Herkunft, Wesen und Namen

Der Name Angamaite ist im Hochelbischen gebildet und folgt damit dem Brauch der Fürstenhäuser Gondors, die ihren Söhnen seit alters quenyanische Namen gaben. Das erste Glied gehört zu jener weit verbreiteten Wortsippe, die „Eisen“ bedeutet und in Bildungen wie Angband oder Angrist wiederkehrt; das zweite Glied begegnet in der Königsliste Númenors, wo ein Herrscher nach seiner Vorliebe für Silber den Beinamen Telemmaitë trug und danach als der Silberhändige galt. Zusammengenommen ergibt sich ein Name, den man mit „der Eisenhändige“ wiedergeben kann — eine kriegerische Prägung, wie sie auch der Name seines Gefährten Sangahyando trägt, der gleichfalls quenyanisch geformt ist. Ein Beiname oder Zweitname ist für Angamaite nirgends überliefert; das Werk nennt ihn stets in der Doppelung mit Sangahyando.

Seiner Abkunft nach stand Angamaite den Königen von Gondor näher, als es sein späterer Rang unter den Korsaren vermuten lässt: Er war, gemeinsam mit Sangahyando, ein Urenkel Castamirs. Castamir aber hatte als Schiffsherr die Flotten Gondors befehligt und im Sippenstreit die Krone an sich gerissen, bis Eldacar zurückkehrte und ihn stürzte. Seine Söhne hielten sich zunächst in Pelargir, wichen dann nach Umbar aus und zogen dort alle an sich, die dem wiedereingesetzten König feind waren. So wuchs Angamaite in einem Hause auf, das sich selbst nicht als Geschlecht von Seeräubern verstand, sondern als die rechtmäßige Linie der Könige, um ihr Erbe gebracht.

Volk und Wesen ergeben sich daraus: Angamaite war ein Mann númenórischen Blutes, entsprossen dem Königshaus Gondors und gleichwohl gezählt zu den Korsaren von Umbar, jener Macht im Süden, die aus flüchtigen Empörern, alten Feinden des Reiches und den Leuten der Hafenstadt zusammenwuchs. Umbar selbst war ein uraltes Bollwerk der Númenórer, lange zwischen Gondor und dessen Gegnern umstritten, und die Nachkommen Castamirs machten es zum Sitz einer Feindschaft, die über Generationen nicht erlosch. Angamaite führte diese Macht nicht allein, sondern zu zweit mit seinem Verwandten — eine geteilte Herrschaft, wie sie in Gondors eigener Überlieferung kaum ein Gegenstück hat. In die Zeit König Telemnars fällt, was von ihm berichtet wird.

Geschichte

Von Angamaites Geburt, Jugend und Aufstieg schweigt die Überlieferung; kein Jahr, kein Ort und kein Vatername sind für ihn verzeichnet. Umgrenzen lässt sich seine Zeit nur über die Geschlechterfolge, der er entstammt. Im Jahr 1447 des Dritten Zeitalters fiel Castamir bei den Furten des Erui, und im Jahr darauf gaben dessen Söhne die Anduin-Stadt Pelargir auf und setzten sich mit den Schiffen, die sie noch bemannen konnten, nach Umbar ab. Angamaite gehörte der vierten Generation dieses Hauses an; seine Geburt fällt also in die langen Jahrzehnte danach, in denen Umbar bereits eine eigene Herrschaft war, unabhängig von der Krone und im Kriegszustand mit ihr. Was von ihm berichtet wird, hängt an einem einzigen Jahr, doch dieses Jahr steht am Ende einer Feindschaft, die zu diesem Zeitpunkt fast zwei Jahrhunderte gedauert hatte.

In den Menschenaltern vor ihm war der Süden für Gondor kein ruhiger Rand des Reiches geblieben. Die Herren von Umbar bedrohten die Küstenlande und den gesamten Verkehr zur See, und sie fanden Rückhalt bei den Haradrim, deren Kriege mit Gondor in dieselben Jahrzehnte fallen. Aldamir, ein Enkel Valacars und Sohn Eldacars, kam in einem solchen Krieg gegen die Haradrim und die Korsaren um; sein Sohn, der als Hyarmendacil der Zweite in die Königsliste einging, schlug die Südländer und stellte den Frieden für eine Weile wieder her. Auf ihn folgte Minardil, gleichfalls ein Nachkomme Eldacars, und unter ihm schien die Gefahr aus Umbar so weit gebannt, dass man an den Häfen des Anduin nicht mehr mit einem Schlag rechnete.

Im Jahr 1634 des Dritten Zeitalters kam dieser Schlag. Angamaite und Sangahyando führten die Flotte der Korsaren aus Umbar heran, verwüsteten die Küsten Gondors und stießen den Anduin hinauf bis Pelargir. Dort trafen sie den König selbst: Minardil fiel im Überfall, und die Angreifer zogen sich mit ihrer Beute wieder zurück, ehe das Reich seine Kräfte sammeln konnte. Der Ort war kein Zufall — Pelargir war die älteste Hafenstadt der Númenórer am Anduin und zugleich jene Feste, in der sich die Söhne Castamirs nach dem Sturz ihres Vaters zuletzt gehalten hatten, bevor sie über See flohen. Die Überlieferung stellt den Zug denn auch nicht als bloßen Raubzug dar, sondern als Tat der Urenkel Castamirs, die den Nachkommen Eldacars galt.

Die Krone ging auf Minardils Sohn Telemnar über, und was in Gondor folgte, wog schwerer als der Verlust eines Königs. Zwei Jahre nach dem Überfall, im Jahr 1636, kam aus dem Osten die Große Pest über das Land. Sie tötete Telemnar und alle seine Kinder, riss weite Lücken in die Bevölkerung, besonders in Osgiliath, und ließ auch den Weißen Baum in Minas Anor eingehen. Die Wachen über die Grenzen Mordors wurden nicht mehr besetzt, und die Kraft des Reiches sank auf einen Stand, von dem sie sich nie wieder ganz erholte. Tarondor, Telemnars Neffe, verlegte den Königssitz endgültig nach Minas Anor und pflanzte dort einen Schössling des Baumes; wiederherstellen konnte er, was verloren war, nicht. Der Überfall Angamaites steht in der Chronik unmittelbar vor diesem Einbruch und gehört im Rückblick zu den schwersten Übeln, die Gondor in jenen Jahren trafen.

Über Angamaites weiteres Leben und über seinen Tod ist nichts aufgezeichnet. Er verschwindet aus der Chronik so unvermittelt, wie er in sie eintritt, und keine Quelle nennt ein Ende, eine Nachkommenschaft oder einen weiteren Zug unter seiner Führung. Was die Annalen weitererzählen, betrifft nur noch sein Haus: Erst im Jahr 1810 nahm König Telumehtar Umbar im Sturm, vertrieb die Korsaren und beendete die Herrschaft der Empörer über die Stadt; dabei kamen die letzten Nachkommen Castamirs um, und der König nahm den Namen Umbardacil an. Damit erlosch die Linie, für die Angamaite gefochten hatte, hundertsechsundsiebzig Jahre nach dem Tag von Pelargir. Umbar selbst blieb Gondor darum nicht lange erhalten; die Feindschaft, die dort ihren Sitz hatte, überdauerte das Geschlecht, das sie gestiftet hatte.

Rolle und Machtmittel

Innerhalb des Legendariums fällt Angamaite eine eng umgrenzte Rolle zu: Er ist einer der beiden namentlich genannten Anführer der Korsaren von Umbar und damit die einzige Gestalt dieser Seemacht, die in den Anhängen des Herrn der Ringe mit eigenem Namen hervortritt. Ein Titel wird ihm nirgends beigelegt — er heißt weder König noch Fürst von Umbar, sondern schlicht einer derer, die das Kriegsvolk führten. Auch eine Einzeltat wird ihm nicht zugeschrieben; die Überlieferung nennt ihn und Sangahyando stets in einem Atemzug und unterscheidet ihre Anteile nicht. Seine Bedeutung liegt weniger in der Person als in der Abstammung: Er ist der Punkt, an dem der alte Zwist des Königshauses noch einmal handelnd in die Reichsgeschichte eingreift.

Seine Macht war durchaus weltlicher Art. Sie bestand aus Schiffen, aus geübten Mannschaften und aus der Beweglichkeit, die der Besitz eines tiefen Hafens im Süden verlieh: Wer über See kam, konnte den Ort des Schlages wählen, während der Verteidiger seine Küsten auf ganzer Länge zu halten hatte. Dazu trat der Rückhalt der Verbündeten in Harad, deren Kriege gegen Gondor in dieselben Jahrhunderte fielen, und das Erbe einer Kriegskunst, die ursprünglich Gondors eigene war und sich nun gegen das Reich richtete. Von Zauber, überlieferten Gaben oder besonderer Lebensdauer ist bei Angamaite nirgends die Rede; nichts an ihm überschreitet das Maß eines tüchtigen Heerführers númenórischen Geblüts.

Ebenso deutlich sind die Grenzen dieser Macht. Der Zug den Anduin hinauf brachte Beute und den Tod eines Königs, aber keinen Fußbreit Landes: Pelargir blieb Gondor, die Reichsgrenze verschob sich nicht, und eine Belagerung oder dauerhafte Besetzung lag außerhalb dessen, was eine Flotte leisten konnte. Der Anspruch, um dessentwillen sein Haus focht, wurde nie eingelöst — kein Nachkomme Castamirs hat je wieder auf dem Thron in Osgiliath gesessen, und die Krone ging ungestört auf den Sohn des Erschlagenen über. Was Gondor in jenen Jahrzehnten tatsächlich niederwarf, war nicht das Schwert aus Umbar, sondern die Seuche, die zwei Jahre später aus dem Osten kam. Die Chronik verzeichnet den Überfall daher als schweres Übel, nicht als Wende.

Verwandtschaft, Gefährtenschaft und Feindschaft

Die einzige persönliche Bindung, die für Angamaite durchgehend bezeugt ist, ist die an Sangahyando. Die Überlieferung nennt beide ausschließlich gemeinsam, in fester Reihenfolge und ohne ihre Anteile zu scheiden; ob einer von ihnen den Vorrang hatte und worin sich ihre Aufgaben unterschieden, bleibt unausgesprochen. Auch wie die zwei einander verwandt waren, sagt keine Quelle: Dass beide vom selben Urgroßvater herstammten, lässt Brüder ebenso zu wie Vettern. Was bleibt, ist das Bild einer geteilten Führung, in der zwei Männer desselben Hauses nebeneinander standen, statt dass einer den anderen zum Gefolgsmann gehabt hätte — für eine Macht, die sich als königliche Linie verstand, ein bemerkenswerter Zustand.

Die zweite prägende Beziehung ist eine Feindschaft, die Angamaite nicht selbst geschlossen hatte. Zwischen ihm und dem Zerwürfnis, aus dem sie erwuchs, lagen drei Geschlechter; er kannte weder Castamirs Sturz noch Eldacars Rückkehr aus eigener Anschauung, sondern nur als Erbstück. Ebenso weit vom Ursprung des Streites entfernt stand auf der Gegenseite Minardil, der in der Linie Eldacars dieselbe Zahl von Gliedern zählte. Die Männer, die einander bei Pelargir gegenübertraten, waren mithin entfernte Verwandte eines einzigen Hauses, die keinen persönlichen Anlass zum Hass hatten und einander gleichwohl als das Nächste an einem Feind gelten mussten. Diese Beziehung ist weniger die zu einem Menschen als die zu einem Anspruch.

Unterhalb dieser beiden Bindungen steht die zu den Leuten, die Angamaite folgten. Die Macht in Umbar beruhte nicht auf einem Volk, sondern auf einer Sammlung: den Nachkommen der Flüchtlinge, allen Gegnern der Krone, die dorthin fanden, und den Menschen des Südens, deren eigene Kriege gegen Gondor dieselbe Richtung nahmen. Diese Gefolgschaft war ein Bündnis aus gleichgerichtetem Willen, nicht aus Treue zu einer Person. Von einer Ehe, von Kindern oder von einem namentlich bekannten Vater Angamaites schweigt die Überlieferung völlig; sie verzeichnet ihn allein in seiner Stellung zu einem Ahnherrn, zu einem Gefährten und zu einem Gegner. Als Figur besteht er fast nur aus Beziehungen — und keine davon hat er sich ausgesucht.