Herkunft und Namen

Der Familienname Hornblower gehört zu den fest überlieferten Namen des Auenlandes und ist dort lange vor den Ereignissen des Ringkriegs bezeugt. Er ist durchsichtig gebildet und benennt den, der ein Horn bläst; damit steht er in einer Reihe mit jenen hobbitischen Sippennamen, die aus einer Tätigkeit oder einem handfesten Merkmal hervorgegangen sind, und nicht in der Reihe der vornehm klingenden Herkunftsnamen. Am bekanntesten ist Tobold Hornblower aus dem Südviertel, dem die Überlieferung des Auenlandes den ersten geordneten Anbau des Pfeifenkrauts zuschreibt; nach ihm trägt eine der geschätzten Sorten ihren Namen. Wer Hornblower heißt, gehört also einer Sippe an, deren Bekanntheit sich weniger an Besitz als an dieser einen Kunst festmacht und die im Süden des Auenlandes verwurzelt ist.

Volk und Art sind mit dem Namen bereits gegeben: Die Hornblowers sind Hobbits des Auenlandes, ansässig unter ihresgleichen und ohne Verbindung zu den älteren Völkern Mittelerdes. Als Sippe erscheinen sie unter den geladenen Familien von Bilbo Beutlins Abschiedsfest, wo sie neben den Beutlins, den Tuks und den Brandybocks als eine der Auenland-Sippen aufgezählt werden, die zu solchen Anlässen zusammenkommen. Ihr Rang ist damit der einer geachteten, aber nicht führenden Familie: Anders als Beutlins, Tuks und Brandybocks hat sie in den Anhängen keine eigene Stammtafel erhalten, so dass sich Verwandtschaftsverhältnisse einzelner Träger des Namens aus den veröffentlichten Büchern nicht ableiten lassen.

Für die Namensform selbst ist die im Anhang zur Übersetzung dargelegte Fiktion zu beachten: Die englischen Namen der Hobbits gelten als Übertragungen westronischer Formen, deren Sinn wiedergegeben wird, nicht deren Lautgestalt. „Hornblower“ ist mithin die Bedeutung eines Namens, nicht sein ursprünglicher Klang; dasselbe gilt für die deutsche Wiedergabe. Der Rufname Adam fällt in diesem Zusammenhang auf, denn die zu Tolkiens Lebzeiten veröffentlichten Bücher kennen für das Auenland andere Muster – altertümlich-hochtönende Vornamen in den größeren Sippen, schlichte einsilbige bei den einfacheren Familien –, und ein Hobbit dieses Namens ist dort nicht verzeichnet. Ein Träger namens Adam Hornblower ist allein in den Entwurfsschichten zum Herrn der Ringe greifbar; was sich über ihn sagen lässt, gehört daher in den Abschnitt über Entwürfe und Varianten und nicht in die gesicherte Überlieferung.

Geschichte

Eine Lebensgeschichte im eigentlichen Sinne lässt sich für Adam Hornblower aus den veröffentlichten Büchern nicht erzählen. Weder der Herr der Ringe noch der Hobbit noch die Anhänge verzeichnen unter diesem Rufnamen eine Tat, einen Aufenthalt oder ein Datum; die Stammtafeln des Anhangs führen die Sippe nicht, so dass auch keine Lebensdaten erschlossen werden können. Was sich chronologisch ordnen lässt, hängt daher nicht an der Person, sondern an dem Namen, den sie trägt: Die Hornblowers erscheinen in der Überlieferung des Auenlandes an einigen wenigen, aber genau datierten Punkten, und diese Punkte bilden den einzigen Zeitrahmen, in den ein Träger des Namens überhaupt eingeordnet werden könnte. Der folgende Abriss hält sich deshalb an das Bezeugte und benennt die Lücken, statt sie zu füllen.

Der früheste feste Punkt liegt weit vor dem Ringkrieg. Die Überlieferung des Auenlandes setzt den geordneten Anbau des Pfeifenkrauts in das Jahr 1070 der Auenland-Zeitrechnung, das nach der im Anhang dargelegten Zählung dem Jahr 2670 des Dritten Zeitalters entspricht. Ort der Sache ist Langgrund im Südviertel, jene warme und geschützte Lage, in der das Kraut zuerst planmäßig gezogen wurde; von dort aus verbreitete sich die Gewohnheit des Rauchens weiter, wobei die Hobbits von Bree für sich in Anspruch nehmen, damit noch früher begonnen zu haben. Aus dem Ortsnamen wurde eine Sortenbezeichnung, das Langgrund-Blatt, und aus dem Anbau ein Handelszweig, der über die Grenzen des Auenlandes hinausreichte. Damit hat die Sippe für gut dreieinhalb Jahrhunderte einen wirtschaftlichen Ruf begründet, der die Erwähnungen des Namens in der späteren Erzählung überhaupt erst verständlich macht.

Im Herbst des Jahres 1401 der Auenland-Zeitrechnung, das dem Jahr 3001 des Dritten Zeitalters entspricht, treten Angehörige der Sippe zum letzten Mal vor den Kriegsjahren als lebende Personen in Erscheinung, und zwar ausschließlich im Plural, als eine der geladenen Familien unter vielen. Kein einzelner Hornblower wird bei dieser Gelegenheit mit Namen genannt, kein Wort fällt, keine Handlung wird ihm zugeschrieben. Für die Chronologie bedeutet das: Zwischen Tobold und dem Ringkrieg liegt eine Strecke von mehr als drei Jahrhunderten, in der die Sippe zwar fortbesteht, aber keinen einzigen namentlich fassbaren Vertreter hinterlässt. Ein Hobbit namens Adam, wo immer man ihn ansiedeln wollte, fiele in genau diese unbeschriebene Strecke.

Der nächste Beleg ist kein Personen-, sondern ein Warenbeleg, und er fällt in den März des Jahres 3019. Als Meriadoc Brandybock und Peregrin Tuk nach dem Untergang Isengarts im Treibgut der überfluteten Anlage Vorräte durchsuchen, finden sie Fässer mit Pfeifenkraut aus dem Südviertel, deren Brandzeichen die Herkunft aus dem Betrieb der Hornblowers ausweist. Der Fund ist für die Erzählung wichtiger, als sein Umfang vermuten lässt: Er zeigt, dass Waren aus dem Auenland auf geordnetem Wege bis nach Isengart gelangt sind, und macht sichtbar, wie weit Sarumans Interesse an dem kleinen Land im Norden bereits reichte, ehe dort jemand etwas davon bemerkte. Für die Sippe selbst folgt daraus, dass ihr Handel zu diesem Zeitpunkt noch in Betrieb war und dass ihre Erzeugnisse als eine Art Markenzeichen des Auenlandes gelten konnten.

Im selben Jahr traf die Sippe die Kehrseite dieses Handels. Während der Besetzung des Auenlandes wurden Vorräte eingezogen und in Wagenladungen fortgeschafft, das Südviertel litt unter dem Zugriff der fremden Männer besonders, und Pfeifenkraut war im Land zeitweise überhaupt nicht mehr zu bekommen. Die Verhältnisse endeten mit der Schlacht bei Wasserau am 3. November 1419 der Auenland-Zeitrechnung und der anschließenden Säuberung des Landes. Das folgende Jahr 1420 gilt in der Chronik als eine Zeit außergewöhnlichen Ertrages, in der auch der Anbau im Südviertel sich erholte; die Ernte dieses Jahres wurde später eigens gerühmt. Namentlich genannte Hornblowers kommen in dem Bericht über diese Ereignisse nicht vor, so dass sich weder Verluste noch Beteiligungen einzelner Angehöriger festhalten lassen.

Die Geschichte der Hornblowers ist damit, soweit sie überliefert ist, eine Geschichte von Anbau, Handel und Plünderung und nicht von Reisen, Kämpfen oder Ämtern. Sie hat einen genau datierten Anfang, eine lange stumme Mitte und ein Ende, das mit der Erholung des Auenlandes nach dem Ringkrieg zusammenfällt. In diesen Rahmen lässt sich ein Adam Hornblower nicht mit einer einzigen belegten Tat einfügen: Es gibt für ihn kein Jahr, keinen Ort und keinen Wendepunkt, den die veröffentlichten Bücher stützen würden. Was über diesen Namensträger gesagt werden kann, stammt aus den Arbeitsschichten, die der Veröffentlichung vorausgingen, und wird an anderer Stelle dieses Artikels behandelt.

Rolle und Fähigkeiten

„Rolle“ bedeutet für einen Hobbit des Auenlandes zunächst Stellung in einer Gemeinschaft, die kaum Herrschaft kennt. Der Prolog schildert ein Land ohne stehendes Heer und fast ohne Verwaltung: Der Bürgermeister von Michelbinge vereinigt die wenigen öffentlichen Aufgaben auf sich, der Thain trägt einen Titel, dessen kriegerischer Sinn seit langem nur noch der Form nach besteht, und der Herr von Bockland steht einem Landstrich vor, der sich selbst genügt. Befehlsgewalt ist damit für niemanden vorgesehen; Ansehen erwächst aus Grundbesitz, aus dem Alter der Sippe oder aus einem gut geführten Gewerbe. Wer überhaupt in Erinnerung blieb, hing zudem an der Schreiblust einzelner Häuser: Die Aufzeichnungen des Auenlandes bewahrten Geschlechterfolgen und Jahresangaben, aber nur für jene Familien, die solche Bücher führten.

Fähigkeiten im engeren Sinn schreibt der Prolog den Hobbits nur in einem eng umgrenzten Bereich zu. Sie bewegen sich flink und lautlos und entziehen sich dem Blick, wenn großes Volk sich nähert; der Erzähler stellt eigens klar, dass darin nichts Zauberisches liegt, sondern geübte und über Geschlechter hinweg weitergegebene Geschicklichkeit. Hinzu kommen scharfe Augen und Ohren, eine Zähigkeit, die man ihrer Behäbigkeit nicht ansieht, und ein sicheres Auge beim Werfen wie beim Schießen. Die Grenzen sind ebenso deutlich gezogen: Waffen hingen im Auenland überwiegend als Andenken über den Kaminen oder lagerten in der Sammlung zu Michelbinge, Kriegsdienst kannte man dort seit Menschengedenken nicht, und ein Zugang zu den älteren Mächten Mittelerdes fehlt diesem Volk vollständig.

Diese Anlage ist gewollt. In einem ausführlichen Brief über den Zusammenhang seines Werkes beschreibt Tolkien die Hobbits als ein kleines, in den großen Rechnungen unbedeutendes Volk ohne jede übermenschliche Gabe, dessen Gewicht in der Erzählung gerade daraus erwächst, dass es allein mit Zähigkeit, Anhänglichkeit und einem unerwarteten Mut in Lagen besteht, für die es weder gerüstet noch geschaffen ist. Für einen Träger des Namens Hornblower ergibt sich daraus die nüchternste aller Auskünfte: Es ist nichts zu bemessen. Kein Amt, keine Waffe, kein Gegenstand von Macht wird mit ihm verbunden, und auch die Wirkung der Sippe beruht nicht auf ihr selbst, sondern auf einem Gewerbe, dessen Erzeugnisse weiter reisten als seine Angehörigen. Was darüber hinaus über eine Rolle Adams behauptet wird, stützt sich nicht auf die veröffentlichten Bücher, sondern auf frühere Arbeitsstufen, die dieser Artikel gesondert behandelt.

Beziehungen

Wer im Auenland nach Beziehungen fragt, fragt zuerst nach Verwandtschaft. Der Prolog schildert ein Volk, das seine Geschlechterfolgen mit auffälliger Ausdauer bewahrte, und die Vorbemerkung zu den Stammtafeln hält ausdrücklich fest, dass die abgedruckten Tafeln nur eine Auswahl aus einem weit größeren Bestand darstellen. Beziehung heißt dort weniger Bündnis als Versippung: Ein Hobbit ist über Basen und Vettern mit halb seinem Viertel verbunden, und wer in den Büchern der Familien steht, ist dadurch bereits eingeordnet. Für Adam Hornblower ergibt sich daraus ein durchweg negativer Befund. Weder Eltern noch Geschwister, weder eine Ehe noch Nachkommen lassen sich ihm zuordnen, und da für seine Sippe keine Tafel vorliegt, fehlt auch der Umweg, ihn über Dritte in ein Verwandtschaftsgefüge einzuhängen.

Sichtbar bleiben allein Beziehungen im Plural. Der Name der Sippe tritt dort auf, wo Häuser des Auenlandes nebeneinander aufgezählt werden – zwischen Boffins, Bolgers und anderen Familien, die zu größeren Anlässen zusammenkommen –, und er wird dabei mitgenannt, nie herausgehoben. Solche Reihungen sind mehr als Beiwerk: Sie zeichnen ein Gefüge gleichrangiger Nachbarn, in dem Zugehörigkeit sich an geteilten Gelegenheiten und nicht an Gefolgschaft bemisst. Der Unterschied zu den Boffins und Bolgers liegt darin, dass deren Heiraten in die Tafeln der großen Häuser eingegangen sind, während für die Hornblowers keine einzige Eheverbindung verzeichnet ist. Ihre Nähe zu den Bekannten der Erzählung ist damit eine der Anwesenheit, nicht der Verwandtschaft.

Zwei einseitige Verhältnisse treten hinzu. Das eine ist ein Verhältnis der Erinnerung: Meriadoc Brandybock verfasste die Kräuterkunde des Auenlandes, und dass ein Hornblower überhaupt mit eigenem Namen und eigenem Verdienst überliefert ist, verdankt sich diesem gelehrten Interesse eines Angehörigen einer ganz anderen Sippe. Das andere ist ein Gegenverhältnis ohne Begegnung: Saruman schätzte die Erzeugnisse des Südviertels und ließ sie sich beschaffen, ohne dass irgendein Angehöriger der Familie ihm je gegenübergetreten wäre. Beide Bindungen laufen über die Ware und über das Schriftwerk, nicht über Personen. Für einen Träger des Namens Adam bleibt deshalb auch hier nichts zu benennen: Er hat in den veröffentlichten Büchern weder einen Freund noch einen Gegner, und was ihm an Umgang zugeschrieben wird, gehört den Entwurfsschichten an.