Herkunft und Namen

Celebrimbor zählte zu den Noldor und damit zu jenem Zweig der Eldar, dessen Neigung zum Handwerk und zur Kenntnis der Stoffe schon in Aman am stärksten ausgeprägt war. Das veröffentlichte Silmarillion führt ihn als Sohn Curufins, des fünften Sohnes Feanors; er stand mithin in der unmittelbaren Nachkommenschaft jenes Schmieds, dessen Werk und dessen Eid die Geschichte der Noldor im Ersten Zeitalter bestimmt haben. Mit dem Haus seines Vaters gelangte er nach Beleriand und gehörte so zu den Verbannten, ohne doch selbst zu den Schwörenden zu zählen, denn der Eid band Feanor und seine sieben Söhne. Abweichende Angaben zur Abstammung finden sich in nachgelassenen Aufzeichnungen; sie sind im Widersprüche-Register verzeichnet.

Der Name Celebrimbor gehört dem Sindarin an und verbindet celeb, „Silber“, mit paur, „Faust“ — einem Wort, das häufig auch schlicht die Hand bezeichnet. Zu verstehen ist er also als „Silberfaust“ oder „silberne Hand“: ein Handwerkername, der die Fertigkeit der Hand meint und nicht Rang oder Herkunft. Die Quenya-Form, die dem Sindarin-Namen zugrunde liegt, lautet Telperinquar, gebildet aus telep- beziehungsweise telpë, „Silber“, und quar, „Faust“; beide Formen sind Wort für Wort deckungsgleich und zeigen, wie ein in Aman gegebener Name im Sindarin Beleriands neu geprägt wurde. Dieselben Elemente kehren in zahlreichen Namen des Legendariums wieder, so celeb in Celeborn und telep- in Telperion, was den Namen weniger als Einzelfall denn als Glied einer sprachlichen Reihe erscheinen lässt.

Der Herr der Ringe bleibt in der Abstammungsfrage zurückhaltender und bezeichnet ihn allein als Nachfahren Feanors; als Bezeichnung begegnet dort vor allem die des Herrn von Eregion, deren Sache jedoch die Geschichtssektion ist. Für die Aussprache gilt die allgemeine Regel des Anhangs E: Das c ist stets als k zu sprechen, sodass der Name mit ke- beginnt und nicht mit einem weichen Zischlaut; die im Deutschen verbreitete Form „Zelebrimbor“ ist mithin unrichtig. Betont wird die lange vorletzte Silbe, also ke-le-BRIM-bor. Die deutschen Übertragungen — sowohl die von Carroux als auch die spätere von Krege — belassen den Namen unverändert, da er wie alle elbischen Eigennamen nicht übersetzt, sondern in seiner Lautgestalt bewahrt wird.

Geschichte

Von den Jahren Celebrimbors in Beleriand ist wenig überliefert. Bezeugt ist sein Aufenthalt in Nargothrond, wohin sein Vater zusammen mit Celegorm gelangt war, nachdem die Schlacht des Jähen Feuers ihre Gebiete im Norden verwüstet hatte. Als die beiden Brüder in der verborgenen Stadt Einfluss gewannen und ihre Anschläge sich zuletzt gegen Lúthien und Beren richteten, wandte sich das Volk von ihnen ab, und Orodreth wies sie aus. Celebrimbor blieb zurück: Er sagte sich von den Taten seines Vaters los und trennte sich damit vom Weg jenes Hauses, in das er hineingeboren war — die einzige Entscheidung seines Lebens im Ersten Zeitalter, die die Quellen ausdrücklich festhalten. Über sein weiteres Ergehen, über den Fall Nargothronds und den Krieg des Zorns hinweg, schweigen sie.

Nach der Zerstörung Beleriands blieb ein Teil der Noldor in Mittelerde, und im Zweiten Zeitalter zogen einige von ihnen ostwärts über die Ered Luin nach Eriador. Die Zeittafel nennt für die Gründung Eregions das Jahr 750; das Land lag an den westlichen Hängen des Nebelgebirges, unmittelbar gegenüber den Toren von Khazad-dûm, und die Nähe zu den Zwergen war für seine Wahl entscheidend, denn dort wurde das Mithril gefunden, das kein anderer Ort bot. Zwischen den Elben Eregions und Durins Volk entstand darüber eine Freundschaft, wie sie zwischen den beiden Geschlechtern sonst nirgends bestand und wie sie später nie wiederkehrte. Ihr sichtbarstes Zeugnis war das Westtor von Moria: Der Zwerg Narvi schuf es, und Celebrimbor trug die Zeichen darauf ein, die es benennen. Der Herr der Ringe stellt die beiden Namen an dieser Stelle nebeneinander und macht damit die Zusammenarbeit selbst zum Gegenstand der Überlieferung.

Hauptstadt und Werkstatt zugleich war Ost-in-Edhil; dort stand die Bruderschaft der Schmiede, die Gwaith-i-Mírdain, deren Haupt Celebrimbor war und die er zur größten Meisterschaft führte, die Mittelerde je gesehen hat. Um das Jahr 1200 trat ein Fremder unter die Eldar, schön von Gestalt und freigebig mit Rat, der sich als Bote höherer Mächte und als Geber von Gaben ausgab. Gil-galad und Elrond nahmen ihn nicht auf und ließen ihn nicht in ihre Lande, doch die Schmiede Eregions gewannen ihn lieb, denn er bot ihnen genau das, wonach ihr Sinn stand: Wissen, das ihre Kunst über ihr eigenes Maß hinaushob. Was sie trieb, war nicht Herrschsucht, sondern der Wunsch, das Vergehen der Dinge aufzuhalten und das Land, in dem sie lebten, in unverminderter Schönheit zu bewahren — eine Sehnsucht, die Sauron erkannte und die er benutzte. Erst lange danach wurde deutlich, wer unter dem freundlichen Namen in ihre Werkstatt gekommen war.

Um 1500 hatten die von Sauron unterwiesenen Schmiede den Gipfel ihres Könnens erreicht und begannen mit dem Werk der Ringe der Macht. Um 1590 waren die Drei vollendet, und für sie gilt, was für keinen anderen Ring gilt: Celebrimbor machte sie zuletzt und allein, ohne dass Sauron sie je berührte oder an ihnen mitwirkte. Um 1600 aber schmiedete dieser heimlich im Feuer des Orodruin den Einen, der die übrigen beherrschen sollte, und in dem Augenblick, in dem er ihn ansteckte, wurde Celebrimbor seiner gewahr: Die Elben zogen ihre Ringe ab, und der Betrug lag offen. Sauron forderte die Werke, die ohne seine Lehre nicht entstanden wären, heraus; Celebrimbor verweigerte sie und brachte die Drei aus Eregion fort, sodass sie außerhalb seines Zugriffs blieben. Aus dieser Weigerung erwuchs 1693 der Krieg der Elben gegen Sauron, und solange der Eine getragen wurde, durften die Drei nicht gebraucht werden.

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Schicksal

1695 überschritt Saurons Heer die Grenzen Eriadors; Gil-galad sandte Elrond mit einer Streitmacht nach Eregion, doch sie kam zu spät und war zu klein. Zwei Jahre später wurde das Land verwüstet, Ost-in-Edhil eingenommen und Celebrimbor getötet — sein Todesjahr 1697 ist eines der wenigen fest datierten Daten seines Lebens. Die ausführlichere Überlieferung berichtet, dass er zuvor gefangen und gequält wurde, damit er den Verbleib der Ringe preisgebe; über die geringeren gab er unter der Folter Auskunft, über die Drei jedoch schwieg er bis zum Ende, und so blieben sie verborgen. Sein Leichnam wurde geschändet und dem Heer als Feldzeichen vorangetragen, als Sauron weiter nach Westen zog. Mit ihm erlosch die Schmiedekunst Eregions; die Tore von Moria wurden geschlossen, das Land wurde nie wieder aufgebaut, und Elrond wich mit den Überlebenden nach Norden aus, wo aus dieser Flucht Bruchtal entstand.

Rolle und Fähigkeiten

Celebrimbors Stellung im Legendarium ist die des Handwerkers, nicht die des Feldherrn oder Dynasten. Keine Quelle zeigt ihn in einer Schlacht oder an der Spitze eines Heeres; seine Macht war die des Wissens um Stoffe und ihre Bearbeitung, und die Herrschaft über Eregion erwuchs ihm aus dem Ansehen der Schmiedebruderschaft, deren Haupt er war. Die ausführlichere Überlieferung berichtet, dass die Mírdain unter dem Einfluss des Fremden an Gewicht gewannen und dass sich die Verhältnisse im Lande daraufhin verschoben, bis Celebrimbor selbst an der Spitze Eregions stand. Damit war eine Autorität begründet, die allein auf Können beruhte — und deren Grenze eben dort lag, wo Können nicht mehr genügte.

Was die Drei vermochten, bestimmt Der Herr der Ringe knapp und deutlich: Sie waren nicht als Waffen gedacht und dienten weder dem Krieg noch der Eroberung noch dem Anhäufen von Reichtum. Ihr Zweck war Erkenntnis, Schaffen und Heilung, vor allem aber das Bewahren — das Aufhalten des Verfalls in jenem Umkreis, in dem sie wirkten. Eben darin lagen auch ihre Grenzen: Sie verliehen keine Gewalt über fremde Willen, sie begründeten keine Herrschaft, und den Lauf der Zeit konnten sie nicht umkehren, sondern nur hinausschieben. Hinzu kam eine Abhängigkeit, die nicht Celebrimbors Werk war: Weil der Eine sie beherrschen sollte, hing ihr Bestand am Bestand eines fremden Ringes, und mit dessen Ende musste auch dahingehen, was sie bewahrt hatten.

Die entscheidende Grenze lag jedoch nicht im Können, sondern im Urteil. Celebrimbor durchschaute den Lehrer nicht, den er in seine Werkstatt aufnahm, während andere ihn ohne Beweis abwiesen; sein Wissen wuchs, seine Vorsicht nicht. Dieselbe Kunst, die ihn zu Werken von unvergleichlichem Rang befähigte, gab ihm kein Mittel, sie zurückzuholen, als sie einmal in fremder Absicht gebunden waren. Neben den Ringen schreibt ihm die spätere Überlieferung ein weiteres Werk zu, einen grünen Stein für Galadriel, der Verwelktes wieder ungetrübt erscheinen lassen sollte; auch dieser Gegenstand zielt auf Bewahrung und nicht auf Macht. Gegen Waffengewalt bot seine Kunst keinen Schutz, und dass die Drei erhalten blieben, verdankte sich nicht ihrer Wirkung, sondern einer Entscheidung, die er vor dem Angriff getroffen hatte.

Verwandte, Gefährten und Gegner

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Schicksal

Alle Bindungen Celebrimbors stehen im Schatten seines Großvaters Feanor, dessen Gabe er erbte und dessen Tat er zurückwies. Die Verwandtschaft war ihm damit weniger Herkunft als Aufgabe: Er hatte an dem Haus teil, ohne dessen Weg zu gehen, und die Quellen nennen für ihn weder Gattin noch Nachkommen, sodass die Linie Feanors in Mittelerde mit ihm ausläuft. Seine engste Gemeinschaft war deshalb keine des Blutes, sondern die der Werkstatt; die Gwaith-i-Mírdain waren ihm, was anderen Fürsten ihr Geschlecht war. Dass am Ende beider Leben, des Großvaters wie des Enkels, drei Werke höchsten Ranges standen, die einem Feind entzogen werden mussten, hat die Überlieferung nicht eigens vermerkt, doch legt sie die Zusammenstellung nahe.

Die Freundschaften, die ihn kennzeichnen, gingen über die Grenzen des eigenen Volkes hinaus — mit Narvi und Durins Leuten ebenso wie mit Galadriel und Celeborn, die nach der ausführlicheren Überlieferung eine Zeitlang in Eregion weilten und dort Ansehen genossen. Bezeichnend ist die Gegenprobe: Gil-galad und Elrond, die dem Fremden fernblieben, urteilten richtig, ohne ihn zu kennen, während die Nähe der Schmiede zu ihm gerade aus deren Gemeinsamkeit im Handwerk erwuchs. Celebrimbors Art, sich zu binden, war das Teilen von Wissen; ebendiese Offenheit, die die Freundschaft mit den Zwergen möglich machte, machte ihn auch angreifbar.

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Schicksal

Seine Gegnerschaft zu Sauron ist deshalb kein gewöhnlicher Konflikt zweier Mächte, sondern die Kehrseite einer Freundschaft: Der Feind war zuerst Gast, Ratgeber und Lehrer, und der Rat des Elrond nennt die Verstrickung der Elbenschmiede ausdrücklich als Ursprung des Unheils. Beziehungen anderer Art überdauerten ihn: Was er schuf, kam in die Hände von Trägern, die er nicht unterwiesen hatte — Galadriel, Elrond und Círdan, der seinen Ring später weitergab. Elrond, der zu spät nach Eregion kam, hütete am Ende ein Werk des Mannes, den er nicht hatte retten können. So hat Celebrimbor seine dauerhaftesten Verbindungen nicht zu Lebzeiten geknüpft, sondern durch das, was von ihm blieb.

Entwürfe und Varianten

Celebrimbor gehört zu den späten Gestalten des Legendariums. In der frühen Überlieferung — in den Verschollenen Geschichten wie in den Quenta-Fassungen der dreißiger Jahre — fehlt er vollständig, und es findet sich dort auch keine Figur, die seine Stelle einnähme; das Zweite Zeitalter mit seiner Ringkunde war zu jener Zeit noch nicht entworfen und entstand erst im Verlauf der Arbeit am Herrn der Ringe. Die von Christopher Tolkien herausgegebenen Vorstufen lassen erkennen, wie allmählich diese Vorgeschichte gewachsen ist: In den Entwürfen zum Rat von Elrond und zu den Moria-Kapiteln nimmt die Erzählung von den Elbenschmieden Eriadors erst nach und nach feste Züge an, und mit ihr tritt ihr Meister überhaupt erst hervor. Die Gestalt ist damit nicht aus der alten Mythologie in den Roman gelangt, sondern umgekehrt aus dem Roman in die Mythologie eingegangen.

Die späteren Aufzeichnungen kreisen vor allem um zwei Fragen: um den Namen und um die Abstammung. In den sprachlichen Abhandlungen, die den Namensgebrauch im Hause Feanors behandeln, begegnet als Quenya-Form Tyelperinquar; dass daneben Telperinquar steht, hängt an einem Lautwandel, der Tolkien spät beschäftigt hat, denn das ältere tyelep- wurde unter dem Einfluss der Telerin-Form telep- zurückgedrängt. Der Name des Schmieds ist so selbst ein Zeugnis jener Verschiebung. Unsicherer blieb die Herkunft: In einer nachgelassenen Notiz ist Celebrimbor kein Nachkomme Feanors, sondern ein Überlebender Gondolins und einer der großen Handwerker jener Stadt; die spätesten Aufzeichnungen kehren jedoch zur fëanorischen Abstammung zurück, der auch der gedruckte Text folgt. Die Entwürfe halten mithin offen, was die veröffentlichte Fassung entscheidet.

Adaptionen

In den älteren Verfilmungen und Hörspielfassungen tritt Celebrimbor nicht als Figur auf; weder die Zeichentrickfilme noch Peter Jacksons Trilogie geben ihm eine Rolle, obwohl deren Vorspann die Ringschmiede des Zweiten Zeitalters berührt.