Namen und Herkunft

Die Drachen entstammen keiner der freien Völker Ardas, sondern sind eine eigene Zucht Morgoths, in den Tiefen Angbands ausgebrütet, um seinem Krieg gegen die Eldar und Edain neue Schrecken zuzuführen. Erst spät, während der langen Belagerung Angbands, trat mit Glaurung das erste dieser Wesen ans Licht, zunächst noch unausgewachsen; nach ihm wird die ganze Art bisweilen schlicht als sein Geschlecht verstanden, denn er gilt als der Erste unter den Drachen. Ihr Ursprung bleibt an Morgoths Willen gebunden, nicht an ein natürliches Werden, wie es Ilúvatars eigene Geschöpfe kennen.

Innerhalb der Art unterscheidet die Überlieferung mehrere Schläge: kalte, ungeflügelte Drachen neben den eigentlichen Feuerdrachen, den Urulóki, deren Name auf ein Wort für Feuer verweist und die als die gefährlichsten und am längsten gefürchteten gelten. Erst in den letzten Kriegsjahren gegen Morgoth erschienen geflügelte Drachen, unter denen Ancalagon der Schwarze als der größte aller je aufgetretenen benannt wird. Im Westron und in dessen Wiedergabe schließlich als „Drache“ oder, in älterer Rede, als „Wurm“ bezeichnet, verschmelzen diese verschiedenen Schläge zu einem gemeinsamen Bild, das spätere Zeitalter von der Art bewahren.

Im Dritten Zeitalter sind Drachen den Bewohnern des Auenlands kaum mehr als Gestalten aus Erzählungen, denen man mit Zweifel begegnet, wie ein beiläufiger Wortwechsel zwischen Sam und Gandalf zeigt, in dem von Drachen eher als Stoff für Geschichten als für gelebte Erfahrung die Rede ist. Dass es sie tatsächlich noch gab, bezeugt zu jener Zeit vor allem Smaug, der unter den Feuerdrachen als letzter seiner Größe genannt wird. So steht der Name der Drachen am Ende der Überlieferung eher für eine schwindende, kaum noch bezeugte Art als für eine gegenwärtige Bedrohung.

Geschichte

Noch ehe Glaurung ausgewachsen war, schickte Morgoth ihn während der langen Belagerung Angbands ein erstes Mal ins Feld, um die Reiter der Noldor zu prüfen; Fingons Reiterei trieb ihn zurück nach Angband, wo er noch Jahre zur vollen Größe heranwuchs. Erst als er endlich ausgewachsen war, führte er den Ansturm der Dagor Bragollach an und durchbrach die Belagerungsmauer, die die Noldor um Morgoths Festung gezogen hatten, wodurch dessen Heere erstmals wieder frei ins Land vorstoßen konnten.

In der Nirnaeth Arnoediad, der Schlacht der Ungezählten Tränen, trat Glaurung abermals als Waffe Morgoths auf und riss mit seinem Erscheinen die verbündeten Reihen der Noldor und Edain auseinander, was wesentlich zum Zusammenbruch des Bundes des Maedhros beitrug. Diese beiden Feldzüge begründeten den Ruf der Drachen als entscheidende Schreckenswaffe in Morgoths Kriegen, lange bevor die geflügelten Urulóki überhaupt auftraten.

Später zog Glaurung nach Süden und nahm nach der Zerstörung Nargothronds dessen Schatzkammern in Besitz, wo er sich auf dem geraubten Hort lagerte. Mit dem Zauber seiner Stimme und seines Blickes beugte er den Willen Húrins Tochter Nienor und, ohne dass beide es wussten, auch ihres Bruders Túrin, und trieb so das Unglück der Kinder Húrins seinem Höhepunkt entgegen.

Sein Ende fand Glaurung schließlich am Cabed-en-Aras, wo Túrin ihn aus dem Hinterhalt mit dem Schwert Gurthang unter dem weichen Bauch verwundete; der sterbende Drache offenbarte Nienor im letzten Augenblick die Wahrheit über ihre Herkunft, ehe sie sich in den Fluss stürzte. Mit Glaurungs Tod endete die Herrschaft des ersten und mächtigsten seiner Art über Beleriand.

Erst gegen Ende des Ersten Zeitalters, im Krieg des Zorns, setzte Morgoth seine geflügelten Drachen als letztes Aufgebot gegen die Heere der Valar ein; unter ihnen führte Ancalagon der Schwarze den Angriff an, ehe Earendil ihn im Luftkampf erschlug und sein Sturz Thangorodrim selbst zum Einsturz brachte. Mit dieser Niederlage endete die Macht der Drachen als geschlossene Streitmacht, wenngleich nicht alle ihres Geschlechts vernichtet wurden.

Im späteren Dritten Zeitalter nisteten überlebende Drachen im Norden, in den Grauen Bergen, und bedrängten dort die Zwerge von Durins Volk, die sich in jenen Landen niedergelassen hatten; ein solcher Wurm erschlug König Dáin I. vor den Toren seiner Hallen. Ein anderer, Scatha genannt, wurde von Fram aus dem Volk der Éothéod erlegt, der dessen Hort für sich beanspruchte und damit einen langen Streit mit den Zwergen um das Erbe auslöste. Die anhaltenden Angriffe zwangen Durins Volk schließlich, die Grauen Berge zugunsten Erebors und der Eisenberge aufzugeben – doch auch dorthin folgte den Zwergen ihr Verhängnis, als Smaug im späten Dritten Zeitalter Erebor überfiel, den Berg unter den König und die Stadt Thal in Schutt legte und sich auf dem geraubten Hort niederließ, bis Bard von Thal ihn Jahrhunderte später erlegte. Seither ist von Drachen vergleichbarer Macht nichts mehr überliefert.

Wesen und Wirken

Anders als die freien Völker Mittelerdes betreiben Drachen kein Handwerk und errichten keine Werke; ihre einzige Kunst liegt in der Rede. Mit list- und rätselreichen Worten prüfen sie, wen sie vor sich haben, eher als dass sie sogleich zuschlagen, und ihr Ton wechselt mühelos zwischen Schmeichelei, Spott und verhüllter Drohung. Wie geschickt sie damit umgehen, zeigt sich im Wortwechsel zwischen Smaug und dem unsichtbaren Bilbo Beutlin tief in den Hallen Erebors, in dem der Drache seinen ungebetenen Gast durch Rätsel und Eitelkeit auszuhorchen sucht, ohne dessen wahre Absicht zu durchschauen. Hochmut ist dabei ihre Schwäche so gut wie ihre Waffe: Sie rühmen die eigene Macht und verachten kleinere Wesen, was sie zuweilen leichtsinnig gegenüber deren List macht.

Neben der Rede gilt Blick und Stimme der Feuerdrachen als Träger eines eigenen Zaubers, der über bloße Überredung hinausgeht: Wer ihm ausgesetzt ist, kann in Trance verfallen, seinem eigenen Willen entfremdet werden oder Erinnerung und Urteil verlieren. Diese Gabe unterscheidet die Urulóki von jedem bloßen Untier und macht sie zu Werkzeugen, mit denen sich selbst starke Gemüter aus der Ferne lenken lassen, ohne dass ein Schwert gehoben werden müsste. Solche Wirkung berichtet die Überlieferung nicht von jedem Angehörigen der Art in gleichem Maße, doch gilt sie als Kennzeichen gerade der mächtigsten und ältesten Feuerdrachen.

Wo sie sich niederlassen, sammeln Drachen fremden Reichtum, ohne ihn selbst zu gebrauchen; sie liegen auf dem Gehorteten, wachen darüber und ziehen daraus keinen anderen Gewinn als den bloßen Besitz. Von einem solchen Hort geht jedoch eine Wirkung aus, die den Drachen überdauert: Wer sich ihm nähert, wird leicht von einer Gier ergriffen, die als Drachenkrankheit bekannt ist und selbst redliche Gemüter zu Argwohn und Habsucht verführt. Gefährten oder eine Sippe im Sinne anderer Völker kennen Drachen nicht; jeder haust einsam auf seinem Hort, misstrauisch selbst gegenüber der eigenen Art. Mit seinem Tod endet für die Überlieferung meist nur eine Bedrohung, kein Leben, dem man nachtrauert.

In der Erzählung

In den Erzählungen des Ersten Zeitalters ist der Drache selten bloße Bestie, sondern Werkzeug einer Bosheit, die über rohe Gewalt hinausgeht: Glaurungs Auftritt bei Túrin und Nienor verschiebt den Kampf gegen Morgoth vom Schlachtfeld auf die Ebene der Täuschung, wo Lüge und Zauber mehr zerstören als jedes Schwert. Indem der Drache seine Opfer nicht einfach überwältigt, sondern ihren Willen und ihr Wissen um sich selbst untergräbt, macht die Erzählung sichtbar, dass Morgoths Macht sich ebenso durch List wie durch Kraft entfaltet. Túrins tragisches Ringen erhält dadurch eine persönliche, fast intime Zuspitzung innerhalb eines sonst von Völkern und Heeren getragenen Krieges.

Im Hobbit übernimmt Smaug demgegenüber die Funktion des einen benennbaren Gegners, an dem sich eine Queste bewähren muss: Seine bloße Gegenwart verwandelt Bilbo vom widerwilligen Mitläufer in ein Wesen, das einer Übermacht mit List und Wortgewandtheit begegnet, und sein Tod löst zugleich jene Kette aus Streit um den freigewordenen Hort aus, die in der Schlacht der Fünf Heere mündet. Der Drache wirkt so über sein eigenes Ende hinaus als Auslöser, an dem sich Gier und Bündnisfähigkeit der freien Völker erproben.

In Der Herr der Ringe erscheinen Drachen dagegen nur noch als Stoff der Erzählung: Wenn Sam von ihnen als Geschichten spricht, denen man kaum traut, tritt der Drache als Prüfstein dafür auf, ob die alten Erzählungen des Auenlands mehr sind als Kinderrede – eine Frage, die die größere Handlung um Ring und Schatten still beantwortet, indem sie zeigt, dass hinter mancher Legende reale Gefahr steht. Dass ausgerechnet Bilbo, der Erzähler dieser Geschichten, selbst Zeuge eines Drachen gewesen ist, verbindet die kleine Welt des Auenlands unmittelbar mit jenem größeren, gefährlicheren Mittelerde, in das Frodo aufbrechen muss.

Entwürfe und Fassungen

In den frühesten Fassungen der Erzählung, wie sie Christopher Tolkien in den Verlorenen Geschichten veröffentlichte, trug der später als Glaurung bekannte Drache noch andere Namen: Zunächst erscheint er als Glorund, ehe sich der Name über die Zwischenform Glómund zu seiner endgültigen Gestalt Glaurung wandelte. Dieselbe frühe Erzählung führt selbst den Titel „Turambar and the Foalókë“, wobei Foalókë als ein weiterer, später aufgegebener Name für denselben Drachen dient. Auch der feste Rang als Vater aller Drachen, der ihm in späteren Texten zugeschrieben wird, war in dieser frühen Phase der Überlieferung noch nicht in derselben Weise ausgeformt.

Eine noch deutlichere Abweichung zeigt die früheste Fassung vom Fall Gondolins: Neben lebenden Feuerdrachen, den Urulóki, führt Melko dort auch Drachen aus Erz und Eisen ins Feld, mechanische Kampfmaschinen, die Orks in ihrem Innern bergen und die Mauern der Stadt aufbrechen sollen. Diese Vorstellung von Drachen als teils erschaffenen, teils gezüchteten Kriegsgeräten, unter denen sich lebendige und leblose Ungetüme mischen, wich in späteren Fassungen zugunsten einer rein biologischen Auffassung der Art, wie sie das Silmarillion überliefert.