Herkunft und Namen
Fosco Beutlin gehört zu den Hobbits des Auenlands und dort zu jener Sippe, die Anhang C unter der Überschrift der Beutlins von Hobbingen zusammenfasst. Er ist ein Sohn Largo Beutlins und der Tanta Hornbläser und steht damit im vierten Glied jener Reihe, die die Tafel mit Balbo Beutlin eröffnet. Die Verbindung zu den Hornbläsern verweist auf das Südviertel und auf eine der begüterten Familien des Auenlands; ähnliche Einheiraten wiederholen sich in der Tafel mehrfach und zeigen einen Kreis miteinander verschwägerter Häuser, in dem sich die Beutlins bewegen. Über seinen Wohnsitz, seinen Besitz oder eine Lebensbeschreibung schweigen die Bücher: Fosco ist eine Person der Stammtafel, kein Auftretender der Erzählung.
Der Familienname folgt der Übersetzungsfiktion, die Tolkien in Anhang F erläutert: Die Namen des Auenlands erscheinen im Buch nicht in ihrer westrоnischen Gestalt, sondern in englischen Entsprechungen, die deren Klang und Anmutung nachbilden sollen. „Baggins“ ist dabei an das Wort für Sack oder Beutel gebunden und hängt mit dem Hausnamen Bag End zusammen; die deutsche Nomenklatur Margaret Carroux' setzt diese Verknüpfung mit „Beutlin“ und „Beutelsend“ fort. Der Name trägt also keine Bedeutung im engeren etymologischen Sinn, sondern eine gesellschaftliche Färbung: bäuerlich-bodenständig, mit einem Anklang von Behäbigkeit, wie ihn Tolkien für die alteingesessenen Sippen des Auenlands wählte.
Der Rufname Fosco steht in derselben Reihe wie Balbo, Largo, Ponto oder Bingo — Zweisilber mit lateinisch anmutendem Auslaut, wie sie in den älteren Auenland-Familien für die hochtönenden Vornamen üblich waren, von denen Anhang F berichtet, dass sie im täglichen Sprachgebrauch der Hobbits keinen Sinn ergaben. Eine gesicherte Wortbedeutung ist für Fosco daher nicht überliefert, und ein Beiname wird ihm nirgends gegeben; was ihn im Nachschlagewerk kenntlich macht, ist allein seine Stellung in der Abstammung. Diese Stellung ist bezeichnend: Mit seiner Heirat in die Familie Bolger und mit seinen Kindern rückt der jüngere Beutlin-Zweig an die Generation heran, deren Geschichte der Roman erzählt.
Geschichte
Eine Lebensgeschichte im erzählerischen Sinn ist von Fosco Beutlin nicht überliefert. Was sich chronologisch ordnen lässt, sind die Jahreszahlen der Stammtafel, und sie ergeben immerhin ein Gerüst: Fosco wurde im Jahr 1264 der Auenland-Zeitrechnung geboren, das entspricht dem Jahr 2864 des Dritten Zeitalters. Sein Vater Largo starb 1303, als Fosco neununddreißig Jahre alt war; die Tafel verzeichnet keinen Besitz, keinen Wohnsitz und kein Amt, das mit diesem Übergang verbunden gewesen wäre. Sein Leben fällt vollständig in jene Jahrzehnte, in denen das Auenland nach außen hin ereignislos blieb und die Chronik des Anhangs B nur wenige Zeilen für die Hobbits übrig hat.
Der einzige gesicherte Einschnitt seines Lebens ist die Gründung des eigenen Hauses. Fosco heiratete Ruby aus der Familie Bolger, und aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor: Dora, geboren 1302, Drogo, geboren 1308, und Dudo, geboren 1311. Er stand also bereits im fünften Lebensjahrzehnt, als das älteste Kind zur Welt kam, und war siebenundvierzig, als der jüngste Sohn geboren wurde. Mit diesen drei Namen verbreitert sich der bis dahin schmale jüngere Zweig der Tafel zum ersten Mal wieder, nachdem er über Largo und Fosco jeweils nur durch ein einziges Kind fortgeführt worden war.
Zwei datierte Ereignisse der großen Chronik fallen in seine Lebenszeit, ohne dass ihn die Bücher mit ihnen in Verbindung brächten. Das erste ist der Grimme Winter des Jahres 2911 des Dritten Zeitalters — nach der Zählung des Auenlands 1311, also gerade das Geburtsjahr seines jüngsten Sohnes —, als der Brandywein zufror und weiße Wölfe aus dem Norden ins Land einfielen; es ist die schwerste Heimsuchung, die die Zeittafel für das Auenland vor dem Ringkrieg verzeichnet. Das zweite ist die Reise Bilbos in den Jahren 1341 und 1342, die den Namen der Familie zum ersten Mal über die Grenzen des Auenlands hinaustrug. Fosco war damals siebenundsiebzig und lebte noch fast zwanzig Jahre; ob und wie der entfernte Verwandte aus Beutelsend in seinem Haus besprochen wurde, sagt kein Text.
Fosco starb im Jahr 1360 der Auenland-Zeitrechnung, entsprechend 2960 des Dritten Zeitalters, im Alter von sechsundneunzig Jahren — ein für die Verhältnisse seiner Sippe hohes, aber nicht außergewöhnliches Alter, das etwa hinter dem seines Vetters Bilbo weit zurückbleibt. Das Datum ist für die Erzählung des Romans folgenreicher, als es zunächst scheint: Es liegt acht Jahre vor der Geburt Frodos. Der Großvater und der Enkel, den die Tafel unter ihm verzeichnet, haben einander also nie gesehen, und zur Zeit des Abschiedsfestes in Hobbingen war Fosco seit einundvierzig Jahren tot. Damit erklärt sich zwanglos, weshalb er im Buch nirgends auftritt, obwohl seine Stellung in der Abstammung so nah am Zentrum liegt.
Was nach seinem Tod aus der Linie wurde, gehört zur Vorgeschichte des Romans. Sein Sohn Drogo heiratete Primula aus dem Hause Brandybock, und 1368 wurde Frodo geboren. Zwölf Jahre später kamen beide Eltern bei einem Bootsunglück auf dem Brandywein ums Leben, ein Vorfall, über den im Auenland noch Jahrzehnte später geredet wurde; das Kind wuchs zunächst bei der Verwandtschaft der Mutter im Brandyschloss auf, ehe Bilbo es als Einundzwanzigjährigen zu sich nach Beutelsend nahm und zum Erben erklärte. Auf diesem Weg fiel der Zweig, den Fosco fortgeführt hatte, mit dem älteren Hauptstamm der Beutlins von Hobbingen wieder zusammen.
Die beiden anderen Kinder Foscos hinterließen im Buch nur schwache Spuren, aber sie sind vorhanden. Seine Tochter Dora lebte noch zur Zeit des Festes und wird unter jenen genannt, denen Bilbo bei seinem Verschwinden ein Andenken zudachte — eine spöttische Anspielung auf ihren ausgiebigen Briefwechsel; sie war die älteste noch lebende Verwandte dieses Zweiges und für Frodo die Tante väterlicherseits. Der jüngere Sohn Dudo hinterließ eine Tochter, Daisy, die in die Familie Boffin einheiratete, so dass auch von dieser Seite eine Verbindung in den Kreis der Gäste von Beutelsend führt. Insgesamt bleibt Fosco eine Gestalt, deren Geschichte sich aus Daten und Nachkommen zusammensetzt: Die Stammtafel des Anhangs C erfüllt für ihn die Funktion einer Chronik, die es sonst für ihn nicht gibt.
Rolle und Fähigkeiten
Die Rolle, die Fosco Beutlin im Werk zufällt, ist keine handelnde, sondern eine gliedernde: Er hält eine Stelle in einer Tafel besetzt. Das Buch begründet diese Form selbst. Der Prolog berichtet von der Vorliebe der Hobbits für Verwandtschaftsverzeichnisse und für Bücher, die ihnen sauber geordnet bestätigten, was sie ohnehin zu wissen glaubten; die Stammbäume des Anhangs führen diese Neigung ins Buch hinein fort und geben dem Leser dieselbe Art von Auskunft, die sich die Familien des Auenlands untereinander gaben. Wer dort verzeichnet ist, erscheint also nicht, weil er etwas getan hätte, sondern weil das Auenland seine Namen aufschrieb. Fosco ist ein Beispiel dieser Ordnung in Reinform, und der Nutzen seines Eintrags ist ein mittelbarer: Er macht Verwandtschaftsgrade nachprüfbar, auf die die Erzählung nur beiläufig anspielt.
Von Fähigkeiten im Sinne des übrigen Legendariums ist bei den Hobbits ohnehin nicht zu sprechen. Der Prolog stellt ausdrücklich fest, dass sie über keinerlei Zauberkunst verfügen und dass die einzige Kunstfertigkeit, die ihnen nachgesagt wird — rasch und lautlos aus dem Blick zu geraten, wenn Großes Volk unachtsam vorbeikommt —, auf Übung, Geschick und Gewöhnung beruht, nicht auf einer verborgenen Gabe. Krieger waren sie nicht, und ihre Ämter sind klein: die Thainschaft, das Amt des Bürgermeisters von Michelbinge, die Wachtmeister und die Grenzhüter. Keines dieser Ämter wird Fosco zugeschrieben, ebenso wenig ein Anwesen, ein Handwerk oder ein Wort, das er gesprochen hätte. Was von seiner Sippe überliefert ist, betrifft ihr Ansehen, und dieses gründete sich gerade darauf, dass man von ihren Angehörigen nie etwas Unerwartetes zu erwarten hatte.
Damit sind auch die Grenzen jeder Aussage über ihn bezeichnet. Die Tafel gibt Namen, Heirat und Jahreszahlen und sonst nichts; sie enthält keine Charakterzüge, keine Beurteilung und keine Anekdote, aus der sich eine solche gewinnen ließe. Weder in der Erzählung noch in der Zeittafel des Anhangs B fällt sein Name, so dass alles, was über sein Wesen, seine Stellung im Dorf oder seine Haltung zu den Ereignissen seiner Zeit gesagt werden könnte, Zusatz des Auslegers bliebe. Die einzige Wirkung, die sich ihm belegbar zurechnen lässt, ist die der Abstammung selbst — eine Tatsache der Reihenfolge, kein Verdienst. Dass diese Reihe später in die Geschichte des Ringkriegs mündet, verleiht ihm rückwirkend keine Bedeutung, die die Quelle nicht deckt; es macht seinen Eintrag nur zu einem der wenigen Namen des Anhangs, die man beim Lesen des Romans überhaupt aufsucht.
Verwandtschaft und Verbindungen
Die Tafel des Anhangs C stellt Fosco Beutlin nicht nur in eine Reihe von Vorfahren und Nachkommen, sondern auch neben einen Zweig, der auf gleicher Höhe mitläuft. Largos Bruder Mungo führte den älteren Hauptstamm fort; dessen Sohn Bungo ist der Vater Bilbos, so dass Fosco und Bungo als Söhne zweier Brüder auf derselben Stufe der Tafel stehen. Beide Linien laufen drei Glieder lang nebeneinander her, ohne dass die Erzählung sie je in Berührung brächte, bis der Enkel Mungos den Urenkel Largos zu sich nimmt und die Zweige wieder zusammenlegt. Von einem weiteren Sohn Mungos, Longo, der Camellia Sackville heiratete, stammt Otho und von diesem Lotho — jener Seitenzweig also, der den Anspruch auf Beutelsend gegen Frodo betreibt. Was der Roman als Zwist unter Nachbarn erzählt, ist in der Tafel eine Sache weniger Verzweigungen.
Nach außen bindet Foscos Ehe die Beutlins an die Bolger, denen der Anhang eine eigene Tafel widmet. Es ist nicht die einzige Verbindung dieser Art: Belba, eine Tochter Mungos und damit Foscos Base, war mit Rudigar Bolger vermählt, so dass die beiden Häuser innerhalb einer Generation zweimal ineinander heirateten. Ähnliches gilt für die Boffins, die schon am Kopf der Tafel stehen — Balbos Frau Berylla stammte aus dieser Sippe — und die eine Generation unterhalb Foscos erneut auftauchen. Zur Zeit des Ringkriegs sind beide Namen wieder da: Ein Bolger gehört zu den wenigen Vertrauten, die Frodos Aufbruch mitplanen, und Boffins zählen zu den Gästen von Beutelsend.
Wie das Auenland selbst diese Abstammung las, zeigt die einzige Stelle des Romans, an der darüber geredet wird: das Gespräch der Hobbits im Wirtshaus von Hobbingen, in dem Frodos Herkunft nach beiden Seiten abgewogen wird. Die Linie, die über Drogo auf Fosco zurückgeht, gilt dort als die unauffällige und verlässliche; das Misstrauen richtet sich auf die Verwandtschaft der Mutter jenseits des Brandywein. Fosco steht damit auf der Seite, die im Dorfurteil für Bodenständigkeit bürgt, ohne dass sein Name dabei fiele. Eine Beziehung anderer Art ist ihm nirgends zugeschrieben — kein Freund, kein Gegner, kein Gefährte, keine Partei in einem Streit. Alle Verbindungen, die die Quelle für ihn kennt, sind Verbindungen der Abstammung.