Name und Bedeutung

Osgiliath ist ein Name aus dem Sindarin, der Elbensprache, die die Númenórer in Mittelerde für die Benennung ihrer Orte gebrauchten. Er setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen: Das erste Glied, „os“ oder „ost“, bezeichnet eine Festung oder befestigte Stadt, wie es auch in Namen wie Ost-in-Edhil wiederkehrt. Das zweite Glied, „giliath“, geht auf „gil“ für Stern zurück und ist um eine Endung erweitert, die eine Menge oder Schar ausdrückt. Wörtlich meint der Name also eine Feste des Sternenheeres. Die englischen Wiedergaben schwanken daher zwischen „Festung“, „Zitadelle“ und „Stadt der Sterne“, ohne dass sich eine davon als allein gültig durchgesetzt hätte.1

Einen einzelnen Namengeber nennen die Quellen nicht; der Name haftet der Stadt seit ihrer Gründung durch Elendils Söhne an und ist in allen Erzählungen über Gondor unverändert überliefert. Auffällig ist die Stellung zwischen den beiden Türmen, die die Brüder zur selben Zeit errichteten: Minas Ithil, der Turm des aufgehenden Mondes, und Minas Anor, der Turm der untergehenden Sonne. Zwischen Mond und Sonne lag somit die Stadt der Sterne, sodass die drei Namen zusammen eine himmlische Ordnung abbilden. Ob diese Anordnung bewusst gewählt war, sagt Tolkien nicht ausdrücklich, doch das Sternenmotiv kehrt in der Sternenkuppel wieder, dem bedeutendsten Bauwerk der Stadt.2

Die deutschen Ausgaben übernehmen den Sindarin-Namen ohne Übertragung, wie es bei den meisten elbischen Ortsnamen Gondors üblich ist. Für die Aussprache gelten die Regeln, die Tolkien für die Elbensprachen festgelegt hat: Das „g“ ist stets hart zu sprechen, auch vor „i“, und das auslautende „th“ steht für einen stimmlosen Reibelaut, wie ihn das Englische in „thin“ kennt. Betont wird die zweite Silbe, „gil“, weil die folgende Silbe kurz ist und den Akzent nicht an sich zieht. Ein deutsches „t“ am Wortende oder ein weiches „g“ nach englischem Muster verfehlen demnach die beabsichtigte Lautgestalt.3

  1. 1Das Silmarillion, Anhang: Elements in Quenya and Sindarin Names; Das Silmarillion, Of the Rings of Power and the Third Age
  2. 2Das Silmarillion, Of the Rings of Power and the Third Age
  3. 3Der Herr der Ringe, Anhang E, I, Pronunciation of Words and Names; Der Herr der Ringe, Anhang F, I, The Languages and Peoples of the Third Age

Lage und Gestalt der Stadt

Osgiliath lag nicht an einem Ufer des Anduin, sondern über ihm: Der Große Strom floss mitten durch die Stadt und teilte sie in eine westliche und eine östliche Hälfte. Westwärts öffnete sich der Blick auf Minas Anor an den Hängen des Mindolluin, ostwärts auf Minas Ithil in einem Tal der Ephel Dúath. Die Stadt nahm damit die Mitte zwischen den beiden Festungen der Brüder ein, und diese räumliche Mitte entsprach ihrer Stellung im Reich. Osgiliath war der gemeinsame Sitz der Herrschaft, und in ihrer großen Halle standen die Throne Isildurs und Anárions nebeneinander. Östlich des Stroms dehnte sich Ithilien bis an die Berge, westlich lagen die Ebenen, über denen Minas Anor wachte.1

Eine große Brücke verband die beiden Stadthälften und war zugleich der wichtigste Übergang über den Anduin in diesem Abschnitt seines Laufs. Von der baulichen Gestalt überliefern die Quellen wenig Einzelnes. Hervorgehoben wird vor allem die Kuppel, die dem Sternennamen der Stadt ein sichtbares Zeichen gab und einen der Sehenden Steine barg. Vom westlichen Ufer führte die Straße über die Felder des Pelennor zur Weißen Stadt und durchquerte dabei an befestigten Durchlässen den Rammas Echor, die Mauer, die diese Ebene umschloss. Am östlichen Ufer setzte sie sich durch Ithilien fort, schnitt an der Wegkreuzung die von Norden nach Süden verlaufende Straße und stieg dann ins Morgultal hinauf.2

Zur Zeit des Ringkriegs war von der einstigen Hauptstadt nur noch eine Ruine übrig. Ihre Lage aber machte sie zum Brennpunkt der Abwehr. Jenseits des Stroms beginnt das Land, das an die Grenzen Mordors heranreicht, diesseits liegt das Kernland um Minas Tirith; wer hier übersetzte, stand vor den Toren der Weißen Stadt. Boromir berichtet in Bruchtal, dass Gondor das östliche Ufer verloren habe und die Brücke zerstört worden sei, während man sich am westlichen Ufer behauptete. Faramir schildert, dass die Wachen Gondors die Ufer bei Osgiliath unablässig beobachten, weil der Feind einen Teil der Trümmer besetzt hält. Vor der Belagerung wurde die Besatzung an den Übergängen der Stadt noch verstärkt, ehe sie dem Ansturm aus dem Osten weichen musste.3

  1. 1Das Silmarillion, Of the Rings of Power and the Third Age; Der Herr der Ringe, Anhang A, I, iv, Gondor and the Heirs of Anárion
  2. 2Der Herr der Ringe, Buch IV, Kap. 7, Journey to the Cross-roads; Der Herr der Ringe, Buch V, Kap. 4, The Siege of Gondor
  3. 3Der Herr der Ringe, Buch II, Kap. 2, The Council of Elrond; Der Herr der Ringe, Buch IV, Kap. 5, The Window on the West; Der Herr der Ringe, Buch V, Kap. 4, The Siege of Gondor

Geschichte

Die Anfänge Osgiliaths fallen in die letzten Jahrzehnte des Zweiten Zeitalters. Nachdem Elendil und seine Söhne dem Untergang Númenors entronnen waren, begründeten sie um das Jahr 3320 die Reiche im Exil, Arnor im Norden und Gondor im Süden. Gondor unterstand den beiden Brüdern gemeinsam, und die neue Stadt am Strom wurde zum Sitz ihrer geteilten Herrschaft. Die Jahre der Gründung waren von der Nachbarschaft Mordors überschattet, denn Sauron war nach dem Fall Númenors in sein Land hinter den Bergen zurückgekehrt. Um 3429 brach er offen hervor, eroberte Minas Ithil und verbrannte den Weißen Baum, den Isildur dort gepflanzt hatte. Isildur entkam stromabwärts und suchte seinen Vater im Norden auf, während Anárion Osgiliath und Minas Anor gegen den Feind behauptete, bis das Letzte Bündnis ins Feld zog.1

Nach dem Sieg über Sauron und dem Tod beider Brüder ging die Krone Gondors auf Meneldil über, den Sohn Anárions, und mit ihm auf dessen Linie. Osgiliath blieb über mehr als ein Jahrtausend die Hauptstadt des Südreichs, von der aus die Könige ihre Herrschaft über den Strom hinaus bis an die Küsten und in die Länder östlich des Anduin ausdehnten. Ein erstes Zeichen dafür, dass die Stadt ihr Gewicht mit anderen Orten teilen musste, setzte König Ostoher im Jahr 420, als er Minas Anor neu aufbaute. Seither verbrachten die Könige die Sommermonate in der westlichen Festung, während Osgiliath der eigentliche Sitz des Hofes blieb. Aus dieser Zeit der Blüte berichtet Tolkien keine Kriegshandlungen an der Stadt selbst; ihre Geschichte ist in diesen Jahrhunderten die Geschichte des Reiches.2

Die erste schwere Verwüstung brachte nicht ein äußerer Feind, sondern der Sippenstreit um die Krone. Als Eldacar im Jahr 1432 König wurde, erhoben sich Teile des Adels gegen ihn, weil seine Mutter nicht aus dem Geschlecht der Dúnedain stammte. Der Aufstand unter Castamir trieb den König nach Osgiliath, wo er sich lange hielt, bis die Stadt 1437 fiel und in Flammen aufging. Bei den Kämpfen wurde die Kuppel zerstört, und der dort verwahrte Sehende Stein versank im Strom. Eldacar floh nach Rhovanion, sein Sohn Ornendil wurde von den Aufständischen getötet, und Castamir nahm den Thron ein. Erst 1447 kehrte Eldacar mit Heeresmacht zurück, schlug den Thronräuber und gewann die Herrschaft wieder, doch der Glanz der alten Hauptstadt war gebrochen.3

Knapp zwei Jahrhunderte später folgte der zweite, noch folgenreichere Schlag. Im Jahr 1636 kam mit Winden aus dem Osten eine tödliche Seuche über Gondor, der König Telemnar und alle seine Kinder erlagen; auch der Weiße Baum in Minas Anor ging ein. Die Bevölkerung schwand, und Osgiliath lichtete sich so sehr, dass Teile der Stadt leer standen. König Tarondor verlegte daraufhin 1640 das Königshaus endgültig nach Minas Anor und pflanzte dort einen neuen Schössling des Baumes. Mit diesem Schritt verlor Osgiliath seine Stellung als Hauptstadt, und der Verfall der verlassenen Viertel setzte ein. Als im Jahr 2002 Minas Ithil an die Diener Saurons fiel, rückte die Grenze des Feindes bis unmittelbar an die halb verödete Stadt heran.4

Aus der sinkenden Stadt wurde in den folgenden Jahrhunderten ein Grenzposten. Im Jahr 2475 griffen Uruks aus Mordor Gondor an; Osgiliath wurde dabei vollends zerstört, und seine steinerne Brücke brach. Boromir, der Sohn des Truchsessen Denethor I., trieb die Angreifer zurück und gewann das Land diesseits des Stroms zurück, doch die Stadt erstand nicht wieder. Fortan dienten ihre Trümmer vor allem als Wehrstellung an den Übergängen, die Gondor gegen das Morgultal halten musste. Die Truchsessen, die nach dem Erlöschen der Königslinie regierten, verteidigten sie als Riegel vor dem Pelennor, nicht mehr als bewohnten Ort.5

Am Vorabend des Ringkriegs, im Juni 3018, stieß Sauron auf die Ruinen vor; das östliche Ufer ging verloren, und der letzte Übergang wurde abgebrochen, wovon Boromir später in Bruchtal Kunde gab. Im März 3019 überschritt das Heer aus Minas Morgul den Strom an eben dieser Stelle. Faramir hielt die Übergänge, bis die Übermacht ihn zum Rückzug zwang, und wurde auf dem Weg über den Pelennor schwer verwundet. Nach der Schlacht auf den Feldern vor der Stadt kehrte sich die Bewegung um: Das Heer des Westens zog auf seinem Marsch zum Schwarzen Tor über Osgiliath nach Osten und setzte hier über den Anduin. So stand die zerstörte Stadt zuletzt noch einmal am Weg einer Entscheidung, die das Zeitalter beendete.6

  1. 1Der Herr der Ringe, Anhang B, The Tale of Years; Der Herr der Ringe, Anhang A, I, iv, Gondor and the Heirs of Anárion
  2. 2Der Herr der Ringe, Anhang A, I, iv, Gondor and the Heirs of Anárion; Der Herr der Ringe, Anhang B, The Tale of Years
  3. 3Der Herr der Ringe, Anhang A, I, iv, Gondor and the Heirs of Anárion; Der Herr der Ringe, Anhang B, The Tale of Years
  4. 4Der Herr der Ringe, Anhang A, I, iv, Gondor and the Heirs of Anárion; Der Herr der Ringe, Anhang B, The Tale of Years
  5. 5Der Herr der Ringe, Anhang B, The Tale of Years; Der Herr der Ringe, Anhang A, I, iv, Gondor and the Heirs of Anárion
  6. 6Der Herr der Ringe, Anhang B, The Tale of Years; Der Herr der Ringe, Buch II, Kap. 2, The Council of Elrond; Der Herr der Ringe, Buch V, Kap. 4, The Siege of Gondor; Der Herr der Ringe, Buch V, Kap. 10, The Black Gate Opens

Bewohner und Herrschaft

Osgiliath war vor allem die Stadt der Dúnedain, der Nachfahren jener Getreuen, die mit Elendil aus dem versunkenen Númenor gekommen waren. In ihr lebten der Hof, der Adel und die Königsfamilie. Daneben wohnten dort Menschen geringerer Abkunft, die schon vor der Ankunft der Númenórer in den Ländern am Anduin ansässig gewesen waren. Zahlen nennt Tolkien nicht. Die Anhänge lassen aber erkennen, dass die Dúnedain im Reich die führende Schicht bildeten und großen Wert auf die Reinheit ihres Blutes legten. Aus dieser Haltung erwuchs der schwerste innere Konflikt, den die Hauptstadt erlebte.1

Schon Rómendacil II. hatte die Nordmenschen von Rhovanion als Verbündete gewonnen und ihre Nähe gesucht. Sein Sohn Valacar vermählte sich mit Vidumavi, einer Königstochter dieses Volkes. Deren Sohn Eldacar, der in ihrer Sprache Vinitharya hieß, galt vielen Dúnedain daher als Herrscher von minderer Herkunft. Der Widerstand sammelte sich vor allem in den südlichen Küstenländern. Sein Anführer Castamir, zuvor Befehlshaber der Flotte, war ein Mann der Schiffe. Von ihm hieß es, er wolle den Königssitz von Osgiliath nach Pelargir verlegen, und durch seine Härte verlor er rasch die Zuneigung der Binnenländer. Als Eldacar die Herrschaft zurückgewann, taten dies mit Hilfe der Nordmenschen, und seither mischte sich ihr Blut stärker mit dem der Dúnedain.2

Aus dem Sippenstreit ging eine dauerhafte Feindschaft hervor. Die Söhne Castamirs und ihre Anhänger entkamen nach Umbar und setzten sich dort fest. Ihre Nachkommen bedrohten Gondor als Korsaren über viele Generationen von See her. Im Osten blieb Mordor der beständige Nachbar, dessen Nähe das Leben in der Stadt stets begleitete. Nachdem der Königssitz nach Minas Anor gewechselt war, hatte Osgiliath keine eigene Herrschaft mehr. Die Stadt unterstand fortan den Königen und später den Truchsessen in der westlichen Festung, die ihre Heerführer an den Strom entsandten. In der Zeit des Ringkriegs trugen die Söhne Denethors II. diese Verantwortung, und die Waldläufer Ithiliens hielten von hier aus Verbindung zu den Ländern jenseits des Stroms.3

  1. 1Der Herr der Ringe, Anhang A, I, iv, Gondor and the Heirs of Anárion
  2. 2Der Herr der Ringe, Anhang A, I, iv, Gondor and the Heirs of Anárion
  3. 3Der Herr der Ringe, Anhang A, I, iv, Gondor and the Heirs of Anárion; Der Herr der Ringe, Buch IV, Kap. 5, The Window on the West

In der Erzählung

Im Herrn der Ringe betritt keiner der Gefährten Osgiliath während der eigentlichen Handlung. Die Stadt wirkt trotzdem von Anfang an auf die Erzählung ein. Den rätselhaften Traum, der Boromir nach Bruchtal führt, hatte Faramir nach Boromirs Bericht zuerst in der Nacht vor dem überraschenden Angriff auf die Ruinen. Der Kampf am Strom und der Aufbruch nach Norden hängen damit von Beginn an zusammen, und über diese Verbindung reicht der südliche Erzählstrang bis zum Rat Elronds. Auch später erscheint die Stadt meist in Berichten, Warnungen und Lagemeldungen und kaum als Schauplatz, den man vor Augen hat.1

Mittelbar wird die Stadt auch aus der Sicht Frodos wichtig. Vom Rand des Morgultals aus beobachtet er, wie das große Heer aus Minas Morgul unter seinem Heerführer nach Westen aufbricht. Es ist dasselbe Heer, das wenig später an den Übergängen der Ruinenstadt über den Strom setzen wird. In der Weißen Stadt erlebt Pippin die Folgen aus der Nähe. Er sieht von der Mauer aus, wie Faramir mit den Resten seiner Schar vom Fluss heimkehrt, von geflügelten Schatten über die Felder gejagt, und wie Gandalf ihnen mit hellem Licht entgegenreitet. In der anschließenden Unterredung macht Denethor seinem Sohn bittere Vorhaltungen. Faramir nimmt daraufhin den Befehl an, die Übergänge trotz geringer Aussicht erneut zu halten.2

In der Erzählung steht Osgiliath damit weniger für eine bewohnte Stadt als für den Zustand des Reiches. Eine einstige Mitte ist zur vordersten Linie geworden, und an ihr wird sichtbar, wie weit Gondor geschrumpft ist. Zugleich spitzt sich hier der Konflikt zwischen Denethor und Faramir zu, weil der Vater den Sohn an einen Ort schickt, den er selbst kaum für haltbar hält. Nach der Schlacht kehrt sich die Bedeutung der Ruinen um: Das Heer des Westens zieht auf seinem Weg zum Morannon an ihnen vorüber. Die Stelle, an der der Feind eindrang, wird so zum Ausgangspunkt des eigenen Vorstoßes.3

  1. 1Der Herr der Ringe, Buch II, Kap. 2, The Council of Elrond
  2. 2Der Herr der Ringe, Buch IV, Kap. 8, The Stairs of Cirith Ungol; Der Herr der Ringe, Buch V, Kap. 4, The Siege of Gondor
  3. 3Der Herr der Ringe, Buch V, Kap. 4, The Siege of Gondor; Der Herr der Ringe, Buch V, Kap. 10, The Black Gate Opens

Verfilmungen und Hörspiele

In Peter Jacksons Filmtrilogie wird Osgiliath zu einem Schauplatz, den die Handlung tatsächlich betritt. Das ist die folgenreichste Abweichung vom Buch. Im zweiten Film, „Die zwei Türme“, lässt Faramir, gespielt von David Wenham, Frodo und Sam nicht in Ithilien ziehen, sondern führt sie als Gefangene zu den umkämpften Ruinen. Dort geraten sie in die Kämpfe, und einer der Nazgûl erscheint über der Stadt. Erst danach gibt Faramir die beiden frei. Bei Tolkien gelangen die Hobbits nie in die Nähe der Stadt, und Faramirs Entscheidung fällt in seinem Versteck fern vom Strom. Die erweiterte Fassung des Films ergänzt eine Rückblende, in der Faramir und Boromir, gespielt von Sean Bean, die Stadt gemeinsam zurückerobern, bevor Boromir nach Bruchtal aufbricht. Im Roman erfährt man von diesen Kämpfen nur aus Boromirs späterem Bericht. Im dritten Film, „Die Rückkehr des Königs“, geht die Stadt an das Heer aus dem Morgultal verloren. Danach schickt Denethor, dargestellt von John Noble, seinen Sohn mit einem Reiterangriff gegen die bereits verlorenen Ruinen. Im Buch lautet sein Auftrag dagegen, die Übergänge und die äußeren Befestigungen zu verteidigen, und er zieht sich erst unter dem Druck der Übermacht zurück.1

Die älteren Fassungen geben der Stadt weit weniger Raum. Ralph Bakshis Zeichentrickfilm bricht nach der Schlacht um Helms Klamm ab und erreicht die Ereignisse am Anduin daher nicht mehr; der geplante zweite Teil, der sie hätte erzählen können, kam nie zustande. Die Hörspielfassung der BBC in sechsundzwanzig Teilen hält sich in ihrem Aufbau eng an die Vorlage. Osgiliath bleibt dort, wie im Roman, vor allem ein Ort, von dem berichtet wird, und keine Bühne, auf der die Hauptfiguren auftreten. Gerade im Vergleich mit dieser Fassung wird deutlich, dass die Kampfhandlungen in den Ruinen eine Zutat der Jackson-Filme sind und nicht auf Tolkien zurückgehen.2

  1. 1Der Herr der Ringe (Filmtrilogie), 2001–2003
  2. 2Der Herr der Ringe (Film 1978), 1978; Der Herr der Ringe (Hörspiel 1981), 1981