Herkunft und Namen
Fréawine gehörte zu den Rohirrim, dem Reitervolk der Mark, und entstammte dem Haus Eorls, das seit der Landnahme in Calenardhon die Könige stellte. Er war der Sohn Fréas, des vierten Königs, und über diesen ein Enkel Aldors des Alten, dessen ungewöhnlich lange Herrschaft die frühe Zeit des Reiches prägte. Als Geburtsjahr nennt die Königsreihe des Anhangs 2594 des Dritten Zeitalters; er trat damit in eine Abfolge, die von Eorl her erst wenige Glieder zählte. Bemerkenswert ist, wie wenig über ihn gesagt wird: Die Liste führt ihn als fünften Herrscher ohne Beinamen, ohne Tat und ohne Kennzeichnung des Wesens, während seinem Großvater und späteren Königen wie Helm Hammerhand feste Zunamen anhaften.
Der Name selbst ist, wie alle Namen der Mark, kein Wort der eigentlichen Sprache Rohans, sondern deren Wiedergabe: Tolkien erklärt im Anhang über die Übersetzung, dass er das Rohirrische durch das Altenglische ersetzt habe, weil es zur Gemeinsprache in einem ähnlichen Verhältnis stehe wie das Altenglische zum heutigen Englisch. Der überlieferte Name ist also eine Übersetzung, kein Klangbild. Seine beiden Glieder sind altenglisch durchsichtig — „fréa“ für Herr oder Fürst, „wine“ für Freund —, sodass der Name auf einen Herrscherfreund oder herrscherlichen Freund hinausläuft. Beide Elemente kehren im Haus Eorls wieder: im Namen des Vaters Fréa, in Goldwine und, mehrere Geschlechter später, in Fréaláf.
Ein zweites Mal taucht der Name lange nach Fréawines Zeit auf, und zwar in fremdem Mund. Zu den Tagen Helms erhob ein mächtiger Mann namens Freca den Anspruch, von Fréawine abzustammen, und leitete daraus Rang und Forderungen ab. Die Überlieferung hält dem entgegen, dass Freca dunkles Haar trug und ihm viel dunländisches Blut nachgesagt wurde — eine Bemerkung, die den Anspruch nicht ausdrücklich widerlegt, ihn aber in ein zweifelhaftes Licht rückt. Ob die Linie tatsächlich auf Fréawine zurückging, bleibt offen; erzählt wird allein, was man sich in der Mark darüber sagte.
Geschichte
Fréawine wurde 2594 des Dritten Zeitalters geboren, mitten in die längste Regierung, die das Reich je gesehen hat. Sein Großvater Aldor war 2570 König geworden und blieb es bis zu seinem Tod 2645 — fünfundsiebzig Jahre, in denen die Mark sich festigte, die Täler und Weiden bis in den Westen hinein besiedelt wurden und die letzten dunländischen Ansiedler aus der Westfold verdrängt wurden. In diese ruhige Aufbauzeit fällt Fréawines gesamte Jugend und mehr noch: Als Aldor starb, war der Enkel bereits einundfünfzig Jahre alt und hatte noch keinen Tag unter einem anderen König gelebt. Die Zahlenreihe des Anhangs macht damit einen Zug dieses Geschlechts sichtbar, der sich über drei Glieder hinzieht — die Erben wurden alt, ehe sie an die Reihe kamen.
Erst 2645 kam sein Vater Fréa auf den Thron, und auch dessen Herrschaft war kurz gemessen an der vorangegangenen: Sie währte vierzehn Jahre und endete 2659 mit Fréas Tod im hohen Alter. In diesem Jahr trat Fréawine als fünfter König der Mark die Nachfolge an; er zählte fünfundsechzig Jahre. Seine eigene Regierung dauerte einundzwanzig Jahre, bis 2680, und damit weniger als ein Drittel derjenigen Aldors. Die drei Könige, die einander in dieser Spanne folgten, teilten sich zusammengenommen kaum mehr Zeit, als der eine vor ihnen allein regiert hatte.
Von Taten dieser einundzwanzig Jahre ist nichts überliefert. Weder die Königsgeschichte des Anhangs noch die Jahresliste verzeichnet für die Zeit zwischen 2659 und 2680 ein Ereignis der Mark: keinen Feldzug, keinen Einfall aus dem Dunland, keinen Ruf Gondors nach den Reitern. Der Eid, den Eorl und Cirion 2510 geschworen hatten, bestand fort, wurde aber in diesen Jahren offenbar nicht eingefordert. Man wird daraus nicht auf Bedeutungslosigkeit schließen dürfen, sondern eher auf das Gegenteil dessen, was Annalen aufzeichnen: Die Grenzen hielten, und was hielt, gab nichts zu erzählen. Erst die Generationen nach ihm — die Einfälle in Déors Tagen, die Besetzung des Rings von Isengart durch Dunländer — brachten den Chronisten wieder Stoff.
Fréawine starb 2680 im Alter von sechsundachtzig Jahren. Ihm folgte sein Sohn Goldwine, geboren 2619 und König bis 2699, und nach diesem Déor und Gram, sodass die gerade Linie vom Vater auf den Sohn ungebrochen weiterlief. Bestattet wurde er, wie die Könige vor ihm, in einem der Grabhügel am Fuß des Berges vor Edoras; die erste Reihe dieser Hügel, auf der das Immerdar blühte, zählte am Ende neun. Als Gandalf und Théodens Gäste Jahrhunderte später an ihnen vorüberritten, war Fréawines Name einer von denen, die man beim Aufzählen der Reihe nannte, ohne dass sich eine Geschichte daran geknüpft hätte.
In die Überlieferung zurück kehrt der Name erst vierundsiebzig Jahre nach dem Tod seines Trägers, und nicht als Andenken, sondern als Waffe. Freca, ein reicher Mann mit Ländereien zu beiden Seiten des Adorn, stützte auf die behauptete Abkunft von Fréawine seinen Rang, seinen Anhang und schließlich die Forderung, Helms Tochter solle seinen Sohn Wulf heiraten. Der Streit endete 2754 damit, dass Helm ihn vor den Toren mit der Faust erschlug; vier Jahre darauf fiel Wulf mit Dunländern in die Mark ein, nahm Edoras und trieb den König in die Klamm, in der dieser 2759 im Langen Winter umkam. Mit Helm erlosch die erste Linie des Hauses Eorls, und die Krone ging an Fréaláf, den Sohn von Helms Schwester. So steht der genealogische Anspruch auf Fréawine am Anfang jener Kette, an deren Ende gerade die Nachkommenschaft unterging, aus der er sich herleitete.
Rolle und Vermögen
Im Gefüge des Werkes hat Fréawine keine handelnde Rolle. Er spricht nicht, er tritt in keiner Szene auf, und keine Erzählung nimmt auf ihn Bezug; sein Ort ist ausschließlich die Königsreihe im Anhang, wo er als fünftes Glied zwischen Vater und Sohn verzeichnet steht. Seine Funktion ist damit eine genealogische: Er verbürgt, dass sich die Herrscherfolge der Mark von Eorl bis Théoden lückenlos durchzählen lässt. Namen dieser Art tragen im Aufbau des Anhangs eine eigene Last, denn sie machen die Erblichkeit des Königtums zu einer nachprüfbaren Größe — und erst dadurch wird ein späterer Abstammungsanspruch überhaupt zu etwas, das sich behaupten oder bezweifeln lässt.
Das Amt, das er innehatte, war gleichwohl kein bloßer Titel. Die Könige der Mark herrschten über ein Land, das Gondor den Éothéod übergeben hatte, und ihre Stellung war an den Eid gebunden, den Cirion und Eorl einander geleistet hatten: Freundschaft im Frieden, Beistand in der Not, verpflichtend für beide Seiten und für alle Nachkommen. Ein König der Mark verfügte über das Aufgebot der Reiter und über die Herden, aus denen es lebte; seine Macht bestand in der Gefolgschaft freier Männer, nicht in einem Vorrecht über sie. Was Fréawine an Vermögen besaß, war also das eines Anführers berittener Männer — und zugleich das eines Vasallen im weiteren Sinne, dessen Land unter einer Bedingung stand.
Fähigkeiten über das Menschliche hinaus sind für keinen König der Mark bezeugt, und für Fréawine erst recht nicht. Die Rohirrim sind Menschen ohne númenórisches Erbe; Faramir ordnet sie in Gondors Betrachtung ausdrücklich nicht den Hohen, sondern den mittleren Völkern zu. Weder Ring noch Sehender Stein noch elbische Kunst gehören zu ihrer Überlieferung, und ihre Lebensspanne bleibt die gewöhnliche — sechsundachtzig Jahre sind ein hohes, aber kein außerordentliches Alter. Alles Weitere entzieht sich der Messung: Über Fréawines Urteil, seine Rednergabe oder sein Geschick im Feld schweigen die Quellen vollständig. Wer ihm Eigenschaften zuschreiben wollte, müsste sie aus dem Amt ableiten, nicht aus dem Zeugnis — und genau das lassen die Anhänge nicht zu.
Verwandtschaft und Bindungen
Alles, was von Fréawines Bindungen überliefert ist, verläuft in einer einzigen Richtung: vom Vater auf den Sohn. Vor ihm steht Fréa, nach ihm Goldwine, und damit ist der Kreis seiner bezeugten Verwandtschaft geschlossen. Keine Gemahlin ist genannt, keine Mutter, keine Geschwister, keine Tochter — nicht weil es sie nicht gegeben haben könnte, sondern weil die Aufstellung des Hauses Eorls nur festhält, was die Thronfolge trägt. Bei späteren Königen bricht diese Sparsamkeit auf, sobald eine Erzählung es verlangt: Thengels Gemahlin Morwen aus Lossarnach wird mit Namen und Herkunft verzeichnet, ebenso Théodwyn, die Schwester Théodens, deren Ehe mit Éomund für die Geschichte des Reiches Folgen hatte. Fréawine bleibt außerhalb dieses Lichtkreises; von ihm kennt man einen Vorgänger und einen Nachfolger und sonst niemanden.
Ebenso leer bleibt der Raum außerhalb der Sippe. Kein Gefolgsmann, kein Ratgeber, kein Widersacher aus seinen Jahren ist mit Namen bewahrt, und auch die Ämter, durch die sich die Mark später gliederte — die Marschälle mit ihren zugewiesenen Landesteilen und Aufgeboten —, sind erst für die Zeit Théodens im Einzelnen beschrieben. Ob eine vergleichbare Ordnung schon vier Geschlechter früher bestand, sagt keine Quelle. Was übrig bleibt, ist eine Beziehung ohne Eigennamen: die zwischen dem König und den Eorlingas, deren Zusammengehörigkeit in den Quellen weniger über Ämter als über gemeinsame Abkunft und gemeinsame Herkunft aus dem Norden beschrieben wird.
Die einzige Beziehung, die ausdrücklich zu ihm hergestellt wird, entstand fast ein Jahrhundert nach seinem Tod und ohne sein Zutun. Sie sagt weniger über ihn als über den Wert, den Verwandtschaft in der Mark besaß: Wer Rang beanspruchte, berief sich auf die Abkunft, und wer den Anspruch schwächen wollte, griff nicht die Forderung an, sondern die Abkunft. Die Erwiderung auf Frecas Berufung bestand denn auch nicht in einer Prüfung der Linien, sondern im Hinweis darauf, wie er aussah und woher man sein Blut herleitete. Dass die Krone am Ende nicht der geraden Vater-Sohn-Folge blieb, sondern über die Schwester eines Königs weiterging, gehört zur Ironie dieser Rechnung. Fréawine steht damit zwischen zwei Arten, Verwandtschaft geltend zu machen: als stilles Glied einer nachprüfbaren Reihe und als Berufungsgrund eines Mannes, dem man nicht glaubte.