Der Name und seine Herkunft
„Rohan“ ist kein Name, den sich die Bewohner des Landes selbst gegeben haben, sondern eine Bezeichnung aus Gondor. Die Landschaft zwischen dem Weißen Gebirge und dem Anduin gehörte zuvor als dünn besiedelte Provinz zu Gondor und trug den sindarischen Namen Calenardhon, der auf ihr grünes Weideland zielt. Erst nachdem das Gebiet den Reitern aus dem Norden überlassen worden war, setzte sich in gondorischem Sprachgebrauch der neue Name durch, und mit ihm die Bezeichnung Rohirrim für seine Bewohner, die man dort als Pferdeherren verstand. Beide Wörter sind elbischer Herkunft und beschreiben das Volk von außen: nicht nach seiner Abstammung, sondern nach dem, was den Gondorern an ihm zuerst auffiel — die Pferde und die Reiterei.
Im Land selbst war eine andere Benennung üblich. Die Rohirrim nannten ihre Heimat die Mark oder die Riddermark, das Reich der Reiter, und sich selbst nach ihrem ersten König die Eorlingas; noch die Titel ihrer Heerführer, etwa der eines Marschalls der Riddermark, sind von diesem Wort gebildet. Vor der Wanderung nach Süden hatten sie im Norden als Éothéod gegolten, ein Name, der sowohl das Volk als auch dessen damaliges Land bezeichnete. Dass diese einheimischen Namen altenglisch anmuten, ist Ergebnis einer Übersetzungskonvention: Tolkien gibt die Sprache der Rohirrim durchweg in altertümlichem Englisch wieder, weil sie sich zur Gemeinsprache ähnlich verhalte wie das Altenglische zum modernen Englisch. Die „wirklichen“ Formen bleiben dabei weitgehend im Hintergrund.
Zur Lautgestalt des gondorischen Namens gibt es eine Erläuterung außerhalb des Hauptwerks: Die ältere und eigentlich korrekte Form lautete Rochand, gebildet zum sindarischen Wort für „Pferd“, das auch in anderen Namen wiederkehrt; erst im gesprochenen Gondorisch wurde der harte Reibelaut zu einem einfachen h abgeschliffen, woraus die geläufige Schreibung Rohan entstand. Dieselbe Entwicklung erklärt das Nebeneinander von Rochirrim und Rohirrim. Der Name ist damit ein sprachliches Zeugnis der Berührung zweier Völker: ein elbisches Wort, von Menschen aus Gondor über ein Land gelegt, dessen Bewohner es selbst anders nannten.
Das Land und seine Grenzen
Rohan ist im Kern ein einziges großes Grasland: eine weite, fast baumlose Ebene, die sich zwischen dem Weißen Gebirge im Süden und dem Anduin im Nordosten hinzieht. Das Gebirge bildet die südliche Wand des Reiches, seine nördlichen Vorberge und Talmulden bergen die geschütztesten Wohnplätze; nach Norden und Osten läuft das Land offen aus, ohne natürliche Schranke außer dem großen Strom selbst. Die nordwestliche Ecke wird vom Wald Fangorn und den Bergen um dessen Fuß eingenommen, jenseits derer sich das Land zur Pforte von Rohan hin verengt, dem einzigen bequemen Zugang von Westen her. Durchschnitten wird die Ebene vom Entwasser, das aus dem Gebirge kommt und dem Anduin zuläuft; es teilt das Weideland in Ostemnet und Westemnet und verliert sich zuletzt in einem sumpfigen Mündungsgebiet, das den Verkehr nach Osten auf wenige Furten beschränkt.
Genauer beschrieben sind die Grenzen erst in dem nachgelassenen Bericht über den Bund zwischen Gondor und den Reitern. Er nennt als Ostgrenze den Anduin, als Nordgrenze den Fluss, der am oberen Rand von Fangorn dem Strom zuläuft, im Westen den Isen und im Süden den Kamm des Weißen Gebirges samt seinen westlichen Ausläufern; östlich schloss ein Grenzbach das Land gegen die gondorische Landschaft Anórien ab. Nicht alles davon war gleich fest in der Hand der Rohirrim: der Landstreifen zwischen Isen und Adorn im Südwesten blieb umstritten, weil dort Menschen des Berglandes saßen, die sich der Mark nie ganz zurechnen ließen. Auch die Festung an der westlichen Pforte, mit ihrem Turm inmitten eines Talkessels, wurde ausdrücklich nicht abgetreten, sondern blieb formal Besitz Gondors — eine Rechtslage, die Jahrhunderte später schwer wog, als der Ort in andere Hände geriet.
Bewohnt und bebaut ist vor allem der südliche Saum. Um Edoras, das auf einem Hügel vor dem Ausgang eines Gebirgstals liegt, breitet sich die Folde; westlich und östlich davon heißen die Landschaften Westfold und Ostfold. Städte gibt es nicht, nur Gehöfte, Dörfer und Weiler, dazu Zufluchtsorte in den Bergen, in die man bei Angriff Vieh und Bewohner treibt. Die wichtigste dieser Bergfesten ist die Hornburg über der Klamm, die den westlichen Eingang des Landes deckt und hinter sich weitläufige Höhlen verbirgt. Quer durch das Reich führt die alte Weststraße von den Furten des Isen entlang dem Gebirge nach Osten — Verbindung zum verbündeten Nachbarn und zugleich, weil das Land nach Norden und Westen offen liegt, der Weg, den auch jeder Feind nimmt.
Geschichte
Die Vorgeschichte des Reiches ist die Geschichte zweier Entwicklungen, die erst spät zusammentrafen. Die Provinz Calenardhon verlor ihre Bevölkerung fast vollständig, als im Jahr 1636 des Dritten Zeitalters die Große Pest von Süden her über Gondor kam; was blieb, waren verstreute Hirten, verfallene Gehöfte und eine Grenzwehr, die kaum noch besetzt wurde. Zur selben Zeit lebten weit im Norden die Vorfahren der späteren Rohirrim, Nachkommen jener Nordmenschen, die seit alters am oberen Anduin und in Rhovanion siedelten und mit Gondor mehr durch Waffenhilfe als durch Untertanenpflicht verbunden waren. Im Jahr 1977 zogen sie unter Frumgar noch weiter nordwärts in das Quellgebiet des Anduin und nannten sich fortan Éothéod. Dort herrschte fünf Jahrhunderte später Léod, der 2501 ums Leben kam, als er ein wildes weißes Fohlen zu bändigen versuchte; sein Sohn Eorl, damals sechzehn Jahre alt, übernahm die Herrschaft und nahm das Tier, das seinen Vater getötet hatte, als Wergeld in Besitz.
Der Wendepunkt kam 2510. Ein Heer der Balchoth setzte über den Anduin und schlug die gondorische Streitmacht, die ihm entgegengezogen war, gegen den Limklar zurück, wo sie zwischen Fluss und Feind eingeschlossen wurde. Der Truchsess Cirion hatte Boten nach Norden gesandt, ohne zu wissen, ob sie durchkämen; Eorl aber brach mit seiner ganzen Reiterei auf und traf unerwartet auf dem Feld von Celebrant ein, sodass die Belagerer zwischen zwei Heere gerieten und aufgerieben wurden. Zum Dank trat Cirion die entvölkerte Provinz an die Reiter ab, nicht als Lehen, sondern als eigenes Reich. Der nachgelassene Bericht über diesen Vorgang schildert, dass beide Seiten den Bund nicht in Edoras oder Minas Tirith schlossen, sondern auf einer waldigen Höhe an der Ostgrenze, wo Isildur einst die Gebeine seines Vaters beigesetzt hatte: Cirion und Eorl schworen dort einen Eid gegenseitiger Hilfe, der die Nachfahren beider band und im Ringkrieg zum letzten Mal eingefordert wurde.
Die ersten Jahrzehnte vergingen mit der Sicherung des Erworbenen. Eorl fiel 2545 im Wold, dem nördlichen Grasland, in einem Gefecht gegen Ostlinge; sein Sohn Brego vertrieb die Eindringlinge und vollendete 2569 die Halle auf dem Hügel von Edoras, deren Bau sein Vater begonnen hatte. Beim Fest zu ihrer Einweihung gelobte Bregos ältester Sohn Baldor, den verschlossenen Weg unter dem Gebirge zu betreten; er ging und kehrte nicht wieder, und die Herrschaft fiel an seinen Bruder Aldor. Dessen ungewöhnlich lange Regierung gilt als die eigentliche Landnahme: In ihr wuchs das Volk so stark, dass es die Ebene bis zum Isen füllte, und die letzten Reste der älteren Bewohner wurden über den Fluss nach Dunland abgedrängt. Aus dieser Verdrängung erwuchs eine Feindschaft, die über Jahrhunderte nachwirkte.
Sie entlud sich unter Helm Hammerhand, dem neunten König. Ein mächtiger Grenzherr namens Freca, dessen Blut zur Hälfte dunländisch war, forderte im Rat die Hand von Helms Tochter für seinen Sohn Wulf; Helm erschlug ihn vor der Halle mit der bloßen Faust. Vier Jahre später, 2758, fiel Wulf mit Dunländern und Verbündeten von Westen her ein, während zugleich Ostlinge und Seeräuber Gondor beschäftigten, sodass von dort keine Hilfe kam. Edoras wurde genommen, Helms Sohn Haleth fiel vor den Türen der Halle, und der König zog sich in die Bergfeste über der Klamm zurück, die seither seinen Namen trägt. Der darauffolgende Lange Winter tötete mehr Menschen als die Waffen: Helm starb, in der Nacht ausgezogen, aufrecht im Schnee stehend, und beide Söhne waren tot. Erst im Frühjahr 2759 kam Fréaláf, der Sohn von Helms Schwester, aus Dunharg herab, erschlug Wulf in der Goldenen Halle und begründete als erster König das Zweite Geschlecht. Im selben Jahr überließ Gondor einem Wanderer namens Saruman den leerstehenden Turm im Talkessel an der Westgrenze — damals als Gewinn verstanden.
Die Erholung brauchte Generationen. Erst Folcwine, der vierzehnte König, gewann den umstrittenen Landstrich zwischen Isen und Adorn zurück; als Gondor 2885 gegen die Haradrim Hilfe erbat, sandte er seine Zwillingssöhne Folcred und Fastred, die beide in Ithilien fielen und deren Wergeld in Gold aufgewogen wurde. Sein Enkel Thengel hatte lange in Gondor gelebt und dort geheiratet, sodass am Hof zu Edoras zeitweise die Gemeinsprache üblicher war als die eigene Zunge; sein 2948 in Gondor geborener Sohn Théoden trat 2980 die Herrschaft an. Unter ihm mehrten sich die Angriffe: Orks aus dem Norden, wieder Dunländer aus dem Westen, und 3002 fiel der Marschall Éomund im Kampf gegen eine Bande, die er zu weit verfolgt hatte. Ab 3014 erlahmte der König sichtbar, gelenkt von seinem Ratgeber Gríma Schlangenzunge, der in Sarumans Dienst stand, während aus Isengart bereits offene Feindseligkeit vorbereitet wurde.
Im Frühjahr 3019 stand das Reich dem Untergang näher als je zuvor. In zwei Gefechten an den Furten des Isen wurde die westliche Heeresmacht geschlagen und der Königssohn Théodred getötet; Anfang März zog Théoden, seiner Willenskraft wieder mächtig, mit dem Rest der Reiterei zur Hornburg, wo die Belagerung durch Sarumans Heer erst im Morgengrauen und durch fremde Hilfe gebrochen wurde. Fast gleichzeitig zerstörten die Ents Isengart, womit die Bedrohung im Westen mit einem Schlag endete. Der König rief darauf die volle Musterung nach Dunharg und führte gegen sechstausend Reiter nach Osten, um den alten Eid zu erfüllen; am 15. März entschied ihr Eintreffen die Schlacht auf den Pelennor-Feldern, doch Théoden selbst fiel dort. Sein Neffe Éomer wurde als achtzehnter König zum Begründer des Dritten Geschlechts und erneuerte den Bund mit dem wiedereingesetzten König Gondors, diesmal als Vertrag zwischen zwei gleichrangigen Reichen. Rohan überdauerte den Ringkrieg ungeteilt; Éomer regierte lange und hinterließ die Mark seinem Sohn Elfwine dem Schönen.
Das Volk und seine Herrschaft
Die Rohirrim waren Nordmenschen und blieben auch nach der Wanderung nach Süden mit den Völkern des oberen Anduintals verwandt, mit den Beorningern und den Waldleuten am Westrand des Düsterwalds; ihre alte Zunge stand jener Sprache nahe, aus der die Vorfahren der Hobbits einen Teil ihrer Wörter und Namen bezogen. Aragorn nennt sie weise, aber ungelehrt: Bücher schrieben sie nicht, und was sie wussten, bewahrten sie in Liedern. Im Land und an seinen Rändern lebten ältere Bewohner neben ihnen. Am Aufgang nach Dunharg standen grobe Steinbilder, von den Reitern Púkel-Männer genannt, ohne dass noch jemand hätte sagen können, wer sie gehauen hatte; Nachfahren dieser Bildner hausten im Wald von Drúadan, und die Rohirrim hatten sie früher wie Wild gejagt, bis Théoden im Ringkrieg ihren Führer als Wegweiser annahm und ihnen den Wald auf Dauer zusprach.
Die Krone war im Haus Eorls erblich und ging gewöhnlich auf den ältesten Sohn über; riss die gerade Linie ab, so trat ein Verwandter aus der weiblichen Seite ein, woraus sich die Zählung in drei Geschlechter ergibt. Der König regierte von seiner Halle aus ohne Beamtenapparat: Ein Türwart wachte darüber, dass niemand bewaffnet vor den Thron trat, ein Ratgeber sprach, wenn er gefragt wurde, und über die Reiterei geboten die Marschälle der Mark, die nach Rangzahlen unterschieden wurden — Éomer führte vor dem Ringkrieg als Dritter Marschall. Untereinheit war der Éored, ein Reiterhaufen unter eigenem Hauptmann. War der König abwesend, vertrat ihn, wen er aus seinem Geschlecht dazu bestimmte: Théoden übertrug die Herrschaft seiner Nichte Éowyn, und das Volk gehorchte ihr, weil es in ihr das Blut des ersten Königs achtete.
Gegen Fremde war die Mark misstrauisch; Unbekannte hatte man vor den König zu bringen, und die Grenzwachen fragten zuerst nach Namen und Auftrag. Von den Elben wusste man wenig Gutes: Den Goldenen Wald nannte man Dwimordene und hielt seine Herrin für eine Zauberin, deren Netzen kaum jemand entgehe — ein Gerede, das Gríma am Hof eifrig nährte und das Éomer erst nach eigener Anschauung zurücknahm. Beständig blieben allein die Bindung an Gondor und die an Gandalf, den man in Edoras zwar als Überbringer schlechter Nachrichten empfing, dem aber altes Gastrecht zustand; dass er das beste Pferd der königlichen Herde davonführte, wurde ihm nachträglich zum Geschenk erklärt. Der nächste Nachbar im Westen dagegen, lange als Wächter der Pforte angesehen, wurde zum gefährlichsten Feind des Reiches.
Rohan in der Erzählung
In der Handlung des Ringkriegs tritt Rohan als Bühne eines Verfolgungsritts auf. Nachdem die Gemeinschaft am Ostufer des Anduin auseinandergebrochen ist, laufen Aragorn, Legolas und Gimli tagelang über das Ostemnet hinter den Ork-Trupps her, die Merry und Pippin nach Westen schleppen — dieselbe Grasfläche wird der Leserschaft so zweimal gezeigt, aus der Sicht der Jäger und der Gefangenen. Das Land selbst erzeugt die Spannung: eine Ebene ohne Wegmarken, in der Entfernungen nicht abzuschätzen sind und Reiter am Horizont erst zu Punkten, dann zu einer Umzingelung werden. Die erste Begegnung mit Éomers Éored ist entsprechend zweideutig — gesenkte Speere, ein Verhör, dann geliehene Pferde und ein stillschweigend gebrochenes Verbot.
Den erzählerischen Mittelpunkt bildet die Halle in Edoras, und zwar als Ort der Rede, nicht der Tat. Vor dem Tor liegen die Grabhügel der Könige, dahinter warten Türwart und Waffenverbot, Begrüßungsformeln und ein Ratgeber, der jedes Wort ins Ungünstige wendet; der Auftritt Gandalfs und seiner Gefährten ist zuerst ein Ringen um Gehör. Hier führt der Text seinen dritten großen Menschenhof ein und gibt ihm ein eigenes Register: Was Rohan über sich weiß, steht in Liedern, und Aragorn trägt vor den Toren eine Klage vor, die nach den verschwundenen Reitern und Pferden früherer Tage fragt. Das Reich steht damit für eine Welt, die ihre Vergänglichkeit besingt, statt sie in Büchern aufzuheben.
Zugleich ist Rohan der Ort, an dem sich Wege trennen und binden. In Dunharg schwört Merry dem König Dienst und reitet zuletzt heimlich mit, Éowyn verlässt verkleidet ihren Auftrag, und Aragorn nimmt einen anderen Weg als das Heer; das Eintreffen der Hörner vor Minas Tirith wirkt dann wie ein Einsatz, der weit außerhalb des Bildes vorbereitet wurde. Nach dem Krieg kehrt die Erzählung zurück: Théodens Bestattung, das Totenlied, die Verlobung im Anschluss an das Leichenmahl und der Abschied der Gefährten machen Edoras zur letzten gemeinsamen Station vor der Heimreise. Was das Reich in der Geschichte bedeutet, lässt sich an dieser Rahmung ablesen — Treue, die eingelöst wird, und ein Heldentum, das seinen Preis nicht verschweigt.
In den Entwürfen
Rohan gehört zu den späteren Zugängen des Stoffes. In den von Christopher Tolkien herausgegebenen Arbeitspapieren zum dritten Buch tritt das Reiterreich erst hervor, als die Erzählung nach dem Auseinanderbrechen der Gemeinschaft die Grasebenen westlich des Anduin erreichte; die älteren Handlungspläne kennen zwischen Gebirge und Strom noch kein eigenes Volk dieser Art, und mit ihm entstanden Landschaft, Herrscherhaus und Namengut in einem Zuge. Dabei blieb die Namensform lange in Bewegung. Der Königssitz erscheint in frühen Niederschriften als Eodoras, ehe die kürzere Schreibung sich durchsetzte, und die Halle auf dem Hügel führte zeitweilig den Namen Winseld, bevor Tolkien sie Meduseld nannte. Auch die Benennung des Volkes und seines Landes durchlief Zwischenstufen, die den späteren, in den Anhängen erklärten Formen vorausgingen; erst allmählich verfestigte sich der altenglisch anmutende Bestand, der die Reiter im fertigen Werk kennzeichnet.
Offen war lange auch, welchen Anteil das Reich am Ausgang der Geschichte nehmen sollte. Mehrere vorausschauende Skizzen sahen eine Ehe zwischen Éowyn und Aragorn vor, andere Notizen ließen sie im Kampf fallen, während sie den König zu retten oder zu rächen suchte; beides wurde im Fortgang der Arbeit verworfen. Ebenso wurde der Ablauf von Musterung und Ritt nach Osten mehrfach umgestellt, ehe die veröffentlichte Abfolge feststand. Die Entwürfe zeigen damit ein Reich, das nicht von Anfang an geplant war, sondern in raschen Anläufen Gestalt gewann und dessen Personen ihre endgültigen Wege erst spät fanden.
In den Adaptionen
In Ralph Bakshis Zeichentrickfilm bildet die Mark den Schlussteil der Handlung: Weil die Fassung nach der Schlacht an der Hornburg abbricht und ein zweiter Teil nie entstand, endet der Film in Rohan, ohne dass Musterung, Ritt nach Osten oder die Zerstörung Isengarts durch die Ents noch gezeigt würden. Théoden wird von Philip Stone gesprochen; die Königsnichte Éowyn fehlt in dieser Bearbeitung vollständig, sodass der Hof zu Edoras auf König, Ratgeber und Neffen zusammenschrumpft. Wie große Teile des Films sind auch die Reiterszenen von abgefilmtem Realmaterial abgepaust, was der Bewegung der Pferde ihr eigentümlich schweres Gepräge gibt. Ungleich vollständiger verfährt die BBC-Hörspielfassung in sechsundzwanzig halbstündigen Folgen, die als die buchtreueste der älteren Bearbeitungen gilt: Sie behält die Abfolge von Edoras, Hornburg, Dunharg und Pelennor bei und gibt auch den Nebenfiguren des Hofes Raum. Théoden spricht dort Jack May.
Am bekanntesten ist die Darstellung in Peter Jacksons Filmtrilogie, für die in Neuseeland eine eigene Kulisse von Edoras auf einem freistehenden Hügel errichtet wurde. Bernard Hill spielt Théoden, Miranda Otto Éowyn, Karl Urban Éomer und Brad Dourif den Ratgeber Gríma. Die Abweichungen betreffen vor allem die Herrschaftskrise: Wo das Buch einen durch schlechten Rat und Alter erlahmten König kennt, zeigen die Filme eine regelrechte Besessenheit durch Saruman, die Gandalf sichtbar austreibt, worauf Théoden äußerlich verjüngt wird. Éomer wird nicht wie im Roman kurzzeitig in Haft genommen, sondern von Gríma verbannt und kehrt erst zur Entsatzschlacht zurück; Théodred stirbt nicht an den Furten des Isen, sondern an seinen Wunden in Edoras. Neu erfunden sind der Auszug der Bevölkerung nach Westen samt Überfall durch Wargreiter und die Ankunft eines Elbenaufgebots an der Hornburg. Auch die Bündnistreue ist umgedeutet: Théoden zögert lange, dem Hilferuf Gondors zu folgen, während der Roman den alten Eid ohne Zaudern eingelöst sieht.