Name und Benennung
Der Name Gondor gehört dem Sindarin an und lässt sich als „Steinland“ wiedergeben: Er verbindet das Element gond, „Stein“ oder „Fels“, mit der Endung -dor, die in zahlreichen Landschaftsnamen der Elbensprachen ein Land oder Gebiet bezeichnet. Dasselbe Wortelement begegnet in älteren Namen des Ersten Zeitalters, etwa in Gondolin, und in den Bezeichnungen, die Elben den steinkundigen Zwergen gaben; es gehört damit zu den beständigsten Bausteinen von Tolkiens erfundenem Wortschatz. Gemeint ist damit weniger ein bloßes Gelände als die Eigenart des Landes selbst: die Bergwälle des Ered Nimrais, die aus dem Fels gehauenen Festungen und die steinernen Werke, für die die Dúnedain berühmt waren. Dass die Benennung sindarinisch ausfiel, ist keine Zufälligkeit, denn Sindarin war unter den Getreuen Númenors und ihren Nachkommen die tägliche Sprache der Edlen, während das Quenya der feierlichen Überlieferung und den Namen vieler Herrscher vorbehalten blieb.
Neben dem Eigennamen steht eine beschreibende Bezeichnung, die erst im Verhältnis zu einem zweiten Reich Sinn ergibt: Gondor heißt in den Annalen das Südreich, weil ihm im Norden Arnor gegenüberlag. Beide entstanden als „Reiche im Exil“, als Gründungen jener Númenórer, die dem Untergang ihrer Insel entkommen waren, und die Chronisten späterer Jahrhunderte behandelten sie als Geschwisterreiche mit gemeinsamem Ursprung und gemeinsamem Erbe. Die Doppelbenennung erklärt zugleich, warum in Gondor selbst der Königstitel und die Reichsbezeichnung stets auf diese ältere Einheit zurückverwiesen. Der Name des Landes blieb dabei unverändert, obwohl sich Sitz und Verfassung der Herrschaft im Lauf der Zeitalter wandelten.
Fremde Völker sprachen ihre eigenen Namen für das Land, und wenigstens einer davon ist überliefert: Die Rohirrim nannten Gondor in ihrer nordischen Zunge das Steinland, eine Prägung, die den Sinn des sindarinischen Namens unabhängig noch einmal traf und in den Liedern erklang, die nach ihren Ritten in den Süden entstanden. Solche Formen erscheinen im Roten Buch in altertümlich anmutendem Gewand, weil die Sprache der Reiter bei der Übertragung durchweg in ein archaisches Register gesetzt wurde, während die elbischen Namen unübersetzt stehen blieben. Aus diesem Nebeneinander ergibt sich der Eindruck, dass Gondor seinen Nachbarn zuerst als ein Land der Steinbauten galt — als Werk von Händen, die in Fels arbeiteten.
Das Land und seine Grenzen
Gondor ist kein einzelner Ort, sondern ein Reich aus vielen Landschaften, das sich im Süden Mittelerdes zwischen dem Weißen Gebirge (Ered Nimrais) und dem Meer erstreckt. Die Bergkette bildet sein Rückgrat: Sie zieht von Ost nach West und trennt die nördliche Provinz Anórien, die zum Anduin hin offen liegt, von den Küstenlanden im Süden. Der Anduin selbst ist die große Ader des Landes; er kommt aus dem Norden, nimmt die Flüsse der Bergtäler auf und mündet in vielen Armen in die Bucht von Belfalas. Jenseits des Stromes, auf seinem Ostufer, liegt Ithilien, und dahinter erhebt sich das Schattengebirge, hinter dem Mordor beginnt — eine Nachbarschaft, die die Lage des Reiches auf Dauer bestimmt hat. Bei Osgiliath, das ursprünglich auf beiden Ufern stand, war der Strom überbrückt, weiter nördlich teilt ihn die Insel Cair Andros.
Südlich der Berge gliedert sich Gondor in Lehen, die den Flusstälern folgen: Lossarnach und Lebennin mit ihren wasserreichen Ebenen, Lamedon und das Tal des Morthond, das aus dunklen Schluchten herabkommt, dazu Anfalas, der Langstrand, der sich als schmales Küstenland westwärts hinzieht. Vorgelagert ist die Halbinsel Belfalas mit der Feste Dol Amroth, und in der Bucht liegt die Insel Tolfalas. Nördlich des Gebirges ist das Land karger: In Anórien tragen die Feuerberge die Warnzeichen, mit denen Hilferufe binnen eines Tages nach Westen weitergegeben werden konnten, und am Rand des Gebirges liegt der alte Druadan-Wald. Vor Minas Tirith breitet sich das Pelennor-Feld aus, ummauert vom Rammas Echor, dem äußersten Bollwerk der Stadt.
Diese Grenzen waren nicht immer dieselben. In den Jahrhunderten seiner größten Ausdehnung reichte Gondor im Norden bis an die Felder von Celebrant und die Ränder des Großen Grünwalds, im Osten bis zum Binnenmeer von Rhûn und im Süden über den Fluss Harnen hinaus bis an die Küsten Umbars. Danach zog sich das Reich Stück für Stück zurück: Die weite nördliche Provinz Calenardhon wurde den Reitern aus dem Norden zu Lehen gegeben und hieß fortan Rohan, während das Land südlich des Poros zwischen Gondor und den Haradrim umstritten blieb. Zuletzt bestand die eigentliche Herrschaft kaum mehr als aus Anórien, den Küstenlehen und einem entvölkerten Ithilien, dessen Bewohner über den Strom geflohen waren; Minas Ithil war in Feindeshand gefallen, und die Grenze verlief faktisch am Anduin.
Geschichte
Die Gründung fällt in das Jahr 3320 des Zweiten Zeitalters, als die Überlebenden der Getreuen Númenors nach dem Untergang ihrer Insel an den Küsten Mittelerdes strandeten. Elendil trieb es in den Norden, wo er Arnor errichtete; seine Söhne Isildur und Anárion kamen mit ihren Schiffen die Mündungen des Anduin herauf und begründeten das südliche Reich, das sie gemeinsam regierten. Ihre Hauptstadt wurde Osgiliath, das die Sternenkuppel trug, und zu beiden Seiten des Stromes erhoben sie Wachtstädte: Minas Anor unter dem Mindolluin und Minas Ithil auf einem Vorsprung des Schattengebirges. Die Palantíri, die Sehenden Steine, waren zwischen den beiden Reichen aufgeteilt worden, und drei von ihnen kamen nach Gondor. Von Anfang an lag das Reich damit unmittelbar vor jenem Land, in das Sauron nach der Zerstörung Númenors zurückgekehrt war.
Der Krieg mit Mordor kam bald. Sauron überfiel Minas Ithil und nahm es ein; Anárion hielt das westliche Ufer, während Isildur mit seinem Haus zu Schiff nach Norden zu seinem Vater entkam. Aus dem Bündnis Elendils mit Gil-galad erwuchs der Letzte Bund der Elben und Menschen, dessen Heere Sauron in der Ebene von Dagorlad schlugen und die Barad-dûr sieben Jahre lang belagerten. Anárion fiel vor den Mauern der Feste, Elendil und Gil-galad starben im Ringen mit Sauron selbst, und Isildur schnitt dem Besiegten den Ring von der Hand. Als er im folgenden Jahr auf dem Weg nach Norden an den Schwertelfeldern überfallen wurde und mit dem Ring im Anduin verschwand, fiel die Krone Gondors an Meneldil, den Sohn Anárions, und die beiden Reiche gingen fortan getrennte Wege.
Die folgenden Jahrhunderte brachten Gondor seine größte Macht. Unter den Schiffskönigen, deren erster Tarannon Falastur war, wuchsen Flotte und Küstenherrschaft; Ciryaher, der sich Hyarmendacil nannte, zwang die Harad-Völker zur Unterwerfung, und unter ihm reichte kein Reich der Menschen an Gondor heran. Umbar war zuvor erobert, jener alte númenórische Hafen, in dem sich die Nachkommen der Schwarzen Númenórer gehalten hatten. Der Sitz der Könige wanderte in dieser Zeit allmählich von Osgiliath nach Minas Anor, wo man die Sommer verbrachte, ehe die Stadt zur eigentlichen Hauptstadt wurde. Der Wendepunkt lag im Streit um die Nachfolge: Der Aufstand, den man den Sippenstreit nennt, brach über den Anspruch Eldacars aus, dessen Mutter aus Rhovanion stammte, und der Usurpator Castamir ließ Osgiliath ausbrennen. Eldacar gewann die Krone zurück, doch die Verwandten Castamirs entkamen nach Umbar, das damit für lange Zeit ein feindlicher Hafen wurde; der Sternendom war verloren, und ein Palantír versank im Strom.
Was der Krieg begonnen hatte, vollendete die Seuche. Die Große Pest raffte einen großen Teil der Bevölkerung hin, entvölkerte Osgiliath vollständig und ließ die Wachen an der Grenze Mordors erlöschen — ein Versäumnis, das sich später bitter rächte, denn unbemerkt füllte sich das leere Land wieder mit Saurons Dienern. Zwei Jahrhunderte darauf brachen die Wagenfahrer aus dem Osten ein; König Ondoher fiel mit beiden Söhnen im Kampf, und erst Earnil wandte das Blatt in der Schlacht am Lager. Sein Sohn Earnur nahm zweimal die Herausforderung des Hexenkönigs an, der inzwischen Minas Ithil erobert und in Minas Morgul verkehrt hatte; beim zweiten Mal ritt er nach Minas Morgul und kam nicht zurück. Damit endete die Reihe der Könige, denn kein unbestrittener Erbe war zu finden, und die Herrschaft ging auf die Truchsessen über, die sie im Namen des Königs führten.
Unter den Regierenden Truchsessen wurde Gondor zu dem, was es am Ende des Dritten Zeitalters war: ein wachsames, verarmendes Land in beständiger Verteidigung. Cirion rief die Reiter des Nordens zu Hilfe, als Feinde über die nördliche Grenze drangen, und gab ihnen zum Dank Calenardhon; das Bündnis, das damals geschworen wurde, hielt bis zuletzt. Später verheerten Bürgerkrieg im Süden, die Belagerungen der Corsaren und der Verlust Ithiliens die Kraft des Reiches, und die Bevölkerung wanderte in die westlichen Lehen ab. Denethor II. führte den Kampf gegen Mordor mit dem Sehenden Stein und mit hartem Willen, doch die Kräfte, die ihm blieben, reichten nicht. Der Krieg um den Ring brachte den Sturm über die Stadt: Osgiliath wurde geräumt, das Pelennor-Feld überrannt, Boromir war fern gefallen, und der Truchsess starb in Verzweiflung, während seine Stadt brannte.
Der Ausgang war die Erneuerung, nicht das Ende. Die Reiter Rohans kamen bei Tagesanbruch auf das Pelennor-Feld, und Aragorn, der Erbe Isildurs, landete auf den erbeuteten Schiffen der Corsaren aus dem Süden; in der Schlacht auf dem Pelennor-Feld wurde der Hexenkönig vernichtet und das Heer Mordors geschlagen. Der Zug der Heerführer vor das Schwarze Tor, unternommen als Ablenkung und nicht in der Hoffnung auf Sieg, dauerte, bis der Ring im Feuer des Orodruin unterging und Saurons Macht mit ihm zerfiel. Aragorn wurde als Elessar zum König von Gondor und Arnor gekrönt und vereinigte damit im Jahr 3019 des Dritten Zeitalters die beiden Reiche im Exil wieder, die seit dem Tod Isildurs getrennt gewesen waren. Faramir behielt das Amt des Truchsessen und erhielt Ithilien als Fürstentum, Minas Tirith wurde erneuert, und die Annalen führen die Zeit danach als Viertes Zeitalter und als das Vereinigte Königreich fort.
Völker und Herrschaft
Die Bevölkerung des Südreiches war von Beginn an gemischt. Den Kern bildeten die Dúnedain, die Nachkommen der Getreuen, doch das Land, in dem sie sich niederließen, war keineswegs leer: In den Tälern des Weißen Gebirges und an den Küsten saßen Menschen älteren Geschlechts, die die Herrschaft der Ankömmlinge annahmen und sich mit ihnen vermischten. Am längsten hielt sich die reine númenórische Abkunft in den alten Häusern und um den Hof, während sie in den Lehen früh verdünnt war; mit ihr schwand auch jene ungewöhnliche Lebensdauer, die die Dúnedain ausgezeichnet hatte, sodass die späteren Herrscher kaum noch länger lebten als andere Menschen. Als Umgangssprache diente die Gemeinsame Sprache, die aus den alten Küstensiedlungen der Númenórer erwachsen war, während Sindarin die Sprache der Edelgeborenen blieb und die Könige sich hochelbische Namen gaben.
Die Herrschaft lag beim Haus Anárions, und sie ging in gerader männlicher Linie weiter, zuerst von Osgiliath, später von Minas Tirith aus. Zweimal wurde dieses Herkommen auf die Probe gestellt: einmal im Streit um einen König, dessen Mutter aus fremdem Volk stammte, und ein zweites Mal, als nach dem Fall eines Königs samt seinen Söhnen der Herrscher des Nordreiches den Anspruch seiner Gemahlin geltend machte, einer Tochter aus dem Haus Anárions. Der damalige Truchsess wies die Forderung im Namen des Reiches zurück, und die Krone kam an einen siegreichen Feldherrn aus einem Seitenzweig des Hauses. Nach dem Erlöschen der Königsreihe führten die Truchsessen aus dem Geschlecht Húrins die Regierung, seit Mardil dem Standhaften erblich vom Vater auf den Sohn. Sie nahmen weder Krone noch Königstitel an, sondern trugen einen weißen Stab und saßen auf einem schwarzen Stuhl am Fuß des leeren Thrones, dessen Amt sie ausdrücklich nur bis zur Rückkehr eines Königs verwalteten.
Nach innen war das Reich ein Verband von Lehen unter dem Herrn der Stadt: Die Fürsten und Herren von Dol Amroth, Lossarnach, Lebennin, Lamedon, dem Morthond-Tal und den Küstenlanden führten eigene Mannschaften und stellten sie auf Aufgebot in Minas Tirith. Die Fürsten von Dol Amroth galten als das älteste Geschlecht neben dem der Herrscher und wurden von diesen als Verwandte angesprochen. Nach außen bestimmten wenige feste Verhältnisse die Lage: mit den Nordmenschen von Rhovanion, die schon früh als Verbündete und Söldner in gondorischen Dienst traten, verband das Reich eine Freundschaft, die später in das Bündnis mit den Reitern der Mark mündete; den Haradrim jenseits des Poros und den Corsaren des Südens stand es dauerhaft feindlich gegenüber. Ein eigener Fall waren die Wilden Menschen des Druadan-Waldes, ein Rest eines sehr alten Volkes, das man in seinen Wäldern in Ruhe ließ und dessen Führer im Ringkrieg den Rohirrim den verborgenen Weg zum Pelennor-Feld wies.
In der Erzählung
In den Herr der Ringe tritt Gondor lange vor seinen Mauern in die Handlung ein — als Stimme eines Fremden. Beim Rat von Elrond in Bruchtal spricht Boromir für ein Land, das die Hobbits nur vom Hörensagen kennen, und er bringt die Frage mit, die den Ring als Waffe verstehen will: Warum soll ein Werkzeug solcher Macht vernichtet werden, wenn ein tapferes Volk es gegen den Feind wenden könnte? Damit ist Gondor von Anfang an mehr Argument als Ort, und Boromirs Sturz am Ende der ersten Fahrtgemeinschaft beantwortet die Frage, ehe die Erzählung das Reich selbst erreicht. Zugleich läuft eine zweite Linie mit: Streicher, den die Hobbits als Waldläufer aus dem Norden kennenlernen, trägt einen Anspruch auf ebendieses Land, ohne ihn zu nennen.
Betreten wird das Reich aus drei Richtungen, und jeder Weg zeigt ein anderes Gesicht. Frodo und Sam kommen durch das verwilderte Ithilien, wo Kräutergärten und Ruinen zwischen dem Gestrüpp stehen und Faramir sie in der verborgenen Höhle hinter dem Wasserfall verhört — hier wird die Prüfung, an der sein Bruder scheiterte, ein zweites Mal gestellt und bestanden. Pippin dagegen reitet mit Gandalf nach Minas Tirith und sieht die Stadt mit den Augen eines Fremden, der ihre Ordnung, ihre leeren Häuser und die Härte ihres Truchsessen nicht deuten kann. Merry endlich erreicht das Pelennor-Feld im Zug der Rohirrim. Die Belagerung, das Beinhaus, die Häuser der Heilung: Gondor liefert der Erzählung den Raum, in dem der offene Krieg ausgetragen wird, während im Osten die eigentliche Entscheidung fällt.
Als Bild steht Gondor für ein hohes Volk in der Dämmerung — reich an Erinnerung, arm an Nachkommen, in einer Stadt zu groß für die, die noch in ihr wohnen. Faramir spricht es aus, wenn er seinen Landsleuten vorwirft, Ahnentafeln höher zu achten als Söhne und die Kunst des Krieges um ihrer selbst willen zu lieben. Gegen diese müde Größe setzt das Buch die Kleinheit der Hobbits, und es ist bezeichnend, dass am Feld von Cormallen ausgerechnet zwei Gärtnerseelen aus dem Auenland vor dem versammelten Heer gefeiert werden. Die Krönung und der blühende Baum im Hof der Feste schließen den Bogen, doch die Erzählung verschweigt nicht, dass die Erneuerung teuer war.
In den Entwürfen: Von Ond zu Gondor
Ein südliches Reich der Dúnedain gehörte nicht zu den Voraussetzungen, mit denen Tolkien die Fortsetzung des Hobbits begann; es wuchs erst im Lauf der Niederschrift aus beiläufigen Andeutungen heran. In frühen Notizen und Umrissen steht für das ferne Land der Steinbauten zunächst die kurze Form Ond, aus der später Ondor wurde; noch in den Entwurfsfassungen, die Christopher Tolkien im dritten und vierten Band der History of Middle-earth abdruckt, erscheint Ondor an Stellen, an denen der gedruckte Text Gondor liest, und beide Formen wechselten über längere Zeit miteinander ab. Mit dem Reich entstand auch erst die Gestalt seines Erben: Der Wanderer, der die Hobbits im Wirtshaus zu Bree an sich zieht, war über viele Fassungen hinweg als Hobbit gedacht, und ein Anspruch auf einen Thron im Süden konnte ihm erst zuwachsen, als es diesen Thron überhaupt gab.
Mehrere Namen des Südreiches waren zuvor schon vergeben. Minas Tirith bezeichnete jahrzehntelang den Wachtturm auf der Insel im Sirion, den Finrod im Ersten Zeitalter errichtete, ehe der Name an die Stadt unter dem Mindolluin überging; und Denethor hieß in denselben älteren Texten ein Elbenfürst, der sein Volk über das Blaue Gebirge nach Ossiriand führte. Tolkien verwertete solche Prägungen neu, statt sie zu ersetzen. Die Chronologie des Reiches wiederum entstand rückwirkend: Erst die Vorarbeiten zu den Anhängen, die im letzten Band der History of Middle-earth unter dem Titel „The Heirs of Elendil“ stehen, ordnen die Königsreihe mit Regierungsjahren, Beinamen und erläuternden Bemerkungen, von denen manche später geändert und die meisten für den Druck stark zusammengezogen wurden.
In den Adaptionen
Die älteren Bearbeitungen kommen dem Südreich in sehr verschiedenem Maß nahe. Ralph Bakshis Zeichentrickfilm von 1978 bricht nach dem Kampf um Helms Klamm ab, sodass Gondor als Schauplatz gar nicht erreicht wird; vertreten ist es allein durch Boromir, dem Michael Graham Cox die Stimme lieh, während John Hurt Streicher sprach. Weil der angekündigte zweite Teil nie entstand, fehlen Minas Tirith, der Truchsess und der ganze Krieg im Süden in dieser Fassung. Der Fernsehfilm der Rankin/Bass-Studios von 1980 setzt umgekehrt erst beim letzten Abschnitt der Handlung ein und zeigt die Stadt, zieht die Ereignisse vor ihren Mauern jedoch auf wenige Bilder zusammen: Aragorns Weg über die Pfade der Toten und die Fahrt auf den erbeuteten Schiffen entfallen, und der Verlauf der Schlacht wird eher berichtet und besungen als ausgespielt. Am vollständigsten bleibt die Hörspielfassung von BBC Radio 4 aus dem Jahr 1981, die in sechsundzwanzig halbstündigen Folgen auch die gondorischen Nebenstränge bis hin zu den Häusern der Heilung bewahrt; Peter Vaughan sprach dort Denethor, Michael Graham Cox war erneut Boromir.
Peter Jacksons Filmtrilogie von 2001 bis 2003 räumt Gondor breiten Raum ein und weicht dabei an mehreren Stellen erkennbar von der Vorlage ab. Faramir bringt Frodo und Sam als Gefangene nach Osgiliath und lässt sie erst dort ziehen, während er sie im Roman schon in Ithilien freigibt; die Prüfung, die er bei Tolkien ohne langes Schwanken besteht, wird so zu einem Konflikt über mehrere Szenen gestreckt. Die Warnfeuer des Weißen Gebirges werden im Film gegen den Willen Denethors entzündet, der bei Tolkien selbst den Befehl dazu gibt, und der Truchsess erscheint durchweg als von Anfang an gebrochener Herrscher. Auch der Ausgang der Schlacht auf dem Pelennor-Feld ist verändert: Das Heer der Toten folgt Aragorn bis vor die Stadt und entscheidet dort den Kampf, wohingegen es im Buch nach der Einnahme der Flotte entlassen wird und stattdessen die Aufgebote der südlichen Lehen mit den Schiffen kommen. Fürst Imrahil und die Fürstentümer Gondors fehlen in den Filmen ganz.