Volk, Abstammung und Name

Balin gehörte zu Durins Volk, dem ältesten der sieben Zwergenstämme, das auch die Langbärte genannt wurde und seine Herkunft auf Durin den Todlosen zurückführte. Sein Vater war Fundin, sein Bruder Dwalin; über Fundins Vater Farin und dessen Vater Borin lief die Linie auf Náin II. zurück, sodass Balin mit Thorin Eichenschild in entfernterem Grade verwandt war, während Óin und Glóin, die Söhne Gróins, seine Vettern ersten Grades waren. Geboren wurde er im Jahr 2763 des Dritten Zeitalters im Königreich unter dem Berg, wenige Jahre bevor dieses verloren ging; seine Jugend fiel damit bereits in die Zeit der Wanderungen, in denen Durins Volk ohne feste Heimstatt blieb.

Der Name, unter dem er in den Überlieferungen erscheint, ist kein zwergischer im eigentlichen Sinn. Die Zwerge entlehnten die Namen, die sie nach außen führten, den Sprachen der Menschen des Nordens, mit denen sie im Handel und in der Nachbarschaft standen; ihre wirklichen Namen in der eigenen Sprache Khuzdul hielten sie vor allen anderen Völkern zurück, sodass auch Balins innerer Name unbekannt bleibt, wie der jedes anderen Zwerges. Im Gebrauch tritt sein Name fast durchweg mit der Vaterbezeichnung auf — Balin, Sohn Fundins —, entsprechend einer Gewohnheit, die sich bei seinem Volk durchgängig findet. Der Beiname „Herr von Moria“ ist dagegen kein Herkunftsname, sondern erwuchs erst aus einem späten Abschnitt seines Lebens.

Als Bilbo Beutlin ihm zum ersten Mal gegenübertrat, war Balin ein Zwerg von bereits hohem Alter: weißbärtig, mit roter Kapuze, von umgänglicher und förmlicher Höflichkeit, die ihn von den lärmenderen seiner Gefährten unterschied. Nach den Jahresangaben zählte er damals einhundertachtundsiebzig Jahre und war nach Thorin der älteste der Schar; da Zwerge gewöhnlich etwa zweieinhalb Jahrhunderte lebten, stand er in einem Alter, das Erfahrung, aber noch keine Gebrechlichkeit bedeutete. Diese Mischung aus Bedächtigkeit und wacher Aufmerksamkeit prägt das Bild, das die Quellen von ihm zeichnen, und erklärt, weshalb ihm in der Gemeinschaft früh eine vermittelnde Rolle zufiel.

Lebensweg und Taten

Balins frühe Jahre standen im Zeichen des Verlusts: 2770 fiel Smaug über den Einsamen Berg her, und Durins Volk verlor damit die reichste seiner Wohnstätten. Es folgten Jahrzehnte der Wanderung und der Armut, die das Volk zeitweise nach Dunland und in den Norden führten, bis die Ermordung Thrórs durch den Ork Azog 2790 den langen Krieg zwischen Zwergen und Orks auslöste. Er endete 2799 vor dem Osttor Morias in der Schlacht von Azanulbizar, in der die Verluste der Zwerge so schwer wogen wie der Sieg selbst; unter den Gefallenen war Fundin. Drei Jahre später ließ sich Thráin II. mit den Seinen in den Blauen Bergen nieder, wo Balin die längste Zeit seines mittleren Lebens verbrachte.

Im Jahr 2841 brach Thráin, von der Unruhe seines Hauses getrieben, nach Osten auf, um den Berg wiederzugewinnen. Balin und Dwalin gehörten zu den wenigen Getreuen, die ihn begleiteten. Die Fahrt endete unglücklich: Thráin wurde 2845 gefangen und nach Dol Guldur verschleppt, seine Gefährten suchten ihn vergeblich und kehrten schließlich zu Thorin zurück, ohne je zu erfahren, was ihm widerfahren war. Für Balin bedeutete dies die zweite gescheiterte Rückkehr nach Erebor innerhalb eines Menschenalters und zugleich die dauerhafte Bindung an Thorin, dessen Anhänger er von da an blieb.

Im Frühjahr 2941 trat Balin der Schar bei, die sich in Beutelsend zusammenfand, um den Hort unter dem Berg zurückzugewinnen. Auf dem Weg über Bruchtal, das Nebelgebirge und den Düsterwald fiel ihm regelmäßig der Wachdienst zu, und gerade seine Aufmerksamkeit wurde zweimal von Bilbos Ring überlistet — ein Umstand, der ihn kränkte und ihn zugleich als Ersten dazu brachte, den Hobbit ernst zu nehmen. Zwischen den beiden entstand ein Vertrauen, das über die bloße Zweckgemeinschaft hinausging. Als Bilbo durch den geheimen Gang zur Halle Smaugs hinabstieg, war es Balin, der ihn ein Stück weit begleitete und im Dunkeln auf ihn wartete, während die übrigen zurückblieben; er war auch derjenige, der ihn nach der Rückkehr am lautesten willkommen hieß.

Nach Smaugs Tod und der Belagerung des Berges durch Menschen und Elben überstand Balin die Schlacht der Fünf Heere, in der Thorin sowie Fíli und Kíli fielen. Unter Dáin II. Eisenfuß, der die Krone unter dem Berg übernahm, wurde Erebor rasch wieder zu einem wohlhabenden Reich, und Balin gehörte zu den angesehensten seiner Bewohner. In diese Jahre fällt der einzige überlieferte Besuch bei Bilbo: 2949 kam er zusammen mit Gandalf ins Auenland zurück, wo er den Hobbit gealtert, aber unverändert gastfreundlich antraf. Danach schweigen die Quellen über ihn für vier Jahrzehnte.

Balin gab die Vorstellung einer Rückkehr nach Khazad-dûm nie auf, obwohl das alte Reich seit dem Erwachen des Balrogs 1981 als verflucht galt. Dáin gab seine Erlaubnis nur widerstrebend; 2989 zog Balin mit einer Schar aus, der unter anderen Óin und Ori angehörten, und die Unternehmung glückte zunächst über Erwarten. Die Orks wurden aus den oberen Hallen vertrieben, das Osttor gewonnen, Durins Axt gefunden, und Balin nahm seinen Sitz in der Mazarbul-Kammer, wo die Aufzeichnungen des alten Reiches lagen. Weniger als fünf Jahre lang führte er den Titel eines Herrn von Moria, doch schon die frühen Einträge der von der Kolonie geführten Chronik verzeichnen Verluste und wachsende Bedrängnis.

Schicksal verhüllt — enthüllenSchicksal enthüllt — wieder verhüllenDieser Abschnitt verrät, wie es ausgeht.

Schicksal

Im Jahr 2994 wurde Balin im Schattenbachtal von einem Orkpfeil getroffen, als er allein an den Spiegelsee getreten war; sein Volk verlor damit seinen Anführer, und der Angriff auf die Kolonie begann kurz darauf. Wer noch lebte, verschanzte sich in der Mazarbul-Kammer, deren letzte Einträge Trommeln in der Tiefe und die Aussichtslosigkeit der Lage festhalten. Nach Erebor drang keine Nachricht mehr; noch 3018 berichtete Glóin in Bruchtal, dass man seit langem nichts mehr von Balin gehört habe. Erst im Januar 3019 fand die Gemeinschaft des Rings auf ihrem Weg durch Moria die Kammer und darin ein einzelnes steinernes Grabmal, dessen Runen Balin, Sohn Fundins, Herrn von Moria nannten — eine Bestätigung, die für Gandalf die Chronik seines Endes erschloss und für Gimli den Verlust eines Verwandten bedeutete.

Stellung, Fähigkeiten und deren Grenzen

Innerhalb von Thorins Schar bekleidete Balin kein förmliches Amt; seine Stellung ergab sich aus Alter, Erfahrung und einer Umgänglichkeit, die den anderen fehlte. Die Erzählung weist ihm regelmäßig den Ausguck zu — er galt als der Scharfsichtigste der Gesellschaft und wurde vorausgeschickt, wo es zu erkunden galt —, und ebenso regelmäßig fällt ihm die Rolle dessen zu, der zwischen Thorins Härte und den Bedenken der Übrigen vermittelt. Gegenüber Bilbo ist er der Erste, der von Misstrauen zu Zutrauen wechselt, und der Einzige, der ihn nicht bloß als aufgezwungenen Vierzehnten behandelt. Eine Befehlsgewalt besaß er dabei nicht: Thorin entschied, Gandalf lenkte, und Balins Rat wurde gehört oder überhört, je nachdem, wie es dem Anführer gefiel.

Von außergewöhnlichen Kräften berichten die Quellen nichts. Balin verfügte über die Fähigkeiten seines Volkes — Zähigkeit auf langen Märschen, Vertrautheit mit Stein, Stollen und Bergwerk, ein festes Gedächtnis für Abstammung und Geschichte — und über die Kampferfahrung eines Zwerges, der Azanulbizar und die Schlacht der Fünf Heere überstanden hatte. Nichts davon reichte, wenn die Umstände sich gegen ihn wandten. Die Gesellschaft geriet unter seinem Wachdienst den Trollen, den Orks des Nebelgebirges, den Spinnen des Düsterwaldes und zuletzt den Waldelben in die Hände; gerettet wurde sie jedes Mal durch Gandalfs Eingreifen oder durch Bilbo, nicht durch die Wachsamkeit, für die Balin geschätzt wurde. Auch der Ring überlistete ihn, wie an anderer Stelle vermerkt, gerade weil er aufmerksam hinsah.

Der Titel eines Herrn von Moria bezeichnet die äußerste Reichweite seiner Macht und zugleich deren Enge. Balin stammte nicht aus der Königslinie; die Krone Durins Volkes lag bei Dáin, und das Unternehmen kam nur mit dessen widerwilliger Erlaubnis zustande. Was Balin beherrschte, war eine Kolonie in wenigen wiedergewonnenen Hallen, keine Wiederherstellung Khazad-dûms, und sie hielt fünf Jahre. Die Kräfte, die das Reich verschlossen hielten, lagen jenseits dessen, was Mut und Bergbaukunst ausrichten konnten. Eben darin liegt sein Gewicht im Legendarium: Balins Zug ist das Gegenstück zur geglückten Rückkehr nach Erebor und zeigt, dass nicht jedes verlorene Reich zurückzugewinnen war — eine Einsicht, die in der Erzählung des Ringkrieges die Gefahr Morias beglaubigt und Gimlis Anteil daran begründet.

Verwandte, Gefährten und Widersacher

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Schicksal

Die engste Bindung seines Lebens war die an Dwalin, mit dem Balin in den Überlieferungen fast durchgehend als Paar auftritt: gemeinsam auf Thráins unglücklicher Fahrt, gemeinsam als erste Ankömmlinge in Beutelsend, gemeinsam in der Schar unter dem Berg. Umso bemerkenswerter ist, dass der Bruder ihm nach Moria nicht folgte; Dwalin blieb zurück und überlebte ihn um weit mehr als ein Jahrhundert, sodass die letzte Unternehmung Balins zugleich die Auflösung dieser Zweisamkeit bedeutete. Von den Vettern schloss sich Óin dem Zug an und kam mit ihm um, während Glóin in Erebor blieb und dort später zu dem wurde, der die Nachricht vom Verstummen der Kolonie weitertrug. Dessen Sohn Gimli gehörte einer Generation an, die Balin vor allem als den Fortgezogenen kannte, und trat für den Weg unter das Gebirge auch deshalb ein, weil er hoffte, ihn lebend anzutreffen.

Zu Thorin stand Balin in einem Verhältnis, das eher dem eines alten Gefolgsmannes als dem eines Ratgebers glich: Er hielt an dessen Anspruch fest, auch wo dieser über das Vernünftige hinausging, und widersprach ihm nur selten offen. Anders die Verbindung zu Bilbo Beutlin, die als einzige das Ende des Unternehmens überdauerte und von Balins Seite gepflegt wurde, ohne dass ein Zweck sie noch erfordert hätte. In Moria wechselte er zum ersten Mal die Seite des Verhältnisses und wurde selbst der Herr, dem andere folgten — Óin und Ori, dazu Frár, Lóni und Náli, deren Namen allein durch die Aufzeichnungen der Kammer überliefert sind. Die Bindung, die er zuvor Thorin entgegengebracht hatte, empfing er nun von ihnen, und sie hielt bis in die letzten Stunden der Kolonie.

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Schicksal

Einen persönlichen Gegenspieler hat Balin nicht. Seine Widersacher sind durchweg kollektiv oder namenlos: der Drache, den er nie zu Gesicht bekam, die Orks des Nebelgebirges und Morias, zuletzt jene Macht in der Tiefe, gegen die weder Zahl noch Waffen halfen. Selbst Azog, der seinen Vater erschlug, fiel durch fremde Hand, und der Pfeil, der Balin traf, stammt von einem Schützen, den keine Quelle benennt. Ebenso unscharf bleibt sein Verhältnis zur eigenen Obrigkeit: Dáin war kein Feind, aber auch kein Förderer, und die Erlaubnis, die er gab, war eher ein Nachgeben als ein Auftrag. In diesem Muster liegt das Eigentümliche der Figur — ein Zwerg, der Zuneigung leicht gewann und Feindschaft nie individuell erfuhr, und dessen Ende gerade deshalb weniger als Niederlage gegen einen Gegner erscheint denn als das Aufzehren eines Vorhabens durch Verhältnisse, die niemand einzelner zu verantworten hatte.

Die Figur in den Entwürfen

Balin war eine bereits festgelegte Gestalt, als Tolkien mit dem Herrn der Ringe begann; die Entwürfe konnten ihn nicht mehr neu erfinden, wohl aber seinen Ort im neuen Erzählgefüge verschieben. In den Fassungen, die den Aufbruch aus Bruchtal behandeln, gehört der Gemeinschaft ein Zwerg namens Burin an, den die Texte ausdrücklich als Sohn Balins führen und der die Stelle einnimmt, die später Gimli, Sohn Glóins, erhalten sollte. Mit diesem Wechsel entfiel zugleich die Vorstellung, Balin habe einen Sohn gehabt: Die veröffentlichte Fassung kennt keine Nachkommen, und aus dem Verhältnis von Vater und Sohn wurde die weit lockerere Bindung zwischen einem Verschollenen und dem Sohn seines Vetters. Auch die Überschrift, unter der die Moria-Kapitel im Entwurf standen, nannte noch Balin als den Herrn dieses Reiches, während die Endfassung die Kammer und die Brücke in den Vordergrund rückt.

Eine späte, zu Lebzeiten nicht veröffentlichte Abhandlung Tolkiens über das Verhältnis von Zwergen und Menschen kommt auf die Namensführung zurück und verschärft sie: Die Zwerge hätten ihre wirklichen Namen so streng gehütet, dass diese nicht einmal auf den Grabmälern erschienen seien. Für die Runen in Moria bedeutet das, dass dort allein der äußere, dem Menschenidiom entlehnte Name steht, den Balin zeit seines Lebens vor Fremden führte — kein Sonderfall, sondern die Regel seines Volkes bis über den Tod hinaus. Dieselbe Abhandlung führt die Nähe der Langbärte zu den Menschen der Anduintäler weiter aus und begründet daraus, weshalb gerade deren Sprache das Namengut lieferte. Da diese Überlegungen erst aus dem Nachlass bekannt sind, stehen sie neben, nicht in dem, was der veröffentlichte Text selbst mitteilt; sie erklären eine Gepflogenheit, die dieser nur voraussetzt.

Balin in Verfilmungen und Hörspielen

Die einzige Fassung, die Balin als handelnde Figur in vollem Umfang ausgestaltet, ist Peter Jacksons Hobbit-Trilogie von 2012 bis 2014; gespielt wird er dort von dem schottischen Schauspieler Ken Stott. Da die drei Filme den kurzen Roman auf beträchtliche Länge dehnen und dafür Stoff aus den Anhängen des Herrn der Ringe hinzuziehen, wächst ihm eine Rolle zu, die das Buch nicht kennt: Er tritt als ältester und engster Ratgeber Thorins auf und übernimmt die Erzählerstimme für die Vorgeschichte von Thrórs Tod und der Schlacht vor dem Osttor Morias, die im Buch als knapper Anhangsbericht ohne Zeugen steht. Diese Rückblende weicht zugleich am deutlichsten ab, denn der Ork Azog überlebt in der Filmfassung jene Schlacht und wird zum durchgehenden Widersacher der Trilogie, während er in Tolkiens Darstellung dort fällt. Hinzu kommt ein Handlungsfaden, für den es im Roman keine Entsprechung gibt: Balin wird zu demjenigen, der Thorins wachsende Verfallenheit an den Hort früh bemerkt und ihr widerspricht. In Jacksons Verfilmung des Herrn der Ringe von 2001 bis 2003 erscheint er dagegen nur noch als Grabmal in der Kammer von Mazarbul, deren Aufzeichnungen der Film gegenüber der Vorlage stark verkürzt.

In den älteren Bearbeitungen bleibt die Figur schmal. Der Zeichentrickfilm von Rankin/Bass aus dem Jahr 1977 presst den Roman in gut neunzig Minuten und gibt der Zwergenschar kaum Kontur: Außer Thorin bleiben die Gefährten weitgehend eine Gruppe ohne Einzelzüge, sodass Balins besondere Stellung als Späher, als Vermittler und als derjenige, der Bilbo am Weg zum geheimen Eingang zur Seite steht, im Wesentlichen entfällt. Ralph Bakshis Film von 1978 und die BBC-Hörspielreihe von 1981 setzen erst mit dem Ringkrieg ein und können Balin daher nur als Toten kennen; in beiden bleibt von ihm die Fundstelle in Moria. Die Hörspielfassung, die in sechsundzwanzig Teilen die vollständigste der älteren Bearbeitungen ist, gibt die Nachricht vom Ende der Kolonie am ausführlichsten wieder, während Bakshis Fassung sie zusammenzieht. Der Rankin/Bass-Film von 1980, der nur den Schluss der Erzählung aufgreift, kommt auf Balin nicht mehr zurück.