versah, auf denen die Empfänger namentlich standen. Auf einem dieser Zettel steht der Name Adelard Tuks; er ist der einzige Zeitpunkt, an dem die Erzählung ihn festhält.
Der Stammbaum der Tuks von Groß-Smials, den Anhang C mitteilt, ordnet ihn einer mittleren Generation zu. Er erscheint dort als Sohn Flambards, und unter seinen eigenen Kindern werden Reginard und Everard geführt, so dass er zur Zeit des Festes bereits erwachsene Söhne hatte. Damit war die Familie in mehreren Gliedern zugleich anwesend, wie es bei den weitläufigen Sippen des Auenlandes üblich war: Everard Tuk gehört zu den wenigen jüngeren Gästen, die der Bericht des Kapitels eigens erwähnt, weil er mit Melilot Brandybock während eines schnellen Tanzes auf einen Tisch stieg. Adelard selbst tritt in keiner dieser Szenen auf; sein Name fällt nicht im Gedränge der Gäste, sondern erst danach, im Haus.
Das Stück, das für ihn zurückgelegt war, ist ein Regenschirm. Die Aufschrift nennt nicht bloß den Empfänger, sondern hebt eigens hervor, dass dieser Schirm ihm allein und endgültig gehören solle — eine Betonung, die im Zusammenhang der übrigen Zettel als Anspielung zu lesen ist. Der Erzähler gibt den Grund gleich mit: Adelard hatte im Lauf der Zeit eine ganze Reihe von Schirmen mitgenommen, die keinen Namen trugen, und offenbar keinen davon zurückgebracht. Die Gabe erledigt die Sache auf die freundlichste denkbare Weise, indem sie ihm einen rechtmäßigen Schirm verschafft und zugleich festhält, dass die Gewohnheit im Auenland bemerkt worden war.
Dieser Zettel steht nicht allein. Bilbo hatte mehrere Geschenke mit Aufschriften versehen, die sich an eine bekannte Eigenheit des Beschenkten hefteten: Dora Beutlin erhielt einen Papierkorb, Hugo Bracegürtel ein Bücherbord, das leer blieb, Milo Bunkel eine Schreibfeder samt Tintenfass, und für Lobelia Sackheim-Beutlin standen silberne Löffel bereit, deren Aufschrift auf eine alte Rechnung anspielte. Neben diesen Stichen ist der Schirm eine der milderen Gaben; der Spott trifft eine Nachlässigkeit, keine Bosheit. Ausgeteilt wurden die Sachen erst nach Bilbos Verschwinden: Am folgenden Morgen kamen die Verwandten nach Beutelsend und holten ab, was für sie beschriftet war, so dass Frodo einen Tag lang wenig anderes zu tun hatte, als Zettel zu lesen und Pakete auszuhändigen.
Danach schweigt die Überlieferung von ihm. Die achtzehn Jahre bis zum Ringkrieg und die Ereignisse des Jahres 1419, in denen die Tuks unter dem Thain Paladin II. ihr Land gegen Sarumans Leute abschlossen und die Rückkehrer aus dem Süden zum Kampf bei Wasserau riefen, nennen weder ihn noch einen Anteil, den er daran gehabt hätte. Auch die Zeittafel des Anhangs B führt ihn nicht; ob er das Kriegsjahr überhaupt erlebte, lässt sich aus dem Text nicht entscheiden, und der Stammbaum verzeichnet zu ihm keine Lebensdaten, die die Lücke schlössen. Seine Geschichte ist mithin die Geschichte eines einzigen Tages und einer einzigen Zeile, und was von ihr bleibt, ist nicht eine Tat, sondern eine Gewohnheit, die ein anderer zum Anlass eines Abschiedsgeschenks nahm.
Rolle und Fähigkeiten
Ein Amt hat Adelard Tuk im Text nicht inne. Der Prolog zählt die wenigen öffentlichen Stellungen des Auenlandes auf — den Thain, den Bürgermeister von Michelbinge, die Ordnungshüter und die Grenzgänger —, und in keiner von ihnen wird er genannt; auch die Zeittafel, die für die Träger dieser Ämter Daten mitteilt, verzeichnet ihn nicht. Was ihm an Stellung zukommt, ist geliehen: Es ist die Stellung seiner Sippe, die als alt, zahlreich und begütert gilt und deren Oberhaupt in Groß-Smials sitzt. Adelard gehört einer Nebenlinie dieses Hauses an, und die Erzählung gibt ihm weder Gefolge noch Besitz noch eine Stimme in einer Beratung. Er spricht an keiner Stelle des Buches; alles, was von ihm mitgeteilt wird, teilt der Erzähler über ihn mit.
Von Fähigkeiten im Sinne von Macht ist bei ihm ebenso wenig die Rede wie bei den Hobbits überhaupt. Der Prolog hält ausdrücklich fest, dass dieses Volk keinerlei Zauberei kennt; das einzige Vermögen, das ihm eigen ist, besteht darin, sich rasch und lautlos aus dem Blick zu nehmen, wenn Großes Volk sich nähert — eine erlernte und vererbte Geschicklichkeit, kein Wunder. An diesem gemeinsamen Maß hat Adelard teil, und darüber hinaus an nichts. Kein Ring, keine Waffe, kein Handwerk und keine Kenntnis werden ihm zugeschrieben. Auch innerhalb seiner eigenen Sippe steht er nicht bei jenen, die der Bericht als Ausnahmen hervorhebt, weder bei Bandobras Tuk, dessen Tat in der Schlacht auf den Grünen Feldern in die Überlieferung eingegangen ist, noch bei Bilbo Beutlin, dessen Reise die Tuk-Ader in ihm bestätigte.
Seine Rolle im Ganzen des Werkes ist darum eine bauliche. Er gehört zu den namentlich geführten Verwandten, durch die das Auenland die Dichte einer wirklichen Nachbarschaft erhält: Sippen mit Vettern, Vorfahren und Absonderlichkeiten, die man kennt, ohne sie erklären zu müssen. Der Zettel, der ihn betrifft, wirkt in dieser Anlage weniger als Auskunft über ihn denn als Auskunft über den Schenkenden, dessen Blick für die Schwächen seiner Nachbarn und dessen Laune beim Abschied darin sichtbar werden. Die Grenze dieser Rolle ist deutlich: Adelard bewegt nichts. Er verändert keinen Verlauf, trägt zu keinem Entschluss bei und wird an keiner späteren Stelle gebraucht. Was er beiträgt, ist die Beglaubigung eines Hintergrunds — und die Beobachtung, dass in einer solchen Gemeinde selbst eine kleine Nachlässigkeit über Jahre hin gemerkt und bei Gelegenheit freundlich zurückgegeben wird.
Verwandtschaft und Umgebung
Adelard Tuk steht im Stammbaum seines Hauses nirgends für sich allein, sondern immer zwischen anderen: über ihm ein Vater, unter ihm zwei Söhne, seitlich eine Reihe von Vettern, deren Äste sämtlich auf Gerontius, den Alten Tuk, zurücklaufen. Die Linie, der er angehört, ist dabei nicht jene, in der das Amt des Thains und der Sitz in Groß-Smials weitergereicht wurden; er gehört zu der weit größeren Zahl von Tuks, die den Namen tragen, ohne für ihn zu sprechen. Sein Platz in der Sippe ergibt sich mithin aus Nähe, nicht aus Rang, und das Verzeichnis sagt über ihn nichts, als dass er in der Mitte einer Kette von Geschlechtern stand.
Zu Bilbo Beutlin führt eine Verbindung, die nicht in gerader Linie verläuft: Bilbos Mutter Belladonna war eine Tochter des Alten Tuk, und durch ihre Heirat mit Bungo Beutlin wurden die beiden Häuser verschwägert. Was Adelard mit dem Gastgeber des Festes verband, war folglich Vetterschaft in jenem weiten Sinn, den das Auenland großzügig gebrauchte, dazu die Bekanntschaft von Nachbarn, die einander über Jahrzehnte beobachten. Genau das macht die Zueignung an ihn bemerkenswert: Sie setzt voraus, dass der Schenkende ihn gut genug kannte, um seine Schwäche zu benennen, und ihn gern genug hatte, um es scherzend zu tun. Gegenüber den Sackheim-Beutlins herrschte zwischen Bilbo und der Verwandtschaft offener Groll um Haus und Erbe; Adelard trifft nur die Neckerei, und der Unterschied im Ton misst genau, wie nahe oder fern ihm der alte Herr von Beutelsend stand.
Einen Gegenspieler kennt seine Überlieferung nicht, und auch Verbündete werden ihm nicht zugeschrieben; der Zweig, aus dem später Peregrin Tuk hervorging, läuft neben dem seinen her, ohne dass die Erzählung die beiden je zusammenführte. Übrig bleibt ein Geflecht aus Blutsverwandtschaft und Nachbarschaft, das der Prolog als Eigenart dieses Volkes beschreibt: Hobbits hielten ihre Abstammung sorgfältig fest und lasen mit Vergnügen, was sie ohnehin wussten. Adelard ist ein Ergebnis dieser Neigung. Er existiert im Buch, weil andere ihn kannten, ihn in ihre Tafeln schrieben und bei Gelegenheit an ihn dachten — und darin liegt, was seine Beziehungen über ihn aussagen: Sie tragen ihn ganz, denn außer ihnen hat er nichts.