Name und Herkunft

Der englische Name „Fallohides“ beschreibt die Falbhäute nach ihrem Aussehen. Er fügt zwei alte Wörter zusammen, eines für „fahl“ oder „blass“ und eines für „Haut“, und hält damit fest, was den übrigen Hobbits an diesem Zweig zuerst auffiel: die hellere Haut und das hellere Haar. Die deutsche Form „Falbhäute“, daneben auch „Falbhäutige“, bildet diesen Aufbau nach, indem sie das altertümliche „falb“ mit „Haut“ verbindet. Tolkien stellt alle Namen des Roten Buches als Übertragungen aus der Umgangssprache seiner Figuren dar. „Falbhäute“ ist daher eine Wiedergabe und nicht das Wort, das die Hobbits selbst gebrauchten. Wie die Falbhäute sich in ihrer eigenen Sprache nannten, ist nicht überliefert. Bekannt ist nur, dass sie neben den Harfüßen und den Starren einer von drei Stämmen des Halblingsvolkes waren.1

Nach der Überlieferung im Prolog lebten die Vorfahren aller Hobbits in den oberen Tälern des Anduin, zwischen den Säumen des Grünwalds und dem Nebelgebirge. Schon dort waren die drei Stämme voneinander geschieden. Die Falbhäute bildeten einen nördlichen Zweig und waren der kleinste der drei. Anders als die Harfüße, die Hänge und Hügel bevorzugten, und die Starren, die flaches Land an Flüssen suchten, zogen sie das Waldland vor. Als die Hobbits nach Westen aufbrachen, nahmen die Falbhäute einen eigenen, nördlichen Weg. Sie überquerten das Gebirge oberhalb von Bruchtal und folgten dann dem Lauf des Weißquell abwärts.2

Im Westen blieben die Falbhäute nicht lange unter sich. Sie mischten sich mit den Stämmen, die vor ihnen angekommen waren. Weil sie als kühner und unternehmungslustiger galten, traten sie unter Harfüßen und Starren oft als Anführer und Häuptlinge hervor. So verlor sich der Stamm als eigene Gruppe, sein Erbe aber blieb in den Familien erhalten. Noch zu Bilbos Zeit bemerkte man den falbhäutigen Einschlag in den großen Sippen, besonders bei den Tuks und bei den Herren von Bockland.3

  1. 1Der Herr der Ringe, Prolog, 1: Concerning Hobbits; Der Herr der Ringe, Anhang F, II: On Translation
  2. 2Der Herr der Ringe, Prolog, 1: Concerning Hobbits
  3. 3Der Herr der Ringe, Prolog, 1: Concerning Hobbits

Geschichte

Über die frühe Zeit der Falbhäute im Anduintal weiß die Überlieferung wenig, und die Hobbits selbst bewahrten davon kaum eine Erinnerung. Was der Prolog festhält, betrifft eher die Lebensweise als Ereignisse. Die Falbhäute standen demnach den Elben näher als die beiden anderen Stämme. Sie verstanden sich besser auf Sprache und Gesang als auf Handwerk, und von alters her gingen sie lieber auf die Jagd, als den Boden zu bestellen. Diese Züge erklären manches von dem, was später aus ihnen wurde, denn ein Volk von Jägern und Waldgängern war weniger an einen festen Ort gebunden als eines von Bauern.1

Der Aufbruch nach Westen vollzog sich nicht auf einmal, sondern über mehr als ein Jahrhundert und in getrennten Zügen. Um das Jahr 1050 des Dritten Zeitalters, als sich ein Schatten über den Grünwald legte und er zum Düsterwald zu werden begann, gelangten zuerst die Harfüße nach Eriador. Die Falbhäute folgten erst um 1150, und etwa zur selben Zeit kamen die Starren über den Rothornpass und zogen in den Winkel oder nach Dunland. Die Falbhäute waren also die Letzten, die das Gebirge hinter sich ließen, und trafen auf Stammesverwandte, die sich dort bereits eingerichtet hatten.2

In Eriador fanden die Hobbits ein Land vor, in dem noch Menschen und Elben lebten, das Nördliche Königreich der Dúnedain aber bereits im Niedergang war. Die Chronik verzeichnet um das Jahr 1300, dass viele Hobbits weiter nach Westen wanderten und sich in Bree niederließen. Welchen Anteil daran die Falbhäute hatten, lässt sich nicht genau bestimmen. Sicher ist nur, dass sich in diesen Jahrhunderten die Stämme im neuen Land vermengten und die Falbhäute, wie schon erwähnt, dabei oft die Führung übernahmen.3

Das folgenreichste Ereignis der Stammesgeschichte fällt in das Jahr 1601. Zwei Brüder falbhäutiger Herkunft, Marcho und Blanco, brachen mit einer großen Schar von Hobbits aus Bree auf und überquerten den Brandywein. Die Erlaubnis dazu hatten sie vom König in Fornost erhalten, und im Gegenzug verpflichteten sich die Siedler, die Brücke und die Wege instand zu halten, dem König bei Bedarf beizustehen und seine Oberhoheit anzuerkennen. Das Land jenseits des Flusses wurde zum Auenland, und mit diesem Übergang beginnt die Zeitrechnung, nach der die Hobbits fortan ihre Jahre zählten. So verdankt sich die Heimat, die das Halblingsvolk berühmt machen sollte, dem Wagemut zweier Falbhäute.4

Im Auenland verschwanden die Falbhäute als erkennbarer Stamm, ihr Erbe aber setzte sich in der Ordnung des Landes fest. Nachdem das Nördliche Königreich untergegangen war, führte ein Thain die Geschäfte des abwesenden Königs. Dieses Amt ging im Jahr 2340 des Dritten Zeitalters an die Tuks über, als Isumbras I. der erste Thain aus diesem Haus wurde. Im selben Jahr besiedelten die Altbocks das Land östlich des Flusses, aus dem Bockland hervorging, und ihre Nachfahren, die Brandybocks, stellten fortan dessen Herren. Gerade die beiden Häuser, in denen man den falbhäutigen Zug später am deutlichsten wahrnahm, trugen damit die höchsten Würden des Landes.5

Am Ende des Dritten Zeitalters zeigte sich, wie weit dieses Erbe reichte. Bilbo Beutlin war über seine Mutter Belladonna ein halber Tuk, Frodo über seine Mutter Primula mit den Brandybocks verwandt, und Meriadoc Brandybock und Peregrin Tuk entstammten unmittelbar den beiden Häusern. Drei der vier Hobbits, die mit dem Ringträger auszogen, und dieser selbst gehörten damit Familien an, in denen das Blut der Falbhäute fortlebte. Nach dem Ringkrieg wurde Peregrin Thain und Meriadoc Herr von Bockland. Als eigenes Volk hatten die Falbhäute da längst aufgehört zu bestehen, doch ihre Spur lässt sich bis in die Führung des Auenlandes im Vierten Zeitalter verfolgen.6

  1. 1Der Herr der Ringe, Prolog, 1: Concerning Hobbits
  2. 2Der Herr der Ringe, Anhang B, The Tale of Years; Der Herr der Ringe, Prolog, 1: Concerning Hobbits
  3. 3Der Herr der Ringe, Anhang B, The Tale of Years; Der Herr der Ringe, Prolog, 1: Concerning Hobbits
  4. 4Der Herr der Ringe, Prolog, 1: Concerning Hobbits; Der Herr der Ringe, Anhang B, The Tale of Years
  5. 5Der Herr der Ringe, Prolog, 3: Of the Ordering of the Shire; Der Herr der Ringe, Anhang B, The Tale of Years
  6. 6Der Herr der Ringe, Anhang C, Family Trees; Der Herr der Ringe, Anhang B, The Tale of Years; Der Herr der Ringe, Prolog, 1: Concerning Hobbits

Lebensweise und Eigenart

Der Prolog beschreibt die drei Stämme als Spielarten desselben Volkes, und an dieser Gegenüberstellung lässt sich ablesen, worin sich die Falbhäute unterschieden. Die Harfüße waren kleiner und von bräunlicher Haut, trugen keine Stiefel und pflegten Umgang mit den Zwergen. Die Starren waren breiter und schwerer gebaut und scheuten den Kontakt mit Menschen weniger als die anderen. Den Falbhäuten dagegen wird neben ihrer schlankeren Gestalt die Nähe zu den Elben zugeschrieben, auf die schon hingewiesen wurde. Jeder Stamm hatte damit gleichsam sein eigenes Gegenüber unter den älteren Völkern, und das der Falbhäute war dasjenige, das dem Hobbitleben am fernsten lag.1

Was der Prolog als Kühnheit bezeichnet, erscheint in der Erzählung vor allem als Eigenheit der Tuks. Im Auenland galten sie als wohlhabend, aber nicht als ganz achtbar, weil einzelne von ihnen gelegentlich auf Abenteuer auszogen, und man raunte sogar, einer ihrer Vorfahren müsse sich eine Frau aus dem Feenvolk genommen haben. Die Stammtafeln im Anhang bestätigen diesen Ruf nüchtern: Von einem Tuk wird vermerkt, er sei auf eine Reise gegangen und nie zurückgekehrt, von einem anderen, er sei in jungen Jahren zur See gefahren. Für ein Volk, das Beständigkeit und Vorhersehbarkeit schätzte, war diese Neigung eher ein Makel als ein Verdienst, bis sie im Ringkrieg ihren Wert erwies.2

Eine eigene Sprache der Falbhäute ist nicht überliefert. Nach dem Anhang über die Sprachen hatten die Hobbits schon im Anduintal die Rede der benachbarten Menschen angenommen und in Eriador dann die Gemeinsprache übernommen; ein besonderes falbhäutiges Idiom, das neben dem der Starren fortbestanden hätte, wird nicht erwähnt. Ebenso wenig kennen die Quellen Bräuche um Tod und Begräbnis, die gerade diesem Stamm eigen gewesen wären. Auffällig ist allenfalls, dass die Tuks für ihre Langlebigkeit bekannt waren: Der Alte Tuk erreichte ein Alter von hundertunddreißig Jahren, und als Bilbo sich diesem Maß näherte, sah man darin ein weiteres Zeichen seines tukschen Erbes.3

  1. 1Der Herr der Ringe, Prolog, 1: Concerning Hobbits
  2. 2Der Hobbit, Kapitel 1: An Unexpected Party; Der Herr der Ringe, Anhang C, Family Trees
  3. 3Der Herr der Ringe, Anhang F, I: The Languages and Peoples of the Third Age; Der Herr der Ringe, Buch I, Kap. 1

Stämme, Häuser und Sippen

Für die Falbhäute selbst kennt die Überlieferung keine inneren Gliederungen. Weder aus dem Anduintal noch aus der Zeit der Wanderung sind Unterstämme, Geschlechter oder Häuptlinge mit Namen überliefert. Der Prolog behandelt den Stamm stets als Ganzes, und die einzigen Falbhäute, die er namentlich nennt, sind die beiden Gründer des Auenlandes, von denen schon die Rede war. Wo später von Häusern gesprochen wird, sind es Familien des vermischten Auenlandvolkes. Man bescheinigt ihnen einen falbhäutigen Einschlag, doch als Falbhäute im strengen Sinn gelten sie nicht.1

Unter diesen Häusern ragen die Tuks hervor. Ihr Stammsitz waren die Großen Smials in Buchenhain im Tukland, und das jeweilige Oberhaupt der Sippe führte den Titel des Thains. Dazu gehörte der Vorsitz im Auenlandthing und der Befehl über das Aufgebot und die bewaffnete Hobbitschaft, falls es je dazu kam. Vor den Tuks hatten die Altbocks das Amt innegehabt. Isumbras I. war bereits der dreizehnte Thain, zugleich aber der erste aus der tukschen Linie. Zur Zeit des Ringkrieges bekleidete Paladin II., der Vater Peregrins, diese Würde.2

Das zweite Haus, die Brandybocks, geht auf die Altbocks aus dem Bruch zurück. Gorhendad Altbock setzte über den Fluss und begann, das Brandyschloss zu graben. Dabei nahm er den Namen an, den seine Nachkommen fortan trugen. Sein Oberhaupt hieß Herr von Bockland und stand zugleich dem Schloss vor. Weil die Sippe aus dem Bruch stammte, wo das Erbe der Starren stark war, verbanden sich in ihr zwei Stämme. Ein reines Falbhautgeschlecht waren die Brandybocks daher ebenso wenig wie die Tuks.3

  1. 1Der Herr der Ringe, Prolog, 1: Concerning Hobbits
  2. 2Der Herr der Ringe, Prolog, 3: Of the Ordering of the Shire; Der Herr der Ringe, Anhang B, The Tale of Years; Der Herr der Ringe, Anhang C, Family Trees
  3. 3Der Herr der Ringe, Buch I, Kap. 5; Der Herr der Ringe, Prolog, 1: Concerning Hobbits

Rolle in der Erzählung

In der eigentlichen Handlung treten die Falbhäute nirgends auf. Ihr Name gehört dem erklärenden Rahmen an, also dem Prolog und den Anhängen, und nicht dem Geschehen selbst. Im „Hobbit“ fällt er überhaupt nicht. Dort wird Bilbos Unruhe allein seiner tukschen Seite zugeschrieben, die mit dem gesetzten Erbe der Beutlins ringt, und dieser innere Zwiespalt treibt die Geschichte an. Erst der Prolog zum „Herrn der Ringe“ gibt diesem Zug eine Vorgeschichte, indem er ihn auf einen alten, eigenen Stamm zurückführt. Was zunächst als Familienmerkmal erscheint, erhält so rückblickend eine Herkunft.1

Damit löst der Stamm ein erzählerisches Problem. Die Hobbits werden als Volk geschildert, das Abenteuer beargwöhnt und seine Grenzen selten überschreitet. Dass trotzdem gerade einige von ihnen hinausziehen, bedarf einer Begründung, und die Falbhäute liefern sie. Man kann die Hobbits, die im Roman die Initiative ergreifen, vor diesem Hintergrund lesen: Meriadoc, der den Aufbruch heimlich vorbereitet, oder Peregrin, dessen Neugier ihn in Isengart nach dem Palantir greifen lässt. Der Text stellt diese Verbindung nicht ausdrücklich her, legt sie aber durch den Prolog nahe.2

Im Gefüge des Buches stehen die Falbhäute für jene Seite des Hobbitwesens, die über das Auenland hinausweist, für die Offenheit gegenüber älteren Sprachen, Liedern und Völkern. Frodo verkörpert sie, wenn er die Elben um Gildor in ihrer eigenen Sprache anspricht. Die Erzählung macht dieses Erbe jedoch nicht zur Bedingung des Mutes. Samweis Gamdschie entstammt keinem der großen Häuser und erweist sich dennoch als standhaftester Gefährte des Ringträgers. So bleibt die Herkunft eine Erklärung für den Aufbruch, nicht aber für das, was die Hobbits auf dem Weg leisten.3

  1. 1Der Hobbit, Kapitel 1, An Unexpected Party; Der Herr der Ringe, Prolog, 1: Concerning Hobbits
  2. 2Der Herr der Ringe, Buch I, Kap. 5; Der Herr der Ringe, Buch III, Kap. 11
  3. 3Der Herr der Ringe, Buch I, Kap. 3; Der Herr der Ringe, Prolog, 1: Concerning Hobbits