Herkunft und Namen
„Arda“ ist ein Quenya-Name, den die Valar der Welt gaben, um sie von Eä zu unterscheiden – jenem umfassenderen All, das durch Ilúvatars Wort ins Dasein trat, ehe die Valar selbst hinabstiegen, um an der Gestaltung mitzuwirken. Während Eä die Gesamtheit der Schöpfung bezeichnet, benennt Arda eigens jenen greifbaren, geformten Teil, den die Valar bewohnten und formten: Aman, Mittelerde und die sie trennenden Meere. In der Valaquenta wird diese Weltwerdung Ardas als eigener, zur rechten Zeit vollzogener Schritt innerhalb der größeren Schöpfung geschildert, wodurch der Name von Anfang an mit dem Wirken der Valar und nicht mit irgendeinem sterblichen Volk verbunden bleibt.
In seinen Briefen erläuterte Tolkien, dass die im Legendarium gebräuchlichen englischen Bezeichnungen „the World“ und „Earth“ als Übertragungen des elbischen Arda zu verstehen seien, Teil jener Fiktion, nach der die überlieferten Geschichten Mittelerdes aus alten Quellen ins Englische übertragen worden seien. Dieser Kunstgriff erlaubt es dem Erzähltext, denselben Ort einmal mit seinem elbischen Namen, ein andermal mit seiner „übersetzten“ englischen Entsprechung zu benennen, ohne dass damit ein inhaltlicher Unterschied gemeint wäre.
Innerhalb des Legendariums bleibt Arda dabei ein eher gelehrter, aus elbischer Überlieferung stammender Name: Er begegnet vor allem in Texten, die auf das Wissen der Eldar zurückgehen, während die Erzählungen selbst häufiger von „Mittelerde“ – dem bewohnten Kontinent – oder schlicht von „der Welt“ sprechen. Als Quenya-Wort folgt Arda zudem der regelmäßigen Lautung dieser Sprache, mit kurzem, offenem a wie im deutschen „Vater“; diese allgemeine Ausspracheregel für elbische Namen hält Tolkien eigens fest, was zeigt, wie sehr auch die Benennung der Welt selbst in das durchdachte Sprachgefüge des Legendariums eingebettet ist.
Land und Ort
Arda bezeichnet nicht einen einzelnen Landstrich, sondern die Welt als Ganzes: das gesamte geformte Reich aus Land, Meer und Luft, das die Valar nach ihrem Hinabstieg gestalteten. Es gliedert sich in zwei große Landmassen, die durch das Große Meer voneinander getrennt sind – im äußersten Westen Aman, wo die Valar selbst siedelten und wo auch Valinor liegt, und, weit davon entfernt, Mittelerde als der von den Erwachten Völkern bewohnte Kontinent. Umschlossen wird dieses ganze Gefüge von einem äußeren Ozean, der die Landmassen wie ein Ring umgibt, sowie von den Lüften und Höhen des Himmels darüber, die ebenfalls zu Arda im weiteren Sinne gezählt werden.
In den ältesten Zeitaltern besaß Arda eine flache Gestalt: Die bewohnte Welt bildete eine ausgedehnte Ebene, die von der umgürtenden See eingefasst und an ihrem äußersten Rand von den Mauern der Nacht begrenzt wurde, jener Schranke, die das Weltinnere von der Leere draußen schied. Innerhalb dieser Ordnung lagen Aman und Mittelerde einander gegenüber, verbunden allein über das Große Meer, während im Norden und Süden entlegene, kaum bewohnte Weiten die Landmassen abschlossen. Diese ursprüngliche Anlage der Welt blieb über viele Zeitalter hinweg bestehen und prägte, wie die Bewohner Mittelerdes sich Aman als ein fernes, jenseits des Meeres liegendes Land vorstellten, das auf demselben Weg zu erreichen war wie jedes andere Ufer.
Diese Ordnung endete mit dem Untergang Númenors: Aman wurde aus den sichtbaren Kreisen der Welt genommen, und Arda selbst wurde rund gemacht, sodass, wer seither über das Meer nach Westen segelte, schließlich wieder in Mittelerde ankam, statt Aman zu erreichen. Für die Noldor und die ihnen verbundenen Völker blieb allein ein „gerader Weg“ bestehen, der aus den gekrümmten Meeren hinausführte und den nur wenigen offenstand. Diese Wandlung der Weltgestalt, in den Anhängen wie im Silmarillion überliefert, schuf die Trennung zwischen Aman und Mittelerde, wie sie in den späteren Zeitaltern bestand, und machte Aman zu einem Ort, der fortan nur noch auf besonderen, nicht mehr allen offenstehenden Wegen erreichbar war.
Geschichte
Der Ursprung Ardas liegt in der Musik der Ainur und der ihnen gewährten Schau, in der Ilúvatar ihnen die künftige Gestalt der Welt offenbarte, ehe sie Wirklichkeit wurde. Als die Valar hinabstiegen, um Arda gemäß dieser Schau zu formen, war Melkors Widerklang bereits so tief in den Plan eingewoben, dass die Welt von ihren ersten Anfängen an nicht makellos, sondern gezeichnet war – ein Zustand, den die Überlieferung später als „Arda Marred“, die versehrte Arda, von der ursprünglich gedachten „Arda Unmarred“ unterscheidet. Diese früheste Verquickung von Gestaltung und Widerstand prägte alles, was die Valar in der Folge unternahmen.
Die ersten Werke der Valar in der stofflichen Arda vollzogen sich noch ohne feste Wohnstatt, bis sie sich am See Almaren inmitten Mittelerdes niederließen, ihrem ersten Sitz in der neu geschaffenen Welt. Um diese frühe Schöpfung zu erhellen, errichteten sie die beiden Leuchten Illuin im Norden und Ormal im Süden, unter deren Licht die Erde zum ersten Mal erblühte; diese Blütezeit ist als der Frühling Ardas überliefert. Melkor zerstörte die Leuchten jedoch, warf ihre Säulen nieder und verwüstete Almaren, sodass die Valar sich über das Meer nach Aman zurückzogen, wo sie das Bergland der Pelóri auftürmten und mit den Zwei Bäumen von Valinor eine neue, geschütztere Lichtquelle für die Welt schufen.
In Mittelerde, das seither weithin im Dunkel lag, erwachten mit der Zeit die Elben, und mit ihrem Erwachen begann jene lange Geschichte von Wanderung, Krieg und Verlust, die die Gestalt des nordwestlichen Mittelerde über das Erste Zeitalter hinweg umformte. Die Kriege gegen Melkor, der sich in Angband verschanzt hatte, erreichten ihren Höhepunkt im Krieg des Zorns, in dem die Streitmacht der Valar selbst nach Mittelerde übersetzte; im Zuge dieses letzten großen Kampfes brach ein Großteil Beleriands auseinander und versank in den Fluten, sodass am Ende des Ersten Zeitalters weite Landstriche im äußersten Nordwesten Ardas für immer unter dem Meer verschwunden waren.
Als Wohnstatt der Menschen, die nach dem Krieg des Zorns erhöht wurden, entstand im Zweiten Zeitalter mitten im Großen Meer die Insel Númenor, deren Reich über Jahrhunderte zu einer Macht heranwuchs, wie sie Mittelerde seit dem Untergang Beleriands nicht mehr gesehen hatte. Ihr Sturz kam gleichwohl rasch: Im Jahr 3319 des Zweiten Zeitalters landete Ar-Pharazôn mit einer Flotte in Aman selbst, um den Unsterblichen die Herrschaft zu entreißen, worauf Ilúvatar unmittelbar eingriff, Númenor versenkte und Aman aus der erreichbaren Welt nahm. Mit diesem Umsturz endete die alte, durch die Valar geschaffene Ordnung Ardas, deren äußere Gestalt an anderer Stelle dieses Artikels behandelt wird, und das Zweite Zeitalter ging kurz darauf mit dem Krieg des Letzten Bündnisses gegen Sauron zu Ende.
Durch das Dritte Zeitalter hindurch, das mit Saurons endgültigem Sturz im Ringkrieg schloss, bestand Arda in der nunmehr gerundeten Gestalt fort, während die Elben allmählich aus Mittelerde über das Meer nach Westen abwanderten und die Herrschaft an die Menschen überging. Mit dem Beginn des Vierten Zeitalters, das die Anhänge als Zeitalter der Herrschaft der Menschen bezeichnen, tritt die ältere, von Valar und Elben geprägte Geschichte Ardas endgültig in den Hintergrund, ohne dass die überlieferten Werke ihr weiteres Schicksal über diesen Einschnitt hinaus im Einzelnen erzählen.
Bewohner und Herrschaft
Die Herrschaft über Arda lag nach dem Willen Ilúvatars bei den Valar, die als Mächte der Welt eingesetzt wurden, um sie zu ordnen und zu hüten, ohne doch selbst ihre letzten Herren zu sein; unter ihnen erhielt Manwe den Vorrang als höchster Fürst, dem die übrigen Valar in Fragen der Regierung Ardas eine Art Vorsitz zubilligten. Diese Ordnung blieb jedoch von Beginn an umstritten, denn Melkor beanspruchte Arda für sich selbst und suchte, die Welt insgesamt seinem eigenen Willen zu unterwerfen, statt sie mit den übrigen Valar zu teilen. Aus diesem Widerstreit erwuchs die grundlegende Spannung, die die Geschichte Ardas durchzieht: eine von den Valar im Auftrag Ilúvatars verwaltete Welt, gegen deren Ordnung Melkor und später Sauron beständig ihre eigene Herrschaft zu setzen versuchten.
Für Elben und Menschen, die Erstgeborenen und die Nachgeborenen Kinder Ilúvatars, war Arda von Anfang an als Wohnstatt bestimmt, während andere Bewohner erst im Zuge des Wirkens einzelner Valar hinzukamen. So schuf Aule aus Ungeduld die Zwerge, die Ilúvatar nachträglich annahm und ihnen einen eigenen Platz unter den Völkern Ardas zubilligte, und auf Yavannas Bitte hin wurden die Ents als Hüter der Bäume ins Dasein gerufen, damit auch das Wachsende in der Welt seine Beschützer habe. Elben und Menschen verteilten sich dabei ungleich über die beiden großen Landmassen: Ein Teil der Elben siedelte in Aman in unmittelbarer Nähe der Valar, während andere zeitlebens in Mittelerde blieben; Zwerge, Ents und die Menschen dagegen waren, von der Ausnahme Númenors abgesehen, durchweg auf Mittelerde beschränkt.
Aus dieser Verteilung ergab sich ein sehr unterschiedliches Verhältnis der Völker zu den Herrschern Ardas: Den Elben in Aman standen die Valar nahe und vertraut gegenüber, während sie den Menschen in Mittelerde meist fern und geheimnisvoll blieben und ihnen nur selten unmittelbar begegneten. Nach dem Ende der alten Weltordnung zogen sich die Valar noch weiter aus dem unmittelbaren Geschehen Mittelerdes zurück und übertrugen die Sorge um die dortigen Freien Völker den Istari, die sie als ihre Boten in Gestalt alter Männer nach Mittelerde entsandten. Damit blieb die Herrschaft der Valar über Arda zwar dem Anspruch nach bestehen, wirkte in den späteren Zeitaltern jedoch nur noch mittelbar auf jene Völker, die fern von Aman in Mittelerde lebten.
Rolle in der Erzählung
In der Erzählung selbst wirkt Arda weniger als bloßer Schauplatz denn als der eigentliche Einsatz, um den gerungen wird: Weil die Welt von ihrem Ursprung an durch Melkors Widerklang gezeichnet blieb, erscheinen die Kriege gegen ihn und später gegen Sauron nicht als voneinander getrennte Feldzüge, sondern als aufeinanderfolgende Kapitel eines einzigen, sich über Zeitalter erstreckenden Ringens um die Gestalt Ardas selbst. Diese Versehrtheit der Welt gibt jedem einzelnen Sieg und jeder einzelnen Niederlage eine Bedeutung, die über den jeweiligen Augenblick hinausreicht, und der ferne, nur angedeutete Gedanke an eine dereinst geheilte Arda verleiht selbst den verlustreichsten Kämpfen der Geschichte einen Unterton stiller Hoffnung.
Zugleich bestimmt Arda als abgeschlossenes Gefüge das Los der beiden erzählerisch zentralen Völker auf grundverschiedene Weise, und nirgends wird dies deutlicher greifbar als in der Erzählung von Aragorn und Arwen im Anhang: Weil die Elben, solange die Welt besteht, an sie gebunden bleiben, während die Menschen mit ihrem Tod aus diesem Gefüge heraustreten, wird Arwens Entscheidung, das Los der Menschen zu teilen, zum eigentlichen Kern ihrer Geschichte – ein Abschied nicht nur von Aragorn, sondern von jener Art zu sein, die den übrigen Elben vorbehalten bleibt. Dasselbe Gefälle liegt dem Schwinden der Elben und ihrem Fortzug über das Meer zugrunde, das die Haupthandlung des Buches als leiser, wehmütiger Grundton begleitet.
Auch Frodo Beutlins Weg am Ende der Geschichte lässt sich in diesem Licht lesen: Von Wunden gezeichnet, die Mittelerde selbst nicht zu heilen vermag, erhält er als Ringträger die seltene Gnade, über das Meer zu den Grauen Anfurten und weiter in die Unsterblichen Lande zu reisen – noch innerhalb Ardas gelegen, doch fernab jenes Teils der Welt, in dem sein Leiden entstanden ist. Damit steht sein Aufbruch für einen Gedanken, der die gesamte Erzählung grundiert: dass manche Wunden, die dem Gefüge Ardas geschlagen wurden, nicht an dem Ort geheilt werden können, an dem sie entstanden.
Entwürfe und Varianten
In den frühesten Fassungen der Mythologie, „The Book of Lost Tales“, war die Welt bereits als flache, von einem umschließenden Ozean umgebene Scheibe gedacht, mit den Zwei Leuchten und später den Zwei Bäumen als Lichtquellen – doch der Name „Arda“ als feststehende Bezeichnung für diese Welt gehörte noch nicht zum festen Wortschatz dieser frühen Texte, die stattdessen meist schlicht von „der Erde“ oder „der Welt“ sprachen. Erst in der Ambarkanta, einem eigens der Weltgestalt gewidmeten Prosa- und Kartenwerk aus den frühen 1930er-Jahren, systematisierte Tolkien diese Kosmologie: Er zeichnete die flache Arda innerhalb der sie umgürtenden Vaiya und der begrenzenden Mauern der Nacht in eigenen Karten und legte damit die geografische Grundordnung fest, die später in knapperer Form ins Silmarillion einging.
Die Vorstellung, dass Arda ursprünglich flach war und erst durch den Untergang Númenors rund gemacht wurde, entwickelte sich erst mit der Ausarbeitung der Númenor-Sage in den 1930er- und 1940er-Jahren, etwa in „The Lost Road“ und später in den „Notion Club Papers“. Gegen Ende seines Lebens erwog Tolkien in den unter dem Titel „Myths Transformed“ versammelten späten Schriften sogar, diese ganze Verwandlungserzählung aufzugeben und Arda von Anfang an als runde, den astronomischen Kenntnissen seiner Zeit angenäherte Welt zu denken, in der die Bäume von Valinor nicht mehr die einzige Lichtquelle der Welt gewesen wären. Diese späte Umgestaltung blieb unvollendet und floss nicht in das von Christopher Tolkien herausgegebene Silmarillion ein, das an der älteren Fassung mit flacher, erst nachträglich gerundeter Arda festhielt.