Name und Benennung
Der Name „Helms Klamm“ verweist auf König Helm Hammerhand, den neunten König Rohans, der die Schlucht in den Weißen Bergen zu seiner letzten Zuflucht machte. Erst nach seinem Tod bürgerte sich die Bezeichnung für die Klamm samt der davorliegenden Festung ein; zuvor trug der Ort offenbar keinen eigenen, überlieferten Namen. Der Name ist damit jüngeren Datums als die Anlage selbst, die schon vor Helms Zeit von den Bewohnern Rohans als Fluchtstätte genutzt wurde.
Die Festung am Ausgang der Schlucht wird als Hornburg bezeichnet, ein Name, der auf ihre Lage und Bauart zurückgeht und im Sprachgebrauch der Rohirrim wie der übrigen Bewohner Mittelerdes gleichermaßen geläufig war. Beide Namen, Helms Klamm für die Schlucht und Hornburg für die Festung an ihrem Eingang, werden in den Quellen oft nahezu austauschbar für denselben Gesamtkomplex verwendet, da Wehranlage und Talenge militärisch und baulich eine Einheit bilden. Eine sprachliche Herleitung aus dem Elbischen liegt nicht vor; es handelt sich um eine Benennung im Rohirrischen beziehungsweise in dessen westronischer Wiedergabe, wie sie auch sonst für Orte und Persönlichkeiten Rohans üblich ist.
Im Gemeinsprachlichen der Zeit des Ringkrieges war „die Klamm“ als verkürzende Kurzform gebräuchlich, wenn aus dem Zusammenhang klar war, welcher Ort gemeint war. Die im Register vermerkte Bezeichnung „Schlacht um die Hornburg“ für die Auseinandersetzung mit Sarumans Heer zeigt, dass in der Nennung von Ereignissen bevorzugt der Name der Festung und nicht jener der dahinterliegenden Schlucht verwendet wurde, obgleich beide Namen denselben Schauplatz meinen.
Land und Lage
Helms Klamm liegt an der Nordseite der Weißen Berge, südlich von Edoras, dort, wo sich ein breites Tal in das Gebirge hineinzieht. Dieses vorgelagerte Tal, durch das ein Bach aus der Klamm herabfließt, öffnet sich nach Norden zur Ebene der Westmark hin und war schon dadurch als natürlicher Zugang und zugleich als natürliche Falle bekannt, denn wer ihn hinaufzog, geriet zwischen die aufragenden Flanken des Gebirges. Ein alter Wall quer über die Talmündung markierte die äußere Grenze des geschützten Bereichs, bevor sich das Gelände weiter taleinwärts verengte und in die eigentliche Schlucht überging.
Die Klamm selbst ist ein enger, tief in das Gebirge eingeschnittener Einschnitt zwischen steilen, nahezu unersteigbaren Felswänden, der sich nach Süden ins Innere der Berge fortsetzt. An ihrem Mund, wo die Schlucht am schmalsten und damit am besten zu verteidigen ist, erhebt sich die Hornburg auf einem vorspringenden Felssporn, während sich von dort eine Mauer quer über die Öffnung zur gegenüberliegenden Felswand spannt und so den gesamten Taleingang verriegelt. Erst hinter dieser Sperre weitet sich die Klamm wieder zu einem schmalen, von den Felsen eingefassten Grund, durch den der Bach in vielen Windungen abwärts fließt.
Tiefer im Gebirge, jenseits der Klamm und nur durch sie zugänglich, öffnen sich in den Fels gehauene Höhlen von beträchtlicher Ausdehnung, die von der übrigen Schlucht getrennt und für sich genommen ein eigenes Wunder des Gebirges darstellen. Der gesamte Ort ist so aus mehreren hintereinandergestaffelten Hindernissen aufgebaut, vom äußeren Wall über das offene Vortal bis zur Mauer am Schluchtmund, wodurch ein Angreifer sich Schritt für Schritt durch enger werdendes, von Felswänden beherrschtes Gelände kämpfen musste, ehe er überhaupt an die eigentliche Festung gelangte.
Geschichte
Schon in den Jahrhunderten vor Helm Hammerhand diente die Schlucht den Bewohnern der Westmark als Zuflucht, wenn Krieg über das Land kam. Die Enge des Einschnitts und die dahinterliegenden Höhlen boten natürlichen Schutz, lange bevor dort Mauern errichtet wurden, und die Erinnerung an diese ältere, namenlose Nutzung blieb den Rohirrim auch in späteren Zeiten gegenwärtig. Erst die Ereignisse um König Helm sollten der Klamm ihren bleibenden Namen und ihren Rang als wichtigste Festung des Landes verschaffen.
Während des Langen Winters, der die Jahre 2758 und 2759 des Dritten Zeitalters überzog, fielen die Dunländer unter ihrem Anführer Wulf in Rohan ein und nahmen Edoras ein. Helm Hammerhand zog sich mit den Seinen in die Schlucht zurück und hielt dort über die eisigen Monate hinweg dem Ansturm der Feinde stand, während Hunger und Kälte im Land wüteten und Helms eigene Söhne im Kampf fielen. Der König selbst kam, geschwächt von Entbehrung, kurz vor Ende der Belagerung ums Leben; der Sage nach soll sein Horn seither manchmal noch in der Klamm zu hören sein, und sein Geist dort umgehen.
Nach Helms Tod vertrieb sein Neffe Fréaláf die Dunländer wieder aus Edoras und begründete das zweite Königshaus der Mark. Von da an trug die Schlucht den Namen des toten Königs, und die Festung an ihrem Eingang blieb durch die folgenden Jahrhunderte des Dritten Zeitalters hindurch besetzt und instand gehalten, als eine der festesten Zufluchtsstätten Rohans, ohne dass die Überlieferung aus dieser langen Zwischenzeit weitere Einzelheiten bewahrt hätte.
Mit dem offenen Verrat Sarumans an Rohan gewann die alte Fluchtburg neue Bedeutung. Als im Frühjahr des Jahres 3019 die Streitmacht Isengarts gegen die Mark zog, ritt König Théoden mit seinen Kriegern von Edoras aus nicht nach Dunharg, sondern in die Klamm, um dort mit den unter Erkenbrand versammelten Männern der Westmark und dem verbliebenen Volk Zuflucht zu suchen; die Festung war zu jener Zeit nur schwach besetzt, da Erkenbrands Truppen noch unterwegs waren.
In der Nacht vom zweiten auf den dritten März 3019 erreichte Sarumans Heer aus Orks und Dunländern die Schlucht und belagerte Hornburg und Wall. Durch ein Sprengmittel unbekannter Art gelang es den Angreifern, den Deichdamm zu durchbrechen, woraufhin sich die Verteidiger in die Burg selbst zurückziehen mussten und dort bis zum Morgengrauen aushielten. Mit Tagesanbruch erschien Gandalf mit Erkenbrand und dessen Reitern auf der Höhe über dem Tal, während zugleich ein unheimlicher Wald aus Huornen in der Ebene vor der Klamm aufgetaucht war; die überraschten Feinde wurden in die Flucht geschlagen und fanden zwischen den Bäumen ihr Ende.
Nach der Schlacht übertrug Théoden Erkenbrand die Verantwortung für die Westmark und ihre Festung, ehe das Heer weiter gegen Isengart zog. In den Jahren nach dem Krieg um den Ring gewährte König Éomer dem Zwerg Gimli, der die Höhlen hinter der Klamm während der Belagerung kennengelernt hatte, die Herrschaft über diese Grotten; Gimli siedelte dort mit einer Schar seines Volkes und begründete eine dauerhafte zwergische Ansiedlung, die der alten Festung über die Zeit des Ringkrieges hinaus neue Bedeutung verlieh.
Volk und Herrschaft
Helms Klamm war zu keiner Zeit ein eigenständiges Herrschaftsgebiet, sondern Teil der Westmark, des westlichsten Bezirks Rohans, und unterstand damit letztlich dem König in Edoras. Bewohnt und verteidigt wurde die Festung von Rohirrim; über die Jahrhunderte oblag ihre Führung jeweils dem Mann, dem die Westmark anvertraut war – zur Zeit des Ringkrieges war dies Erkenbrand, der die wehrfähigen Männer des Bezirks befehligte und in Théodens Abwesenheit die Verantwortung für Klamm und Umland trug. Eine eigene, von Edoras unabhängige Verwaltung besaß der Ort nicht; seine Bedeutung lag allein in seiner Funktion als äußerster Wehrposten der Westmark.
Die Nachbarschaft zu Dunland westlich der Berge war von altem Argwohn geprägt: Die Dunländer betrachteten die von den Rohirrim besiedelten Weiden als Land, das einst ihren Vorfahren gehört habe, und dieser Groll überdauerte Generationen. Er war es, den Wulf während des Langen Winters für seinen Einfall nutzte und den später Saruman gezielt schürte, um dunländische Krieger in seine Dienste zu ziehen. Helms Klamm lag dieser unruhigen Grenze am nächsten und diente den Rohirrim der Westmark deshalb wiederholt als Bollwerk gegen Einfälle aus dem Westen, während ein dauerhaftes Miteinander zwischen beiden Völkern nicht überliefert ist.
Nach dem Krieg um den Ring veränderte sich die Herrschaft über einen Teil des Ortes: König Éomer übertrug die Glitzernden Grotten hinter der Klamm dem Zwerg Gimli zu eigenem Lehen, der sich fortan Herr der Glitzernden Grotten nannte. Gimli holte eine Schar seines Volkes aus Erebor herbei, die sich dauerhaft in den Höhlen ansiedelte und dort als Steinmetze wirkte. Damit entstand erstmals eine ständige zwergische Siedlung auf dem Boden Rohans, unter der Oberherrschaft des Königs, doch in eigener Verantwortung Gimlis geführt – ein sichtbares Zeichen des Bündnisses, das Rohan und die Zwerge Erebors nach dem Krieg miteinander schlossen.
In der Erzählung
Für den Handlungsverlauf markiert der Ritt in die Klamm den Wendepunkt in Théodens Geschichte: Kaum von der Umnachtung befreit, in die ihn Schlangenzunges Einflüsterungen gestürzt hatten, tritt der König hier erstmals wieder als Feldherr vor sein Volk, während Frauen, Kinder und Alte in die Höhlen hinter der Schlucht in Sicherheit gebracht werden. Die Enge des Ortes lässt die Verteidiger von Anfang an spüren, dass ein Rückzug nicht mehr möglich ist, und der Erzähler nutzt diese Ausweglosigkeit, um Théodens Wandel von Verzweiflung zu kämpferischer Entschlossenheit sichtbar werden zu lassen, ehe er sich noch in der Nacht zum Ausfall an der Spitze seiner Reiter entschließt.
Innerhalb der Belagerung tritt die Gefährtenschaft aus Aragorn, Legolas und Gimli in den Vordergrund, deren gemeinsamer Kampf auf Mauer und Wall, samt dem später vieldiskutierten Wettstreit um erschlagene Feinde zwischen Elb und Zwerg, der düsteren Nacht einen Zug kameradschaftlichen Trotzes beimischt. Zugleich lässt Tolkien in Aragorns kurzem Wortwechsel mit den Angreifern vor dem Tor die Frage von Ehre und Verrat anklingen, die Sarumans Bruch mit Rohan von Beginn an begleitet. Als die Mauer schließlich fällt und die Kämpfenden sich Schritt um Schritt in den innersten Bering zurückziehen müssen, steht die Erzählung an ihrem tiefsten Punkt: Der Ausgang scheint offen, und selbst Théoden erwägt für einen Augenblick, im letzten Ausfall unterzugehen, statt in der Falle zu verenden.
Die Wende bei Tagesanbruch gehört zu jenen Momenten, in denen Tolkien Hoffnung stets im letzten möglichen Augenblick eintreten lässt, ein Muster, das sich im weiteren Kriegsverlauf noch wiederholen wird. Für den Leser schließt die Schlacht damit den Handlungsstrang um Rohan aus dem zweiten Buch ab und bereitet zugleich den Übergang zu Isengart vor: Aus einem bedrängten Volk in der Verteidigung wird eine Streitmacht, die selbst zum Angriff übergehen kann, und Théoden verlässt die Klamm nicht mehr als der von Schlangenzunge geschwächte König, sondern als anerkannter Führer seines Heeres.
In Adaptionen
Ralph Bakshis Zeichentrickfassung von 1978 führt die Handlung nur bis zur Schlacht in der Klamm und endet dort; der geplante zweite Teil kam nie zustande, so dass der Ort in dieser Fassung nicht als Ausgangspunkt des weiteren Kriegsverlaufs erscheint, sondern als Schlusspunkt der ganzen erzählten Handlung. Die Kampfszenen entstanden weitgehend im Rotoskopie-Verfahren, also durch Nachzeichnen zuvor gefilmter Darsteller, was den Massenszenen vor der Festung ihr eigentümliches Erscheinungsbild gibt; John Hurt sprach Aragorn, William Squire Gandalf. Die BBC-Hörspielfassung von 1981 verteilt den Stoff auf sechsundzwanzig halbstündige Folgen und gilt als die werktreueste der älteren Bearbeitungen; sie behält den Ablauf von nächtlicher Belagerung, Durchbruch an der Mauer und Entsatz bei Tagesanbruch bei. Michael Hordern sprach dort Gandalf, Robert Stephens Aragorn und Jack May König Théoden.
Peter Jacksons Verfilmung rückt die Belagerung in den Mittelpunkt des zweiten Films seiner zwischen 2001 und 2003 erschienenen Trilogie und weicht dabei an mehreren Stellen erheblich ab. Théoden, gespielt von Bernard Hill, zieht sich hier gegen Gandalfs ausdrücklichen Rat in die Klamm zurück, und statt der Männer der Westmark bringt er die gesamte Bevölkerung von Edoras dorthin; Aragorn, dargestellt von Viggo Mortensen, wird auf dem Weg durch einen im Buch nicht vorhandenen Überfall von Wargreitern von der Gruppe getrennt. Am auffälligsten ist der Zuzug einer elbischen Abteilung aus Lothlórien unter Haldir, gespielt von Craig Parker, die in der Vorlage keinerlei Entsprechung hat und deren Anführer in der Schlacht fällt. Auch der Entsatz ist umbesetzt: An die Stelle Erkenbrands, der im Film nicht auftritt, tritt Éomer, der mit Gandalf und seinen Reitern auf der Höhe über dem Tal erscheint. Die Huorns bleiben dagegen erhalten, wenn auch ohne nähere Erklärung, und der Sprengsatz, mit dem Sarumans Truppen die Mauer öffnen, wird zu einer ausdrücklich gezeigten Ladung.