Herkunft, Wesen und Namen
Wie alle Ainur entsprang Melkor unmittelbar dem Gedanken Ilúvatars und stand damit außerhalb jeder leiblichen Abstammung; ein Geburtsdatum kennt die Überlieferung für ihn ebenso wenig wie für seinesgleichen. Unter den Erstgeschaffenen war ihm die größte Macht und das weiteste Wissen zugeteilt, denn er hatte Anteil an den Gaben aller seiner Gefährten, und in den frühen Berichten erscheint er als Bruder im Denken Manwes, dem er in der Ordnung der Ainur am nächsten stand. Sein Abfall begann nicht mit einer Tat, sondern mit einem Verlangen: Er suchte die Unvergängliche Flamme, um aus eigener Machtvollkommenheit Wesen ins Dasein zu rufen, und ging deshalb allein in die Leere hinaus, wo er sie nicht fand. Aus dieser vergeblichen Suche erwuchsen Ungeduld und Eigensinn, die sich später gegen die Absicht der Musik selbst richteten. Von Natur körperlos, nahm er wie die übrigen Mächte sichtbare Gestalt an, doch band er sich enger an Arda als jeder andere seines Ranges.
Sein ursprünglicher Name ist quenyisch und bedeutet ungefähr „der sich in Macht erhebt“ — ein Anspruch, der bereits im Wortsinn liegt. Die sindarinische Entsprechung Belegûr wurde von den Eldar gemieden; gebräuchlich war stattdessen die absichtsvoll entstellte Form Belegurth, die auf den großen Tod deutet. Den Namen Morgoth, den schwarzen Feind der Welt, prägte Feanor im Zorn über das an seinem Haus verübte Unrecht, und die Noldor nannten ihn seither nur noch so; die Quenya-Form des früheren Namens verlor damit ihre Geltung im Sprachgebrauch der Verbannten. Häufig tritt der Beiname Bauglir hinzu, der den Zwingherrn und Bedrücker bezeichnet. Auch der Titel des Dunklen Herrschers gehört zuerst ihm und ging erst später auf seinen Diener über. Die Eldar zählten ihn zuletzt nicht mehr zu den Valar, sodass die Aratar, die Hohen von Arda, ohne ihn gerechnet werden.
In den zu Lebzeiten Tolkiens veröffentlichten Büchern bleibt er fast namenlos und tritt nur am Rand der Rückschau hervor: Die Anhänge sprechen vom Großen Feind der Ältesten Tage, dessen bloßer Diener Sauron gewesen sei — eine Umschreibung, die den Namen eher meidet als nennt. Für die Aussprache gilt, was für alle elbischen Namen gilt: Das g ist stets hart zu sprechen, das abschließende th stimmlos wie im Englischen „thin“, keinesfalls als deutsches tt. Die häufige Form „Morgott“ verfehlt daher beide Regeln zugleich.
Geschichte
Sein Wirken begann vor aller Zeit in der Musik, in die er Gedanken eigener Erfindung einflocht, bis Missklang und Lärm um ihn her wuchsen; dreimal setzte Ilúvatar ein neues Thema entgegen, und beim dritten Mal endete die Musik in einem Klang, den Melkor nicht überschreien konnte. Als die Ainur darauf in Arda hinabstiegen, um das Geschaute wirklich zu machen, kam er mit ihnen und erhob Anspruch auf die Erde als sein Königreich, sodass alles, was die anderen aufbauten, von ihm wieder niedergerissen wurde. Erst das späte Kommen des Tulkas trieb ihn für lange Zeit in die äußere Finsternis hinaus, und in dieser Ruhezeit errichteten die Valar die beiden großen Leuchten Illuin und Ormal, unter denen Arda zum ersten Mal grünte. Melkor kehrte heimlich zurück, warf die Säulen der Leuchten nieder und zerstörte damit den Frühling der Welt; das Feuer ihres Sturzes verwüstete die Länder, und die Valar zogen sich nach Aman zurück, wo sie Valinor befestigten. Er selbst blieb in Mittelerde und grub im äußersten Norden die Feste Utumno.
Als westlichen Vorposten Utumnos legte er die Waffenschmiede Angband an und setzte Sauron über sie. Von dort ging der Schatten aus, der die neu erwachten Elben am Wasser von Cuiviénen umschlich: Wer sich zu weit fortwagte, verschwand, und aus diesen Gefangenen, so lehrten die Weisen später, zog Melkor durch langsame Grausamkeit das Geschlecht der Orks heran. Um der Erstgeborenen willen zogen die Valar zuletzt in den Krieg, brachen die Tore Utumnos und schleiften Melkor gebunden vor Manwe; mit der Kette Angainor gefesselt, verbrachte er drei Zeitalter in den Hallen von Mandos. Danach wurde er auf sein Bitten hin freigelassen, weil er Reue vorgab, und lebte scheinbar demütig in Valinor, während er unter den Noldor Gerüchte aussäte: vom kommenden Anspruch der Menschen, von der Herrschsucht der Valar, vom Misstrauen der Fürstenhäuser gegeneinander. Das Ergebnis war der offene Bruch zwischen Feanor und Fingolfin, die Verbannung Feanors nach Formenos und die Verhärtung eines ganzen Volkes.
Den entscheidenden Schlag führte er im Bunde mit Ungoliant, die im Süden Amans hauste und der er alles versprach, wonach sie hungerte. Während in Valimar ein Fest begangen wurde, durchbohrte sie die Bäume Telperion und Laurelin, und Melkor trank ihr Sterben mit; über Valinor legte sich eine Dunkelheit, die kein Licht mehr durchdrang. Im selben Anschlag brach er in Formenos ein, erschlug Finwe vor dessen eigenen Türen — den ersten Mord in den Gesegneten Reichen — und nahm die drei Silmaril mitsamt dem übrigen Hort an sich. Auf der Flucht über den Norden forderte Ungoliant den Raub für sich; sein Schrei aus dem Engpass von Lammoth blieb dem Land eingeprägt, bis die Balrogs aus Angband herbeikamen und sie vertrieben. Er baute die Feste wieder auf, türmte die dreifache Höhe des Thangorodrim darüber und ließ die geraubten Steine in eine eiserne Krone fassen, die er fortan trug, obwohl ihr Licht seine Hände verbrannte.
Die folgenden Jahrhunderte sind die Geschichte seiner Kriege in Beleriand. Nach zwei frühen Vorstößen, deren zweiter noch vor dem ersten Aufgang des Mondes an Feanors Heer scheiterte, brachte ihm der Angriff des Jahres 60 des Ersten Zeitalters eine Niederlage ein, die eine fast vierhundertjährige Belagerung Angbands nach sich zog; sie zwang ihn zur Zucht neuer Waffen, unter ihnen Glaurung, der erste der Drachen. Im Jahr 455 brach er den Ring mit Feuerströmen auf, und vor die Tore der Feste trat Fingolfin zum Zweikampf, der Morgoth sieben Wunden schlug und ihn für immer hinken ließ, ehe er selbst fiel. Zehn Jahre danach drangen Beren und Lúthien bis in seinen Thronsaal, wo ihr Gesang ihn und seinen ganzen Hof in Schlaf sinken ließ und ein Silmaril aus der Krone geschnitten wurde — der einzige Verlust, den er je erlitt, solange er in Angband saß. Die Schlacht der ungezählten Tränen im Jahr 472 zerbrach das Bündnis der Elben und Menschen endgültig; Húrin, lebend gefangen, wurde auf einen Sitz am Thangorodrim gebannt und musste mit erzwungenem Blick verfolgen, wie ein Fluch sein Geschlecht aufrieb. Danach fielen Nargothrond im Jahr 495 und Gondolin im Jahr 510, und die Herrschaft des Nordens war beinahe vollständig.
Schicksal verhüllt — enthüllenSchicksal enthüllt — wieder verhüllenDieser Abschnitt verrät, wie es ausgeht.
Schicksal
Sein Sturz kam nicht aus Mittelerde, sondern über das Meer: Earendil erreichte mit dem geretteten Silmaril an der Stirn Valinor und erwirkte die Fürsprache, die man den Verbannten so lange versagt hatte. Das Heer des Westens fiel in Beleriand ein, und im Großen Krieg wurde das Land selbst so zerrissen, dass es später unter den Wellen versank. Morgoth setzte zuletzt die geflügelten Drachen ein, doch Earendil erschlug Ancalagon den Schwarzen, dessen Sturz die Türme des Thangorodrim zerbrach. Man zog ihn aus der tiefsten Grube hervor, schlug ihm die Füße unter dem Leib fort, schmiedete die eiserne Krone zu einem Halsring um und band ihn wieder mit Angainor; durch die Tür der Nacht wurde er im Jahr 590 des Ersten Zeitalters in die zeitlose Leere hinausgestoßen. Die beiden ihm verbliebenen Silmaril gingen dabei in Feuer und Wasser verloren. Was er hinterließ, war kein Reich, sondern ein Zustand: Die Verderbnis, die er in die Stoffe der Welt gelegt hatte, blieb, und mit ihr blieben Diener, die sein Werk in späteren Zeitaltern unter eigenem Namen fortsetzten.
Rolle, Macht und ihre Grenzen
Im Gefüge des Legendariums steht Morgoth nicht als ein Widersacher neben anderen, sondern als der Punkt, von dem alles Übrige seinen Ausgang nimmt. Die Arbeit der Valar an Arda erscheint in den Berichten durchweg als Ausbesserung dessen, was er zuvor verdorben hatte, und was in späteren Zeitaltern an Bösem auftritt, ist Erbe und Fortsetzung, nicht eigene Erfindung. Seine Verderbnis liegt nach der Darstellung der Weisen nicht nur in Taten, sondern in den Stoffen der Welt selbst, sodass niemand in Mittelerde ihr ganz entgeht. Zugleich zieht die Überlieferung schon in der Musik die oberste Grenze: Was gegen die Absicht Ilúvatars ersonnen wird, geht am Ende in dessen Werk ein und dient ihm, ohne dass der Urheber es je bemerkte. Morgoth vermochte zu entstellen, aber nicht den Plan zu verlassen, in dem er entstellte.
Seine Mittel waren Frost und Feuer, gezüchtete Geschöpfe, verführte Geister niederen Ranges und vor allem die Lüge; die dauerhaftesten Erfolge errang er dort, wo er Verdacht zwischen Verbündete säte, nicht auf dem Schlachtfeld. Doch jede dieser Wirkungen kostete ihn etwas: Die Macht, die er in Heere, Diener und Festungswerke hinausgab, kehrte nicht zu ihm zurück, und je größer sein Reich wurde, desto seltener trat er selbst hervor. In den späteren Jahrhunderten des Ersten Zeitalters führt er keinen Krieg mehr in eigener Person, sondern lässt handeln — eine Zurückhaltung, die nach dem Zweikampf vor seinen Toren endgültig wurde. Auch das Beutestück, auf das er den größten Wert legte, wies ihn zurück, denn das Licht der Silmaril verbrannte ihn, solange er die Krone trug. Und als er sich vor dem gefangenen Húrin zum Herrn über die Schicksale Ardas erklärte, hielt der Erzähler dagegen, dass sein Arm über die Grenzen der Welt hinaus nichts vermochte.
Die zu Tolkiens Lebzeiten erschienenen Bücher bewahren beide Seiten dieses Befundes in wenigen Sätzen. Sie messen die Macht des späteren Dunklen Herrschers ausdrücklich daran, dass er in den Ältesten Tagen nur ein Diener des Großen Feindes gewesen sei — ein Vergleich, der ohne Zahlen auskommt und dennoch die Rangordnung festlegt. Zugleich hält Baumbart fest, dass die Trolle in der Großen Finsternis als Nachäffung der Ents entstanden, so wie die Orks als Nachäffung der Elben: hergestellt in Nachahmung, nicht ins Dasein gerufen. Damit benennen die Anhänge und das Gespräch im Fangornwald zusammen genau jene Doppelheit, die auch die älteren Berichte tragen — eine Macht ohne Gleichen innerhalb Ardas und ein Schöpfertum, das ihm versagt blieb.
Bindungen: Nähe, Dienst und Feindschaft
Da ihm keine Abstammung zukommt, ist die einzige Nähe, die ihm die Überlieferung zuschreibt, die zu Manwe, mit dem er aus demselben Gedanken hervorging. Aus dieser Nähe erwächst eine bemerkenswerte Ungleichheit: Manwe, dem das Böse innerlich fremd blieb, vermochte die Beweggründe seines Gegenübers nicht zu ermessen und legte an ihn lange das eigene Maß an — ein Umstand, den die Berichte ausdrücklich als Ursache mehrerer Fehlurteile benennen. Melkor seinerseits sah die Gemeinschaft der Valar nie als Rat unter Gleichen, sondern als eine Ordnung, an deren Spitze er zu stehen beanspruchte. Wo die anderen Mächte Gefährten hatten, hatte er Anhänger: Geister, die er schon vor der Gestaltung der Welt an sich zog.
Der Rang seiner Diener bemisst sich danach, wodurch sie gebunden waren. Sauron, ursprünglich dem Volk Aules und dessen Kunstfertigkeit zugehörig, kam aus Bewunderung für Ordnung und überlegene Macht und blieb der Einzige, dem weitreichende Vollmacht übertragen wurde. Die Balrogs, Geister des Feuers, folgten aus früher Verführung; ihr Hauptmann Gothmog führte die Heere in Zeiten, in denen der Herr selbst nicht mehr hervortrat. Drachen und Orks dagegen waren Zucht und nicht Gefolgschaft und gehorchten aus Furcht. Unter Elben und Menschen gewann er Anhang allein durch Kauf: Maeglin unterlag der Angst und dem Versprechen einer Herrschaft, die es nie gab, und die Söhne Ulfangs traten im entscheidenden Augenblick auf seine Seite. Kein Bündnis mit einem Wesen, das ihm nicht unterworfen war, überdauerte seinen Zweck; der Pakt mit Ungoliant zerbrach an der Frage des Lohns.
Seine Gegner haben ihn stärker bestimmt als seine Diener. Feanor war jener Noldo, dessen Werk er am heftigsten begehrte und dessen Vertrauen er als Einziges nie gewann; die Einflüsterungen, die ganze Häuser entzweiten, prallten an ihm ab, und vor dem Haus in Formenos wurde ihm die Tür gewiesen. Dass ausgerechnet dieser Widersacher ihm den Namen gab, unter dem er seither geführt wird, ist die schärfste Auskunft über sein Verhältnis zu den Erstgeborenen: Er steht in ihrer Sprache und nach ihrem Urteil, nicht nach seinem eigenen Anspruch. Ähnliches gilt für die Reihe derer, die ihm von Angesicht zu Angesicht widerstanden — ein König vor seinem Tor, ein Gefangener auf dem Fels, eine Sängerin in seinem Saal. Keine dieser Begegnungen trug ihm einen Gewinn ein, den er in dauerhafte Herrschaft hätte übersetzen können.
Entwicklung in den Entwürfen
Die früheste Schicht der Überlieferung, die „Verschollenen Geschichten“ der Jahre um 1917, kennt die Gestalt unter dem kürzeren Namen Melko, und vieles an ihr ist dort noch handgreiflicher und märchenhafter angelegt als später. Seine Festen heißen Utumna und, im Plural gedacht, Angamandi, die Eisenhöllen; die Kette, mit der ihn die Valar binden, trägt die Form Angaino. Die Spinne des Südens erscheint als Ungweliantë, und der Anschlag auf die Bäume mündet nicht in einen Mord vor den Türen von Formenos: Der Vater Feanors heißt in dieser Fassung Bruithwir und fällt beim Raub der Silmaril. Bemerkenswert ist ferner, dass Melko hier Nachkommenschaft zugeschrieben wird — der Balrogfürst Gothmog gilt als sein Sohn —, und dass der Widersacher im Beren-Stoff zunächst Tevildo, der Fürst der Katzen, ist, an dessen Stelle erst in der Lay von Leithian ein Zauberer tritt, aus dem später Sauron wurde.
Schicksal verhüllt — enthüllenSchicksal enthüllt — wieder verhüllenDieser Abschnitt verrät, wie es ausgeht.
Schicksal
In den Fassungen der dreißiger Jahre setzt sich die erweiterte Namensform Melkor durch, und der Stoff nimmt die Ordnung an, die das veröffentlichte Buch später übernahm. Eines der auffälligsten Stücke blieb dabei ausgeschieden: Die Quenta-Texte schließen mit einer zweiten Weissagung des Mandos, nach der Morgoth die Tür der Nacht wieder durchbrechen und in einer letzten Schlacht von Túrin Turambar erschlagen werde, worauf die Silmaril geborgen und die Bäume neu entzündet würden. Die spätesten Aufzeichnungen gehen einen anderen Weg und fragen nach der Beschaffenheit seiner Macht selbst. Dort entwickelt Tolkien den Gedanken, dass Morgoth sein Wesen in den Stoff Ardas hinein zerstreut habe, sodass die Welt für ihn dasselbe bedeute wie der eine Ring für Sauron — ein Bild, das dem Band seinen Titel gab. Im selben Zusammenhang zog er die Herkunft der Orks aus verderbten Elben in Zweifel und erwog Menschen oder unvernünftige Geschöpfe als Ausgangsstoff, ohne zu einer abschließenden Lösung zu gelangen.