Namen und Benennung

Der Ort trägt in der Erzählung mehr Namen als fast jede andere Stätte Mittelerdes, und jeder von ihnen gehört einer anderen Sprache und einer anderen Sicht auf denselben Berg. Bei den Zwergen selbst heißt er Khazad-dûm, gebildet aus dem Wort, mit dem sie sich in ihrer eigenen Zunge bezeichnen; es ist die Wohnstatt der Khazâd, der Sitz von Durins Volk unter dem Nebelgebirge. Anhang F erläutert, dass die Zwerge ihre Sprache geheim hielten und sie kaum je an Fremde weitergaben, weshalb dieser Name in den Chroniken der anderen Völker vergleichsweise selten begegnet. Wo er dennoch auftaucht, trägt er ein Gewicht, das die Übersetzungen nicht haben: Er ist der Name, den die Erbauer selbst gebrauchten.

Die Elben gaben dem Reich eigene Namen. In der Grauelbenzunge hieß es Hadhodrond, und im Westron wurde daraus die Bezeichnung Zwergental, eine sinngemäße Wiedergabe desselben Gedankens: die tiefe Halle des Zwergenvolks. Diese Namen gehören in die Zeit der Freundschaft mit Eregion, als zwischen den Schmieden beider Völker ein Austausch bestand, wie er sonst zwischen Elben und Zwergen kaum bezeugt ist; das gemeinsam von Narvi und Celebrimbor geschaffene Westtor ist das sichtbarste Zeugnis dieser Verbindung. Der Name Moria dagegen ist elbischen Ursprungs und alles andere als freundlich gemeint. Er bezeichnet die schwarze Kluft oder den schwarzen Abgrund, und Gimli hält Legolas im Rat vor, dass die Zwerge ihn niemals selbst gewählt hätten.

Dass sich ausgerechnet dieser abschätzige Name im allgemeinen Sprachgebrauch durchsetzte, sagt einiges über die Zeit, in der die Erzählung des Ringkriegs spielt. Für die Völker westlich des Gebirges war der Ort längst kein Königreich mehr, sondern eine finstere Öffnung im Fels, aus der niemand zurückkehrte; die geläufige Wendung von den Minen von Moria reduziert eine Stadt auf ihre Stollen. Die Zwerge selbst hielten am älteren Namen fest, und wo sie von Khazad-dûm sprechen, klingt der Anspruch mit, dass das Reich ihnen weiterhin gehört. Zur Aussprache merkt Anhang E an, dass aufeinandertreffende Vokale getrennt zu sprechen sind und nie als Doppellaut verschmelzen — Moria hat also drei Silben.

Lage und Ausdehnung

Khazad-dûm liegt im Herzen des Nebelgebirges, unter jenem Abschnitt der Kette, in dem drei Gipfel dicht beieinanderstehen: das rötliche Caradhras, die helle Celebdil und das dunkle Fanuidhol, in den Sprachen der Menschen Rothorn, Silberzinne und Wolkenhaupt genannt. Unter ihnen wurde das Reich in den Fels getrieben, und anders als jede andere Zwergenstadt durchstößt es das Gebirge in seiner ganzen Breite: Es besitzt einen westlichen und einen östlichen Ausgang und war deshalb nicht bloß eine Wohnstatt, sondern zugleich ein Weg von der einen Seite der Berge zur anderen. Wer den Pass über dem Rothorn nicht bewältigen konnte, dem blieb der Durchgang unter dem Berg — genau diese Doppelnatur macht den Ort in der Erzählung des Ringkriegs so bedeutsam.

Die westliche Seite blickt auf das Land Eregion, und der alte Elbenweg, der von dort heraufführt, endet unmittelbar vor der Felswand mit dem Tor Durins. Vor dieser Wand liegt zur Zeit des Ringkriegs kein offenes Tal mehr, sondern ein dunkles, reglos stehendes Wasser: Der Bach, der einst hier hinabfloss, ist gestaut worden, und die Treppe zum Tor führt an einem schmalen Ufer entlang. Das östliche Tor öffnet sich hoch über dem Schattenbachtal, das zwischen den Ausläufern des Gebirges eingeschnitten liegt; Stufen führen von dort in die Talsohle hinab. Im Tal liegen der Spiegelsee, in dessen Wasser sich auch am Tag die Sterne zeigen, und die Quellen des Silberlaufs, der ostwärts den Wäldern von Lothlórien zuströmt.

Im Inneren ist das Reich weder ein Stollensystem noch eine einzelne Stadt, sondern beides in Stockwerken übereinander. Über den Toren liegen Hallen, Treppen und Gänge in mehreren Ebenen, unter ihnen die eigentlichen Gruben, und unter diesen wiederum Tiefen, deren Ausmaß selbst die Erbauer nicht mehr überblickten. Weite Säulenhallen mit Dächern jenseits des Lichtscheins stehen neben engen Schächten; eine schmale Brücke über einen Abgrund diente als letzte Wehr vor dem Osttor, und eine Treppe soll aus den untersten Verliesen bis zu Durins Turm auf dem Grat der Silberzinne hinaufgeführt haben. Was den Ort vor allen anderen auszeichnet, liegt jedoch im Gestein selbst: Nur hier fand sich das Mithril, und die Suche danach trieb die Grabungen immer weiter in die Tiefe.

Geschichte

Der Anfang des Reiches liegt in den Jahren der Bäume, lange vor jeder Zählung nach Sonnenjahren. Durin, der älteste der Sieben Väter der Zwerge, erwachte allein bei Gundabad im hohen Norden und wanderte von dort am Nebelgebirge entlang nach Süden, bis er das Tal auf dessen Ostseite fand. Dort trat er an das stille Wasser und sah über dem Spiegelbild seines Kopfes einen Kranz von Sternen stehen, obwohl über ihm noch heller Tag war; er nahm es als Zeichen und begann darüber im Fels zu graben. Anhang A berichtet, dass aus dieser ersten Wohnstatt jene Hallen erwuchsen, die später in Liedern gerühmt wurden. Weil kein Feind aus Angband so weit nach Osten reichte, wuchs das Reich durch das Erste Zeitalter hindurch ungestört, während in Beleriand die großen Schlachten geschlagen und verloren wurden.

Mit dem Untergang Beleriands endete diese Abgeschiedenheit. Die zwergischen Städte im Blauen Gebirge wurden im Aufruhr jener Tage zerstört, und viele ihrer Bewohner zogen ostwärts über das Land zu Durins Volk; dadurch nahm Khazad-dûm an Zahl, Kunstfertigkeit und Reichtum erheblich zu und wurde zum unbestrittenen Mittelpunkt des Zwergenvolks in Mittelerde. Im Zweiten Zeitalter siedelten sich noldorische Elben unter Celebrimbor westlich des Gebirges an und gründeten im Jahr 750 das Land Eregion, und die Chroniken vermerken ausdrücklich, dass sie diesen Platz wegen der Nähe zum Westtor wählten. Was folgte, war ein Austausch von Waren und Handwerk, wie ihn die Geschichte der beiden Völker sonst nicht kennt: Die Elben begehrten das Mithril, die Zwerge die Kunst der Schmiede von Ost-in-Edhil. Diese Zeit endete 1697, als Sauron Eregion verwüstete und Celebrimbor umkam; die Zwerge schlossen ihre Tore und zogen sich in den Berg zurück. Khazad-dûm blieb unbezwungen, aber es war fortan abgeschnitten, und die alte Straße nach Westen verfiel.

Durch fast zwei Jahrtausende des Dritten Zeitalters behauptete sich das Reich, während andere Zwergensiedlungen vergingen; es galt als der letzte ungebrochene Sitz von Durins Erben. Sein Ende kam nicht von außen. Im Jahr 1980 gruben die Zwerge in ihrer Gier nach Mithril tiefer, als je zuvor gegraben worden war, und weckten ein Wesen aus der Vorzeit, das seit dem Sturz Morgoths dort verborgen gelegen hatte. Es erschlug König Durin VI. und trug seither den Namen Durins Fluch; ein Jahr darauf fiel auch dessen Sohn Náin I., und der Rest des Volkes floh aus den Hallen. In derselben Zeit verließen viele Waldelben Lothlóriens ihre Wohnsitze und zogen nach Süden. Das Mithril war von da an nicht mehr zu haben, und sein Wert stieg ins Unermessliche. Die Vertriebenen wandten sich zunächst dem Grauen Gebirge zu, bis Thráin I. im Jahr 1999 den Erebor erreichte und dort ein neues Königreich begann.

Die leeren Hallen blieben nicht leer. Um das Jahr 2480 begann Sauron, sie planmäßig mit seinen Geschöpfen zu füllen, und Orks aus dem Nebelgebirge machten die Tiefen zu einem Bollwerk, das jeden Übergang nach Eriador bedrohte. Als der greise Thrór, umgetrieben von der Sehnsucht nach dem alten Sitz, im Jahr 2790 durch das Osttor hineinging, wurde er von dem Ork Azog erschlagen und geschändet. Aus dieser Tat erwuchs der Krieg zwischen Zwergen und Orks, der von 2793 bis 2799 alle Bergfesten der Feinde im Gebirge verheerte und schließlich vor dem Osttor selbst entschieden wurde. In der Schlacht von Azanulbizar fielen so viele auf beiden Seiten, dass die Toten der Zwerge verbrannt statt bestattet wurden; Dáin II. Eisenfuß, damals noch sehr jung, erschlug Azog vor der Schwelle. Doch als man ihn drängte, in das gewonnene Tor einzuziehen, weigerte er sich: Er hatte im Dunkel dahinter etwas gespürt, das kein Heer von Zwergen bezwingen konnte.

Erst zweihundert Jahre später wagte jemand den Versuch. Im Jahr 2989 verließ Balin den Erebor gegen den Rat seines Königs und zog mit einer Schar Gefährten, unter ihnen Óin und Ori, nach Westen; er nahm die oberen Hallen ein und ließ sich Herr von Moria nennen. Anfangs gelang die Ansiedlung: Die Zwerge räumten Kammern frei, fanden alte Waffen wieder und stiegen zum Spiegelsee hinab. Doch der Zuzug von Orks aus den Tiefen riss nicht ab, das Ostufer wurde unhaltbar, und 2994 fiel Balin, von einem Pfeil getroffen, während er in das Wasser des Sees blickte. Was von dieser Kolonie blieb, war ein zerschlagenes, halb verbranntes Buch in einer Grabkammer, in dem verschiedene Hände in den Runen Morias und Dals das Fortschreiten der Belagerung festgehalten hatten, bis die Einträge mitten im Satz abbrechen.

Im Januar 3019 zwang der Schnee auf dem Rothorn-Pass die Gefährten unter den Berg. Sie traten in der Nacht des 13. Januar durch das Westtor ein und brauchten drei Tage für den Weg durch die Finsternis; am 15. Januar fanden sie Balins Grab, wurden in der Kammer von Mazarbul gestellt und auf der Flucht zum Osttor an der schmalen Brücke von Durins Fluch eingeholt. Gandalf hielt dem Balrog stand und stürzte mit ihm in die Tiefe, und die übrigen entkamen ins Tageslicht. Der Kampf endete am 25. Januar auf dem Grat der Silberzinne, wo der Feind zerschmettert vom Berg fiel; Gandalf kehrte gewandelt zurück. Damit war die alte Furcht getilgt, doch die Hallen blieben in den Händen der Orks, und in der Zeit des Ringkriegs nahm sie niemand in Besitz. Nach dem Krieg führte Gimli einen Teil von Durins Volk in die Glitzernden Grotten von Aglarond. Dass die Zwerge die Hoffnung auf Rückkehr nicht aufgaben, zeigt der Glaube, ihr Ahnherr kehre in seinen Erben wieder — die Stammtafeln in Anhang A nennen einen siebten Durin als den letzten dieses Namens.

Volk und Herrschaft

Bewohnt wurde das Reich durch alle Zeitalter hindurch von einem einzigen Stamm: Durins Volk, in den Aufzeichnungen auch die Langbärte genannt, der älteste der sieben Zwergenstämme. Khazad-dûm war dessen Stammsitz und blieb es dem Anspruch nach selbst dann noch, als niemand von ihnen mehr darin wohnte. Fremde Völker siedelten sich in den Hallen nie an; Elben und Händler kamen und gingen als Gäste, solange die Tore offen standen. Anhang F und die Berichte über Durins Volk vermerken eine Eigenheit, die auch für diese Stadt gilt: Zwergenfrauen zeigten sich außerhalb des Berges kaum, und sie glichen den Männern in Gestalt, Stimme und Kleidung so weit, dass andere Völker sie nicht zu unterscheiden vermochten. Da sie überdies weniger zahlreich waren und nur ein Teil des Volkes überhaupt heiratete, wuchs die Zahl der Zwerge langsam und erholte sich von Verlusten schwer.

An der Spitze stand stets ein König aus dem Geschlecht Durins, und der Name des Gründers kehrte in der Nachkommenschaft mehrfach wieder; die Stammtafeln in Anhang A führen ihn bis zu Durin VI., der als letzter in den eigenen Hallen herrschte. Zum vornehmsten Erbstück dieser Linie wurde einer der Sieben Ringe. Anhang A hält fest, dass er nach zwergischer Überlieferung nicht aus Saurons Hand stammte, sondern von den Schmieden Eregions an Durin III. gegeben worden war; die Zwerge bestritten, dass er seinen Trägern Schaden getan habe, räumten aber ein, dass er die Gier nach Gold schürte. Mit dem Verlust des Berges endete die Königsfolge nicht. Die Erben trugen den Titel eines Königs von Durins Volk weiter, zunächst in den Wanderungen nach dem Grauen Gebirge und dann am Erebor, über Thráin I. und Thrór bis zu Thorin Eichenschild und Dáin II. Eisenfuß, und in ihrer eigenen Zählung blieb die verlorene Stadt das eigentliche Reich, alles Übrige nur Aufenthalt.

Das Verhältnis zu den Nachbarn wechselte mit den Zeitaltern. Solange Eregion bestand, war der Verkehr durch das Westtor dicht und für Elben und Zwerge ungewöhnlich vertraut; östlich des Gebirges dagegen bestand die Nachbarschaft zum Waldelbenreich am Silberlauf eher aus Abstand als aus Austausch. Zur Zeit des Ringkriegs war daraus offenes Misstrauen geworden: Celeborn zeigt sich in Lothlórien zunächst unwillig darüber, dass die Gefährten die Tiefen überhaupt aufgestört haben, und nennt Gimlis Herkunft dabei ausdrücklich; erst Galadriels Einwand, dass niemand die Wege des Feindes vorher wissen könne, stellt den Frieden wieder her, und von dieser Begegnung an gilt ein Zwerg im Goldenen Wald wieder als Gast. Gegenüber den Menschen Eriadors spielte das Reich in dieser späten Zeit keine Rolle mehr. Wer den Berg tatsächlich beherrschte, waren die Orks, die Sauron dort angesiedelt hatte; ihr Besitz war der einer Besatzung, nicht der eines Volkes, das sich auf diese Hallen berufen konnte.

Rolle in der Erzählung

In die Handlung des Ringkriegs tritt der Ort als Notbehelf ein. Gandalf bringt den Weg unter dem Berg schon früh zur Sprache, doch niemand will ihn gehen; Aragorn widerspricht mit einer Warnung, die sich ausdrücklich gegen den Zauberer selbst richtet, und Gimli ist der Einzige, der die Aussicht begrüßt. Erst der Schnee auf der Höhe und die Wölfe in der Nacht darauf nehmen den Gefährten die Wahl. Vor der Felswand muss das Pony zurückbleiben, das Sam durch Eriador geführt hat — ein kleiner Abschied, der die Schwelle markiert. Das Tor öffnet sich zuletzt, weil Gandalf begreift, dass die Inschrift kein Rätsel aufgibt, sondern schlicht mitteilt, was zu sagen ist: das Wort für Freundschaft, übrig geblieben aus einer Zeit, in der zwischen beiden Völkern kein Losungswort nötig war. Kaum sind sie eingetreten, verschließt ein Wesen aus dem stehenden Wasser den Eingang mit Fels und gestürzten Bäumen. Der Rückweg ist versperrt, bevor der erste Schritt in die Tiefe getan ist.

Im Inneren wird der Berg zur Probe auf die Gemeinschaft. Dieselben Hallen sind für Gimli ein Heiligtum und für die Hobbits ein Grab, und der Führer, dem alle folgen, gesteht zum ersten Mal ein, den Weg nicht zu wissen: Vor drei Türen sitzt Gandalf eine Nacht lang ratlos. Zugleich fällt hier eine der stillsten Enthüllungen der Erzählung, als sich Bilbos altes Kettenhemd als Mithril erweist und damit als kostbarer, denn alles, was das Auenland zusammen aufbringen könnte — eine Gabe aus eben diesem Berg, die auf Umwegen dorthin zurückkehrt. Und Frodo hört Schritte, die nicht zu den Gefährten gehören, und sieht Lichtpunkte im Dunkel hinter sich; Gollum nimmt die Verfolgung dort auf, wo niemand mit ihm rechnet.

Als Erzählraum steht der Ort für das, was Erinnerung kostet. Die Gefährten durchqueren ein Reich, dessen Größe sie nur an Umrissen im Dunkeln ahnen, und finden in seiner Mitte die Auskunft, dass auch der letzte Versuch einer Rückkehr gescheitert ist. Was sie verlieren, gewinnen sie durch keine Tat zurück: Am Ausgang steht eine Gemeinschaft ohne Anführer, und Aragorn muss sie weinend weiterführen, ehe die Nacht sie in Lothlórien erreicht. Die Erzählung predigt an keiner Stelle über Habgier, aber sie lässt die leeren Hallen für sich sprechen. Dass Gandalf später verwandelt zurückkehrt und den Abstieg selbst als Anfang seines neuen Auftrags beschreibt, gibt dem dunkelsten Wegstück im Rückblick sein Gewicht als Wendepunkt.

Entwürfe und Varianten

Der Name Moria ist älter als die Vorstellung eines zwergischen Großreichs unter dem Nebelgebirge. In den Beleriand-Texten der dreißiger Jahre, etwa der Quenta Noldorinwa, besitzen die Zwerge allein ihre Städte im Blauen Gebirge, Nogrod und Belegost; eine Wohnstatt weiter östlich, die alles Übrige übertrifft, ist dort nicht vorgesehen und wird für den Gang der Erzählung auch nicht gebraucht. Erst die Arbeit am Herrn der Ringe schuf dieses Reich, und die zwergische Benennung samt ihrer grauelbischen Entsprechung wanderte nachträglich in den älteren Erzählstoff hinein, als Tolkien die Berichte über die Ringe der Macht dem gewachsenen Bild des Ortes anglich. Was in der veröffentlichten Fassung wie ein von Anfang an mitgedachter Grundpfeiler der Zwergengeschichte wirkt, ist der Entstehung nach eine späte Erweiterung.

Die Entwurfsfassungen der Moria-Kapitel erzählen zudem eine merklich andere Geschichte. Balin sollte zunächst nicht tot sein: Die Gefährten trafen ihn lebend in den Hallen an, wo er als Herr des Ortes gebot, und die Begegnung war als Wiedersehen angelegt, nicht als Fund eines Grabes. Damit hängt zusammen, dass beim Rat von Elrond in einer frühen Fassung ein Zwerg namens Burin, Sohn Balins, saß; die Rolle des zwergischen Begleiters war anfangs ihm zugedacht, ehe sie an Gimli überging. Erst der Entschluss, Balins Ansiedlung scheitern zu lassen, brachte das Grabmal, die zerschlagene Chronik und die gedrückte Stimmung hervor, die die endgültige Fassung trägt. Während der Niederschrift dieser Kapitel entstanden überdies ausführliche Vorausschauen auf den gesamten weiteren Verlauf der Erzählung, die Christopher Tolkien unter einem eigenen Titel als die von Moria aus vorausgesehene Geschichte zusammengefasst hat — der dunkelste Abschnitt der Reise war für den Verfasser zugleich der Punkt, an dem er sich über das Ende Rechenschaft zu geben suchte.

Adaptionen

Unter den älteren Bearbeitungen zeigt Ralph Bakshis Zeichentrickfilm von 1978 den Weg unter das Nebelgebirge zuerst. Die Strecke ist dort stark zusammengezogen: Was im Buch drei Tage währt, wird zu einem nahezu ununterbrochenen Zug vom Westtor über die Grabkammer bis zur Brücke, und ein großer Teil der Bewegungen ist nach abgefilmten Darstellern nachgezeichnet, was den Hallen und ihren Bewohnern eine ungewöhnlich schwere Anmutung gibt. Da die Fassung nur etwa die erste Hälfte der Erzählung umfasst und nach dem Kampf um Helms Klamm abbricht, blieb ein zweiter Teil aus. Umgekehrt verfährt die Hörspielfassung der BBC von 1981, die den Stoff auf sechsundzwanzig halbstündige Folgen verteilt und als die genaueste der älteren Bearbeitungen gilt. Sie behält den langen Aufenthalt im Dunkeln, die Ratlosigkeit vor den Türen und die Verlesung der zerschlagenen Chronik bei; Michael Hordern spricht Gandalf, Ian Holm den Frodo. Weil das Medium ohne Bild auskommt, entsteht die Weite des Reichs allein aus Sprache, Hall und Geräusch.

Peter Jacksons Verfilmung, deren erster Teil 2001 erschien, hat das Bild des Ortes für die meisten Zuschauer festgelegt und weicht dabei an mehreren belegbaren Stellen ab. Der Angriff des Wesens aus dem stehenden Wasser wird zu einem ausgedehnten Kampf vor dem Tor ausgebaut, statt wie im Buch fast nebenbei den Rückweg zu verschließen. Die drei Tage unter dem Berg schrumpfen auf einen zusammenhängenden Marsch, in der Grabkammer verwundet ein Höhlentroll den Ringträger, während im Roman ein Ork-Hauptmann den Speer führt, und der lange Abstieg über eine zerbrechende Treppe vor der Brücke hat im Text keine Entsprechung. Sie arbeitet allein aus den Anhängen und ergänzt reichlich: Owain Arthur spielt Durin IV. neben Peter Mullan als dessen Vater, Sophia Nomvete die Zwergin Disa, eine Figur ohne Vorlage.