Herkunft und Namen
Adalgrim Tuk gehört zu den Hobbits des Auenlands und dort zur Sippe der Tuk, deren Sitz die Großen Smials im Tukland sind. Der Stammbaum weist ihn als Sohn Hildigrims aus, eines der zahlreichen Söhne des Gerontius, den das Auenland den Alten Tuk nannte; Adalgrim steht damit im ersten Glied nach jenem Familienoberhaupt, dessen Nachkommenschaft die Tafel über mehrere Spalten hin ausbreitet. Über die Mutterseite berührt seine Herkunft die Beutlins: Hildigrim hatte Rosa Beutlin geheiratet, eine Schwester von Bilbos Vater, sodass Adalgrim und Bilbo im Verwandtschaftsgrad von Vettern ersten Grades stehen. Mehr als diese Einordnung gibt die Überlieferung über seine Person nicht her — er ist eine Gestalt der Tafeln, nicht der Erzählung.
Der Vorname folgt einer Gepflogenheit, die als Eigenart bestimmter alter Auenland-Familien beschrieben wird: In Häusern falbhäutiger Abkunft, unter ihnen die Tuk, gab man den Kindern gern hochtönende Namen, die im täglichen Sprachgebrauch keinen Sinn ergaben und ihren Klang aus alten Geschichten und aus der Ferne der Menschenreiche bezogen. Innerhalb der Tuk-Linie bildet sich daraus ein erkennbares Muster mit wiederkehrenden Wortgliedern — Isen-, Hildi-, Adal- als erstes, -grim, -bras, -bard als zweites Element —, das Verwandtschaft hörbar macht: Adalgrim führt den Schlussteil des väterlichen Namens Hildigrim fort. Zu beachten bleibt, dass diese Namen nach dem eigenen Verfahren des Werkes nicht die westron-sprachigen Originale sind, sondern deren Wiedergabe in altertümlich klingendem Namensgut; eine Bedeutung innerhalb des Auenlands ist für Adalgrim ausdrücklich nicht überliefert.
Im Deutschen erscheint der Familienname in der eingebürgerten Form Tuk, der Vorname bleibt unverändert. Seine Stellung im Gefüge des Hauses ist die eines Bindeglieds: Der Titel des Thain lag zu seiner Zeit in einem anderen Zweig der Verwandtschaft, und erst mit seinem Sohn Paladin II. rückte die Würde in diese Linie. Über Paladin ist Adalgrim der Großvater Peregrins, über seine Tochter Esmeralda, die nach Bockland heiratete, zugleich der Großvater Meriadocs — die verwandtschaftliche Nähe der beiden jüngeren Hobbits läuft mithin über ihn zusammen. So knüpft sein Name in den Tafeln die Verbindung zwischen der Generation des Alten Tuk und jener, die in den Ringkrieg hineingezogen wurde.
Ort in der überlieferten Geschichte der Linie
Eine Lebensgeschichte im engeren Sinn lässt sich für Adalgrim Tuk nicht erzählen, denn die einzige Quelle, die ihn führt, ist eine Stammtafel, und Tafeln verzeichnen Jahre, keine Taten. Was sie festhält, ist immerhin ein Datum: Die Tuk-Tafel der Großen Smials setzt seine Geburt in das Jahr 1280 der Auenland-Zeitrechnung, die um rund sechzehnhundert Jahre hinter der Zählung des Dritten Zeitalters zurückbleibt. Er kam damit zur Welt, als das Oberhaupt des Hauses noch lebte und die Familie überschaubar von einer einzigen Hand her geordnet war. Dessen Tod im Jahr 1320 — in der Jahresliste des Dritten Zeitalters unter 2920 vermerkt — fällt in Adalgrims fünftes Lebensjahrzehnt und markiert den ersten datierbaren Einschnitt, den seine Generation erlebte. Alles Weitere, was über ihn gesagt werden kann, ergibt sich aus der Lage seines Namens zwischen anderen Namen.
Seine Lebenszeit fällt vollständig in eine Periode, in der die Würde des Thain in einem anderen Zweig des Hauses lag: zunächst bei Fortinbras II., danach bei dessen Sohn Ferumbras III. Adalgrim gehörte zu jenem Teil der Verwandtschaft, den die Tafeln zwar mitführen, dem aber kein Amt und keine öffentliche Rolle zugeschrieben wird. Dass ein solcher Nebenzweig überhaupt mit Jahreszahlen ausgewiesen wird, ist bereits eine Auszeichnung der Tuk-Buchführung und nicht selbstverständlich; von den Kindern mancher Brüder des Alten Tuk bleibt in der Tafel nur ein Sammelvermerk. Man hat es also mit einem Hobbit zu tun, der ein langes und offenbar ereignisarmes Leben in einem wohlhabenden, gut verwalteten Haus führte, während die Geschicke des Auenlands anderswo entschieden wurden.
Die für die spätere Geschichte entscheidenden Ereignisse seines Lebens sind Geburten. 1333 wurde ihm der Sohn Paladin geboren, der als Paladin II. gezählt wird; hinzu kam die Tochter Esmeralda. Paladin heiratete Eglantine Banks, und aus dieser Ehe gingen die Töchter Pearl, Pimpernel und Pervinca hervor sowie, 1390, der Sohn Peregrin. Esmeralda verband sich mit Saradoc Brandybock, dem späteren Herrn von Bockland; ihr Sohn Meriadoc kam 1382 zur Welt. Damit stehen in der übernächsten Generation zwei Namen, die in den Erzählwerken breiten Raum einnehmen, und beide Fäden laufen in Adalgrims Zeile zusammen.
Der Wendepunkt für die Linie liegt im Jahr 1415, als Ferumbras III. ohne Nachkommen starb und die Würde des Thain samt der Vorstandschaft über die Sippe an Paladin II. überging. Adalgrim selbst kann daran keinen Anteil mehr gehabt haben: Wäre er zu diesem Zeitpunkt noch am Leben gewesen, hätte die Erbfolge zuerst ihn getroffen, und ein Alter von hundertfünfunddreißig Jahren überstiege selbst den außergewöhnlichen Rekord des Alten Tuk, den das Auenland eigens im Gedächtnis behielt. Sein Tod ist also aus der Rechtslage der Nachfolge zu erschließen, nicht aus einem Eintrag. Was er zu Lebzeiten nicht war, wurde sein Sohn ein Jahr vor der Rückkehr des Ringes ins Auenland: das Oberhaupt der Tuk und der ranghöchste Amtsträger, den die Hobbits kannten.
Welche Folgen dieser Übergang hatte, zeigte sich in den Jahren 1418 und 1419, als das Auenland unter fremde Aufsicht geriet. Das Tukland schloss sich ab, verweigerte den Anordnungen den Gehorsam und wehrte die eingedrungenen Männer mit Bogenschützen ab; die Großen Smials blieben der einzige Bezirk, den die Besatzer nicht in die Hand bekamen, und der Thain Paladin gab ihren Forderungen nicht nach. In derselben Zeit standen sein Sohn und sein Neffe fern der Heimat im Krieg und kehrten am Ende zurück, um bei der Befreiung des Landes den Ausschlag zu geben. Die Nachgeschichte führt die Ämter dann in genau jene Zeile: 1432 wurde Meriadoc Herr von Bockland, und nach Paladins Tod im Jahr 1434 folgte Peregrin ihm als Thain nach.
Dass Adalgrim überhaupt greifbar ist, verdankt sich einer Eigenheit des Auenlands: Familien von Rang hielten schriftliche Aufzeichnungen und pflegten mit erheblicher Sorgfalt ihre Geschlechterfolgen, und die Großen Smials besaßen eine Sammlung von Büchern und Papieren, die weit über das hinausging, was in die bekannten Chroniken einging. Aus solchem Material stammen die Tafeln, in denen sein Name steht. Der Ertrag ist begrenzt und sollte nicht überdehnt werden: gesichert sind die Abstammung, die Kinder und die Einordnung in eine Generationenfolge, während jede Aussage über Charakter, Aufenthalt oder Ende der Person über die Quelle hinausginge. Sein Platz in der Geschichte ist der eines Datums, das zwei bekannte Zeitalter der Sippe miteinander verrechenbar macht.
Stellung, Ansehen und deren Grenzen
Für Adalgrim Tuk verzeichnet die Überlieferung weder ein Amt noch eine Befugnis; was sich über seine Stellung sagen lässt, folgt aus der Ordnung des Auenlands und aus dem Rang seines Hauses, nicht aus seinem Namen. Das Auenland kannte kaum etwas, das man Regierung nennen könnte: Die Sippen besorgten ihre Angelegenheiten selbst, die überkommenen Regeln wurden befolgt, weil man sie für alt und billig hielt, und der einzige Amtsträger mit wirklichen Geschäften war der Bürgermeister von Michelbinge, dem zugleich Post und Ordnungsdienst unterstanden. Ein Zwangsapparat stand dahinter nicht; die wenigen Ordnungshüter kümmerten sich vorwiegend um entlaufenes Vieh, und die Wächter an den Grenzen taten ihren Dienst außerhalb des Blickfelds der meisten Bewohner.
Auch die höchste Würde des Landes war weniger, als ihr Klang vermuten lässt. Dem Thain oblag der Vorsitz über die Versammlung des Auenlands und die Führung des Aufgebots, doch Versammlung und Aufgebot traten nur in Notlagen zusammen, und solche hatten sich seit Menschenaltern nicht ergeben; die Würde war deshalb im Wesentlichen ein Titel. Dass sie bei den Tuk lag, erklärt das Werk aus schlichten Gründen: Diese Sippe war die zahlreichste und die wohlhabendste und genoss darum besonderes Ansehen. Neben dem Amt stand die Vorstandschaft über die Familie, die Stellung als „der Tuk“, die von der Würde des Thain zu unterscheiden ist, auch wenn beide später in einer Person zusammenfielen. Adalgrim hatte weder das eine noch das andere inne.
Von Fähigkeiten im Sinne des übrigen Legendariums ist bei Hobbits ohnehin nicht zu handeln. Das Werk schreibt ihnen keine Kriegskunst und keine Kenntnis alter Überlieferung zu, sondern eine einzige auffällige Fertigkeit: rasch und geräuschlos zu verschwinden, wenn Großes Volk sich nähert — und diese wird ausdrücklich aus Übung und vorsichtiger Lebensweise erklärt, nicht aus Zauberei. Für Adalgrim tritt die Beschränkung der Quelle hinzu: Die Tafel führt ihn, aber sie legt ihm nichts bei. Jede Aussage über Einfluss innerhalb der Sippe, über Ansehen bei den Nachbarn oder über Anteil an den Geschäften der Großen Smials wäre Vermutung, und auch die Ämter, die später in seiner Zeile lagen, fallen nicht auf ihn zurück.
Verwandtschaft und ihr Gewicht
Die Verwandtschaft, in der Adalgrim Tuk stand, war weit und eng zugleich. Gerontius hatte zwölf Kinder, neun Söhne und drei Töchter, und deren Nachkommen füllen in der Tafel der Großen Smials Spalte um Spalte; Adalgrim besaß mithin Vettern und Basen in nahezu jedem Zweig des Hauses. Bemerkenswert ist dabei, wie nah ihm gerade jener Zweig blieb, der die Würde des Thain führte: Fortinbras II. war ein Sohn Isumbras' IV. und damit ein Vetter ersten Grades, Ferumbras III. dessen Sohn. Was Adalgrims Zeile von der amtstragenden schied, war also nicht die Entfernung des Blutes, sondern allein die Reihenfolge der Geburten unter den Söhnen des Alten Tuk.
Nach außen verband sich das Haus über Ehen, und in Adalgrims Umkreis laufen diese Fäden auffällig oft auf dieselbe Wurzel zurück. Seine Tochter heiratete nach Bockland in die Halle der Brandybocks; ihr Gemahl Saradoc war ein Enkel Mirabellas, einer Schwester von Adalgrims Vater. Meriadoc trägt die Abkunft vom Alten Tuk deshalb von beiden Eltern her, und die beiden großen Familien des Ostens und des Westens sind in ihm zusammengeführt. Über dieselbe Mirabella führt zudem eine Linie zu den Beutlins: Ihre Tochter Primula, eine Base Adalgrims, heiratete Drogo Beutlin, und deren Sohn war Frodo. Die drei Häuser, aus denen die Hobbits des Ringkriegs stammen, sind bereits in Adalgrims Generation mehrfach ineinander verknotet.
Was diese Beziehungen über die Person selbst aussagen, bleibt begrenzt, und die Grenze verläuft scharf. Eine Gattin wird für Adalgrim nirgends genannt; die Tafel bestimmt ihn ausschließlich über den Vater, von dem er herkommt, und über die Kinder, die von ihm ausgehen. Auch in der Erzählung fällt sein Name nicht ein einziges Mal: Wo im Auenland von einem Vorfahren die Rede ist, dessen Ruf über die Sippe hinausreicht, ist stets der Alte Tuk gemeint. Was bleibt, ist eine Stelle, an der sich Verbindungen kreuzen — die selbstverständliche Nähe zwischen Peregrin und Meriadoc hat hier ihren gemeinsamen Ursprung, ohne dass er dafür je erwähnt werden müsste.