Herkunft, Abstammung und der Name Durin

Durin VI gehörte zu den Langbärten, jenem Zwergenvolk, das sich auf Durin den Unsterblichen zurückführte und dessen Königshaus über Khazad-dûm gebot. Der erste Durin galt als der älteste der Sieben Väter der Zwerge; er erwachte allein, und in den Höhlen oberhalb des Kheled-zâram, am Ostrand des Nebelgebirges, gründete er die Behausung, aus der die größte Zwergenstadt Mittelerdes wurde. Aus dieser Linie stammte Durin VI, der als sechster Träger des Namens im Dritten Zeitalter die Herrschaft über die Hallen seines Volkes innehatte; sein Erbe war Náin I. Über seine Person hinaus verzeichnen die Anhänge des Roten Buches wenig: Er erscheint dort vor allem als Glied einer Kette, deren Anfang und Fortdauer den Zwergen mehr bedeuteten als die Einzelgestalt.

Die Zählung hinter seinem Namen ist selbst ein Stück Zwergenüberlieferung. Fünfmal, so berichtet die Chronik von Durins Volk, wurde im Königshaus ein Erbe geboren, der dem Urahn in Gestalt und Wesen so glich, dass man ihm dessen Namen gab; Durin VI ist der letzte dieser fünf Wiederkehren. Die Zwerge selbst deuteten das nicht als bloße Namensgewohnheit, sondern hielten daran fest, dass der Unsterbliche wiederkehre und in seinem Nachkommen aufs Neue unter ihnen wohne — eine Überzeugung, die andere Völker Mittelerdes für eine Wunschvorstellung hielten, die die Zwerge aber ernst nahmen. Die römische Ziffer ist demnach eine Zutat der Chronisten, die eine Reihe ordnet, welche die Zwerge lieber als Rückkehr denn als Abfolge verstanden.

Der Name „Durin“ ist überdies kein Wort der Zwergensprache. Die Zwerge hüteten das Khuzdul als Geheimnis ihres Volkes und gaben ihre wahren, inneren Namen keinem Fremden preis; nicht einmal auf ihren Grabmälern standen sie. Nach außen trugen sie deshalb Namen aus den Sprachen der Menschen des Nordens, und in dieser Gestalt sind sie in die Überlieferung eingegangen. Was von Durin VI und seinen gleichnamigen Vorgängern erhalten blieb, ist also durchweg ein Außenname; wie er unter seinesgleichen wirklich hieß, teilt keine Quelle mit.

Herrschaft, das Erwachen unter Khazad-dûm und der Tod (D.Z. 1731–1980)

Die Stammtafel von Durins Volk gibt für ihn die Jahre 1731 bis 1980 des Dritten Zeitalters an; zwischen dem ersten und dem sechsten Träger des Namens steht dort nur eine punktierte Linie, sodass weder sein Vater noch das Jahr seines Herrschaftsantritts überliefert sind. Als er zur Welt kam, bestand Khazad-dûm bereits seit unvordenklicher Zeit, und es war längst die letzte große Behausung seines Volkes im Nebelgebirge geblieben. Die Werkstätten von Eregion, mit denen die Zwerge einst in engem Austausch gestanden hatten, lagen seit rund anderthalb Jahrtausenden in Trümmern, doch die Stadt hinter dem Westtor blieb reich, bevölkert und nach außen hin unangefochten. Die Chronik verzeichnet aus seinen ersten zweieinhalb Jahrhunderten keinen Krieg, keine Wanderung und keinen Vertrag — ein Schweigen, das für die Zwerge jener Jahre eher Wohlstand als Bedeutungslosigkeit anzeigt.

Die Grundlage dieses Reichtums war ein einziger Stoff. Unter Khazad-dûm allein fand sich das Metall, das die Elben Mithril nannten und die Zwerge ihr wahres Silber; es ließ sich hämmern wie Kupfer und polieren wie Glas, blieb aber unversehrt und übertraf gehärteten Stahl an Festigkeit. Je seltener es wurde, desto tiefer trieb man die Stollen unter die Wurzeln des Caradhras, denn oberflächennahe Adern waren erschöpft. Die spätere Deutung, die Gandalf gegenüber der Gemeinschaft aussprach, macht daraus keine Anklage gegen einen Einzelnen, sondern gegen ein Volk, das aus Gier zu weit in die Tiefe grub und dort aufstörte, wovor es dann floh. Ob Durin VI diese Grabungen selbst anordnete oder nur fortsetzte, was Generationen vor ihm begonnen hatten, sagt keine Quelle.

Worauf die Bergleute stießen, war nach der Überlieferung der Elben ein Wesen aus der Frühzeit der Welt. In der Erzählung von den Ringen der Macht heißt es, dass die Zwerge durch ihr immer tieferes Graben ein Grauen weckten, das seit dem Untergang von Morgoths Reich am Ende des Ersten Zeitalters im Fundament der Erde verborgen gelegen hatte: einen Balrog, der dem Zorn des Westheeres entkommen und in die Wurzeln des Gebirges geflohen war. Damit verknüpft der Bericht zwei Ereignisse, die Jahrtausende trennen — die Zerschlagung Angbands und den Sturz eines Zwergenkönigs —, und macht den Tod Durins VI. zum späten Nachhall eines Krieges, an dem sein Volk nie beteiligt gewesen war. Für die Elben Lothloriens, die jenseits des Gebirges lebten, folgte daraus unmittelbar Gefahr, denn das Erwachte blieb nicht auf die Tiefen beschränkt.

Die Zeittafel hält den Vorgang in einem einzigen Satzglied fest: Im Jahr 1980 des Dritten Zeitalters erscheint ein Balrog in Moria und erschlägt Durin VI. Über Ort, Umstände und Verlauf schweigt der Eintrag; es gibt keine Schilderung eines Zweikampfs, keine letzten Worte, keine Angabe darüber, ob der König sich dem Wesen stellte oder von ihm überrascht wurde. Was die Annalen leisten, ist eine Zuordnung: Der Tod des Königs steht nicht neben dem Auftauchen des Balrogs, sondern geht unmittelbar aus ihm hervor. In der Erinnerung der Völker Mittelerdes hat dieser eine Satz dem Wesen seinen Namen gegeben, denn seither hieß es Durins Fluch — der erste seiner Getöteten wurde zum Namensträger dessen, was ihn erschlug.

Der Zusammenbruch, den sein Tod einleitete, vollzog sich innerhalb eines Jahres. Schon 1981 fiel auch Náin I., der ihm auf den Thron gefolgt war, und die Zwerge gaben Khazad-dûm auf und flohen. Im selben Jahr verließen viele der Waldelben Lothloriens ihre Heimat und zogen nach Süden; Amroth und Nimrodel gingen dabei verloren. Die verlassene Stadt behielt fortan den elbischen Namen Moria, und für rund ein Jahrtausend blieb sie den Zwergen ein Ort, den man mied. Erst 1999 gründete Thráin I., der Sohn Náins, unter dem Einsamen Berg ein neues Königreich und begann damit jene Reihe von Exilen, die das Haus Durins bis in die Zeit des Ringkriegs prägen sollte. Durin VI. war somit der vorletzte König, der in den Hallen seiner Väter herrschte, und der letzte, dessen Regierung nicht schon im Zeichen der Flucht stand.

Das Amt eines Zwergenkönigs: Herrschaft, Erbe und dessen Grenzen

Was das Königtum unter Durins Volk ausmachte, sagen die Anhänge nur mittelbar. Es war die Herrschaft über ein Haus und dessen Behausung, nicht über die Zwerge insgesamt: Sieben Völker gab es, und keine Quelle überträgt dem Herrn der Langbärte Gewalt über die übrigen sechs. Seine Stellung ruhte auf zweierlei — auf der Abstammung, die den Thron in einer einzigen Linie hielt, und auf dem Berg selbst, denn wer in Khazad-dûm gebot, verfügte über die Stollen, die Schmieden und den Austausch, der daraus erwuchs. Ein priesterliches oder gesetzgebendes Amt ist damit nicht verbunden; die Überlieferung zeigt Zwergenkönige als Vorsteher eines Werk- und Wehrverbandes, die im Kriegsfall selbst zu den Waffen griffen und an der Spitze ihres Volkes fielen.

Zum Erbe dieses Hauses gehörte auch einer der Sieben Ringe. Die Zwerge selbst hielten daran fest, dass Celebrimbor den mächtigsten von ihnen Durin III. gegeben habe; die Ringe der anderen Häuser gingen früh verloren oder wurden von Drachen verzehrt, dieser aber wurde unter den Erben Durins weitergereicht, bis Sauron ihn dem letzten seiner Träger abnahm. Träger für Träger führt die Chronik die Reihe nicht auf, sodass sich für Durin VI. nur folgern, nicht belegen lässt, dass der Ring zu seiner Zeit in den Hallen lag. Seine Wirkung war ohnehin eng umgrenzt: Er machte niemanden unsichtbar und zog seinen Herrn nicht in die Schattenwelt hinüber, denn die Zwerge erwiesen sich als zäh und schwer zu beugen. Was er vermochte, war die Mehrung von Gold; was er anrichtete, war Habgier.

Damit ist zugleich die Grenze bezeichnet, an der die Gestalt selbst steht. Die Quellen schreiben Durin VI. keine Tat, kein Wort und kein Werk zu; sie nennen ihn in der Stammtafel, in zwei Jahreszahlen und in einer einzigen Zeile der Zeittafel. Alles, was über seine Macht gesagt werden kann, ist deshalb eine Aussage über sein Amt und nicht über seine Person: Er verfügte über den Ertrag der tiefsten Bergwerke Mittelerdes und über ein Volk, dessen Stadt seit Zeitaltern gegen jeden Angriff von außen gehalten hatte. Gegen das, was von innen kam, half beides nicht. Die spätere Überlieferung hat daraus keine Anklage gegen den König gemacht, sondern eine nüchterne Feststellung über die Reichweite zwergischer Macht überhaupt.

Verwandtschaft, Nachbarn und ererbte Feindschaften

Über die Familie Durins VI. schweigen die Stammtafeln auf eine Weise, die nicht ihn allein betrifft. Verzeichnet ist einzig Náin I., der Sohn, der ihm nachfolgte; Mutter, Gemahlin und etwaige Töchter fehlen, wie sie in der gesamten Reihe von Durins Volk fehlen. Der Grund liegt in einer Eigenheit, die die Anhänge des Roten Buches eigens vermerken: Zwergenfrauen waren stets in der Minderzahl, kaum ein Drittel des Volkes, sie verließen die Hallen selten, und wer sie draußen sah, unterschied sie an Gestalt, Gang und Stimme nicht von den Männern. Hinzu kommt, dass viele Zwerge überhaupt nicht heirateten, weil ihre ganze Neigung dem Handwerk galt, und dass eine Zwergin, die einmal gewählt hatte, keinen anderen mehr nahm. Die Stammtafel eines Zwergenkönigs ist deshalb kein Bild seiner Verwandtschaft, sondern eine Liste der Nachfolge.

Die engste Nachbarschaft, die sein Haus je unterhalten hatte, war zu seinen Lebzeiten längst Erinnerung. Zwischen den Zwergen von Khazad-dûm und den Elbenschmieden von Eregion hatte einst ein Einvernehmen bestanden, wie es zwischen beiden Völkern sonst nirgends bezeugt ist, und das Westtor selbst war sein Denkmal: Narvi hatte es gefertigt, die Zeichen darauf stammten von Celebrimbor, und beider Namen standen in Elbenschrift auf dem Stein. Aus jener Zeit war überliefert, dass die Tore offen standen und Wächter davor saßen, während sie später verschlossen und für fremde Augen unsichtbar blieben. Jenseits des Ostausgangs lebten die Waldelben, doch von einem Bündnis mit ihnen berichtet keine Quelle — die Zwerge seiner Zeit hatten Nachbarn, aber keine Verbündeten.

Was er seinen Erben hinterließ, war weniger eine Feindschaft als ein besetzter Ort. Der Gegner, an dem seine Herrschaft endete, hatte mit seinem Volk keine Vorgeschichte gehabt; die Feinde jedoch, die den leeren Berg füllten, waren die alten. Orks nahmen die verlassenen Hallen ein, und seit dem fünfundzwanzigsten Jahrhundert des Dritten Zeitalters richteten sie sich im Nebelgebirge so fest ein, dass sie die Pässe sperrten. Als Balin im Jahr 2989 mit Gefährten zurückkehrte, um in Moria wieder Fuß zu fassen, hielt sich die Siedlung fünf Jahre; dann fiel er, und niemand aus seiner Schar überlebte. Die Beziehungen Durins VI. lesen sich damit vor allem als ererbte Lage: eine verbrauchte Freundschaft im Westen, eine Nachbarschaft ohne Bindung im Osten und ein Erbe, das seine Nachkommen über tausend Jahre hinweg nicht antreten konnten.