Herkunft und Namen
Der Name „Isengart“ setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen: „Isen“, das mit dem altenglischen Wort für Eisen (īsen) verwandt ist, und „gart“ beziehungsweise „gard“, das eine umfriedete, eingehegte Stätte bezeichnet, verwandt mit Wörtern wie Hof oder Gehege. Sinngemäß lässt sich der Name daher als „Eisenhof“ oder „eiserne Umfriedung“ deuten, ein Hinweis auf die geschlossene Ringmauer, die die Anlage umgab. Denselben Wortstamm trägt der nahe entspringende Fluss Isen, so dass beide Namen auf dieselbe sprachliche Wurzel zurückgehen, ohne dass damit zwingend ein tatsächlicher Eisenabbau am Ort belegt wäre. „Isengart“ ist dabei die ins Gemeinsprachliche übertragene Form eines ursprünglich anderslautenden, älteren Namens.
Jener ältere, eigentliche Name lautete Angrenost, ein Sindarin-Wort aus „angren“ („aus Eisen, eisern“) und „ost“ („Festung“), das dieselbe Bedeutung trägt wie die spätere Übertragung. Unter diesem Namen war die Festung bekannt, als sie noch unmittelbar unter der Hoheit Gondors stand; erst mit der Zeit setzte sich im allgemeinen Sprachgebrauch die anglisierte Form durch. Wegen ihrer namensgebenden, den Orthanc vollständig umschließenden Ringmauer wurde die Anlage zudem gelegentlich als „Ring von Isengart“ bezeichnet – eine beschreibende Nebenbenennung, die eher die kreisrunde Bauform als einen eigenständigen Namen meint.
Land und Lage
Isengart lag am äußersten südlichen Ende des Nebelgebirges, dort wo sich der Gebirgszug zu einem letzten, weit vorspringenden Arm auszog, ehe er zur Rohan-Pforte hin abbrach. In diesem geschützten Talkessel, der als Nan Curunír bekannt war, erhob sich die Festung wie eine eigene kleine Welt inmitten der offenen Landschaft: eine ausgedehnte, nahezu kreisrunde Ebene, vollständig umschlossen von einer hohen, glatten Felsmauer. Nach Westen hin öffnete sich das Tal zur Rohan-Pforte, jenem breiten Durchgang zwischen dem Nebelgebirge im Norden und den nördlichsten Ausläufern des Weißen Gebirges im Süden, der seit alters die einzige leichte Verbindung zwischen den Landen nördlich und südlich davon bildete. Nur ein einziger Zugang, ein finsterer Torweg durch die Mauer, führte ins Innere, so dass die gesamte Anlage von außen wie ein in sich geschlossenes Bollwerk wirkte.
Im Innern erstreckte sich um den zentral gelegenen Orthanc einst eine gepflegte, vom übrigen Land deutlich abgesetzte Kulturlandschaft: Alleen von Bäumen, Wiesen und Beete, durchzogen von Wasserläufen, die man aus dem Fluss Isen abgeleitet und in Kanälen quer durch die Ebene geführt hatte. Diese Bewässerung, die dem sonst kargen Boden am Fuß des Gebirges ungewöhnliche Fruchtbarkeit verlieh, war Zeugnis der alten, sorgsamen Ordnung, die in der Anlage geherrscht hatte, ehe sie zu bloßem Nutzland für Sarumans Vorhaben wurde. So bildete das Innere der Ringmauer einen deutlichen Gegensatz zur kargen, von Fels und Geröll geprägten Umgebung des Gebirgsausläufers, dem es entwuchs.
Nach Osten hin grenzte das Zauberertal an den Wald Fangorn, der sich am Fuß des Gebirges entlangzog und nahe genug lag, dass seine Bewohner die Festung ohne weite Wanderung erreichen konnten. Nach Süden hin floss der Isen an Isengart vorbei weiter das Tal hinab in Richtung der Furten des Isen, die flussabwärts einen der westlichen Grenzpunkte Rohans markierten. Isengart nahm damit eine Schlüsselstellung ein: als Wächter der Rohan-Pforte lag es an der einzigen offenen Flanke, über die Rohan von Westen her verwundbar war, eingebettet zwischen dem freien Grasland im Osten und den unbewohnten Höhen des Gebirges im Norden und Westen.
Geschichte
In den Tagen seiner Macht ließ Gondor Isengart als einen der westlichen Vorposten des Reiches errichten, um die Rohan-Pforte gegen Einfälle aus dem Norden zu sichern, so wie andere Festungen die östlichen und nördlichen Grenzen wachten. Weder die Ringmauer noch der Orthanc in ihrer Mitte waren, wie Saruman es später für sich beanspruchte, sein eigenes Werk: beide gingen auf die Männer Westernesses zurück, die sie in einer Zeit errichteten, die weit vor der Ankunft der Istari lag. Solange Gondors Kraft reichte, hielt eine Besatzung des Reiches die Festung besetzt; doch mit dem allmählichen Schwinden der Bevölkerung und der Macht Gondors wurde auch dieser äußere Posten immer schwächer bemannt, bis er zuletzt fast verödet dalag.
Im Jahr 2759 des Dritten Zeitalters, als Gondor die Festung nicht länger aus eigener Kraft halten konnte, übertrug der Truchsess Beren mit Zustimmung des Weißen Rates dem Zauberer Saruman die Schlüssel des Orthanc und die Hoheit über Isengart, da dieser sich erboten hatte, den verwaisten Posten zu hüten. Saruman, der zuvor viel im Osten umhergezogen war, nahm dort seinen Wohnsitz und ließ sich fortan nicht mehr vertreiben; Isengart wurde ihm zum bleibenden Sitz, von dem aus er, äußerlich weiterhin als Wächter im Dienst Gondors, zunehmend eigene Wege verfolgte.
Über die folgenden Jahrzehnte wandelte sich Isengart unter Sarumans Hand von dem gepflegten Sitz eines gondorischen Wächters zu seiner persönlichen Machtbasis. Getrieben von seinem wachsenden Verlangen nach dem Einen Ring und einer heimlichen Rivalität mit Sauron, ließ er unter der Ringmauer Schmieden und Gruben anlegen und stellte aus Orks und den von ihm selbst gezüchteten Uruk-hai ein eigenes Heer auf. Als die Bedrohung durch Sauron erneut wuchs und Saruman sich heimlich einem eigenen Streben nach der Herrschaft über Mittelerde zuwandte, offenbarte er im Jahr 3018 dem Zauberer Gandalf, den er zunächst als möglichen Verbündeten empfangen hatte, seinen Verrat und hielt ihn gefangen auf der Spitze des Orthanc, bis dieser mit Hilfe des Adlers Gwaihir entkommen konnte.
Im Frühjahr des folgenden Jahres warf Saruman sein aus Isengart aufgestelltes Heer gegen Rohan und ließ es zur Belagerung von Helms Klamm ausziehen. Während die Festung dadurch so gut wie unbewacht blieb, führte Baumbart, aufgebracht durch die Verwüstung, die Sarumans Orks am Rand des Fangorn angerichtet hatten, die versammelten Ents gegen Isengart. Die Ents durchbrachen die Ringmauer, überwältigten die restliche Wache und stauten schließlich die Wasser des Isen auf, so dass die Ebene im Innern der Mauer geflutet wurde und Feuer, Gruben und Schmieden erloschen. Als Gandalf, Théoden und ihre Gefolgsleute wenig später vor der Festung eintrafen, fanden sie Isengart bereits als überflutetes Trümmerfeld vor, während sich Saruman mit seinem Diener Schlangenzunge in den unzerstörbaren Orthanc zurückgezogen hatte, wo ihn die Ents seither von außen belagerten.
Nach dem Sturz Saurons wurde Isengart endgültig aus Sarumans Hand gelöst: Baumbart, der die Aufsicht über die Festung behalten hatte, ließ den entmachteten Zauberer schließlich ziehen, doch der Orthanc selbst blieb fortan verschlossen und leer. Auf dem Rückweg von Minas Tirith kehrten Gandalf und seine Gefährten noch einmal nach Isengart ein und fanden es bereits unter der Obhut der Ents, die begonnen hatten, die einstige Kriegsfeste in einen bewaldeten, von Wasser durchzogenen Garten zu verwandeln. Baumbart selbst kündigte an, den Ort fortan zu hüten und zu bepflanzen, so dass er unter dem Namen Baumhof des Orthanc in veränderter Gestalt an die alte Pracht des Ortes vor Sarumans Herrschaft erinnerte.
Bevölkerung und Herrschaft
Wer die Festung vor ihrer Übergabe an Saruman tatsächlich bewohnte, ist kaum überliefert; als westlicher Grenzposten Gondors dürfte lediglich eine kleine Besatzung des Reiches dort gestanden haben, wie sie auch andere entlegene Wachtürme hielt. Von einer ansässigen Bevölkerung im eigentlichen Sinn ist nirgends die Rede, und auch das benachbarte Rohan, dem das Tal umschlossen war, übte über die Anlage selbst zu keiner Zeit eigene Herrschaft aus: Isengart blieb, solange Gondor Kraft dazu hatte, dessen unmittelbarer Besitz, eingebettet in, doch nicht Teil des Reiches der Rohirrim.
Mit der Übertragung der Festung an Saruman wandelte sich diese Ordnung grundlegend. Der Zauberer herrschte fortan als alleiniger Herr über Isengart, zunächst noch dem Anschein nach als Wächter im Auftrag Gondors und in loser Verbundenheit mit Rohan, dessen Grenze das Tal berührte. Mit den Jahren aber zog er dorthin ein wachsendes Gefolge aus Orks und Halb-Ordas sowie Männer zweifelhafter Herkunft, die ihm aus den Tälern und von den Rändern anderer Länder zuliefen, und schuf sich damit eine eigene, ihm allein ergebene Dienerschaft, die mit den vormaligen Bewohnern der Anlage nichts mehr gemein hatte.
Das Verhältnis zu den Nachbarn schlug damit von Duldung in offene Feindschaft um: Aus dem einstigen Wächter der Rohan-Pforte wurde ein Gegner, der die Reiter Rohans mit seinem Kriegsvolk überzog, während sein Diener Grima als Schlangenzunge heimlich am Hof Théodens dessen Vertrauen untergrub. Nach Sarumans Sturz übernahmen die Ents unter Baumbart faktisch die Aufsicht über das verlassene Gelände, ohne dass Isengart dadurch in eine förmliche Herrschaft Rohans oder eines anderen Reiches überging; die Ents blieben lediglich als selbstgewählte Hüter eines Ortes zurück, dem sie sich aus eigenem Entschluss verbunden fühlten.
In der Erzählung
Für die Erzählung wird Isengart zum Schauplatz einer der denkwürdigsten Wiederbegegnungen des Buches: Als Gandalf, Théoden und ihre Reiter nach dem Sieg bei Helms Klamm vor dem überfluteten Tor eintreffen, finden sie dort keinen Kampf, sondern Merry und Pippin, die es sich zwischen den Trümmern gemütlich gemacht haben, rauchend, essend und über die jüngsten Ereignisse plaudernd, als wären sie zu Gast in einem Wirtshaus. Der Kontrast zwischen der zerschlagenen Kriegsfeste und der behaglichen Gelassenheit der beiden Hobbits gehört zu den bewusst komischen Wendungen der Erzählung und macht zugleich deutlich, dass die eigentliche Entscheidung an diesem Ort bereits gefallen ist, ehe die Reiter überhaupt ankommen.
Vor dem Orthanc kommt es sodann zu jener berühmten Unterredung, in der Saruman, noch immer auf seinem Turm, mit einer Stimme voller Überredungskunst zunächst Théoden, dann Gandalf für sich zu gewinnen versucht und dabei sein wahres Wesen hinter höflichen Worten verbirgt. Théoden weist das Angebot zurück, während Gandalf dem einst mächtigeren Zauberer förmlich die Mitgliedschaft im Rat der Weisen aufkündigt und ihm den Stab zerbricht - ein Wendepunkt, der Saruman schon vor dem endgültigen Verlust seiner Festung zur Bedeutungslosigkeit verurteilt.
Aus demselben Fenster wirft wenig später Schlangenzunge, aufgebracht über Sarumans Verachtung, einen schweren dunklen Stein herab, der Isengart zum Ausgangspunkt eines neuen Handlungsstranges macht: Pippin hebt ihn heimlich auf, und seine Neugier, kurz darauf hineinzublicken, führt zu einer unmittelbaren Begegnung mit Sauron. Aus dieser Episode ergibt sich die Trennung der beiden Hobbits, die bislang gemeinsam ihren Weg gegangen waren - Gandalf nimmt Pippin fortan mit sich nach Minas Tirith, während Merry bei den Rohirrim bleibt -, eine Weichenstellung, die von diesem Ort ihren Ausgang nimmt und die Erzählung in ihre letzten, getrennten Stränge auffächert.
In Verfilmungen und Hörspielen
Ralph Bakshis Zeichentrickfassung von 1978 führt Isengart als Sammelplatz von Sarumans Heer ein; den Zauberer selbst spricht Fraser Kerr, der in mehreren Szenen abweichend „Aruman“ genannt wird – offenbar, um im Hören eine Verwechslung mit Sauron zu vermeiden. Da diese Fassung nach der Schlacht an Helms Klamm abbricht und Baumbart samt den Ents darin überhaupt nicht vorkommt, unterbleiben sowohl der Sturm auf die Ringmauer als auch die Flutung und die spätere Unterredung am Fuß des Orthanc. Die BBC-Hörspielfassung von 1981 in sechsundzwanzig Teilen hält sich weit enger an die Vorlage; Saruman spricht dort Peter Howell. Dem Medium entsprechend bleibt Isengart ein allein durch Sprache und Geräusch entworfener Ort: Der Angriff der Ents wird nicht dargestellt, sondern nachträglich durch Merry und Pippin berichtet, während das Gespräch vor dem Turm ausgeführt erhalten bleibt.
In Peter Jacksons Filmtrilogie von 2001 bis 2003 spielt Christopher Lee den Herrn der Festung, Brad Dourif dessen Diener Schlangenzunge. Die Filme verlegen einen erheblichen Teil der Handlung in ausgedehnte Stollen und Gruben unter der Ringmauer, in denen die Uruk-hai unmittelbar aus dem Schlamm hervorgebracht werden – eine Ausgestaltung, für die das Buch keine Vorlage bietet. Auch der Entschluss der Ents ist verändert: Das Entthing endet zunächst gegen einen Kriegszug, und erst als Pippin Baumbart über die gefällten Waldränder führt, wendet sich dieser gegen Isengart, während im Buch der Beschluss aus der Versammlung selbst hervorgeht. Der schwarze Stein gelangt an Pippin, indem dieser ihn aus dem Flutwasser der überschwemmten Ebene birgt, statt dass er vom Turm herabgeworfen wird. Die Ankunft Gandalfs und Théodens vor der Festung sowie die letzte Unterredung mit Saruman fehlen in der Kinofassung des dritten Teils ganz und wurden erst in der erweiterten Fassung eingefügt; dort stirbt Saruman noch an diesem Ort durch die Hand seines Dieners, während er im Buch überlebt und sein Ende erst später im Auenland findet.