Der Name der Sprache und seine Bedeutung

Khuzdul ist eine Selbstbezeichnung: Die Zwerge benannten ihre Sprache mit einem Wort aus ihr selbst, gebildet zu dem Namen, den sie sich als Volk gaben — Khazâd. Dasselbe Element kehrt in dem Schlachtruf wieder, den Gimli an der Hornburg erhebt, der einzigen zusammenhängenden Wendung des Zwergischen, die in der Erzählung überhaupt laut wird; der Anhang hält eigens fest, dass wenigstens dieser Ruf nie unter das Geheimnis fiel. Es steckt ebenso in Khazâd-dûm, dem Namen, den die Zwerge ihrer großen Stadt unter dem Nebelgebirge gaben. Das Wort bezeichnet also nicht eine Sprache unter anderen, sondern die Sprache genau dieses Volkes; ohne dessen Eigennamen ist es nicht zu denken.

Die übrigen Völker hatten für diese Zunge keinen eigenen Namen und sprachen schlicht vom Zwergischen. Für ihre Sprecher dagegen hatten sie Wörter genug: Die Sindar nannten sie Naugrim, ein Name, der auf ihren gedrungenen Wuchs zielt, und Gonnhirrim, die Meister des Steins; ihre Stadt hieß bei den Elben Hadhodrond. Die späteren Sprachaufsätze halten fest, dass sindarinisch Hadhod und quenyisch Casar unmittelbar aus Khazâd übernommen und nur den elbischen Lauten angeglichen wurden — dort also, wo die Eldar überhaupt ein zwergisches Wort in den Mund nahmen, blieb dessen Klang erkennbar. Tolkien selbst hat brieflich auf den semitischen Zuschnitt dieser Wörter hingewiesen: ein festes Konsonantengerüst, das durch wechselnde Vokale hindurch stehen bleibt, und aus diesem Bauplan fallen Khazâd und Khuzdul gleichermaßen.

Wie die Sprache gaben die Zwerge auch ihre wirklichen Namen nicht preis. Die Namen, unter denen Thorin, Balin oder Gimli in den Erzählungen stehen, stammen aus den Sprachen der Menschen des Nordens und sind nach außen gewandte Namen; die inneren, im Khuzdul gebildeten hielten sie so streng zurück, dass sie sie nicht einmal in ihre Grabmale schnitten. Daraus ergibt sich eine merkwürdige Lage für den Leser: Er erfährt den Namen der Sprache nicht von einem Zwerg, sondern erst aus dem erklärenden Anhang, während im Erzähltext nur einzelne Ortsnamen und der eine Ruf stehen bleiben. Der Name Khuzdul ist damit selbst ein Zeugnis der Verschwiegenheit, die er benennt — ein Wort, das die Zwerge kannten und andere gerade noch überliefert bekamen.

Sprecher, Geheimhaltung und Reichweite

Khuzdul ist den Zwergen nicht zugewachsen, sondern übergeben worden: Aule ersann die Zunge für die Sieben Väter und lehrte sie sie, ehe sie erwachten, und von ihnen ging sie auf das ganze Volk über. Damit gehörte sie von Anfang an genau einer Sippe von Geschöpfen, und die Zwerge behandelten sie entsprechend — als Eigentum, nicht als Verkehrsmittel. Der Austausch mit den anderen Völkern verlief deshalb einseitig: Die Naugrim lernten das Sindarin bereitwillig und redeten mit den Elben Beleriands in deren Sprache, während umgekehrt kaum ein Eldar sich an der zwergischen versuchte. Den elbischen Ohren galt sie als schwerfällig und wenig wohlklingend, und nur wenige haben sie je beherrscht; unter den Noldor war es Curufin, der ihr am meisten abgewann. Wo Zwerge und Elben also miteinander sprachen, geschah es fast immer in der Sprache der Elben.

Im Dritten Zeitalter war das Khuzdul auch unter den Zwergen selbst keine Sprache des Alltags mehr. Untereinander wandelte sie sich kaum, doch gerade diese Unbeweglichkeit machte sie zu einer Sprache der Überlieferung, gehütet wie ein Erbstück, und nicht zu der Rede, in der Kinder aufwachsen. Für das gewöhnliche Sprechen nahmen die Zwerge die Zungen der Menschen, unter denen sie wohnten, und im Verkehr über die Grenzen der eigenen Häuser hinaus die Gemeinsame Sprache. So verhandelt Thorins Schar auf der Reise nach Osten durchweg in der allgemein verständlichen Rede, und Glóin trägt in Bruchtal die Nachrichten aus dem Erebor in ihr vor. Wer Zwergen begegnete, hörte sie daher gewöhnlich in einer fremden Sprache reden — das Geheimnis lag nicht in der Verweigerung des Gesprächs, sondern darin, dass die eigene Zunge daran keinen Anteil hatte.

Wie eng diese Grenze gezogen war, zeigt sich am deutlichsten dort, wo Zwergenwerk nach außen tritt. Das Westtor von Moria, von Narvi geschaffen, trägt seine Aufschrift in elbischer Sprache und Schrift, weil es sich an die Nachbarn in Eregion richtete; die Erbauer verzichteten auf das eigene Wort. Erst im Innern des Berges, an Balins Grabmal, stehen neben der Menschenrede auch zwergische Zeilen, und Gandalf muss sie den Gefährten übersetzen. Der Leser erreicht die Sprache überhaupt nur durch Gimli, der seinen Begleitern unterwegs die zwergischen Namen der Wasser unter dem Nebelgebirge nennt — Kibil-nâla für den Silberlauf, Kheled-zâram für den Spiegelsee — und durch den Ruf, den er an der Hornburg erhebt. Beides sind Zugeständnisse aus Freundschaft oder Kampfeslust, keine Öffnung; alles Übrige bleibt hinter dem Berg.

Geschichte der Sprache

Die Zunge war fertig, ehe es Ohren gab, die sie hören konnten: Aule hatte sie ersonnen und den Sieben Vätern übergeben, bevor diese in den langen Schlaf gelegt wurden, aus dem sie erst nach dem Erwachen der Elben wieder aufstanden — und zwar an weit voneinander entfernten Orten. So gab es keinen Punkt, an dem eine Ursprache sich erst hätte finden müssen; sie war von Beginn an vollständig und wurde von den Vätern an ihre Häuser weitergereicht. Nach Beleriand kamen zuerst die Kleinzwerge, deren Herkunft dort niemand einzuordnen wusste; später erst zogen die Zwerge der beiden großen Städte im Ered Luin über die Pässe herab. Wie diese Städte in ihrer eigenen Sprache hießen — Gabilgathol und Tumunzahar —, ist nur am Rande erhalten, während die Überlieferung sie durchweg Belegost und Nogrod nennt. In dieser Schieflage liegt bereits das Muster der ganzen weiteren Geschichte.

Mit dem Untergang Beleriands am Ende des Ersten Zeitalters zerbrachen die Städte im Ered Luin, und viele ihrer Bewohner wanderten ostwärts nach Khazad-dûm, wo Durins Volk seit alters saß. Damit verlagerte sich das Gewicht der Sprache an einen einzigen Ort, und dort erreichte sie im Zweiten Zeitalter ihre größte Reichweite: Die Hallen unter dem Nebelgebirge wuchsen, und mit den Noldor des benachbarten Eregion entstand eine Freundschaft, wie sie zwischen den Völkern sonst nie bestand. Sprachlich änderte das wenig — der Verkehr lief über das Elbische, und die Zwerge behielten das Ihre für sich. Als Eregion im Jahr 1697 verwüstet wurde, schlossen sie die Tore ihres Reiches, und die Verbindung nach außen riss ab. Was danach an zwergischer Rede noch gehört wurde, hörten fast nur noch Zwerge.

Der entscheidende Bruch kam im Jahr 1980 des Dritten Zeitalters, als die Bergleute zu tief gruben und ein Feuerschrecken erweckten, der Durin VI. tötete; ein Jahr darauf fiel auch dessen Sohn Náin, und das Volk floh aus Khazad-dûm. Von da an waren die zwergischen Namen der Gegend Namen ohne Bewohner: die drei Berge über der verlassenen Stadt, das Tal vor ihrem Osttor, die beiden Gewässer darunter. Gimli spricht sie Jahrtausende später noch aus, als wären sie in Gebrauch, doch er spricht sie einem Nebel entgegen, in dem niemand mehr antwortet. Die Sprache überdauerte hier nicht als Rede, sondern als Beschriftung einer Landschaft, die dem eigenen Volk verschlossen war.

Die Zerstreuung, die darauf folgte — nach Norden zu den Grauen Bergen, in die Eisenberge, im Jahr 1999 zum Erebor — brachte Durins Volk endgültig in dauernde Nachbarschaft zu Menschen, und die Chroniken dieser Jahrhunderte verzeichnen fast nur noch deren Sprachgut. Selbst die Katastrophen tragen fremde Namen: der Mord an Thrór im Jahr 2790, der Krieg gegen die Orks von 2793 bis 2799, die Schlacht vor dem Osttor von Moria. Nur der Ort dieser Schlacht heißt in den Aufzeichnungen auch zwergisch, Azanulbizar, neben seinem elbischen Namen — ein Rest, der bezeichnenderweise wieder ein Ortsname ist. Was die Zwerge in jenen Jahren untereinander an ihrer alten Zunge festhielten, dringt in keinen Bericht; überliefert ist der Verlust, nicht das Bewahrte.

Der letzte Versuch, an den alten Ort zurückzukehren, scheiterte rasch: Balin zog 2989 nach Moria und fiel fünf Jahre später, und seine Siedlung erlosch bald darauf. Die Gefährten finden davon nur noch die zerschlagene Kammer und das zerrissene Buch, deren Namen zwergisch sind, während die Eintragungen selbst in der gewöhnlichen Rede abgefasst waren — auch im eigenen Berg schrieben die Zwerge zuletzt nicht mehr in der eigenen Sprache. Nach dem Ringkrieg ging die Geschichte dennoch weiter: Ein Teil des Volkes folgte Gimli nach Süden zu den Glitzernden Grotten hinter der Hornburg, und viel später führte Durin VII. Durins Volk nach Khazad-dûm zurück. Die Sprache selbst überlebte all diese Wanderungen, weil sie längst nicht mehr davon abhing, gesprochen zu werden — als bewahrtes Wissen war sie unempfindlicher gegen den Wechsel der Wohnsitze, als eine lebendige Alltagsrede es je gewesen wäre.

Klang und Gestalt

Eine Beschreibung des Klangs sucht man in den Quellen vergebens; überliefert ist an seiner Stelle ein Urteil. Den Sindar Beleriands erschien die Zunge der Naugrim schwerfällig und ohne Wohllaut, und mehr als diesen Eindruck nennt der Bericht nicht — keinen einzelnen Laut, keine Betonung, keine Tonlage. Bemerkenswert ist, in welchem Zusammenhang das Urteil steht: unmittelbar neben der Feststellung, dass die Zwerge sich das Sindarin rasch und gut aneigneten. Es beschreibt also ein Verhältnis zwischen zwei Ohren, nicht eine Sperrigkeit, die der Sprache an sich anhaftete. Tolkien selbst hat das Zwergische brieflich als eine bewusst nach semitischem Vorbild geformte Erfindung bezeichnet — die Fremdheit gegenüber den elbischen Zungen war ihm von Anfang an eingebaut.

Was der Leser statt eines Klangbildes bekommt, ist eine Schreibung. Der Anhang über Aussprache und Schrift hält eigens fest, dass der Zirkumflex außerhalb des Sindarin — genannt sind dort das Adûnaische und das Zwergische — lange Vokale anzeigt; deshalb tragen Khazâd, Kheled-zâram, Kibil-nâla und das mênu des Schlachtrufs ihre Längen sichtbar an sich. In dem kleinen Bestand, der überhaupt erhalten ist, häufen sich k, kh, z, b und d, oft in geschlossenen Silben; unter den Vokalen herrschen a und u vor, o bleibt selten. Die Glieder sind meist ein- oder zweisilbig und stumpf endend, ohne die Auslautvokale, die den elbischen Namen ihren Fall geben. Wer den Namen der drei Berge über Moria neben ihre elbischen Entsprechungen legt, hört den Unterschied eher, als dass er ihn beschrieben bekäme.

Über den Bau lässt sich nur das sagen, was die Formen selbst zeigen. Fast alles Erhaltene ist zweigliedrig, teils mit Bindestrich geschrieben wie Kheled-zâram und Kibil-nâla, teils zusammengezogen wie Barazinbar, Zirakzigil und Bundushathûr; die daneben stehenden Übersetzungen lassen erkennen, dass jedem Glied ein Wortteil der anderen Sprache entspricht. Dass die Zwerge im Gespräch auch die Kurzformen Baraz, Zirak und Shathûr gebrauchten, zeigt überdies, dass das erste Glied für sich stehen konnte. An Balins Grab tritt ein Weiteres hinzu: Dort erscheint der Name des Vaters mit einer Endung versehen und der Stadtname mit einer anderen, während der nach außen gewandte Name des Toten unverändert dazwischensteht; das Wort für „Herr“ lautet dort uzbad. Eine Zerlegung liefert der Text zu alledem nicht, nur die Übersetzung im Ganzen — was darüber hinaus über Wurzeln und Endungen gesagt wird, stammt aus den Sprachaufsätzen, nicht aus der Erzählung.

Schrift und Aufzeichnung

Eine eigene Schrift hat das Khuzdul nie gehabt; geschrieben wurde es in Zeichen, die von den Elben stammen. Die Cirth — in der Hochsprache certar genannt — entstanden in Beleriand unter den Sindar und dienten dort zunächst nur dazu, Namen und kurze Gedenkzeilen in Stein oder Holz zu ritzen; ihre geordnete Reihe wird Daeron zugeschrieben, dem Sänger und Meister der Überlieferung an Thingols Hof. Die Elben selbst zogen für alles, was mit Feder geschrieben wurde, die Tengwar vor, und so wären die Runen wohl vergangen, hätten nicht die Zwerge sie ostwärts mitgenommen und weitergepflegt. Unter ihren Händen wuchs die Reihe: Die Zwerge von Moria richteten sie eigens für ihre Zunge her, und die von Erebor entwickelten daraus noch eine weitere Fassung. Die ältere, einfachere Gestalt der Cirth verbreitete sich unterdessen im Zweiten Zeitalter weit über Mittelerde, unter Menschen ebenso wie unter Orks, die sie jeweils nach eigenem Bedarf umformten.

Darin liegt ein bemerkenswertes Ungleichgewicht: Das Schreibzeug nahmen die Zwerge bereitwillig von anderen an und gaben es weiter, während sie die Sprache, die sie damit festhielten, für sich behielten. Wo geschriebenes Khuzdul dem Leser überhaupt begegnet, ist es Steinarbeit — die Zeilen auf Balins Grabmal stehen in den Runen Morias, gemeißelt und dauerhaft, dem Handwerk gemäß, für das die Cirth von jeher gedacht waren. Das zerschlagene Buch derselben Kammer zeigt das andere Ende: Es ist in vielen Händen geschrieben, in den Runen Morias wie in denen Thals und stellenweise sogar in elbischen Buchstaben — die Schriftzeichen also wechseln mit den Schreibern, und keines davon ist zwergisches Eigentum. Auch die Karte, die Thorin mit sich führt, trägt Zwergenrunen, und die verborgenen Mondbuchstaben darauf werden nicht durch das Geheimnis einer Sprache gehütet, sondern durch die Kunst, sie unsichtbar zu machen. Das Ansehen des Khuzdul zeigt sich demnach nicht an einer eigenen Schrift, sondern daran, was man ihr anvertraute: Namen, Grabinschriften, Denkmäler — Aufzeichnungen für die Dauer, nicht für den Umlauf.

Belege im Werk

Alles, was der Leser vom Khuzdul zu hören bekommt, fällt in wenige Kapitel und kommt fast durchweg aus einem einzigen Mund. Auf dem Zug nach Süden, als die Gefährten in Hollin rasten und die drei Berge über der verlassenen Stadt vor ihnen aufsteigen, nennt Gimli sie in seiner Sprache — Barazinbar, Zirakzigil und Bundushathûr — und fügt die verkürzten Formen an, mit denen sein Volk sie im Gespräch bezeichnete. In derselben Auskunft fällt der Name des Wasserlaufs, dessen Quellen dort entspringen, Kibil-nâla, und der des Tals unter dem Osttor. Es ist eine Aufzählung, keine Rede: Was Gimli preisgibt, sind Namen, nicht Sätze, und er gibt sie als Erklärung für Fremde. Der zweite Anlass folgt nach dem Ausbruch aus dem Berg, als er Frodo und Sam zum Spiegelsee hinaufführt und dessen zwergischen Namen, Kheled-zâram, über dem dunklen Wasser ausspricht.

Im Innern Morias erscheint die Sprache nur geschrieben und stets in fremder Vermittlung: Gandalf liest, die Gefährten hören eine Übersetzung, und der einzige anwesende Zwerg schweigt dazu. Neben der Grabinschrift steht dort noch der zwergische Name der Kammer selbst, den der Zauberer aus dem zerfetzten Buch aufnimmt — Mazarbul, die Kammer der Aufzeichnungen; es ist der einzige Raumname des Werkes, der aus dieser Zunge stammt. Laut wird das Khuzdul erst weit später und außerhalb jedes Berges, als Gimli an der Hornburg den alten Ruf erhebt, und der Anhang vermerkt eigens, dass ausgerechnet diese Worte nie unter das Geheimnis fielen. Wie schmal der Bestand ist, zeigt der Vergleich mit dem früheren Buch: Dort ziehen dreizehn Zwerge durch die gesamte Erzählung, reden, streiten und singen unablässig — und kein einziges Wort ihrer eigenen Sprache fällt.

In den Erzählungen der älteren Zeitalter ist die Ausbeute noch geringer und besteht ausschließlich aus Namen. Der bemerkenswerteste ist Azaghâl, der Herr von Belegost, der in der Nirnaeth Arnoediad Glaurung verwundete, bevor er unter ihm starb — einer der ganz wenigen Personennamen zwergischen Zuschnitts, die überhaupt in einem Erzähltext stehen, und er steht dort ohne jede Erläuterung. Sonst tritt die Sprache in diesen Berichten nur als Eigenname der beiden Städte im Ered Luin und als Selbstbezeichnung des Volkes auf, jeweils neben der geläufigeren elbischen Form. Ein zusammenhängender Satz findet sich nirgends, kein Wortwechsel, keine Zeile eines Liedes. Der ganze überlieferte Bestand fügt sich damit zu einem gleichmäßigen Bild: Namen von Bergen, Wassern, Tälern, Städten und einigen wenigen Personen, eine gemeißelte Grabzeile und ein Schlachtruf — und alles davon erreicht den Leser, weil ein Zwerg es Fremden erklärte oder ein Nichtzwerg es entzifferte.

Die Werkstatt dahinter

Im Hobbit gab es noch nichts zu verbergen: Dort tragen die Zwerge nordisch klingende Namen, und von einer eigenen Sprache ist weder etwas zu hören noch überhaupt die Rede. Erst im Herrn der Ringe hat Tolkien diesen älteren Befund nachträglich in eine Erklärung überführt, und zwar im Anhang über die Übersetzung. Die dort entwickelte Fiktion lautet, das ganze Buch sei aus der Gemeinsamen Sprache übertragen; wo diese durch das Englische ersetzt wird, müssen die ihr benachbarten Menschensprachen des Nordens in einer entsprechend verwandten, altnordischen Gestalt erscheinen — und weil die nach außen gewandten Namen der Zwerge eben aus jenen Menschensprachen stammen, sehen sie aus wie Namen aus dem Norden. Die Verschwiegenheit über die wirklichen Namen ist damit zugleich Erzählmotiv und Werkstattkniff: Sie deckt genau die Stelle ab, an der die frühere Erfindung nicht zur späteren passte.

Woher jene Namen kamen, hat Tolkien früh selbst mitgeteilt: In einer Zuschrift an eine Zeitung erklärte er kurz nach dem Erscheinen des Hobbits, die Namen der Zwerge und der des Zauberers seien der Älteren Edda entnommen. Für die erfundene Zunge dagegen wählte er, wie an anderer Stelle bereits vermerkt, einen bewusst außereuropäischen Zuschnitt, und in einem Brief von 1955 hat er die Absicht dahinter genauer beschrieben. Er denke sich die Zwerge in mancher Hinsicht wie die Juden: in ihren Wohnsitzen zugleich einheimisch und fremd, die Sprache des Landes redend, doch mit einem Tonfall, der von der eigenen, nur unter sich gebrauchten Zunge herrührt. Damit ist weniger ein Vorbild für einzelne Wörter benannt als eine gesellschaftliche Lage, aus der beides zugleich folgt — der fremdartige Bauplan der Wörter und die Zurückhaltung, mit der sie gebraucht werden. Eine ausgeführte Formenlehre oder ein Wörterverzeichnis des Zwergischen hat Tolkien zu Lebzeiten nicht veröffentlicht; was er drucken ließ, erschöpft sich in den wenigen Namen, der Grabzeile und dem Ruf. Für eine Sprache, deren Wesen die Verweigerung ist, war das keine Lücke, sondern die dem Gegenstand angemessene Form der Ausarbeitung.