Der Name und seine Formen
Der Name des Landes ist mit Absicht schmucklos gewählt. Englisch shire bezeichnet keinen mythischen Ort, sondern eine Verwaltungseinheit — einen Amtsbezirk, eine Grafschaft — und geht auf ein altes Wort für Amt und Amtsbereich zurück. Genau in diesem Sinn nahmen die Hobbits ihn in Gebrauch, als ihnen der König in Norbury das Land jenseits des Brandywein überließ und sie es besiedelten: Sie benannten ihre Heimat nach der Ordnung, die sie ihr gaben, nicht nach ihrer Schönheit. Dazu passt, dass sie sich weiterhin als Untertanen des Königs verstanden und ihr Gebiet als ordentlich abgegrenzten Teil eines größeren Reiches führten. Der Prolog des „Herrn der Ringe“ betont diesen nüchternen Zug: Ämter, Grenzen, Listen und Aufzeichnungen gehörten von Anfang an zum Selbstverständnis des Auenlandes, und sein Name spricht es aus.
Wie alle Namen dieses Landstrichs ist auch der Landesname eine Übersetzung. In Anhang F legt Tolkien die Fiktion offen, nach der das Rote Buch aus der Gemeinsamen Sprache übertragen wurde; die englischen Formen stehen dort für westronische, und für den Namen des Auenlandes wird die Form Sûza genannt. Aus derselben Konsequenz erklären sich die inneren Gliederungsnamen: Die vier Bezirke heißen im Englischen Farthings, ein altertümliches Wort für den vierten Teil, das die deutsche Überlieferung als Nord-, Süd-, Ost- und Westviertel wiedergibt. Die Wirkung dieses Verfahrens ist doppelt — es rückt die Hobbits sprachlich in die Nähe des Lesers und hält zugleich fest, dass sie ihre Namen selbst geprägt haben, ohne elbische oder númenórische Vorbilder.
Tolkien hat auf dieser Bindung des Namens an eine englische Landschaft bestanden. In seiner Auseinandersetzung mit der niederländischen Übersetzung wandte er sich nachdrücklich dagegen, die Ortsnamen des Auenlandes umzuformen, weil deren vertrauter, ländlich-englischer Klang selbst Teil der Aussage sei. Die deutsche Tradition ist hier einen eigenen Weg gegangen: Carroux prägte „Auenland“, und auch spätere Übertragungen behielten die Form bei. Das Wort verschiebt den Akzent — wo das englische shire an Verwaltung und Bezirk denken lässt, ruft die Aue Wiesengrund und Flussniederung auf, also die Landschaft statt der Ordnung. Für den deutschen Leser trägt der Name dadurch von vornherein jenes Bild grüner Hügel und Felder, das der englische erst durch die Erzählung gewinnt.
Land und Lage
Das Auenland liegt im Nordwesten Mittelerdes, mitten in Eriador, auf Boden, der einst zum nördlichen Königreich gehörte. Seine östliche Grenze ist der Brandywein; jenseits des Flusses schließt sich das später hinzugekommene Bockland an, und dahinter beginnt der Alte Wald, gegen den die Bockländer eine hohe Hecke zogen. Im Westen endete das besiedelte Gebiet ursprünglich an den Fernhügeln, bis unter dem wiedererstandenen Königtum die Westmark hinzukam, die den Streifen bis zu den Turmbergen einbezog; hinter diesen Höhen liegt die Küste mit den Grauen Anfurten. Nach Osten hin führt die große Oststraße über die Brücke des Brandywein aus dem Land hinaus, vorbei an Bree und weiter in die Ferne, während der Süden am Fluss eine Furt besitzt und der Norden in leeres, unbesiedeltes Hügelland ausläuft. Das Auenland ist damit weniger eine natürliche als eine vereinbarte Landschaft: ein umgrenztes Stück Eriador inmitten weiter, menschenleerer Räume.
Im Inneren zerfällt das Land in vier Viertel, die an einem Grenzstein im Mittelpunkt zusammenstoßen. Das Westviertel trägt die Hügel, auf denen Michelbinge als größter Ort des Landes liegt, und hier verläuft auch das Tal des Wassers, an dem Hobbingen und Wasserau sitzen; das Bächlein mündet weiter östlich in den Brandywein. Zwischen den Vierteln erhebt sich das Grünhügelland, das nach Südosten in bewaldetes Gelände übergeht, während das Marschland am unteren Flusslauf feucht und niedrig ist und seine Bewohner als eigenwillig gelten. Das Nordviertel ist rauer und kälter, mit Mooren im Rücken, in denen Schnee kein seltenes Ereignis ist; das mildere Südviertel dagegen bringt den Wein und vor allem jenes Pfeifenkraut hervor, dessen bester Anbau von dort stammt. Höhen und Senken wechseln also auf kleinem Raum, ohne dass irgendwo Gebirge oder echte Wildnis begännen.
Was das Land auszeichnet, ist der Grad seiner Bearbeitung. Nahezu alles darin ist Feld, Weide, Garten oder gepflegter Wald, mit Mühlen, Brücken und Feldwegen versehen und dicht mit kleinen Dörfern und Weilern besetzt, ohne dass eine Stadt im eigentlichen Sinn entstanden wäre. Die ältere Bauweise, die Wohnhöhlen in den Hang, hatte sich zur Zeit des Ringkrieges auf die wohlhabendsten und die ärmsten Familien zurückgezogen, während die Mehrheit in Häusern lebte; die großen alten Anlagen unter den Hügeln blieben aber als Sitze der bedeutenden Sippen bestehen. Nach außen hin wirkte das Auenland ungeschützt, denn es unterhielt weder Heer noch Festung, und die Grenzer taten kaum mehr, als Fremde vom Übertritt abzuhalten. Dass diese Ordnung Jahrhunderte überdauerte, verdankte sie in Wahrheit den Wächtern des Nordens, die die Straßen und Furten ringsum im Auge behielten — ein Umstand, von dem die Bewohner selbst so gut wie nichts wussten.
Geschichte
Die Geschichte des Landes beginnt lange vor seiner Gründung, und zwar als Wanderungsgeschichte. Die Hobbits, in drei Stämme geschieden — Harfüße, Starren und Falbhäute —, saßen ursprünglich in den Tälern am oberen Anduin und zogen von dort in mehreren Zügen westwärts über das Nebelgebirge. Die Harfüße erreichten Eriador um das Jahr 1050 des Dritten Zeitalters (D.Z.); ihnen folgten die Starren, die den Süden Eriadors und das Land am unteren Bruinen aufsuchten, und zuletzt die Falbhäute, die vom Norden her kamen. Ein Teil dieser Wanderer blieb bei Bree sitzen, wo Hobbits neben Menschen lebten, und aus Bree kamen die beiden Brüder Marcho und Blanco, die im Jahr 1601 D.Z. mit Erlaubnis Argelebs II. die Brücke über den Brandywein überschritten und viele ihres Volkes mit sich führten. Mit diesem Jahr setzt die eigene Zeitrechnung des Auenlandes ein, die es von da an neben der allgemeinen Zählung führte.
Die ersten Jahrhunderte verliefen nach Ausweis der Überlieferung ohne große Ereignisse. Das Land wurde besetzt, urbar gemacht und in seine Bezirke gegliedert, die Bevölkerung wuchs, und die bedeutenden Sippen begannen, Aufzeichnungen zu führen — das Jahrbuch von Tuckborn gilt als die älteste erhaltene Sammlung dieser Art. Ein schwerer Einschnitt fiel in das Jahr 1636 D.Z., als die Große Pest von Osten her über Eriador kam; im Auenland starben viele, und ganze Landstriche fielen für eine Zeit wieder wüst. Die Hobbits erholten sich davon, und die Erinnerung an die Seuche blieb den späteren Geschlechtern eher als Datum denn als Erfahrung erhalten. Bezeichnend für ihre Neigung zur Buchführung ist, dass sie diese Jahre später genau zu benennen wussten, während sie über das Reich, dessen Teil sie waren, kaum etwas verzeichneten.
Der entscheidende Bruch kam mit dem Untergang des Nordreichs. Als Arthedain 1974 D.Z. vom Hexenkönig von Angmar überrannt wurde und Fornost fiel, sandten die Hobbits nach eigener Überlieferung Bogenschützen zur Hilfe des Königs; keiner von ihnen kehrte zurück, und im folgenden Jahr entschied sich der Krieg im Norden ohne ihr weiteres Zutun. Vier Jahre danach, 1979 D.Z., wurde Bucca aus dem Marschland zum ersten Thain erhoben, und mit diesem Amt ging die Befugnis, die zuvor beim König gelegen hatte, förmlich auf die Hobbits selbst über: Der Thain führte den Vorsitz der Versammlung und war Hauptmann der Musterung, die freilich seit Menschengedenken nicht mehr zusammentrat. Das Amt blieb zunächst bei den Altbocks; als Gorhendad Altbock den Fluss überschritt, jenseits davon das Bockland begründete und seinen Namen in Brandybock änderte, fiel das Thainamt an die Tuks, bei denen es blieb. Nach außen hin änderte sich wenig, denn die Hobbits sprachen weiterhin vom König als der letzten Instanz für Recht und Gesetz, obwohl es keinen König mehr gab.
Drei Ereignisse aus den folgenden tausend Jahren blieben im Gedächtnis, weil sie den gewohnten Gang störten. 2747 D.Z. drang eine Orkschar in das Nordviertel ein und wurde von Bandobras Tuk auf den Grünen Feldern geschlagen — die einzige Schlacht, die vor dem Ringkrieg innerhalb der Grenzen geschlagen wurde. Elf Jahre später brachte der Lange Winter von 2758 auf 2759 Schnee und Frost bis weit in das Frühjahr, und die Notzeit, die ihm folgte, kostete viele Leben. Im Grimmigen Winter von 2911 auf 2912 schließlich fror der Brandywein zu, und weiße Wölfe kamen aus dem Norden über das Eis in das Land. Solche Jahre erschienen den Hobbits als Ausnahmen; sie erzählten davon, ohne daraus zu schließen, dass ihre Sicherheit nicht selbstverständlich war.
Am Ende des Dritten Zeitalters holte das Auenland ein, was es lange nicht berührt hatte. Bilbo Beutlin fand 2941 D.Z. auf seiner Fahrt den Ring, Frodo Beutlin verließ 3018 D.Z. das Land, und noch im Herbst dieses Jahres ritten die Schwarzen Reiter über die Grenzen und durch die Dörfer. Parallel dazu griff Saruman auf anderem Wege zu: Zuerst über den Handel mit Pfeifenkraut, dann über Lotho Sackheim-Beutlin, der Mühlen, Felder und Wirtshäuser aufkaufte, sich zum „Chef“ ausrufen ließ und Fremde ins Land holte. Was folgte, war die einzige Fremdherrschaft, die das Auenland je erlebte — Bäume wurden gefällt, in Hobbingen entstand eine rauchende neue Mühle, die Zahl der Schariffe vervielfachte sich, Vorräte wurden eingezogen und die alten Stollen von Michelbinge dienten als Gefängnis. Im Spätherbst 3019 D.Z. kehrten die vier Hobbits aus dem Süden zurück; am 3. November wurden die Eindringlinge bei Wasserau geschlagen, und Saruman fand wenige Tage darauf vor Beutelsend den Tod.
Der Wiederaufbau ging schnell vonstatten. Die Neupflanzungen des folgenden Jahres, das in der Auenland-Zählung als 1420 geführt wird, gerieten in einer Weise, die die Hobbits noch Generationen später als unvergleichlich beschrieben; auf der Festwiese in Hobbingen wuchs ein Mallornbaum auf, der einzige westlich des Gebirges. Unter dem wiedererstandenen Königtum wurde das Verhältnis zum Reich neu geordnet: 1427 der Auenland-Zählung erklärte Elessar das Land zum Freiland unter dem Schutz des Königs und untersagte Menschen das Betreten seines Gebiets, 1434 erhob er Thain, Bürgermeister und Herrn von Bockland zu Räten des Nordreichs, und 1452 kam die Westmark hinzu. Das Auenland ging also nicht unter, sondern trat aus der Geschichte des Zeitalters in eine gesicherte Ordnung über, in der es seine Selbstverwaltung behielt und zugleich zum ersten Mal seit tausend Jahren wieder einen König hatte, der die alten Rechte bestätigte. Von dieser Zeit an führt die Überlieferung des Roten Buches, die im Auenland begonnen und dort fortgesetzt wurde, den Faden weiter.
Bewohner und Herrschaft
Das Auenland war Hobbitland im strengen Sinn: Menschen wohnten nicht darin, und Zwerge wie Elben durchzogen es nur auf der Straße. Die drei Stämme, aus denen das Volk hervorgegangen war, hatten sich im Lauf der Ansiedlung so weit vermischt, dass sie als getrennte Gruppen nicht mehr auftraten; kenntlich blieben sie in einzelnen Sippen. Der starrische Einschlag hielt sich im feuchten Marschland und ging von dort mit den Altbocks über den Fluss, während die Tuks und die Brandybocks jenen falbhäutigen Zug bewahrten, dem die Überlieferung ihre Neigung zu Wagnis und Anführerschaft zuschrieb. Die eigentliche Ordnung des Zusammenlebens war ohnehin nicht das Amt, sondern die Familie: Sippen wie die Beutlins, die Tuks, die Brandybocks oder die Sackheim-Beutlins bestimmten Rang, Besitz und Ansehen, und die Hobbits führten über ihre Stammbäume genauere Bücher als über alles andere.
Von Regierung im gewöhnlichen Sinn hielten sie wenig. Neben dem erblichen Thainamt, das bei den Tuks lag, und dem Herrn von Bockland, der jenseits des Brandywein eine eigene Autorität über die dortigen Familien ausübte, stand als einziges gewähltes Amt der Bürgermeister von Michelbinge, den die Freie Messe auf den Weißen Höhen alle sieben Jahre zur Mittsommerzeit bestimmte. Seine Pflichten waren beschränkt und im Wesentlichen gesellschaftlicher Art, doch fielen ihm zugleich die Aufsicht über den Botendienst und über die Schariffe zu, die einzigen beiden Einrichtungen, die das Land ständig unterhielt. Der Botendienst war der geschäftigere Zweig, denn die Hobbits schrieben einander viel. Von den Schariffen gab es zwölf, drei für jedes Viertel; sie trugen als Zeichen ihres Amtes eine Feder am Hut und kümmerten sich weniger um Menschen als um entlaufenes Vieh. Gesetze waren wenige, und man befolgte sie, weil sie alt und einleuchtend waren.
Nach außen hin lebte das Land in freundlicher Gleichgültigkeit. Am nächsten standen ihm die Hobbits von Bree, deren Siedlung älter war als das Auenland selbst und mit der die Oststraße einen mäßigen Verkehr unterhielt, auch wenn man einander schon als leicht sonderbar empfand. Zwerge auf dem Weg vom Blauen Gebirge nach Osten gehörten zum gewohnten Bild der Straße, und im Westviertel sah man mitunter Elbenzüge, die westwärts zogen und nicht wiederkamen. Alles übrige galt als „Außen“ und ging niemanden etwas an; Große Leute begegnete man mit Misstrauen, und die Wächter des Nordens, denen das Land seine Ruhe verdankte, nahm man kaum wahr. Eine Ausnahme war Gandalf, der über Jahrzehnte hin ein gern gesehener Gast blieb, weil man ihn vor allem mit Feuerwerk und Geschichten verband und nicht mit den Sorgen, die ihn tatsächlich herführten.
In der Erzählung
Beide großen Erzählungen setzen im Auenland ein, und beide beginnen mit einer Störung des häuslichen Friedens: Im „Hobbit“ steht eines Morgens ein Zauberer vor der Tür von Beutelsend, und aus einem ungebetenen Besuch wird eine Reise, gegen die sich der Hausherr zunächst mit allen Mitteln der Höflichkeit wehrt; im „Herrn der Ringe“ ist es ein Geburtstagsfest, bei dem der Gastgeber vor der versammelten Nachbarschaft verschwindet. Der Ort gibt dem Leser damit den Maßstab vor, an dem alles Weitere gemessen wird — Mittelerde erschließt sich in der Reihenfolge, in der die Hobbits es kennenlernen, von der vertrauten Küche her bis an die Grenzen des Bekannten. Dazu gehört auch die lange Stockung: Zwischen dem Fest und Frodo Beutlins Aufbruch vergehen siebzehn Jahre, in denen im Auenland nichts geschieht, während anderswo längst gehandelt wird.
Sobald die Handlung anhebt, wird das Land zum Schauplatz einer Bedrohung, die es nicht zu deuten weiß. Ein verhüllter Reiter fragt auf offener Straße nach dem Namen Beutlin, ein Bauer im Marschland gibt bereitwillig Auskunft, und die Flucht der drei Gefährten von Hobbingen über das Waldende und die Fähre bis in den Alten Wald ist die erste Verfolgungsjagd des Buches — geführt über Feldwege, an denen sich sonst nur Nachbarn begegnen. Zugleich wird das Auenland zu dem, was die Reisenden mit sich tragen: Was Samweis im Spiegel der Galadriel erblickt — umgegrabene Erde, gefällte Bäume, ein rauchender Schlot —, ist die Vorwegnahme dessen, was er später vorfindet, und der Grund, aus dem er beinahe umkehrt.
Am Ende steht keine bruchlose Heimkehr. Die vier, die zurückkommen, sind größer, gerüstet und im Umgang mit Gewalt geübt, und ihre Landsleute erkennen sie zunächst kaum wieder; was sie an Ordnung wiederherstellen, stellt sie selbst nicht wieder her. Frodo tritt in der wiedergewonnenen Ruhe zurück, findet in den Jahrestagen seiner Wunden keinen Platz mehr im eigenen Haus und übergibt Beutelsend samt dem Roten Buch an Samweis, ehe er zu den Grauen Anfurten reitet. Dass die Erzählung dennoch im Auenland schließt, mit einer Rückkehr an den Kamin und einem Kind auf dem Schoß, gibt dem Land seine eigentliche Aufgabe im Buch: Es ist das Gewöhnliche, für das der Aufwand betrieben wurde, und es bleibt bestehen, ohne dass alle, die es gerettet haben, daran teilhaben können.
Entwürfe und Varianten
Die erhaltenen Entwürfe zeigen, dass das Auenland als durchgeformtes Land erst mit dem neuen Buch entstand. Im „Hobbit“ trägt die Gegend um Beutelsend zwar bereits ihre Namen — der Hügel, das Wasser, Hobbingen, Wasserau —, doch fehlt ihr ein Name für das Ganze ebenso wie jede Spur von Ämtern, Bezirken oder eigener Zeitrechnung; sie ist Landschaft, nicht Gemeinwesen. Die ersten Versuche zum ersten Kapitel setzen unverändert mit einem Fest in Hobbingen ein, doch war der aufbrechende Hobbit zunächst Bilbo selbst, ehe Tolkien ihm einen jüngeren Erben zur Seite stellte, der über lange Strecken der Arbeit Bingo Bolger-Baggins hieß und erst spät den Namen Frodo erhielt. Die Einrichtungen, die das Land im veröffentlichten Text kennzeichnen, wurden dagegen zuletzt ausgearbeitet: Die Entwürfe zum Prolog und zu den Anhängen zeigen, wie Viertel, Thainamt, Auenland-Zählung und die Gründung durch zwei Brüder aus Bree in mehreren Anläufen entstanden und mit den Zahlen der Zeittafel abgeglichen wurden.
Auch die Heimkehr am Ende hat eine lange Vorgeschichte in den Notizen. Schon früh hielt Tolkien in Umrissen fest, dass die Reisenden ein verwüstetes und unter fremde Aufsicht geratenes Auenland vorfinden sollten; die Rückkehr war also als Teil des Plans gedacht, lange bevor der Weg dorthin feststand. In den älteren Fassungen dieses Abschnitts ist die Bedrückung jedoch eine rein hausgemachte Angelegenheit: Der „Chef“ ist der Sohn Lobelias, der in den Entwürfen den Namen Cosimo trägt und erst in der Überarbeitung zu Lotho wurde, und die Mühlen, Aufkäufe und Verbote gehen allein auf ihn zurück. Saruman erscheint erst spät in dieser Rolle; dass hinter dem hobbiteigenen Missstand ein gestürzter Zauberer stand, der sich in das Land zurückzog, ist eine nachträgliche Verknüpfung, die dem Abschnitt sein endgültiges Gewicht gab.
In den Adaptionen
In den drei Filmen Peter Jacksons ist das Auenland vor allem Hobbingen: Für die Aufnahmen wurde auf einer Schaffarm bei Matamata auf der neuseeländischen Nordinsel ein begehbares Dorf mit Höhlenfronten, Gärten und Mühlteich angelegt, das für die spätere Hobbit-Trilogie in dauerhaften Materialien neu errichtet wurde und seither bestehen blieb. Erzählerisch fasst die Verfilmung die Anfangskapitel stark zusammen — zwischen dem Geburtstagsfest und Frodo Beutlins Aufbruch vergeht kaum spürbare Zeit statt siebzehn Jahren, die Verabredung der jüngeren Verwandten entfällt, und Meriadoc und Peregrin geraten eher zufällig in die Reise, nachdem sie einem Bauern das Feld geplündert haben. Der Alte Wald jenseits des Brandywein und die Hügelgräberhöhen fehlen ganz, ebenso Tom Bombadil. Die schwerwiegendste Abweichung liegt am Schluss: Die Rückkehr in ein besetztes, verwüstetes Land findet nicht statt, die Heimkehrer treffen ein unverändertes Auenland an, und Saruman stirbt im Süden. Das Bild der zerstörten Heimat, das Samweis im Spiegel Galadriels gezeigt wird, bleibt dabei erhalten, ohne dass es sich später erfüllt. Ralph Bakshis unvollendeter Zeichentrickfilm setzt ebenfalls beim Fest ein, lässt die Wanderung durch das Land und Bombadil aus und bricht ohnehin lange vor jeder Rückkehr ab.
Vollständiger verfährt die sechsundzwanzigteilige Hörspielfassung der BBC, die als einzige der älteren Bearbeitungen die Heimkehr in ein unterworfenes Auenland und die Auseinandersetzung mit dem „Chef“ ausführt; auch sie verzichtet allerdings auf den Alten Wald und Bombadil. Die beiden Fernsehfilme des Studios Rankin/Bass zeigen von dem Land jeweils nur seinen Ausgangspunkt: Der Hobbit-Film beginnt und endet an Bilbos Wohnhöhle, während die Rückkehr des Königs den letzten Teil der Handlung aus einer Rahmenerzählung heraus entwickelt und die Ereignisse im Auenland übergeht.