Herkunft und Namen

Saruman zählt zu den Istari, jenem kleinen Kreis von Zauberern, der in Mittelerde in der Gestalt betagter Männer erscheint — dem Anschein nach von Jahren gezeichnet, tatsächlich aber von einer Zähigkeit, die dem Augenschein widerspricht. Unter ihnen nimmt er den ersten Rang ein: Er ist das Oberhaupt des Ordens, und das Weiß, das er trägt, bezeichnet nicht bloß eine Farbe der Kleidung, sondern seinen Vorrang. Sein Gebiet ist das Wissen, insbesondere die Kunde von den Ringen der Macht, für die im Westen kein Zweiter als ähnlich bewandert gilt. Auffälligstes Mittel ist ihm die Stimme: eine Redekunst, die Zuhörer weniger überzeugt als einnimmt und deren Wirkung erst nachlässt, wenn der Klang verklungen ist.

Hinter der greisenhaften Erscheinung steht ein anderes Wesen. Die posthum veröffentlichten Schriften ordnen die Istari den Maiar zu, jenen Geistern aus der Zeit vor der Erschaffung der Welt, die hier eine Leibgestalt annahmen und mit ihr auch deren Grenzen: Müdigkeit, Furcht, die Möglichkeit des Irrens. Vor dieser Verkörperung trug Saruman den Quenya-Namen Curumo und gehörte zum Gefolge Aules, des Schmiedes unter den Valar — eine Herkunft, die zu seinem lebenslangen Zug zum Handwerk, zur Maschine und zur nachbauenden Kunstfertigkeit passt. Als Erster der Gesandten galt er auch dort schon als der Größte, und zugleich als derjenige, dessen Ansehen ihm selbst am meisten bedeutete.

Seine Namen verweisen sämtlich auf dieselbe Eigenschaft. Die Elben nennen ihn Curunír, den Mann der Geschicklichkeit; die Form Saruman stammt aus dem Norden und ist im Sprachgewand Rohans wiedergegeben, wo das erste Glied ebenfalls Kunstfertigkeit, Findigkeit und listige Erfindung bedeutet. Beide Namen loben also eine Fähigkeit, ohne über deren Gebrauch etwas zu sagen — eine Zweideutigkeit, die sich später als treffend erweist. Dazu tritt der Beiname „der Weiße“, den er in Isengart durch die selbst gewählte Bezeichnung „von vielen Farben“ ersetzt, sowie zuletzt der Name Sharkey, den ihm seine eigenen Untergebenen geben: eine eingedeutschte Form des Orkwortes sharkû, das schlicht „alter Mann“ meint und zwischen Spott und Ehrerbietung schwebt.

Geschichte

Sarumans Wirken in Mittelerde beginnt um das Jahr 1000 des Dritten Zeitalters, als die Gesandten über das Meer kommen; er trifft als Erster von ihnen ein. Über die folgenden anderthalb Jahrtausende schweigen die Aufzeichnungen weitgehend — überliefert ist, dass er weit reiste, auch in die östlichen Länder, und dort Kenntnisse sammelte, die im Westen niemand sonst besaß. Erst mit dem Wachsen des Schattens tritt er in die Geschichte der Reiche zurück: Im Jahr 2463 wird der Weiße Rat gebildet, ein Bündnis der Weisen und der mächtigsten Elbenherren gegen die Macht, die sich in Dol Guldur eingenistet hat. Saruman wird zu seinem Oberhaupt gewählt, auch weil Galadriel Gandalf vorgeschlagen hatte und dieser ablehnte — eine Zurückweisung, die Saruman als Kränkung empfand, obwohl sie ihm den Vorsitz einbrachte.

Im Jahr 2759 kommt Saruman nach Rohan und Gondor, und der Truchsess Beren übergibt ihm die Schlüssel von Orthanc; der Ringmauerbezirk von Isengart, seit langem verwaist, wird ihm als Wohnsitz und Vorposten gegen den Osten anvertraut. Anfangs gilt er den Rohirrim als Verbündeter und Nachbar. Was ihn jedoch tatsächlich beschäftigt, zeigt sich bei der Ratssitzung von 2851: Als Gandalf zum Angriff auf Dol Guldur drängt, setzt Saruman sich dagegen durch, denn er will das Gebiet um die Schwertelfelder unbehelligt durchsuchen — dort, wo Isildur einst fiel und der Eine Ring verlorenging. Erst 2941, als er den Verdacht schöpft, dass Sauron eben diese Suche selbst betreibt, gibt er nach; der Rat vertreibt den Feind aus dem Düsterwald, doch dieser weicht nur nach Mordor aus.

Der Weiße Rat tritt 2953 zum letzten Mal zusammen. Danach nimmt Saruman Isengart für sich in Besitz, befestigt es und lässt seine Grenzen bewachen; wo zuvor Gärten und Baumreihen standen, entstehen Schächte, Schmieden und Feuerstellen. Zugleich beginnt er, das Auenland und die Straßen des Nordens durch bezahlte Kundschafter beobachten zu lassen, denn Gandalfs unerklärliche Vorliebe für dieses abgelegene Land ist ihm nicht entgangen. Verhängnisvoll wird jedoch ein anderer Fund: Im Turm liegt der Palantír von Orthanc, ein Sehstein aus alter Zeit, und Saruman gebraucht ihn im Vertrauen auf die eigene Kraft. Der Blick über die Ferne bindet ihn an einen stärkeren Willen; von da an dient er dem Feind nach außen und sucht insgeheim doch nur den Ring für sich.

Am 10. Juli 3018 kommt Gandalf auf eine frühere Verabredung hin nach Isengart, um Rat zu holen. Saruman fordert ihn auf, die neue Macht anzuerkennen und mit ihm gemeinsame Sache zu machen, und hält ihn, als dieser sich weigert, auf der Spitze von Orthanc gefangen; erst am 18. September trägt Gwaihir der Windfürst ihn fort. In diesen Monaten fehlt Gandalf im Rat der Freien Völker, und die Verzögerung wirkt bis nach Bruchtal. Unterdessen rüstet Isengart offen: Saruman züchtet ein Volk großer Orks, die Uruk-hai, das Tageslicht erträgt, und sichert sich in Rohan durch Gríma Schlangenzunge Einfluss auf den alternden König Théoden.

Der Krieg bricht im Frühjahr 3019 los. Am 25. Februar fällt Théodred an den Furten des Isen; einen Tag später greifen Sarumans Späher die Gemeinschaft am Ostufer des Anduin an und verschleppen die beiden jüngeren Hobbits, weil ihr Herr das Halblingsvolk mit dem Ring in Verbindung bringt. Diese Entführung wird zu seinem Untergang: Die Gefangenen entkommen nach Fangorn und wecken die Ents. Während sein Heer in der Nacht des 3. März vor der Hornburg zerschlagen wird, brechen die Baumhirten unter Baumbart in Isengart ein, zerstören die Anlagen und setzen den Talkessel unter Wasser; Saruman bleibt in einem Turm zurück, den er nicht mehr verlassen kann.

Schicksal verhüllt — enthüllenSchicksal enthüllt — wieder verhüllenDieser Abschnitt verrät, wie es ausgeht.

Schicksal

Am 5. März treten die Sieger vor Orthanc. Saruman versucht ein letztes Mal, mit der Stimme zu wirken, doch die Wirkung bricht; Gandalf zerbricht seinen Stab und stößt ihn aus dem Orden und aus dem Rat. Aus dem Fenster wird der Palantír herabgeschleudert, wodurch der Stein in fremde Hände fällt. Baumbart lässt den Gefangenen im Spätsommer 3019 aus Mitleid ziehen; bettelnd und mit Gríma an seiner Seite trifft er auf der Rückreise die heimkehrenden Gefährten. Vor ihnen erreicht er das Auenland, das seine Leute längst unterwandert haben, herrscht dort unter dem Namen Sharkey über Lotho Sackheim-Beutlin hinweg und lässt Bäume fällen und Häuser abreißen. Nach der Schlacht von Wasserau am 3. November 3019 schenkt Frodo ihm das Leben; kurz darauf tötet ihn Gríma vor der Tür von Beutelsend.

Rolle und Fähigkeiten

Der Auftrag, mit dem die Istari nach Mittelerde geschickt wurden, war eng gefasst: Sie sollten die Freien Völker beraten, aufrichten und zum eigenen Widerstand bewegen, nicht aber Macht gegen Macht setzen oder sich zu Herren über Menschen und Elben aufwerfen. Gerade diese Beschränkung bestimmt Sarumans Stellung, denn sein Vorrang im Orden verlieh ihm Ansehen, nicht Befehlsgewalt. Sein eigentliches Feld ist das Wissen, und dort vor allem die Kunde von den Ringen der Macht: Er studierte die Verfahren, mit denen Sauron und die Schmiede von Eregion gearbeitet hatten, und trieb das Studium so weit, dass er sich schließlich selbst einen Ringmacher nannte und einen Ring an der Hand trug. Was dieser Ring vermochte, sagen die Quellen nicht; im Ausgang der Dinge spielt er keine Rolle.

Seine wirksamsten Mittel liegen ohnehin anderswo. Die Stimme überzeugt nicht durch Gründe, sondern richtet den Willen der Hörer nach dem Sprechenden aus, solange sie zuhören; sie wirkt am stärksten auf den Einzelnen und lässt jedem den Eindruck, er stimme aus freien Stücken zu. Daneben steht die Kunst des Handwerks: Werkstätten und Schmelzöfen, ein Sprengmittel, mit dem die Mauer der Hornburg gebrochen wurde, und die Zucht von Kriegsvolk, bei der Ork und Mensch vermengt wurden, so dass Geschöpfe beider Art entstanden. Auffällig ist, dass die stärksten Werkzeuge seiner Macht keine eigenen sind: Orthanc wurde von den Númenórern erbaut und widersteht später sogar den Ents, und der Sehstein des Turmes stammt aus derselben alten Zeit.

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Schicksal

Die Grenzen sind entsprechend deutlich. In der Leibgestalt unterliegt Saruman Furcht, Irrtum und Erschöpfung, und keine Zauberei entscheidet für ihn eine Schlacht: Sein Heer wird von Reitern und Bäumen geschlagen, ohne dass er einzugreifen vermöchte. Auch die Stimme versagt, sobald ihr Kunstgriff durchschaut wird — Widerspruch, Spott oder schlichte Nüchternheit lösen den Bann, und Zorn verrät dann rasch, was hinter dem Wohlklang steht. Nach dem Bruch des Stabes bleibt ihm allein die Fähigkeit, im Kleinen zu schaden. Sein Ende bestätigt diese Ordnung: Was sich über dem Leichnam erhebt, ist ein grauer Dunst, der sich nach Westen wendet und vom Wind zerweht wird, ohne Antwort und ohne Rückkehr.

Beziehungen

Sarumans Verhältnis zu Gandalf ist weniger das eines Gegners als das eines ständig Vergleichenden. Er beobachtet, was der andere beobachtet, und nimmt dessen Gewohnheiten an, bis hin zum Pfeifenkraut, das er sich heimlich aus dem Auenland kommen lässt und dessen Genuss er zugleich öffentlich verspottet. Wo Gandalf sich unter kleinen Leuten aufhält, vermutet er einen verborgenen Zweck; wo Gandalf zögert, sieht er Schwäche. Auch Radagast, den er für einfältig hält, wird ihm zum Werkzeug: Er schickt ihn mit einer Nachricht aus, an deren Wahrheit der Bote selbst glaubt. Gerade darin liegt der Fehler, denn dieselbe Aufrichtigkeit, die die Einladung glaubwürdig macht, bringt später jene Hilfe herbei, die dem Gefangenen die Freiheit zurückgibt.

Die übrigen Bindungen folgen einem Muster: Saruman kennt keine Gleichgestellten, nur Zuträger. Gríma Schlangenzunge, dessen Blicke seit langem der Königsnichte Éowyn galten, verkauft ihm die Ratschläge Rohans und wird dafür noch vor Zeugen wie ein geprügelter Hund behandelt. In Dunland gewinnt er Krieger, indem er alte und durchaus wirkliche Kränkungen gegen die Rohirrim aufgreift und für seine eigenen Zwecke wendet. Im Auenland schiebt er Lotho Sackheim-Beutlin vor, dessen Ehrgeiz ihm eine Weile nützt, bis der Vorgeschobene beseitigt wird. Jede dieser Verbindungen endet gleich: Der Dienende verliert, ohne je erhalten zu haben, was ihm in Aussicht gestellt war.

Nur eine Beziehung war einmal von anderer Art. Baumbart erinnert sich an einen Nachbarn, der durch Fangorn ging, Fragen stellte und zuhörte; erst spät bemerkte der Ent, dass er ausgehorcht und nicht besucht worden war und dass sein Gegenüber inzwischen dachte wie einer, der nur noch Räder und Metall im Sinn hat. Bei Sauron kehrt sich das Verhältnis um: Aus dem Rivalen, den er überbieten wollte, wird ein Herr, den er täuscht und dem er dennoch zuarbeitet. Am meisten sagt jedoch sein Verhältnis zum Erbarmen. Zweimal lässt man ihm das Leben, und beide Male empfindet er die Schonung als Demütigung und antwortet mit Hohn. Was er nicht beherrschen kann, vermag er nicht anzunehmen — auch nicht von dem Einzigen, der ihm bis zuletzt geblieben war.

Entwürfe und Varianten

Der Verräter im eigenen Orden gehört nicht zum ältesten Bestand der Erzählung. In den Arbeitsstufen, die Christopher Tolkien in der History of Middle-earth zugänglich gemacht hat, war zunächst nur zu erklären, weshalb der Zauberer zur verabredeten Zeit ausblieb; als Urheber der Gefangenschaft stand dort Baumbart bereit, den sein Verfasser damals noch als feindseligen Riesen dachte, der den Wanderer in seinem Wald festhielt. Erst bei der Umarbeitung des Kapitels über Elronds Rat trat ein zweiter Zauberer hinzu, dessen Festung und Wortbruch dem dritten Buch später den Titel gaben; Baumbart wechselte im selben Zuge die Seite und wurde vom Kerkermeister zum Bundesgenossen. Auch der Name lag noch nicht fest: In einem Entwurf des Rates heißt die Gestalt Saramond der Weiße, bevor die endgültige Form gefunden war.

Ebenso spät fand sich das Mittel seiner Verstrickung. Die Sehsteine treten in den Papieren erst auf, als die Ereignisse um Isengart bereits niedergeschrieben waren; was aus dem Turmfenster geschleudert wird, gewinnt seine Bedeutung nachträglich, und damit erhält auch die Bindung an den Feind ihre bis dahin fehlende Erklärung. Der Schluss im Auenland war lange ohne den Zauberer geplant: Über mehrere Entwurfsstufen hinweg liegt die Verwüstung bei Menschen und bei einem Verwandten aus der Sippe der Sackheim-Beutlins, der dort noch Cosimo heißt, während Sharkey zunächst nichts weiter als den Anführer der Banden bezeichnet. Dass dieser Beiname auf den entmachteten Zauberer übergeht, ist eine Entscheidung der späten Fassungen — und erst mit ihr entsteht die Klammer, die den Sturz vor Orthanc mit dem letzten Zug ins Kleine verbindet.

Die Figur in Adaptionen

In Peter Jacksons Filmtrilogie (2001–2003) wird Saruman von Christopher Lee gespielt; derselbe Darsteller kehrt in zwei Teilen der Hobbit-Verfilmung wieder, wo die Figur bei der Ratsversammlung in Bruchtal und beim Angriff auf Dol Guldur auftritt — Vorgänge, die in den Anhängen nur knapp berichtet, nicht aber ausgeführt werden. Gegenüber der Vorlage rückt der Film ihn näher an Sauron heran: Seine eigene Suche nach dem Ring tritt in den Hintergrund, während er im Auftrag des Feindes handelt. Mehreres ist eigens hinzugefügt: ein Zweikampf mit Gandalf im Saal von Orthanc, bei dem beide ihre Stäbe wie Waffen gebrauchen; ein von Isengart aus gewirkter Schneesturm über dem Caradhras; die Uruk-hai, die in den Gruben unter dem Ringmauerbezirk aus dem Schlamm gezogen werden. Auch Théoden erscheint dort nicht bloß schlecht beraten, sondern von einem fremden Willen besessen, aus dem Gandalf ihn sichtbar löst.

Schicksal verhüllt — enthüllenSchicksal enthüllt — wieder verhüllenDieser Abschnitt verrät, wie es ausgeht.

Schicksal

Das Ende der Figur ist im Film anders geführt. Die Kinofassung von „Die Rückkehr des Königs“ lässt Saruman ganz aus; erst die erweiterte Fassung zeigt die Auseinandersetzung vor Orthanc, an deren Schluss Gríma ihn ersticht und er vom Turm in die Tiefe stürzt. Damit entfallen die Rückkehr ins Auenland, der Name Sharkey, Lotho Sackheim-Beutlin und die Schlacht von Wasserau; die Verwüstung des Landes erscheint allein als Trugbild in Galadriels Spiegel. Ältere Bearbeitungen gehen andere Wege. Der Zeichentrickfilm von Ralph Bakshi (1978), in dem Fraser Kerr die Rolle spricht, nennt die Figur streckenweise „Aruman“, um Verwechslungen mit Sauron im gesprochenen Wort zu vermeiden. Die Hörspielfassung der BBC von 1981 mit Peter Howell in der Rolle folgt dem Buch weiter und behält die Heimsuchung des Auenlandes samt Sarumans Tod vor Beutelsend bei.