Herkunft und Namen

Gram steht als achter Träger der Krone in der ersten Linie der Könige der Mark, jener Reihe, die der Anhang zum Herrn der Ringe unter dem Haus Eorls führt. Er war der Sohn Déors und wurde im Jahre 2668 des Dritten Zeitalters geboren. Bis zu dieser Stelle lief die Erbfolge ungebrochen vom Vater auf den Sohn, sodass sich Grams Abkunft ohne Zwischenglied bis auf Eorl den Jungen zurückführen lässt, den ersten König; und nach ihm setzte sich die Reihe in seinem Sohn Helm fort. Die Aufzeichnung, die ihn festhält, ist knapp: eine Ordnungszahl, ein Name, zwei Jahreszahlen. Was seine Person auszeichnete, welchen Ruf er trug, wie er aussah — davon schweigen die überlieferten Stellen.

Der Name selbst gehört einer eigenen Ordnung an. Tolkien erklärt im Anhang über die Übersetzung, dass er die Sprache der Rohirrim durchweg in altenglischer Gestalt wiedergegeben habe, um ihr Verhältnis zur Gemeinsprache des Westens sichtbar zu machen; die Namen der Mark sind daher keine Erfindungen aus dem Nichts, sondern echte Wörter einer alten germanischen Sprachstufe. „Gram“ ist im Altenglischen ein Adjektiv und bezeichnet den Zornigen, Grimmigen, den feindselig Gesinnten — dieselbe Wurzel, die im Deutschen als „gram“ fortlebt. Das Werk selbst deutet den Namen nirgends aus; die Bedeutung ergibt sich allein aus dem sprachlichen Befund, und ob sie auf das Wesen des Trägers zielte oder bloß als ererbter Klang weitergegeben wurde, bleibt offen. Auffällig ist, dass Gram, anders als Aldor der Alte oder Helm Hammerhand, in den Annalen ohne jeden Beinamen erscheint.

Von Volk und Herkunft her war Gram ein Rohirrim, ein Angehöriger jenes Reitervolkes, das sich selbst die Eorlingas nannte und sein Land schlicht die Mark, während Gondor von Rohan sprach. Dieses Volk stammte aus dem Norden, aus den Tälern nahe den Quellen des Anduin, wo es als Éothéod gesessen hatte, ehe Eorl im Jahre 2510 dem Hilferuf Gondors folgte und dem Volk mit der Ebene von Calenardhon eine neue Heimat gewann. Als Gram geboren wurde, lagen gut anderthalb Jahrhunderte zwischen jenem Aufbruch und seiner Zeit; er wuchs in ein längst eingerichtetes Reich hinein, dessen Königssitz in Edoras stand.

Herrschaft und Zeitgeschichte

Als Déor im Jahre 2718 starb, fiel die Krone an seinen Sohn. Gram war zu diesem Zeitpunkt fünfzig Jahre alt — ein Alter, das in dieser Reihe nichts Ungewöhnliches hatte, seit die überaus lange Regierung Aldors des Alten die Thronfolge gleichsam nach hinten verschoben und den nachfolgenden Erben die Krone regelmäßig erst in reifen Jahren zugeführt hatte. Das Reich, das er übernahm, war seit gut zweihundert Jahren in Calenardhon eingerichtet und hatte in dieser Zeit keinen Krieg von der Art erlebt, der Königreiche stürzt. Wohl aber hatte sich unter Déor an der Westgrenze etwas festgesetzt, das nicht mehr wegging: Im Jahre 2710 nahmen die Dunländer den verlassenen Mauerring von Isengart in Besitz, und die Mark besaß nicht die Kraft, sie daraus zu vertreiben. Diese Lage erbte Gram mit dem Thron.

Seine Regierung währte dreiundzwanzig Jahre, von 2718 bis 2741. Für diesen ganzen Zeitraum nennt die Zeittafel des Anhangs kein einziges Ereignis, das die Mark beträfe; zwischen dem Verlust Isengarts und dem großen Einfall des Jahres 2758 bleibt die Jahresreihe für Rohan leer. Auch die Königsliste selbst, die anderen Trägern der Krone einen Satz, einen Beinamen oder einen Nachruf gönnt, gibt bei Gram nichts als die Ordnungszahl und die beiden Jahreszahlen. Man muss diese Stille richtig lesen: Sie ist kein Urteil über den König, sondern eine Eigenschaft der Quelle. Der Anhang ist eine gedrängte Zusammenfassung, die nach Wendepunkten auswählt; wo nichts einbrach, notiert er nichts. Eine ereignisarme Regierung ist in einem solchen Register von einer bloß unbezeugten nicht zu unterscheiden.

Was sich in eben diesen Jahren im Westen der Mark zusammenzog, lässt sich immerhin aus dem erschließen, was kurz nach Grams Tod bezeugt ist. Die Grenze des Reiches wurde dort nicht am Isen, sondern am Adorn gezogen, und die Leute, die zwischen den beiden Flüssen saßen, waren gemischter Herkunft und den Königen in Edoras nie ganz zugetan. In dieser Landschaft hatte ein Mann namens Freca eine Stellung aufgebaut, die ihn beinahe unabhängig machte: weite Güter zu beiden Seiten des Adorn, eine Feste nahe dessen Quellen und der Anspruch, von Fréawine abzustammen, dem fünften König. Der Anhang führt ihn erst unter Grams Nachfolger ein, im Zusammenhang jener Ratsversammlung, die für Freca tödlich endete. Datiert wird sein Aufstieg nirgends — vorausgesetzt aber wird er, und die Jahre, in denen er stattgefunden haben muss, sind Grams Jahre.

Gram starb 2741 im Alter von dreiundsiebzig Jahren. Über die Umstände schweigt die Überlieferung; man darf allenfalls anmerken, dass der Anhang es sonst zu vermerken pflegt, wenn ein König der Mark im Feld fiel oder eines auffälligen Todes starb — Folca kam durch einen Eber um, Helm erfror in der Belagerung, Haleth fiel vor den Toren. Bei Gram fehlt jeder solche Zusatz. Ihm folgte sein Sohn Helm, geboren im Jahre 2691, als Gram selbst dreiundzwanzig zählte und dessen Großvater Goldwine noch regierte. Auch der neunte König bestieg den Thron mit fünfzig Jahren, genau wie sein Vater; drei Generationen des Hauses Eorl lebten in diesen Jahrzehnten nebeneinander, ehe die Krone weiterging.

Im Rückblick markiert Grams Regierung die letzte geschlossene Friedensstrecke der ersten Königslinie. Siebzehn Jahre nach seinem Tod brach zusammen, was seine Zeit noch getragen hatte: Dunländer unter Wulf, dem Sohn Frecas, fielen mit Verbündeten aus dem Osten in die Mark ein, Edoras ging verloren, der Lange Winter von 2758 auf 2759 tat das Übrige, und mit Helm und dessen Söhnen erlosch die Reihe, die von Eorl über neun Träger gelaufen war; die Krone ging an Fréaláf, den Sohn von Helms Schwester, und mit ihm begann die zweite Linie. Gram gehört damit zu jener Gruppe von Herrschern, deren geschichtliche Bedeutung fast ganz in ihrer Stellung liegt: Er hält den Platz zwischen dem Verlust Isengarts und der Katastrophe, die daraus erwuchs. Dass die Quellen ihm keine eigene Tat zuschreiben, ist der ehrlichste Befund, den dieser Artikel bieten kann.

Rolle im Legendarium: Amt, Vollmacht und ihre Grenzen

Grams Bedeutung liegt vollständig in einem Amt, nicht in Taten, und der Umfang dieses Amtes lässt sich aus dem Anhang genau bestimmen. Der König der Mark war Herr über das Land, das Cirion, der Truchsess von Gondor, dem Volk Eorls überlassen hatte, und diese Übergabe war an eine Zusage gebunden: Die Reiter schuldeten Gondor Beistand im Krieg, wie Gondor ihnen. Der König hielt seinen Hof in der Halle Meduseld, sprach dort Recht, nahm die Gefolgschaft der Herren des Landes entgegen und führte die versammelte Reiterei im Feld persönlich an. Ein sichtbares Vorrecht kam hinzu, das an keinen anderen überging: Die Mearas, jene Pferde, die von Felaróf abstammten, den Eorl gebändigt hatte, duldeten keinen Reiter außer dem König der Mark und dessen Söhnen. Gram war folglich Träger all dieser Befugnisse — dass er eine von ihnen ausgeübt hätte, ist nirgends bezeugt.

Die posthum herausgegebenen Schriften zeichnen den Rahmen genauer, in dem ein König dieser Jahre stand. Der Eid, den Cirion und Eorl einander leisteten, band nicht nur die Schwörenden, sondern deren Erben, und wurde an einem geweihten Ort gesprochen; er bildete die eigentliche Rechtsgrundlage des Reiches. Die Verteidigung der Mark war in Bezirke gegliedert, denen Marschälle vorstanden, die für den König verantwortlich waren, wobei in der Zeit der ersten Königslinie der Bezirk um Edoras dem König selbst unterstand. Damit sind zugleich die Grenzen der Vollmacht benannt: Es gab kein stehendes Heer, sondern ein Aufgebot, das aus verstreut liegenden Höfen und Tälern erst zusammengerufen werden musste und dafür Zeit brauchte, und die Macht des Königs beruhte auf der Treue der Landbesitzer, nicht auf einem Verwaltungsapparat, der ohne sie ausgekommen wäre.

Von Fähigkeiten im Sinne besonderer Gaben ist bei Gram wie bei allen Königen der Mark nichts zu berichten. Die Rohirrim waren sterbliche Menschen ohne Anteil am númenórischen Erbe, ihre Lebensspannen gewöhnlich; dass ein König wie Aldor über hundert Jahre erreichte, blieb die Ausnahme, und Grams Alter fügt sich in den Durchschnitt der Reihe. Ihm wird keine Waffe zugeschrieben, kein benanntes Pferd, kein Rat, kein Ausspruch. Wer über seine persönliche Wirkungskraft etwas behaupten wollte, müsste vom Amt auf den Mann schließen — ein Verfahren, das für eine ereignisarm überlieferte Regierung nichts trägt. Der belastbare Befund lautet: Gram verfügte über die Vollmachten eines Königs der Mark in einer Zeit, in der sie, soweit die Quellen reichen, nicht auf die Probe gestellt wurden.

Verwandtschaft und Verbindungen

Der Anhang verzeichnet Gram in einer Kette, die ausschließlich aus Männern besteht. Vater und Sohn sind benannt, Großvater und Enkel lassen sich anschließen — die Frau aber, aus der sein Erbe hervorging, trägt keinen Namen, und ebenso wenig erfährt man, wer Grams Mutter war. Das ist keine Eigenheit seines Falles: Für die gesamte erste Linie der Könige der Mark ist keine einzige Gemahlin überliefert; das Register führt die Krone weiter, nicht den Haushalt. Eine Tochter Grams jedoch ist bezeugt, wenn auch nur mittelbar: Hild, die der Anhang als Schwester Helms einführt. Von ihr stammte Fréaláf, mit dem die Herrschaft nach dem Erlöschen der ersten Linie weiterging — die folgenreichste Verbindung dieses Hauses in Grams Generation läuft also über ein Kind, das die Quelle allein über seinen Bruder benennt.

Nach außen bestand das gewichtigste Verhältnis eines Königs der Mark gegenüber Gondor, und Gram trat mit der Krone auch in dieses Verhältnis ein, da der Bund Eorls die Erben beider Seiten band. Wer ihm dabei gegenüberstand, lässt sich bestimmen: Über seine ganze Regierung hinweg lag die Gewalt in Minas Tirith bei Egalmoth, der von 2698 bis 2743 als Truchsess herrschte und Gram um zwei Jahre überlebte. Ein Verkehr zwischen den beiden Höfen ist für diese Jahre nirgends vermerkt — kein Hilferuf aus dem Süden, kein Aufgebot aus dem Norden, keine Gesandtschaft in eine der beiden Richtungen. Das Bündnis bestand fort, ohne in Anspruch genommen zu werden, und gehört damit zu den Beziehungen, die man Gram zuschreiben kann, ohne von ihnen erzählen zu können.

Im Westen lag ein Verhältnis anderer Art. Die Dunländer waren für die Rohirrim nicht bloß Nachbarn, sondern Vorbesitzer: Sie rechneten Calenardhon zum alten Land ihres Volkes, das die Reiter ihnen weggenommen hätten, und aus dieser Erinnerung erwuchs eine Feindschaft, die kein Vertrag stillstellte. Bemerkenswert ist dabei, dass der mächtigste Mann jener Grenzlandschaft sich gerade nicht als Fremder auswies: Der Anspruch, von Fréawine abzustammen, war ein Anspruch auf Verwandtschaft mit dem Königshaus selbst. Träfe er zu, so wäre der Zusammenstoß, der eine Generation später Edoras kostete, ein Zerwürfnis innerhalb einer weit verzweigten Sippe gewesen. Für Gram bleibt festzuhalten, dass sämtliche Verbindungen, die sich ihm zuschreiben lassen — Vater, Sohn, Tochter, Bundesgenosse im Süden, Widerpart im Westen —, Stellungen im Gefüge sind und keine überlieferten Begegnungen.