Herkunft und Namen
Malach entstammte dem dritten und zahlreichsten der Menschenvölker, die im Ersten Zeitalter über das Blaue Gebirge nach Beleriand zogen und dort von den Eldar Edain genannt wurden. Sein Vater Marach war das Oberhaupt dieses Zuges, der zuletzt von allen dreien in den Westen gelangte, obwohl er der größte war. Die Überlieferung zeichnet diese Menschen als hochgewachsen und kriegstüchtig, in der Mehrzahl goldhaarig und helläugig, rasch im Zorn wie in der Freundschaft. Ihre Sprache stand jener des Volkes Beors nahe, während die Haladin eine eigene redeten und sich auch sonst abseits hielten. Malach wuchs demnach in einem Haus auf, das unter den Edain durch Zahl und Wehrhaftigkeit hervortrat, ehe es Land und Namen im Norden fand.
Der Name Malach gehört der Sprache seines eigenen Volkes an und wird in den Quellen nicht gedeutet. Sein zweiter Name dagegen ist elbisch: Aradan verliehen ihm die Eldar, nachdem er ihre Zunge erlernt hatte, und in dieser Doppelung — Malach Aradan — führt ihn die Erzählung, wo immer sie das Geschlecht Marachs bis zu seinen späteren Häuptern verfolgt. Sindarin gelesen, verbindet Aradan das Wortelement für „hoch, königlich“, das auch in Herrschernamen der Dúnedain wiederkehrt, mit Adan, der elbischen Bezeichnung für die Menschen der Drei Häuser; es meint mithin einen edlen oder hochgestellten Menschen. Ein solcher Name war keine bloße Höflichkeit, sondern die Art, in der die Noldor einen Menschen als ihresgleichen in die eigene Sprachwelt aufnahmen.
In der Geschlechterfolge seines Hauses steht Malach als Bindeglied zwischen dem Anführer der Wanderung und den Herren, die später in Hithlum saßen. Auf ihn folgte sein Sohn Magor, auf diesen Hathol, und dessen Sohn war Hador Goldhaupt, nach dem das Haus fortan benannt wurde, so dass die älteren Quellen es bald das Volk Marachs, bald das Haus Hadors nennen. Malach selbst hat dem Geschlecht keinen Namen gegeben, wohl aber die Nähe zu den Noldor, die für seine Nachkommen bestimmend blieb.
Geschichte
Malachs Lebensgeschichte setzt mit dem Zug seines Volkes über das Blaue Gebirge ein. Nachdem die Menschen Marachs in Beleriand eingetroffen waren, ließen sie sich zunächst östlich des Flusses Celon nieder, südlich jener Wälder, in denen Nan Elmoth lag, und wenig entfernt von den Wohnstätten des Volkes Beors, das ihnen vorausgegangen war. Das weite, grasige Land, in dem beide Häuser über Jahre lagerten, hieß fortan Estolad, das Lager, und es blieb ihre Heimstatt, solange die Eldar noch keine festen Wohnsitze an sie vergeben hatten. In dieser Zeit des Wartens, zwischen Wanderung und endgültiger Ansiedlung, wuchs Malach heran; sein Vater Marach führte damals noch selbst das Volk.
Der Wendepunkt kam mit einer Botschaft aus dem Norden. Fingolfin, Hoher König der Noldor, sandte den neu angekommenen Menschen einen Gruß, und dieser förmliche Willkommensakt öffnete den Edain den Weg an die Höfe der Eldar. Viele junge und tatkräftige Männer nahmen daraufhin Dienst bei elbischen Königen und Herren, und Malach war unter ihnen. Er ging nach Hithlum, in Fingolfins eigenes Reich hinter dem Schattengebirge, und blieb dort vierzehn Jahre — die einzige Zeitspanne, die die Überlieferung von seinem Leben in Zahlen festhält. Was er dort tat, ob er Waffendienst leistete oder als Gast am Hof lebte, sagen die Quellen nicht; überliefert ist allein, dass er in diesen Jahren die Sprache der Elben erlernte und von ihnen den Beinamen empfing, unter dem ihn die späteren Geschlechtsregister führen.
Während Männer wie er sich den Noldor zuwandten, geriet Estolad in Unruhe. Ein Teil der Edain hielt es für einen Fehler, in einem Land zu bleiben, das im Krieg mit einer Macht des Nordens stand, der man auf der Wanderung gerade hatte entgehen wollen. Die Unzufriedenen fanden ihre Wortführer in Bereg, der Beors Haus angehörte, und in Amlach, ein Enkel Marachs und mithin Malachs Neffe. Bei der Versammlung, die darüber entschied, trat eine Gestalt in Amlachs Aussehen auf und redete gegen die Eldar; als sich erwies, dass der wirkliche Amlach der Zusammenkunft ferngeblieben war, erkannten die Edain darin ein Werk Morgoths. Amlach nahm daraufhin Dienst bei Maedhros, Bereg dagegen führte an die tausend Menschen wieder südwärts über das Gebirge aus Beleriand hinaus.
Welchen Anteil Malach an diesem Streit nahm, verschweigt die Erzählung. Ihre Anordnung legt jedoch nahe, dass sein Aufenthalt im Norden zu den Vorgängen gehörte, die den Bruch mit den Zweiflern vorbereiteten: Wer die Zunge der Eldar sprach und ihren Namen trug, stand auf der Seite derer, die blieben. Nach der Spaltung verließ der größere Teil der Edain nach und nach Estolad, weil die elbischen Herrscher ihnen eigene Länder anwiesen; die Menschen des Hauses Marach zogen dabei nordwärts, bis sie zuletzt in Hithlum saßen, in eben der Landschaft, die Malach als junger Mann kennengelernt hatte. Sein Sohn Magor gehörte zu denen, die diesen Weg führten.
Damit endet, was über Malach selbst berichtet wird. Weder eine Schlacht noch eine Herrschaft wird ihm zugeschrieben, kein Todesjahr und kein Ort seines Grabes; auch die veröffentlichte Erzählung gibt für die Vorgänge dieser Jahre keine Jahreszahlen, sondern ordnet sie nur der Zeit zwischen der Ankunft der Edain und der Aufteilung der Länder zu. Sein Gewicht in der Überlieferung liegt anderswo: Was bei ihm als Dienst eines Einzelnen begann, wurde für sein Haus zur dauerhaften Bindung, denn zwei Generationen nach ihm empfing Hador aus der Hand Fingolfins die Herrschaft über Dor-lómin, einen Teil eben jenes Hithlum. Die vierzehn Jahre eines jungen Mannes am Hof der Noldor stehen so am Anfang einer Verbindung, die das Schicksal seines Geschlechts bis zum Ende der Kriege Beleriands bestimmte.
Rolle und Fähigkeiten
Im Aufbau der Erzählung ist Malach kein Handelnder, sondern ein Beispiel. Das Kapitel, das von der Ankunft der Menschen im Westen berichtet, nennt ihn an der Stelle, an der es von den vielen jungen Männern spricht, die in den Dienst eldischer Herren traten; er steht dort als der eine namentlich Genannte für eine ganze Bewegung. Ein Amt wird ihm nicht zugeschrieben: Solange sein Vater lebte, führte dieser das Volk, und die Herrschaft über ein eigenes Land empfing erst ein späterer Nachkomme aus elbischer Hand. Malach erscheint in den Quellen weder als Heerführer noch als Ratgeber, weder als Richter über sein Volk noch als Sprecher bei den Versammlungen, die in eben jenen Jahren über dessen Zukunft entschieden.
Die einzige Fähigkeit, die ihm die Überlieferung ausdrücklich zuspricht, ist eine erlernte: die Beherrschung der Elbensprache. Das ist keine Gabe und keine Kunst im Sinne der Mächte, die im Ersten Zeitalter sonst begegnen, sondern eine Leistung des Umgangs und der Zeit, und die Auszeichnung, die ihr folgte, war ein Name, nicht eine Vollmacht. Was die Edain an Kraft besaßen, war körperlicher und handwerklicher Art; ihre Fertigkeiten in Waffen und Werk wuchsen erst durch die Nähe zu den Noldor, von deren Wissen sie lernten. Über allem steht die Grenze, die für alle Menschen galt: Sie waren sterblich und verließen die Welt nach kurzer Frist, während die Eldar blieben. Nichts in den Quellen deutet an, dass Malach davon ausgenommen gewesen wäre oder über gewöhnliches menschliches Maß hinaus vermocht hätte.
Sein Gewicht ist deshalb kein persönliches, sondern ein vermittelndes. Kein Land, kein Haus und kein Erbstück trägt seinen Namen; keine Schlacht und keine Tat ist mit ihm verbunden, und was ihm zugeschrieben werden kann, steht in wenigen Zeilen eines genealogischen Zusammenhangs. Wer mehr über ihn sagen wollte, müsste aus dem Rang seiner Nachkommen zurückschließen, und dafür geben die Quellen keine Handhabe. Gerade darin liegt seine Stellung: Er markiert den Punkt, an dem aus Nachbarschaft ein Verhältnis wurde, ohne selbst als Träger von Macht in Erscheinung zu treten.
Verwandtschaft und elbische Herren
Das Beziehungsgeflecht, in dem die Überlieferung Malach zeigt, besteht fast ausschließlich aus Männern seines eigenen Hauses. Über ihm steht der Vater, unter dessen Führung er zeitlebens blieb, unter ihm der Sohn Magor, mit dem die Reihe weiterläuft. Eine Gemahlin wird nicht genannt, keine Mutter, keine Schwester; die Aufzeichnungen führen das Geschlecht als Folge von Vätern und Söhnen, und Malach ist darin das zweite Glied. Auch das Verhältnis zum Vater bleibt ohne Auftritt: Kein Rat, kein Streit, keine Übergabe der Führung wird berichtet, obwohl beide dieselben Jahre erlebten.
Schärfer wird sein Umriss durch die Seitenlinie. In derselben Sippe wuchs Amlach heran, der Sohn eines Bruders, und er stand für die entgegengesetzte Antwort auf dieselbe Lage: Zweifel am Bündnis, Wortführerschaft unter den Unzufriedenen, erst danach der Eintritt in elbischen Dienst. Beide Verwandte gelangten so an einen Hof der Noldor, doch der eine über Widerspruch und Täuschung, der andere ohne verzeichnete Anfechtung. Einen persönlichen Gegenspieler hat Malach nicht; was seinem Weg entgegenstand, war die Stimme im eigenen Volk, und hinter ihr der Feind des Nordens, der nie unmittelbar mit ihm zu tun bekam.
Auf der elbischen Seite steht ein einziger Name, und er steht dort als Herr, nicht als Freund: Fingolfin, in dessen Reich Malach als junger Mann lebte. Von einer Vertrautheit, wie sie die Erzählung zwischen Beor dem Alten und Finrod schildert — jener blieb bis an sein Lebensende im Dienst des Elbenkönigs —, ist bei Malach nichts überliefert; sein Aufenthalt bleibt ein Verhältnis ohne Gespräch, ohne Eid und ohne Abschiedsszene. Was von dieser Bindung dennoch trug, zeigt sich erst zwei Geschlechter später an seinen Nachkommen. Die prägende Beziehung seines Lebens war demnach keine zu einer Person, sondern zu einem Haus und dessen Sprache.