Name und Herkunft

Das kleine Volk nannte sich selbst Hobbits, und dieser Name ist, folgt man der Erläuterung im Werk selbst, die abgeschliffene Form eines älteren Wortes, das weiter im Osten und Norden vollständiger erhalten blieb. In der Sprache der Rohirrim lautete es holbytla, Mehrzahl holbytlan, und meinte nichts anderes als „Höhlenbauer“ — ein Name, der die älteste bekannte Wohnweise des Volkes festhält. Als König Théoden den Gefährten aus dem Auenland begegnete, erkannte er in ihnen die Gestalten wieder, von denen die Überlieferung seines eigenen Volkes erzählte, ohne dass er sie je für mehr als Sagengut gehalten hätte. In der wirklichen Gemeinsprache, die Tolkien für die Erzählung ins Englische überträgt, hieß die Selbstbezeichnung kuduk, dem im Rohirrischen ein kûd-dûkan entsprach; das Verhältnis der beiden Wörter bildet er mit „Hobbit“ und „Holbytla“ nach.

Andere Völker gaben ihnen Namen nach ihrer Statur. Bei den Menschen des Westens hießen sie Halblinge, weil sie ungefähr halb so hoch waren wie diese; die Hobbits ihrerseits sprachen vom „Großen Volk“, wenn sie die Menschen meinten. Im Sindarin lautete die Bezeichnung Perian, im Plural Periannath, und in dieser Form begegnet sie vor allem im feierlichen Sprachgebrauch Gondors und in den Berichten der Elben. Wo man sie in Eriador nach ihrer Heimat benannte, sprach man schlicht vom Volk des Auenlands, während die Hobbits selbst zwischen den Bewohnern des Auenlands und denen von Bree unterschieden.

Ihrer Abstammung nach gehören die Hobbits zum Geschlecht der Menschen und stehen diesen weit näher als Elben oder Zwergen, auch wenn ihre Verwandtschaft im Dritten Zeitalter längst vergessen war. Über ihre frühesten Tage besaßen sie keine Aufzeichnungen: Die Kunst der Schrift lernten sie erst spät, und ihre ältesten Überlieferungen reichen nicht weiter zurück als in die oberen Täler des Anduin, zwischen dem Düsterwald und dem Nebelgebirge. Dort unterschied man drei Zweige — die Harfoots als zahlreichsten, dunkelhäutig und an Hügelland und Erdhöhlen gewöhnt; die Stoors, breiter gebaut, in Flussniederungen ansässig und mit Booten vertraut; die Fallohides, heller, schlanker, den Wäldern und den Elben zugetan und häufig als Anführer hervortretend. Im Lauf langer Wanderungen überquerten sie das Nebelgebirge nach Westen; dabei ließen sie ihre eigene Sprache hinter sich und übernahmen die Gemeinsprache der Menschen Eriadors, in der sie fortan sprachen und später auch schrieben.

Geschichte

Der Zug nach Westen, der die Hobbits aus den Tälern des Anduin führte, endete nicht an einem Tag und nicht für alle am selben Ort. In den Aufzeichnungen der Menschen erscheinen sie zum ersten Mal um das Jahr 1050 des Dritten Zeitalters, als die Harfoots nach Eriador kamen; ein knappes Jahrhundert später folgten die Fallohides, die weiter nördlich über das Gebirge zogen, und die Stoors, die den Rothornpass nahmen und sich zunächst im Winkel zwischen Bruinen und Mitheithel niederließen, teils auch im Land südlich davon. Um 1300 saßen Hobbits bereits in Bree, das damit die älteste ihrer Siedlungen ist, die bis in das Ende des Zeitalters Bestand hatte. Sie lebten in diesen Jahrhunderten verstreut in den Ländern des zerfallenden Nordreichs, ohne eigenes Gemeinwesen und ohne dass die Chronisten mehr von ihnen zu berichten wussten als ihre bloße Anwesenheit.

Was die Ruhe dieser Ansiedlungen zerbrach, war der Krieg, den der Hexenkönig von Angmar gegen die Teilreiche Arnors führte. Als die Angriffe aus dem Norden zunahmen und das Land zwischen den Flüssen unhaltbar wurde, verließen die Stoors den Winkel wieder: Ein Teil wandte sich nach Süden ins Dunland, ein anderer kehrte über das Gebirge in die alten Wohnsitze am Anduin zurück. Aus diesem zurückgewanderten Zweig stammte jene Sippe am Ufer nahe den Schwertelfeldern, in der Sméagol aufwuchs und in der er den Ring an sich brachte — ein Vorgang, von dem im Auenland tausende Jahre nichts bekannt war und der doch die spätere Geschichte des ganzen Volkes bestimmte. Die Große Pest, die 1636 aus dem Süden nach Eriador vordrang, traf die Menschen des Nordens schwerer als die Hobbits, entvölkerte aber weite Landstriche und ließ das Land noch leerer zurück.

Die eigentliche Staatsgründung des Volkes fällt in das Jahr 1601 des Dritten Zeitalters. Zwei Brüder vom Stamm der Fallohides, Marcho und Blanco, zogen von Bree aus nach Westen und erhielten vom König in Fornost die Erlaubnis, das entvölkerte Land jenseits des Brandywein zu besiedeln; sie überschritten den Fluss bei der Brandyweinbrücke, und viele Hobbits folgten ihnen nach. Von diesem Jahr an rechneten sie ihre eigene Zeit, sodass das Auenlandjahr 1 dem Jahr 1601 des Dritten Zeitalters entspricht. Die Bedingungen der Übereinkunft waren gering: Sie erkannten die Oberhoheit des Königs an, hielten die Brücken und Wege instand und unterstützten seine Boten. Später dehnten sie das Land noch aus — um 740 der Auenland-Zeitrechnung führte Gorhendad Altbock seine Sippe über den Fluss nach Osten und legte dort das Bockland an, wobei er den Familiennamen Brandybock annahm.

Mit dem Untergang Arthedains und der Zerstörung von Fornost im Jahr 1974 des Dritten Zeitalters verlor das Auenland seinen entfernten Oberherrn, ohne dass sich sonst viel geändert hätte. Die Hobbits schickten Bogenschützen zur Hilfe, die nicht zurückkehrten, und wählten danach aus ihrer Mitte einen Thain, der die Befugnisse des Königs vertrat; das Amt lag zuerst bei den Altbocks und ging 379 der Auenland-Zeitrechnung an die Tuks über, bei denen es blieb. Im Alltag zählte der Bürgermeister von Michelbinge mehr, dem auch die Post und die Grenzjäger unterstanden. Dass diese Ordnung so lange ungestört blieb, verdankte sie weniger der eigenen Kraft als den Waldläufern des Nordens, die die Grenzen bewachten, ohne dass die Bewohner davon wussten oder es ihnen gedankt hätten.

Kriegerische Ereignisse im Auenland selbst blieben Ausnahmen. Die einzige Schlacht, die innerhalb seiner Grenzen geschlagen wurde, bevor der Ringkrieg endete, war das Treffen auf den Grünfeldern im Jahr 1147 der Auenland-Zeitrechnung, in dem Bandobras Tuk eine Orkschar aus dem Norden zurückschlug und ihren Anführer Golfimbul erschlug. Härter setzten dem Land die Naturgewalten zu: Der Lange Winter der Jahre 2758 und 2759 des Dritten Zeitalters brachte Hunger und viele Tote, ebenso die Notzeit, die ihm folgte. Danach kehrte die alte Abgeschiedenheit zurück, und die Bewohner richteten sich in einem Frieden ein, den sie für den natürlichen Zustand der Welt hielten. Erst als Bilbo Beutlin im Jahr 2941 mit Zwergen nach Osten aufbrach und aus den Höhlen des Nebelgebirges einen Ring mitbrachte, geriet das Auenland wieder in die Geschichte der großen Reiche — zunächst ohne dass jemand dort es bemerkte.

Der Ringkrieg brachte dem Volk schließlich beides: den Anteil einiger weniger an den Entscheidungen im Süden und die Besetzung der eigenen Heimat. Während vier Hobbits mit dem Bund fern des Auenlands unterwegs waren, hatte Saruman dort über gedungene Menschen und willfährige Einheimische eine Zwangsordnung errichtet, Mühlen und Bäume niedergelegt und die Vorräte beschlagnahmt; sie endete am 3. November 1419 der Auenland-Zeitrechnung mit dem Gefecht bei Wasserau, dem letzten Kampf auf dem Boden des Landes. Das folgende Jahr galt später als das fruchtbarste, an das man sich erinnerte, und die Wunden der Landschaft wurden rasch geschlossen. König Elessar bestätigte das Auenland als freies Land unter seinem Schutz und untersagte 1427 den Menschen das Betreten; wenig später wurde die Westmark hinzugefügt. Das Volk bestand also fort, verkleinerte seinen Umgang mit der Außenwelt aber wieder — bis auf die Aufzeichnungen, die es hinterließ, und die Reisen einzelner: Meriadoc und Peregrin gingen 1484 nach Rohan und Gondor und kehrten nicht zurück.

Lebensweise und Künste

Im Auenland des ausgehenden Dritten Zeitalters wohnte nur noch ein Teil des Volkes unter der Erde. Die weitläufigen Röhrenbauten, die sie smials nannten, erhielten sich dort, wo eine Sippe groß und begütert genug war, sie zu unterhalten — die Tuks in den Großen Smials, die Brandybocks in einer Anlage, die über die Geschlechter hinweg immer tiefer in den Hügel getrieben wurde; am anderen Ende standen die ärmlichen Gruben derer, die sich nichts Besseres leisten konnten. Die Mehrheit dagegen lebte längst in Häusern aus Holz, Ziegel und Stein, niedrig gebaut und gern mit runden Fenstern, worin die alte Gewohnheit noch nachwirkte. Maschinen blieben ihnen fremd: Über Blasebalg, Wassermühle und Handwebstuhl ging ihr Gerät nicht hinaus, während sie mit Werkzeug und Hand geschickt und ohne Hast arbeiteten. Sie bestellten das Land und hielten Vieh, kleideten sich in kräftigen Farben, vorzugsweise Gelb und Grün, und trugen keine Schuhe, da ihre Füße von Natur aus lederne Sohlen und dichtes lockiges Haar hatten. Bemerkenswert war ihre Fähigkeit, sich rasch und lautlos aus dem Blickfeld größerer Wesen zu entfernen — keine Zauberei, sondern eine geübte Gabe.

Ihre Geselligkeit ordnete sich um den Tisch: Sie nahmen sechs Mahlzeiten am Tag, sofern es die Vorräte zuließen, luden häufig und gern ein und schenkten einander bei jeder Gelegenheit, wobei nicht der Gefeierte beschenkt wurde, sondern der Geburtstagskind selbst die Gaben verteilte. Was man weder brauchte noch wegzuwerfen bereit war, hieß ein Mathom und wanderte in eine Kammer oder, wenn es alt und ansehnlich genug war, in das Mathomhaus zu Michelbinge, das dem Volk zugleich als Museum und als Rumpelkammer diente. Ihr Schriftwesen entsprach dieser Neigung: Bücher schätzten sie vor allem dann, wenn darin ordentlich verzeichnet stand, was man ohnehin wusste, und die Verzeichnung der Verwandtschaftsverhältnisse galt als eine ernste und gepflegte Kunst. Als eigene Erfindung beanspruchten sie allein das Rauchen des Pfeifenkrauts, das im Südviertel um das Jahr 1070 der Auenland-Zeitrechnung zuerst gezogen wurde und von dort zu Zwergen, Waldläufern und Zauberern gelangte. Ihre Sprache war die Gemeinsprache in ländlicher Färbung; die höflichen Unterscheidungen der Anrede hatten sie verloren, sodass ihr vertrauliches Reden in Gondar später für die Ausdrucksweise eines Hochgestellten gehalten wurde.

Auch die Zeit maßen sie auf ihre Weise. Die Auenland-Zeitrechnung teilte das Jahr in zwölf Monate zu je dreißig Tagen und schob die übrigen Tage als Sommertage und Julfest außerhalb der Monate ein, sodass jedes Datum immer auf denselben Wochentag fiel — eine Ordnung, die das Leben berechenbar machte und zugleich verriet, wie wenig ihnen an Veränderung lag. Gemessen an den Menschen wurden sie alt: Die Mündigkeit trat erst mit dreiunddreißig ein, die Jahre davor galten als unfertige Zwischenzeit, und wer die hundert überschritt, hieß wohlerhalten; das höchste bezeugte Alter erreichte der Alte Tuk mit hundertdreißig Jahren. Ihre Sterblichkeit teilten sie mit dem Geschlecht, dem sie entstammen, und sie hingen ihr keine Lehre an: Vom Anfang und Ende der Welt erzählten sie nichts, und was an Vergangenheit zählte, reichte so weit zurück wie der Stammbaum. So blieb ihnen die Erinnerung eine Sache der Familien, nicht der Zeitalter — bis die Ereignisse des Ringkriegs sie zwangen, auch das Größere aufzuzeichnen.

Sippen und Häuser

Ein Adel im eigentlichen Sinn hat sich im Auenland nie gebildet; wo das Volk Rangunterschiede kannte, gründeten sie auf Besitz, Alter des Namens und der Zahl der Verwandten. Die Ordnungseinheit war deshalb nicht der Stamm, sondern die Familie, und an ihrer Spitze stand jeweils ihr Oberhaupt, das man schlicht mit dem bestimmten Artikel vor dem Familiennamen bezeichnete. Als angesehen galten unter anderem die Tuks, die Brandybocks, die Bolger, die Boffins und die Beutlins, während Namen wie Gamdschie an Handwerk und Gärtnerdienst gebunden blieben. Auf Fallohide-Blut beriefen sich vor allem die beiden erstgenannten Sippen, was ihre auffällige Neigung zu Reisen und ungewöhnlichen Unternehmungen erklären sollte. Die Hobbits von Bree standen außerhalb dieses Gefüges und führten eigene Namen, die man im Auenland kaum kannte.

Die größte Bedeutung erlangten die Tuks, seit das Amt des Thain erblich an ihr Oberhaupt gebunden war; der jeweilige Träger hieß nach altem Brauch „der Tuk“ und saß in den Großen Smials zu Tukbogen im Westviertel, um das herum die Tuks so dicht siedelten, dass die Gegend nach ihnen Tukland genannt wurde. Zur Zeit des Ringkriegs war Paladin Tuk Thain, dessen einziger Sohn Peregrin ihm später im Amt nachfolgte. Eine Nebenlinie, die Nordtuks, hatte sich im Nordviertel niedergelassen und führte sich auf Bandobras zurück; aus ihr stammte Diamant, die Peregrin heiratete. Dass die Familie im Auenland als eigenwillig galt, hing weniger mit dem Amt zusammen als mit der Regelmäßigkeit, mit der einzelne ihrer Angehörigen die Grenzen des Landes überschritten.

Jenseits des Brandywein führten die Brandybocks ein eigenes Gemeinwesen, das zu den vier Vierteln nicht gerechnet wurde und dessen Oberhaupt als Herr des Bocklands galt; sein Sitz war Brandyschloss, die weitläufigste Anlage ihrer Art im ganzen Land. Saradoc Brandybock stand ihm in den Jahren des Ringkriegs vor, sein Sohn Meriadoc trat nach ihm an. Kleinere Zerwürfnisse innerhalb einer Sippe konnten das Auenland länger beschäftigen als alles, was außerhalb geschah — so der Streit der Sackheim-Beutlins um Beutelsend, der über zwei Geschlechter hinweg nachwirkte und erst mit dem Verkauf des Anwesens ein Ende fand. Die Gamdschies wiederum, die den Beutlins über Jahrzehnte den Garten bestellten, stiegen durch Samweis in eine Stellung auf, die keiner ihrer Vorfahren erwartet hätte; seine Nachkommen erhielten später die Wacht über die Westmark und wohnten auf den Turmbergen.

Rolle in der Erzählung

Beide großen Erzählungen, in denen Hobbits auftreten, beginnen bei ihnen und nicht bei den Mächten, um die es geht. „Der Hobbit“ setzt in einer Wohnhöhle ein und führt den Leser Schritt für Schritt in eine Welt hinaus, von der die Hauptfigur so wenig weiß wie er selbst; „Der Herr der Ringe“ verfährt ebenso und behält diese Blickrichtung bis zuletzt bei. Daraus ergibt sich der Maßstab des ganzen Werkes: Bruchtal, Rohan und Gondor erscheinen von unten her, aus der Wahrnehmung von Geschöpfen, die von Königen und Ringgeistern nichts wissen und sich deshalb erklären lassen müssen, was ein anderer Erzähler stillschweigend voraussetzen dürfte. Auch der Prolog wendet sich an ein Publikum, dem das Volk unbekannt ist, und gibt die Erzählung zugleich als hobbitische Aufzeichnung aus — die Geschichte der großen Reiche wird hier von den Kleinen berichtet.

Inhaltlich stehen die Hobbits für den Gedanken, dass das Entscheidende nicht bei den Starken liegt. Im Rat zu Bruchtal fällt die Aufgabe nicht dem zu, der am meisten vermag, sondern dem, an den zuletzt jemand gedacht hätte, und Elrond bemerkt dazu, dass die Räder der Welt oft von kleinen Händen bewegt werden, während die Blicke der Großen anderswohin gerichtet sind. Der Ring wirkt über das Verlangen nach Macht; wer wenig begehrt, bietet ihm wenig Angriffsfläche, und eben darin liegt die Eignung des Volkes zum Träger. Dass diese Widerstandskraft keine Unverwundbarkeit ist, macht die Erzählung mit gleicher Deutlichkeit klar: Am Ende gibt Frodo den Ring nicht aus freiem Willen her, und vollendet wird das Werk allein durch das Geschöpf, das er zuvor verschont hatte. Wer weniger tief in die Sache verstrickt war, wuchs dagegen sichtbar über seine Herkunft hinaus, während dem Träger selbst die Rückkehr in das alte Leben verschlossen blieb.

Tolkien selbst hat sich mehrfach dazu geäußert, wofür ihm dieses Volk in der Erzählung stand. In der ausführlichen Darlegung an seinen Verleger nennt er die Erhebung des Geringen und Unscheinbaren eines der leitenden Motive und stellt die kleinen, alltäglichen Gestalten mit Absicht neben die hohen und königlichen. Auf Einwände gegen Frodos Verhalten am Ende antwortete er, die Aufgabe habe die Kräfte jedes Geschöpfes überstiegen, und der Träger sei nicht an einem Maßstab zu messen, den niemand hätte erfüllen können — das Verdienst liege im Aushalten bis zum letzten Schritt, nicht im Ausgang.

Entwürfe und Varianten

An kaum einer anderen Stelle lässt sich das Werden des Buches so deutlich ablesen wie an den Hobbits, denn hier schwankte Tolkien besonders lange. In den frühesten Fassungen des Eingangskapitels heißt der Held nicht Frodo, sondern Bingo Bolger-Baggins — einen Namen, den Christopher Tolkien auf eine Familie von Spielzeug-Koalabären im Besitz der Kinder zurückführt —, und er ist zunächst Bilbos leiblicher Sohn, ehe er zum Neffen und Erben umgearbeitet wird. Der Name Frodo gehörte in dieser Zeit einem Begleiter aus dem Geschlecht der Tuks und wanderte erst später auf den Ringträger über, während die übrigen Reisegefährten unter wechselnden Namen wie Odo, Folco oder Marmaduke Brandybuck fortwährend gegeneinander ausgetauscht, gestrichen und wieder eingesetzt wurden. Samweis fehlte anfangs ganz; sein Vater dagegen steht als schwatzende Dorfgestalt schon in den allerersten Entwürfen. Das Kapitel selbst schrieb Tolkien mehrfach von Grund auf neu, bevor der Anlass des Aufbruchs feststand.

Weiter noch reichte eine Entscheidung, die dem Volk beinahe eine ganz andere Rolle zugewiesen hätte: Die Gestalt, die den Reisenden im Gasthaus zu Bree begegnet, war zunächst selbst ein Hobbit — ein wettergegerbter Wanderer namens Trotter, der hölzerne Schuhe trug und weit im Osten gewesen sein sollte. Eine Zeitlang erwog Tolkien, ihn als einen von Bilbos Verwandten namens Peregrin Boffin auszuweisen, der einst fortgelaufen war; erst mit der Ausarbeitung des Rats zu Bruchtal trat an seine Stelle ein Mensch aus dem Geschlecht der Waldläufer, und aus dem Beinamen wurde Streicher. Am anderen Ende der Erzählung stand ein Epilog, in dem Samweis Jahre später seinen Kindern aus dem Roten Buch vorliest und ein Schreiben des Königs das Auenland erreicht; Tolkien arbeitete ihn in zwei Fassungen aus, verwarf ihn aber, sodass das gedruckte Buch mit der Heimkehr schließt. Auch der einleitende Bericht über Herkunft und Art des Volkes fand seine endgültige Gestalt erst in mehreren Anläufen.

In den Verfilmungen und Hörspielen

Die ältesten Umsetzungen stammen aus dem Zeichentrick. Der Fernsehfilm der Rankin/Bass-Studios von 1977 rafft die Erzählung vom Hobbit auf rund neunzig Minuten und lässt Bilbo Beutlin von Orson Bean sprechen; derselbe Sprecher übernahm in der drei Jahre später entstandenen Fortsetzung die Rolle Frodos, während Samweis Gamdschie an Roddy McDowall fiel — eine Doppelbesetzung, die die Nähe der beiden Ringträger stärker hervorhebt, als es die Vorlage tut. Ralph Bakshis Film von 1978 zeichnete einen großen Teil der Bewegungen von gefilmten Darstellern ab, sodass die Hobbits hier weniger karikiert wirken als bei Rankin/Bass; Frodo sprach Christopher Guard, Samweis Michael Scholes. Da die Handlung nach dem Kampf um Helms Klamm abbricht und ein zweiter Teil nie zustande kam, bleibt ihr Weg in dieser Fassung ohne Abschluss. Am ausführlichsten verfährt das BBC-Hörspiel von 1981, das den Stoff auf sechsundzwanzig halbstündige Folgen verteilt und dem Buch am genauesten folgt; Frodo sprach dort Ian Holm, Samweis Bill Nighy.

Das verbreitete Bild des Volkes prägte Peter Jacksons Trilogie von 2001 bis 2003, in der Elijah Wood, Sean Astin, Dominic Monaghan und Billy Boyd die vier Reisenden spielten und Ian Holm den alten Bilbo. Der Größenunterschied entstand ohne gezeichnete Figuren, durch perspektivische Anordnung der Darsteller, überdimensionierte Bauten und Requisiten sowie eigens eingesetzte Doppel. Von der Vorlage weicht die Fassung mehrfach ab: Die siebzehn Jahre zwischen Bilbos Fest und Frodos Aufbruch entfallen, Meriadoc und Peregrin geraten eher zufällig in die Reise, statt sie planvoll vorzubereiten, Frodo schickt Samweis auf dem Weg nach Cirith Ungol fort, und die Befreiung des besetzten Auenlands fehlt ganz, sodass die Heimkehrer ein unversehrtes Land vorfinden. Die spätere Hobbit-Trilogie von 2012 bis 2014 besetzte den jungen Bilbo mit Martin Freeman, behielt Holm für die Rahmenhandlung bei und rückt ihn deutlich tatkräftiger in den Vordergrund, als das kürzere Buch es vorsieht.