Was geschah
Der Ringkrieg begann offen, als Saurons Heere aus Mordor Gondors Grenzverteidigung am Anduin überrannten, Osgiliath einnahmen und Faramir mit den Überlebenden nach Minas Tirith zurückdrängten, während zugleich Saruman von Isengart aus Rohan angriff. Kurz zuvor war die Gefährtenschaft, die den Ring nach Mordor tragen sollte, bei Amon Hen zerbrochen: Frodo Beutlin und sein Gefährte Sam Gamdschie zogen von da an allein weiter, verfolgt von der Spinne Kankra und den Häschern des Feindes, während Merry Brandybock und Pippin Tuk von Orks verschleppt, aber zu den Ents nach Fangorn geführt wurden, deren Angriff Isengart schließlich zu Fall brachte. Aragorn, Legolas und Gimli nahmen unterdessen die Verfolgung der Entführer auf, gelangten nach Rohan und halfen dort, den Angriff Sarumans in der Schlacht um Helms Klamm abzuwehren.
Den Höhepunkt der offenen Kriegsführung bildete Saurons Großangriff auf Minas Tirith: Die Stadt wurde von den Truppen des Nazgûl-Fürsten eingeschlossen und beschossen, Denethor verfiel der Verzweiflung, bis Théodens Reiterheer aus Rohan und kurz darauf Aragorn mit einer über den Anduin herangeführten Streitmacht, verstärkt durch Männer aus den südlichen Lehen, auf den Pelennor-Feldern eintrafen und die Belagerung sprengten; in dieser Schlacht fiel der Hexenkönig von Angmar durch die Hand Éowyns und Merrys. Um Sauron von seinem eigentlichen Verlust abzulenken, führte Gandalf die verbliebenen Streitkräfte des Westens zu einem aussichtslos wirkenden Vorstoß bis vor das Schwarze Tor, während Frodo und Sam, nachdem Sam seinen Herrn aus dem Turm von Cirith Ungol befreit hatte, unbemerkt durch das Kernland Mordors zum Schicksalsberg vordrangen.
Am Schicksalsberg entschied sich der Krieg endgültig: Der Ring wurde vernichtet, woraufhin Sauron seine Gestalt und Macht verlor, sein Turm einstürzte und seine Heere in Panik zusammenbrachen oder sich zerstreuten. Mit dem Sieg auf den Pelennor-Feldern und dem Fall Isengarts war der militärische Widerstand Saurons und seines Verbündeten Saruman im Westen bereits gebrochen; nach der Vernichtung des Rings brach auch der letzte organisierte Widerstand seiner Diener in Mordor zusammen. Aragorn wurde daraufhin als König von Gondor anerkannt, und mit dem Ende der Kämpfe ging das Dritte Zeitalter Mittelerdes seinem Abschluss entgegen.
Verlauf
Die Zeitrechnung des Roten Buches erlaubt es, den Ringkrieg in klar datierbare Abschnitte zu gliedern. Die Gefährten brachen am 25. Dezember 3018 von Bruchtal auf und durchquerten in den ersten Januartagen des folgenden Jahres die Minen von Moria, ehe die Gemeinschaft am 26. Februar 3019 bei Amon Hen zerfiel. Nur einen Tag zuvor, am 25. Februar, hatte Saruman seine berittenen Truppen gegen die Furten des Isen geführt und dort Théodred, den Sohn König Théodens, erschlagen – der erste offene Feldzug des Krieges nördlich des Weißen Gebirges und zugleich Auftakt zu Rohans unmittelbarer Bedrängnis.
In der Nacht vom 3. auf den 4. März wehrte Théodens Heer mit Unterstützung der aus dem Fangorn gesandten Verstärkung Sarumans Angriff auf Helms Klamm ab; zur selben Stunde ließen die Ents das Wasser des Isen in das Tal von Isengart einbrechen und legten Sarumans Festung endgültig lahm. Diese doppelte Niederlage beendete Sarumans Rolle als eigenständige Kriegspartei und band keine weiteren Kräfte Rohans, die fortan für den Zug nach Gondor frei wurden.
Im Süden nahm Aragorn unterdessen einen eigenen, abgesonderten Kriegsweg: Am Abend des 6. März verließ er mit Legolas, Gimli und einer Schar aus den Dúnedain des Nordens sowie Söhnen Elronds das Lager bei Dunharg und führte die Grauen Schar durch die Pfade der Toten, um den Fluch der Meineidigen zu lösen. Am 8. März erreichte er Pelargir am Anduin, überwältigte dort die anlandenden Korsaren von Umbar und gewann so nicht nur Schiffe, sondern auch die Männer der südlichen Lehen als Bundesgenossen, mit denen er wenig später stromauf nach Minas Tirith segelte.
Am 15. März erreichten die Kämpfe auf den Pelennor-Feldern ihren Höhepunkt, während zeitgleich im fernen Norden die Schlacht um Thal tobte: Die Streitkräfte Erebors und Thals unter König Brand und Dáin Eisenfuß wurden von einem Heer aus Rhûn angegriffen; beide Herrscher fielen im Kampf, und die Überlebenden zogen sich zur Belagerung in die Bergfeste Erebor zurück. Diese nördliche Front blieb während der gesamten Schlussphase des Krieges bestehen, ohne dass Entsatz aus dem Süden möglich gewesen wäre.
Nachdem sich die Lage vor Minas Tirith zugunsten des Westens gewendet hatte, brach das gesammelte Heer der Verbündeten am 18. März zum Marsch auf das Schwarze Tor auf und stellte sich dort am 25. März vor Sauron zur Schlacht, um Zeit für Frodos letzten Weg zum Schicksalsberg zu gewinnen. Noch während dieser Schlacht am Morannon vollzog sich die Vernichtung des Rings, deren Folgen den Krieg binnen weniger Stunden entschieden.
Ein letzter, kleinerer Kriegsschauplatz eröffnete sich erst Monate später und weit vom eigentlichen Kampfgeschehen entfernt: Als die vier Hobbits im Herbst 3019 ins Auenland zurückkehrten, fanden sie es von Sarumans Schergen unter der Führung eines gewissen Scharrer besetzt vor. In der Schlacht von Wasser bei Wodenswang, die von den Hobbits selbst geschlagen wurde, endete auch dieser letzte Ausläufer des Ringkrieges, und mit der Wiederherstellung der Ordnung im Auenland schloss sich der Kreis der Ereignisse, die im Roten Buch als Der Ringkrieg festgehalten sind.
Kriegsparteien und Anführer
Der Ringkrieg war im Kern eine Auseinandersetzung zwischen Sauron und einem Bündnis der freien Völker des Westens, doch traten auf beiden Seiten mehrere eigenständige Mächte auf. Sauron befehligte seine Truppen nicht selbst, sondern durch den Hexenkönig von Angmar als Oberbefehlshaber der Heere Mordors; ihm zur Seite standen Scharen aus Rhûn und Harad mit ihren Kriegselefanten sowie die Korsaren von Umbar. Auf westlicher Seite standen Gondor unter Truchsess Denethor II., dessen Befehl in der belagerten Stadt zunehmend auf Gandalf überging, und Rohan unter König Théoden, nach dessen Fall auf den Pelennor-Feldern sein Neffe Éomer die Führung übernahm. Aragorn, der zunächst nur eine kleine Schar aus nordischen Waldläufern und Söhnen Elronds anführte, gewann durch die Lösung der Meineidigen zusätzliche Streitkräfte und trat in Gondor als eigenständiger Heerführer neben Denethors Haus.
Fernab der großen Schlachtfelder wehrten Lothlórien und das Reich Thranduils im Düsterwald wiederholte Angriffe aus Dol Guldur ab, ohne dass diese Kämpfe mit dem Zug nach Minas Tirith verbunden waren; nach dem letzten Angriff führte Celeborn eine Streitmacht über den Anduin, die Dol Guldur einnahm, während Galadriel dessen Mauern niederwarf. Im äußersten Norden bildeten die Zwerge Erebors und die Männer von Thal unter eigener Führung ein von den übrigen Kriegsschauplätzen unabhängiges Bündnis gegen die Angreifer aus Rhûn.
Nicht alle Fronten blieben während des Krieges beständig. Saruman, einst Haupt des Weißen Rates, hatte sich Sauron als Verbündeter angeschlossen, verfolgte dabei aber, wie sich zeigte, eigene Pläne zur Erlangung des Rings; mit dem Fall Isengarts schied er als Kriegspartei aus. Einen noch unsteteren Weg nahm Sméagol, genannt Gollum: von Saurons Dienern gefangen und verhört, entkam er ihnen, diente Frodo und Sam eine Zeit lang als Führer durch Mordor, verriet sie zugleich an die Spinne Kankra und griff schließlich am Schicksalsberg selbst nach dem Ring – ein Eingreifen, das den Ausgang des Krieges mitentschied.
Folgen
Mit Saurons Sturz endete das Dritte Zeitalter, und im Roten Buch beginnt von da an die Zählung des Vierten Zeitalters, das als Zeitalter der Menschen galt. Aragorn, als König Elessar gekrönt, vereinigte die seit Jahrhunderten getrennten Reiche Arnor und Gondor wieder zu einem einzigen Königreich und zog neue Grenzen bis an alte nördliche Marken. Mit den Völkern aus Harad und Rhûn, die an Saurons Seite gekämpft hatten, wurden Friedensverträge geschlossen, die ihre Feindschaft mit dem Westen beendeten, während Rohan als eigenständiges, mit Gondor auf Dauer verbündetes Reich bestätigt wurde.
Mit der Vernichtung des Einen Rings verloren auch die Drei Ringe der Elben ihre Kraft, an die ihr Wirken gebunden war, und die von ihnen bewahrten Zufluchtsorte begannen zu verblassen. In den folgenden Jahren verließen die Träger der Elbenringe, zuletzt Elrond und Galadriel, Mittelerde über die Grauen Anfurten gen Westen; Bruchtal und Lothlórien blieben ohne ihre Hüter zurück und schwanden allmählich dahin. Damit endete die Zeit der Elben als bestimmende Macht in Mittelerde, und die kommenden Zeitalter gehörten fortan den sterblichen Völkern.
Im Auenland fand auch das Schicksal Sarumans sein Ende: Von seinem eigenen Diener, den man Schlangenzunge nannte, erschlagen, verschwand mit ihm der letzte offene Widersacher aus dem Krieg. Das Auenland selbst wurde fortan als Freies Land unter dem Schutz des wiederhergestellten Königtums anerkannt, blieb dabei aber selbstverwaltet, und Menschen war der Zutritt ohne besondere Erlaubnis untersagt. Zugleich entstanden neue Bande zwischen den Völkern: Gimli gründete mit einer Schar der Zwerge eine Ansiedlung in den Glitzernden Grotten bei Helms Klamm, während Legolas Elben aus dem Düsterwald nach Ithilien führte, das unter Gondors Schutz neu besiedelt wurde.
In der Erzählung
Erzählt wird der Ringkrieg im Werk selbst als nachträglich verfasste Chronik: Das Rote Buch der Westmark, begonnen von Bilbo und fortgeführt von Frodo und Sam Gamdschie, gibt sich als die Quelle aus, der die gesamte Darstellung entstammt. Damit rückt die Erzählperspektive konsequent zu den Hobbits – Figuren, die selbst nur einen winzigen Ausschnitt des Geschehens erleben und lange über den Fortgang der großen Schlachten im Unklaren bleiben. Erst durch die Bauform des Werks, das die Wege der Gefährten nach der Trennung bei Amon Hen in getrennten Büchern nebeneinanderführt und erst spät wieder zusammenschließt, erhält der Leser ein Bild, das keiner der Beteiligten selbst je in dieser Vollständigkeit besaß.
Diese Anlage dient einem erzählerischen Zweck: Die offenen Feldzüge und Belagerungen, so ausführlich sie geschildert werden, bilden im Aufbau des Werks bewusst nur die Bühne, vor der sich die eigentlich entscheidende, unheroische Tat vollzieht. Gandalfs Vorstoß vor das Schwarze Tor ist als Ablenkungsmanöver erzählt, das die Aufmerksamkeit Saurons – und zugleich die des Lesers – von zwei kaum bemerkten Wanderern abziehen soll, während Erbarmen und Zufall, verkörpert in Sméagol, den Ausgang bestimmen, wo Waffen und Zahl der Heere versagt hätten. Der Krieg wird so weniger als Beweis kriegerischer Größe denn als Rahmen erzählt, der die Grenzen dessen offenlegt, was durch reine Macht überhaupt erreichbar ist.
Innerhalb der erzählten Welt beginnt der Krieg schon während seines Verlaufs, sich in Überlieferung zu verwandeln: Lieder auf den Marsch der Ents, auf den Ritt der Rohirrim oder auf den Fall des Hexenkönigs entstehen noch unter den unmittelbar Beteiligten und zeigen, wie rasch Ereignisse zu Stoff der Dichtung werden, ehe sie überhaupt als Geschichte abgeschlossen sind. Dass der Krieg das Auenland selbst nicht unberührt lässt, sondern sich dort in der stillen, kleinteiligen Form der Besetzung durch Scharrer und seine Schergen fortsetzt, rückt am Ende der Erzählung noch einmal die Hobbitperspektive in den Vordergrund: Der große Krieg wird zuletzt an seinen Folgen für die Unscheinbarsten gemessen, nicht an seinen Schlachten.
Entwürfe und Fassungen
In den Entwürfen, die postum als Treason of Isengard veröffentlicht wurden, war der Ringkrieg in seinem späteren Ausmaß noch nicht angelegt. Tolkien plante zunächst eine deutlich schlankere Fortsetzung des Hobbit; Rohan, Isengart und ein eigenständiges, mit Sauron verbündetes Reich Sarumans gewannen erst im Zuge mehrerer Überarbeitungen an Kontur. Die unter dem Titel „The Story Foreseen from Fangorn“ gesammelten Entwurfsnotizen zeigen, wie Tolkien Umfang und Ablauf der Kämpfe erst in mehreren Anläufen festlegte. Auch das zeitliche Ineinandergreifen der Handlungsstränge – der Ritt der Rohirrim, die Schlacht um Helms Klamm und die Belagerung von Minas Tirith – wurde mehrfach umgestellt, ehe Tolkien die im veröffentlichten Werk vorliegende, parallel geführte Chronologie fand.
Auch der Ausklang des Krieges im Auenland blieb lange unbestimmt. In den Entwürfen zu Sauron Defeated war zunächst offen, wer als Anführer die Besetzung des Auenlandes befahl; erst spät legte Tolkien fest, dass hinter der als „Scharrer“ auftretenden Gestalt der entmachtete Saruman steckte, den man zuvor bereits als aus dem Krieg ausgeschieden betrachtet hatte. Ebenso erprobte Tolkien für die Schlussszene am Schicksalsberg mehrere unterschiedliche Fassungen des Herganges, ehe er zu der im veröffentlichten Text vorliegenden Form fand, in der Gollums Sturz mit dem Ring den Ausgang entscheidet.