Herkunft und Namen

Frodo Beutlin wurde am 22. September des Jahres 2968 des Dritten Zeitalters geboren – auf den Tag genau achtundsiebzig Jahre nach seinem älteren Vetter Bilbo, mit dem er zeitlebens den Geburtstag teilte. Seine Eltern waren Drogo Beutlin und Primula, eine geborene Brandybock; in ihm verband sich damit das behäbige Ansehen der Beutlins von Hobbingen mit dem Blut zweier Familien, die im Auenland als sonderbar und abenteuerlustig galten, der Brandybocks und der Tuks. Als Frodo zwölf Jahre alt war, ertranken seine Eltern bei einem Bootsunglück auf dem Brandywein, und er wuchs fortan bei der mütterlichen Verwandtschaft in Bockland auf. Im Alter von einundzwanzig Jahren nahm ihn Bilbo als Erben an und holte ihn zu sich nach Beutelsend, wo Frodo von da an lebte.

Dem Volk nach ist Frodo ein Hobbit; seine Muttersprache ist das Westron, die Gemeinsprache des westlichen Mittelerde. Der Name Frodo ist – der Übersetzungsfiktion der Anhänge zufolge – keine ursprüngliche Namensform, sondern eine dem Englischen angeglichene Wiedergabe: Männliche Hobbitnamen endeten im Westron auf -a, und Tolkien gibt als Beispiel an, dass hinter Bilbo eigentlich die Form Bilba steht. Entsprechend ist auch Frodos Rufname als angepasste Form eines solchen Westron-Namens zu verstehen. Eine elbische Herleitung besitzt der Name nicht; er wird schlicht nach englischer Art gesprochen, ohne dass eine der Ausspracheregeln für die Elbensprachen anzuwenden wäre.

Mehrere Bei- und Decknamen kamen im Lauf seiner Geschichte hinzu. Auf Gandalfs Rat hin verbarg Frodo bei seinem Aufbruch aus dem Auenland den auffälligen Familiennamen und reiste als Herr Unterberg; unter diesem Namen trat er im Gasthaus zu Bree auf. Nachdem er sich in Bruchtal bereit erklärt hatte, den Einen Ring nach Mordor zu tragen, wurde Ringträger zu seiner eigentlichen Bezeichnung – weniger ein Ehrentitel als der Name seines Auftrags, unter dem ihn Elben und Menschen fortan kannten. In den Liedern, die noch während des Ringkrieges über seine Tat entstanden, wird er schließlich als Frodo mit den neun Fingern besungen, nach der Verwundung, die ihm der Weg auferlegte.

Geschichte

Frodo Beutlin wurde am 22. September des Jahres 2968 des Dritten Zeitalters geboren, als einziges Kind von Drogo Beutlin und Primula Brandybock. Nachdem seine Eltern im Jahr 2980 bei einem Bootsunglück auf dem Brandywein ertrunken waren, wuchs er unter den Brandybocks in Bockland auf. 2989 nahm ihn sein wohlhabender Vetter Bilbo als Erben an und holte ihn nach Beutelsend in Hobbingen. Dort lebte Frodo zwölf Jahre an Bilbos Seite, bis dieser bei seinem Abschiedsfest im Jahr 3001 – am gemeinsamen Geburtstag der beiden – das Auenland verließ. Frodo erbte Beutelsend samt Bilbos Vermögen und, ohne dessen Natur zu kennen, auch den Ring, den Bilbo einst aus den Nebelbergen mitgebracht hatte.

Im April 3018 eröffnete ihm Gandalf nach langen Nachforschungen, dass sein Erbstück der Eine Ring Saurons war, und riet ihm, das Auenland zu verlassen. Frodo verkaufte Beutelsend an die Sackheim-Beutlins und brach am 23. September mit Sam Gamdschie und Pippin Tuk nach Osten auf, bereits verfolgt von den Schwarzen Reitern. Über den Alten Wald, das Haus Tom Bombadils und die Hügelgräberhöhen erreichte die kleine Gesellschaft, inzwischen um Merry Brandybock erweitert, Bree, wo Frodo unter dem Decknamen Unterberg auftrat und den Waldläufer Streicher als Führer gewann. Auf der Wetterspitze wurde er in der Nacht des 6. Oktober vom Anführer der Ringgeister mit einer Morgul-Klinge verwundet; schwer krank entkam er über die Furt des Bruinen und wurde in Bruchtal von Elrond geheilt.

Auf dem Rat von Elrond, der über das Schicksal des Rings beriet, erbot sich Frodo aus freien Stücken, ihn zum Schicksalsberg zu tragen. Am 25. Dezember 3018 verließ er Bruchtal an der Spitze der neun Gefährten. In den Minen von Moria rettete ihn das Mithrilhemd, das Bilbo ihm geschenkt hatte, vor einem Speerstoß der Orks; in Lothlórien gewährte ihm Galadriel einen Blick in ihren Spiegel und gab ihm beim Abschied ein Glas mit dem Licht Earendils. Am 26. Februar 3019 versuchte Boromir auf dem Amon Hen, den Ring an sich zu bringen. Frodo entschloss sich daraufhin, allein weiterzugehen, doch Sam ließ sich nicht abweisen und begleitete ihn über den Anduin nach Osten.

Im Steinlabyrinth der Emyn Muil stellten die beiden Hobbits Gollum, der ihnen seit Moria gefolgt war. Frodo nahm ihm einen Schwur auf den Ring ab und machte den Verlorenen zu seinem Führer – eine Milde, die aus dem eigenen Verständnis für die Last des Rings erwuchs. Gollum leitete sie durch die Totensümpfe zum verschlossenen Schwarzen Tor und von dort auf Umwegen nach Ithilien, wo Faramir die beiden aufgriff und schließlich ziehen ließ. Am Pass von Cirith Ungol verriet Gollum seinen Herrn an die Spinne Kankra; ihr Stich lähmte Frodo, und Orks trugen den scheinbar Toten in ihren Turm. Sam, der den Ring an sich genommen hatte, befreite ihn und gab ihm die Bürde zurück.

Der Marsch durch die Ebene von Mordor zehrte Frodo bis an den Rand seiner Kräfte aus; zuletzt trug Sam ihn die Hänge des Schicksalsberges hinauf. In den Sammath Naur versagte Frodos Wille am Ziel: Er beanspruchte den Ring für sich und streifte ihn über. Da fiel Gollum über ihn her, biss ihm den Finger samt Ring ab und stürzte mit seinem Schatz in die Feuerklüfte – so wurde der Ring am 25. März 3019 vernichtet und Saurons Reich brach zusammen. Die Adler trugen die beiden Hobbits aus dem untergehenden Land, und auf dem Feld von Cormallen ehrten die Heere des Westens den Ringträger, dem die Sänger fortan den Namen Frodo mit den neun Fingern gaben.

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Schicksal

Nach Monaten in Gondor und auf der Heimreise fand Frodo im November 3019 das Auenland von Sarumans Leuten besetzt vor. An der Befreiung wirkte er vor allem mäßigend mit, indem er Blutvergießen und Rache an den Gefangenen zu verhindern suchte, und versah danach eine Zeitlang das Amt des stellvertretenden Bürgermeisters, ehe er sich zurückzog. Doch die alten Wunden – der Morgul-Splitter, Kankras Stich und der Verlust des Rings – ließen ihn nicht los; an ihren Jahrestagen erkrankte er schwer. Er ordnete Bilbos Aufzeichnungen, schrieb den Bericht vom Ringkrieg im Roten Buch nieder und übergab es Sam. Im September 3021 verließ er das Auenland und segelte am 29. September mit Bilbo, Gandalf, Elrond und Galadriel von den Grauen Anfurten über das Meer in den Westen, um dort Heilung zu finden.

Rolle und Fähigkeiten

Frodo Beutlin ist die tragende Gestalt des Herrn der Ringe: der Ringträger, dem die Aufgabe zufällt, den Einen Ring aus dem Auenland fortzuschaffen und ihn schließlich zum Schicksalsberg zu bringen. Diese Rolle wächst ihm in zwei Schritten zu — zunächst übernimmt er den Ring als Erbe Bilbos, nachdem Gandalf dessen wahre Natur erkannt hat; beim Rat von Elrond in Bruchtal meldet er sich dann aus freien Stücken für den Gang nach Mordor, obwohl er die Größe der Aufgabe kaum ermessen kann. Er ist damit kein Held im herkömmlichen Sinn, sondern ein Träger: Seine Bedeutung liegt nicht in Kampfkraft oder Herrschaft, sondern im Aushalten einer Last, die stärkere Figuren wie Gandalf oder Galadriel gerade wegen ihrer Macht nicht übernehmen dürfen.

Eigene übernatürliche Kräfte besitzt Frodo nicht; was er mitbringt, sind hobbittypische Zähigkeit und eine ungewöhnliche innere Widerstandskraft gegen die Verlockung des Rings. Trägt er den Ring, wird er für gewöhnliche Augen unsichtbar, tritt damit aber zugleich in die Schattenwelt der Ringgeister und wird für Sauron wahrnehmbar. Im Verlauf der Reise schärft sich seine Wahrnehmung: Auf dem Amon Hen erlebt er einen weitreichenden Blick über die Länder und ein Ringen zweier Mächte um seinen Willen, und Sam nimmt an ihm zunehmend eine Art inneres Leuchten wahr. Gegen die Dunkelheit von Kankras Lauer steht ihm zudem das Phiol Galadriels bei, ein Geschenk, dessen Licht nicht seine eigene Macht ist.

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Schicksal

Ebenso deutlich zeichnet die Erzählung die Grenzen dieser Gestalt. Die Wunde von der Klinge des Hexenkönigs an der Wetterspitze heilt nie vollständig, und die Last des Rings zehrt auf dem Weg durch Mordor zunehmend an Leib und Willen, bis Frodo kaum noch Erinnerung an Licht und Geschmack besitzt. Am Ziel selbst versagt sein Wille: In den Sammath Naur beansprucht er den Ring für sich, und die Vernichtung gelingt nur durch Gollums Eingreifen — dem Umstand, dass Frodo und Bilbo ihn zuvor verschont hatten. Auch danach bleibt er versehrt; alte Wunden und der Verlust des Rings lassen ihn in Mittelerde keinen dauerhaften Frieden mehr finden, weshalb ihm als Ringträger die Fahrt über das Meer gewährt wird.

Beziehungen

Frodos früheste Bindungen standen im Zeichen eines Verlusts: Seine Eltern Drogo Beutlin und Primula Brandybock kamen bei einem Bootsunglück auf dem Brandywein um, als er noch ein Kind war, und er wuchs zunächst bei der Verwandtschaft seiner Mutter in Bockland auf. Entscheidend wurde die Annahme durch seinen deutlich älteren Vetter Bilbo, der den Waisen nach Beutelsend holte und zu seinem Erben machte; beide teilten überdies denselben Geburtstag, den 22. September. Von Bilbo übernahm Frodo nicht nur Haus und Vermögen, sondern auch die Neigung zu elbischer Überlieferung, den Ruf eines wunderlichen Junggesellen — und schließlich den Ring selbst, womit die Erbfolge zur Nachfolge in einer Bürde wurde.

Unter den Verbündeten ragt Gandalf als Ratgeber heraus: Er deckte die wahre Natur des Rings auf und traute Frodo eine Aufgabe zu, die dessen Kräfte scheinbar überstieg. Dass Frodo sie dennoch tragen konnte, lag an der Treue, die er weckte, ohne sie einzufordern — am deutlichsten bei Sam Gamdschie, seinem Gärtner, der vom Dienstboten zum unentbehrlichen Gefährten wurde und ihn am Ende die Hänge des Schicksalsbergs hinauftrug. Merry Brandybock und Pippin Tuk wiederum durchschauten seine Pläne, ehe er sie aussprach, und weigerten sich schlicht, ihn allein ziehen zu lassen. Auch das Vertrauen, das Frodo in Bree dem zwielichtig wirkenden Streicher entgegenbrachte, erwies sich als richtig und band ihm einen der wichtigsten Beschützer der Fahrt zu.

Die aufschlussreichste Beziehung ist zugleich die dunkelste: Gollum, sein Vorgänger als Träger des Rings, war Feind, Führer und Spiegelbild in einem. Frodo, der Bilbos einstige Schonung des Elenden zunächst nicht begriffen hatte, brachte ihm im Ödland vor Mordor selbst Mitleid entgegen, nahm ihn als Wegweiser an und nannte ihn bei seinem alten Namen Sméagol. Gollum verriet ihn dennoch an Kankra und fiel ihn zuletzt in den Sammath Naur an, wo er ihm den Ringfinger abbiss — und gerade dadurch vollendete, was Frodo aus eigener Kraft nicht mehr vermochte. In diesem Verhältnis verdichtet sich, was die Figur ausmacht: Erbarmen als Entscheidung, deren Folgen niemand absehen kann.

Entwürfe und Varianten

In den frühesten Entwürfen zur Fortsetzung des Hobbit, die Christopher Tolkien in The Return of the Shadow dokumentiert hat, trug der Held noch nicht den Namen Frodo. Tolkien nannte ihn zunächst Bingo und erwog anfangs sogar, ihn als Bilbos Sohn anzulegen, ehe er sich dagegen entschied, Bilbo eine Heirat zuzuschreiben; aus Bingo wurde daraufhin ein jüngerer Verwandter und Adoptiverbe, meist mit dem Doppelnamen Bingo Bolger-Baggins. Die Figur war in dieser Phase noch deutlich komischer gezeichnet und stand Bilbo im Ton des Hobbit nahe, denn das volle Gewicht des Rings war der Erzählung noch nicht eingeschrieben. Bemerkenswert ist, dass der Name Frodo in diesen Fassungen bereits vorkam, allerdings für einen der jungen Hobbits aus Bingos Begleitung aus der Familie Tuk.

Erst im Verlauf der Arbeit, als die Geschichte ernster und dunkler wurde und der Ring zum Erbstück Saurons heranwuchs, übertrug Tolkien den Namen Frodo auf den Protagonisten selbst; er hielt in seinen Notizen fest, dass der Name Bingo für die Erzählung, zu der das Buch geworden war, nicht mehr tragbar sei. Mit der Umbenennung wandelte sich auch der Charakter: Aus dem gutgelaunten Ausflügler der ersten Kapitelentwürfe wurde allmählich der belastete Ringträger der Endfassung. Zugleich ordnete Tolkien den Kreis der Gefährten mehrfach neu, wobei Namen wie Odo und Marmaduke wieder verschwanden oder auf andere Figuren übergingen; die endgültige Konstellation um Frodo entstand erst in späteren Arbeitsschichten.

Die Figur in Adaptionen

In Peter Jacksons Filmtrilogie (2001–2003) wird Frodo von Elijah Wood verkörpert. Die Filme weichen in mehreren Punkten von der Vorlage ab: Frodo erscheint deutlich jünger als der fünfzigjährige Hobbit des Buches, und die siebzehn Jahre, die zwischen Bilbos Abschiedsfest und Frodos Aufbruch aus dem Auenland liegen, sind stark gerafft. Die Episoden im Alten Wald und bei Tom Bombadil entfallen vollständig; an der Bruinen-Furt wird der verwundete Frodo nicht von Glorfindel, sondern von Arwen nach Bruchtal gebracht, während er im Buch allein auf dem Elbenpferd reitet. Neu hinzuerfunden ist die Szene, in der Frodo auf den Treppen von Cirith Ungol Sam fortschickt, nachdem Gollum die beiden gegeneinander ausgespielt hat. Die Befreiung des Auenlandes nach der Rückkehr fehlt in der Filmfassung, sodass Frodos Heimat unversehrt bleibt.

Frühere Adaptionen besetzten die Rolle unterschiedlich: In Ralph Bakshis Zeichentrickfilm von 1978, der die Handlung nur bis zur Schlacht um Helms Klamm führt, sprach Christopher Guard den Frodo; im Fernseh-Zeichentrickfilm der Studios Rankin/Bass zu den Ereignissen des dritten Bandes (1980) übernahm Orson Bean die Rolle. In der umfangreichen BBC-Hörspielfassung von 1981 sprach Ian Holm den Frodo — derselbe Schauspieler, der zwei Jahrzehnte später in Jacksons Filmen den alten Bilbo darstellte. Auch im deutschen Sprachraum entstand Anfang der 1990er Jahre eine mehrteilige Hörspielbearbeitung des Romans mit Frodo als Erzähl- und Hauptfigur.