Herkunft, Geschlecht und Name
Baran entstammte dem Ersten Haus der Edain, jenem Volk, das unter Beor dem Alten als erste Schar der Menschen die Blauen Berge überschritt und in Beleriand einwanderte. Er war der ältere der beiden Söhne Beors; sein Bruder hieß Belen. Damit gehört er zur zweiten Generation der Sippe, die die Elben nach dem Beinamen ihres Anführers schlicht das Haus Beors nannten und deren Angehörige in der Überlieferung als dunkel- oder braunhaarig und meist grauäugig beschrieben werden — ein Zug, der sie von den größeren, überwiegend hellhaarigen Leuten Marachs unterschied. Über Barans Geburt, seine Mutter und seine Jugend schweigen die Quellen; er tritt in der Erzählung erst als erwachsener Sohn eines bereits betagten Vaters hervor.
Der Name selbst bleibt ungedeutet: Nirgends im veröffentlichten Werk gibt Tolkien eine Übersetzung oder Herleitung von „Baran“, und es fehlt jeder Hinweis darauf, ob er der eigenen Sprache seines Volkes oder dem inzwischen erlernten Sindarin angehörte. Das ist bemerkenswert, weil gerade in seiner nächsten Umgebung ein Namenswechsel ausdrücklich verzeichnet ist: Sein Vater trug ursprünglich den Namen Balan, und „Beor“ war ein Wort seiner eigenen Zunge, das so viel wie „Gefolgsmann“ oder „Lehnsmann“ bedeutete — ein Beiname, den er sich gegenüber Felagund beilegte und der ihm dauerhaft anhaftete. Bei Baran findet sich nichts dergleichen.
Auffällig ist allein der Gleichklang mit dem sindarinischen Element baran „braun“, das etwa im Namen des Flusses Baranduin steckt; ein Zusammenhang wird jedoch an keiner Stelle behauptet, und der bloße Anklang trägt keine Deutung. Sicherer greifbar ist ein anderes Muster: Die Häuptlinge des Ersten Hauses führen über Generationen hinweg Namen mit anlautendem B — Balan, Baran, Belen und die späteren Träger der Herrschaft in dieser Linie —, was auf eine bewusst gestaltete Namenstradition des Geschlechts hindeutet. Baran selbst gehört zu jenen Gestalten, die in erster Linie durch Abstammung und Stellung überliefert sind; sein Bild bleibt entsprechend blass und ist fast ganz aus dem genealogischen und annalistischen Bestand der Quenta Silmarillion gewonnen.
Geschichte
Der eine Wendepunkt, den die Überlieferung für Baran ausdrücklich festhält, ist zugleich der Beginn seiner Stellung. Als seit der Rückkehr der Noldor nach Beleriand mehr als drei Jahrhunderte vergangen waren und der Lange Friede noch währte, kam Finrod Felagund auf einer Jagdfahrt im Osten des Landes zufällig auf das Lager von Beors Leuten und blieb eine Zeit lang unter ihnen. Aus dieser Begegnung erwuchs eine Bindung, die den Vater aus dem Kreis seines Volkes herauslöste: Beor trat in den Dienst des Elbenfürsten und zog mit ihm fort. Bevor er ging, legte er die Führung der Sippe in die Hände seines älteren Sohnes. Baran wird damit in der Erzählung nicht durch eine eigene Tat eingeführt, sondern durch einen Verzicht seines Vaters — er übernimmt, was jener zurücklässt.
Was Baran übernahm, war kein gesichertes Reich, sondern eine Wanderschar in einem fremden und nicht widerspruchslos geteilten Land. Die Wohnsitze seines Volkes lagen in jener Gegend, die später Estolad hieß — ein Name, der nichts anderes bedeutet als „das Lager“ und schon dadurch das Vorläufige der Lage bezeichnet. Thingol sah die Ankunft der Menschen mit Misstrauen und gestattete ihnen nur bestimmte Landstriche fern von seinem eigenen Reich; erst die Fürsprache der Noldorfürsten, vor allem Felagunds, verschaffte den Einwanderern dauerhaftere Wohnrechte. In diese Jahre fällt auch die Ankunft eines zweiten Menschenvolkes: Marach führte seine Leute über das Gebirge herein und ließ sie sich südlich und östlich von Barans Wohnsitzen niederlassen. Zwischen beiden Scharen bestand von Anfang an Freundschaft, und die Quellen berichten von keinerlei Zwist zwischen ihnen.
Barans Vater kehrte nicht zurück. Beor verbrachte den Rest seines Lebens im Gefolge des Königs von Nargothrond — vierundvierzig Jahre lang, wie die Überlieferung genau vermerkt — und starb dort im Alter von dreiundneunzig Jahren, ohne dass ihn Krankheit oder Waffe getroffen hätte. Für die Elben war dieser Tod ein Einschnitt eigener Art: Sie sahen zum ersten Mal, wie ein Mensch allein an der Last der Jahre dahinschwand, und das Geschick der Sterblichen, das ihnen bis dahin nur ein Wort gewesen war, wurde ihnen zur Anschauung. Über die Wirkung dieses Verlusts auf den zurückgebliebenen Sohn schweigen die Texte; sie halten allein fest, dass die Führung des Ersten Hauses seit Beors Aufbruch bei Baran lag und nicht mehr an den Vater zurückfiel.
In dieselbe Zeit gehört die Unruhe, die Estolad ergriff, als die Menschen zu erwägen begannen, ob es klug gewesen sei, dem Ruf nach Westen zu folgen. Der Streit spaltete beide Völker: Ein Teil hielt an der Verbindung mit den Elben fest, ein anderer wollte lieber wieder nach Osten ziehen oder sich abseits halten, und Morgoths Boten trugen ihr Teil zur Verwirrung bei. Am Ende brach eine beträchtliche Zahl auf und verschwand aus der Erzählung, während die Bleibenden nach und nach Land in den nördlichen Gegenden Beleriands erhielten und Estolad sich leerte. Baran wird in der Schilderung dieses Zwists nicht als handelnde Person genannt — weder unter denen, die zum Abzug rieten, noch unter denen, die widersprachen —, und man tut gut daran, ihm keine Rolle zuzuschreiben, die die Quellen nicht vergeben.
Auch Barans Ende ist nicht überliefert: Kein Jahr, kein Ort, keine Todesart wird im veröffentlichten Werk genannt, und ebenso wenig erfährt man, wann und an wen er selbst die Führung weitergab. Seine Bedeutung liegt darin, dass die Herrschaft über das Erste Haus in seiner Linie blieb — über seinen Sohn Boron und dessen Nachkommen bis zu Bregor und weiter zu Bregolas und Barahir, dem Vater Berens. Was in den späteren Kapiteln als Haus Beors gegen Morgoth steht und schließlich über Beren und Lúthien in die Ahnenreihe der Könige von Númenor eingeht, läuft genealogisch durch diesen einen, kaum geschilderten Mann hindurch. Baran gehört damit zu jener Gruppe von Gestalten, die die Erzählung nicht ausmalt, sondern nur braucht: ein Glied, ohne das die Kette nicht hielte.
Stellung, Herrschaft und ihre Grenzen
Was Baran innehatte, war die Stellung eines Sippenoberhaupts, nicht die eines Königs. Die Überlieferung gibt ihm keinen Titel; sie sagt allein, dass ihm die Führung des Volkes übertragen wurde, und beschreibt diese Übertragung als Verfügung eines noch lebenden Vaters, nicht als Erbfolge nach dessen Tod. Barans Befugnis war damit von Anfang an abgeleitet und hing an einer fremden Entscheidung. Sie galt zudem Menschen und nicht Land: Das Erste Haus besaß in Beleriand keinen Besitz, über den sich hätte herrschen lassen, sondern nur sich selbst — eine Wanderschar, die zu Gast war in einem Reich, dessen Fürsten über Bleiben und Weiterziehen entschieden.
Nach außen war diese Herrschaft eng begrenzt. Weder Krieg noch Vertrag noch Landnahme werden Baran zugeschrieben; die Rechtsverhältnisse, unter denen sein Volk lebte, wurden zwischen Elbenfürsten ausgehandelt, nicht von ihm. Dass Angehörige seines Hauses später Landstriche im Norden Beleriands zu Lehen erhielten und dort mit eigener Waffenmacht standen, gehört in die Zeit seiner Nachfahren, nicht in die seine. Nach innen reichte seine Führung nicht über das eigene Volk hinaus: Die Leute Marachs hatten ihre eigenen Anführer, und die Freundschaft zwischen beiden Scharen war Nachbarschaft, keine Oberhoheit. Selbst dort, wo die Quellen ausführlich vom Streit unter den Menschen des Ostens berichten, fällt Barans Name nicht — ein Schweigen, das man nicht durch Vermutungen füllen sollte.
Von Fähigkeiten im engeren Sinn ist nirgends die Rede. Baran erscheint als sterblicher Mensch unter Sterblichen, ohne Kunst, ohne Vorauswissen, ohne besondere Lebensspanne; was seinem Volk zugutekam, waren Lernfähigkeit und die Nähe zu den Noldor, und beides ist der Schar zugeschrieben, nicht ihm persönlich. Seine Bedeutung ist deshalb weniger eine der Macht als eine der Kontinuität: In einer Lage, in der der Gründer des Hauses fehlte und die Zukunft des Volkes offen war, blieb die Führung ungeteilt und in einer Hand. Genau das, und nichts Größeres, halten die Quellen von ihm fest.
Bindungen: Vater, Bruder, Nachbarn
Die stärkste Bindung in Barans Leben gilt einem Menschen, der nicht mehr da war. Was den Vater fortzog, war weder Pflicht noch Zwang, sondern eine Zuneigung zu einem Elbenfürsten, die schwerer wog als die Bindung an die eigene Sippe; die Stellung, die Baran zufiel, ist gleichsam die Nebenwirkung dieser fremden Wahl. Ebenso bemerkenswert ist, was zwischen den Brüdern nicht geschieht: Belen, der jüngere, tritt der Verfügung des Vaters an keiner Stelle entgegen, das Volk wird nicht geteilt, und von Zwist zwischen den beiden Linien weiß keine Quelle. In einem Werk, das reich ist an bestrittenen Nachfolgen und gespaltenen Häusern, bleibt dieser Übergang geräuschlos — ein Schweigen, das mehr über die Lage des Ersten Hauses aussagt als über die Männer selbst.
Zu den Elben unterhält Baran kein Verhältnis, das ihm persönlich zugeschrieben würde. Kein Eldar heißt sein Freund, keine Begegnung, kein Gespräch, kein gemeinsamer Rat wird berichtet; die Verbindung nach Nargothrond gilt dem Haus und nicht dem Mann, der es führte. Erst spätere Geschlechter nehmen dieses Band wieder persönlich auf: Barahir rettete Finrod in der Schlacht, die Beleriands Frieden beendete, das Leben, und der Fürst schwor ihm und seinem Geschlecht Freundschaft und Beistand — ein Eid, der bis zu Beren fortwirkte und Finrod schließlich das Leben kostete. Was in Barans Tagen eine bloße Zugehörigkeit war, wurde bei seinen Nachfahren zu einer Schuld auf Gegenseitigkeit.
Auch die freundliche Nachbarschaft zu den Leuten Marachs bleibt in Barans Zeit unbestimmt: kein Bündnis, kein gemeinsamer Zug, keine Verschwägerung wird für seine Generation vermerkt. Erst in den folgenden Geschlechtern wird aus Nähe Verwandtschaft, als die beiden Häuser einander zur Ehe nahmen — Morwen aus der Sippe Beors wurde Húrins Gattin, Rían die Huors, beide aus der Linie Hadors, die auf Marach zurückgeht. Von Barans eigener Ehe schweigt die Überlieferung vollständig; keine Gattin wird genannt, nur ein Sohn. So sind sämtliche Beziehungen dieser Gestalt von außen verzeichnet — als Sohn, als Bruder, als Nachbar, als Ahn —, und keine einzige aus seiner eigenen Sicht.