Name und Benennung

Der Name Lothlórien ist sindarin und setzt sich aus einem Wort für „Blüte, Blume“ und dem älteren Landesnamen Lórien zusammen; gebräuchlich ist daneben die verkürzte Form Lórien, die im Sprachgebrauch der Gefährten überwiegt. Wer das Land von außen betrachtet, nennt es schlicht den Goldenen Wald — eine Bezeichnung, die weniger auf einen Hoheitsanspruch zielt als auf den Eindruck, den die Mallorn-Bäume mit ihren im Winter nicht abfallenden, goldenen Blättern auf Reisende machen. Die Elben des Waldes selbst treten unter dem Namen Galadhrim auf, dem „Baumvolk“, und ihr Hauptort heißt Caras Galadhon, was auf dieselbe Wurzel zurückgeht. Auffällig ist, dass in den Berichten der Gefährten Land, Volk und Stadt sprachlich denselben Bildbereich teilen: Baum, Blüte, Licht.

Für Nachbarn und Fremde tragen dieselben Wälder andere Namen, und diese Namen verraten mehr über die Sprechenden als über den Ort. Baumbart bewahrt eine sehr alte, weit ausgreifende Bezeichnung, die er mit „Tal des singenden Goldes“ wiedergibt; er bemerkt dazu, dass die Elben den Namen inzwischen abgekürzt hätten, was aus der Sicht eines Ents eher ein Verlust als eine Vereinfachung ist. In Rohan dagegen heißt das Land Dwimordene, ein Wort aus dem Wortschatz der Rohirrim, das den Wald als Ort von Trugbildern und Zauberei einordnet. Gríma gebraucht diesen Namen abschätzig vor Théoden, und er trifft damit eine verbreitete Scheu der Menschen der Mark, die die Grenze des Waldes lieber meiden.

Die posthum edierten Materialien fügen eine ältere Schicht hinzu. Danach führte das Land zunächst Namen aus der Sprache der Nandor, in denen das goldene Licht des Tales im Vordergrund stand, und erst später erhielt es die Form Lórien. Diese Umprägung wird Galadriel zugeschrieben: Sie rückte den Klang des überlieferten Namens an Lórien in Aman heran, die Gärten des Vala Irmo, in denen Ruhe, Traum und Heilung zu Hause sind. Damit wird der Name zur Deutung — das Waldland tritt als fernes Gegenbild zu einem Ort in Valinor auf, und die spätere Erweiterung zu Lothlórien behält diesen Bezug bei.

Land und Lage

Lothlórien liegt östlich des Nebelgebirges, in dem Winkel, den der Silberlauf und der Anduin miteinander bilden. Der Silberlauf kommt aus dem Schattenbachtal unterhalb der Pässe herab, an dessen oberem Ende der Spiegelsee liegt, und läuft ostwärts durch das Waldland dem großen Strom zu; wer aus dem Osttor von Moria tritt, erreicht den Wald daher, indem er dem Fluss abwärts folgt. Nördlich schließt sich offenes Land an, das weiter flussaufwärts zu den Schwertelfeldern führt, südlich endet der Wald über dem Feld von Celebrant, und jenseits des Anduin dehnen sich die kahlen Braunen Lande. Auf der anderen Seite der Ebene, weit im Süden, liegt Fangorn, das älteste Waldstück dieser Gegend; zwischen beiden Wäldern liegt nichts als Grasland.

Im Inneren ist das Land gegliedert. Den Landstrich zwischen den beiden Flüssen nennen die Galadhrim die Naith, die Speerspitze; ihre innerste Zunge, wo Silberlauf und Anduin zusammentreffen, heißt Egladil, der Winkel. Am Westrand fließt die Nimrodel, ein kalter Gebirgsbach, den die Gefährten zuerst durchqueren, ehe sie tiefer in den Wald geführt werden. In der Mitte der Naith erhebt sich Cerin Amroth, ein runder Hügel, den zwei Ringe von Bäumen umstehen und dessen Gras von weißen Niphredil- und goldenen Elanor-Blüten durchsetzt ist. Der Hauptort selbst liegt auf einer grünen Höhe, die ein Graben und ein Wall aus lebendigem Grün umschließen; die Wohnungen liegen nicht am Boden, sondern auf Plattformen hoch in den Ästen.

Was den Ort auszeichnet, ist weniger seine Ausdehnung als sein Bestand. Die Mallorn-Bäume, deren silbergraue Rinde und goldenes Winterlaub dem Wald sein Aussehen geben, wachsen östlich des Meeres sonst nirgends; das alte Laub fällt erst im Frühjahr, wenn die neuen Blüten aufgehen, sodass der Wald nie kahl steht. Reisende berichten übereinstimmend, dass hier nichts krank oder verdorben wirkt und dass jede Wahrnehmung schärfer ausfällt als draußen — zugleich verliert sich das Gefühl für die vergehende Zeit. Die Grenzen werden von Wachen des Waldvolks überwacht, die Fremde anhalten und geleiten, und Verfolger dringen nicht bis in die Naith vor. So ist Lothlórien weniger ein abgeschlossenes als ein bewachtes Land, dessen Rand man nicht unbemerkt überschreitet.

Geschichte

Die Besiedlung des Waldlandes reicht in das Zweite Zeitalter zurück und ist nur in den nachgelassenen Aufzeichnungen näher behandelt. Danach gehörten seine Bewohner zu den Nandor, jenem Teil der wandernden Elben, der den Zug nach Westen abgebrochen hatte und erst später über das Nebelgebirge nach Osten gelangte; sie lebten in kleinen Verbänden und ohne die Bauwerke und Künste, die die Elben von Beleriand auszeichneten. Ihr Fürst hieß Amdír, und als das Letzte Bündnis gegen Sauron zog, führte er sein Volk mit in die Schlacht auf der Dagorlad, wo er im Jahr 3434 des Zweiten Zeitalters fiel; mehr als die Hälfte seiner Krieger kehrte nicht zurück. Die Herrschaft ging auf seinen Sohn Amroth über, unter dem das Land in das Dritte Zeitalter eintrat.

Wie Galadriel und Celeborn in dieses Land kamen, ist nicht einheitlich überliefert; der Herausgeber weist ausdrücklich darauf hin, dass sich mehrere, einander widersprechende Fassungen erhalten haben und dass Tolkien zu keiner abschließenden Fügung gelangt ist. Eine dieser Fassungen lässt beide zunächst weiter westlich in Eregion wohnen, in der Nachbarschaft der Ringmacher, und erst nach der Verwüstung dieses Landes im Jahr 1697 des Zweiten Zeitalters mit ihrer Tochter Celebrían durch die Stollen des Zwergenreiches nach Osten ziehen. In denselben Zusammenhang gehört Nenya, der Ring aus Mithril mit dem weißen Stein, den Celebrimbor Galadriel anvertraut hatte, ehe Sauron über Eregion herfiel; er wurde nie von Sauron berührt, blieb aber, solange der Eine Ring bestand, in seiner Wirkung gefährdet. Auf diesen Ring führen die späteren Berichte zurück, dass Verfall und Zeitlauf im Wald für lange Zeit gleichsam angehalten schienen.

Im Dritten Zeitalter wurde die Lage des Waldes durch zwei Nachbarschaften bestimmt: durch Dol Guldur jenseits des Anduin, wo sich seit etwa der Mitte des Zeitalters ein Schatten festsetzte, und durch das Zwergenreich unter den Bergen im Westen. Als dort im Jahr 1980 ein Balrog erweckt wurde und die Zwerge im Jahr darauf ihre Hallen aufgaben, wirkte sich das unmittelbar auf das Waldland aus: Ein Teil der Waldelben floh nach Süden, Nimrodel verließ ihren Bach, und Amroth, der ihr nachreiste, ging an der Küste im Meer verloren. Die Erinnerung an beide hat sich in den Liedern des Waldvolks erhalten und wurde den Gefährten bei ihrem Eintritt in das Land wieder vorgetragen. Von da an erscheinen in allen Berichten Galadriel und Celeborn als die Herrschenden, und der Hügel im Herzen der Naith trägt weiterhin den Namen des verlorenen Fürsten.

Nach außen trat das Land in den folgenden Jahrhunderten kaum hervor. Im Jahr 2510 wurde die Ebene an seinem Südrand zum Schauplatz der Schlacht auf dem Feld von Celebrant, in der die Balchoth ein gondorisches Heer gegen den Silberlauf drängten, bis Eorl mit den Reitern aus dem Norden eingriff; das Waldland selbst blieb dabei unberührt, doch die Nähe seiner Grenze prägte das Bild, das die Rohirrim sich von ihm machten, und ihre spätere Scheu vor dessen Rand. Gegen das gegenüberliegende Dol Guldur richtete sich 2941 der Angriff des Weißen Rats, an dem Galadriel beteiligt war und der die Festung zunächst leerte; zehn Jahre darauf ließ Sauron sie durch drei seiner Diener wieder besetzen. Damit stand dem Wald für die letzten Jahrzehnte des Zeitalters ein befestigter Gegner in Sichtweite gegenüber, und der Anduin wurde zur bewachten Grenze zwischen beiden.

Im Jahr 3019 des Dritten Zeitalters berührte der Ringkrieg das Land unmittelbar. Am 17. Januar erreichten die Gefährten nach dem Verlust ihres Führers in den Bergwerken den Hauptort, ruhten dort einen Monat und brachen am 16. Februar mit Booten den Anduin hinab auf; die Zeit dazwischen erschien ihnen kürzer, als sie war. Nach ihrem Aufbruch wurde der Wald dreimal von Dol Guldur aus angegriffen — am 11., am 15. und am 22. März — und jedes Mal zurückgeschlagen, wenn auch nicht ohne Verluste am Waldrand. Am 28. März setzte Celeborn mit einem Heer der Galadhrim über den Strom, die Festung wurde genommen und ihre Mauern niedergeworfen, ihre Verliese aufgedeckt. Am 6. April trafen Celeborn und Thranduil zusammen und teilten den großen Wald im Osten neu auf: Der Norden fiel an Thranduil, das ganze Land südlich der Enge an Celeborn, der es Ost-Lórien nannte.

Der Sieg beendete zugleich die Grundlage des Landes, denn mit der Vernichtung des Einen Rings verlor auch Nenya seine Wirkung. Am 29. September 3021 ging Galadriel von den Grauen Anfurten aus über das Meer; damit endete das Dritte Zeitalter, und die Herrschaft im Wald hatte keinen Bestand mehr. Celeborn zog später nach Bruchtal, und wann er selbst zu den Anfurten aufbrach, ist nicht überliefert; mit ihm verließ die letzte lebendige Erinnerung an die Ältesten Tage Mittelerde. Das Waldland selbst wurde still: Als Arwen im Jahr nach dem Tod Elessars dorthin zurückkehrte, fand sie es verlassen und die Bäume im Verblassen, und sie legte sich auf Cerin Amroth zur Ruhe. Damit schließt die Überlieferung den Kreis an jenem Hügel, an dem sie einst gestanden hatte.

Volk und Herrschaft

Das Volk des Waldes nennt sich Galadhrim und zählt zu den Waldelben, deren Mundart sich merklich von dem Sindarin des Westens unterscheidet. Frodo, der Elbisches zu deuten gelernt hatte, versteht die Wachen nicht, wenn sie untereinander reden, und auch Legolas hört ihrer Rede an, dass sie einer eigenen, älteren Färbung folgt. Über das Verhältnis von Volk und Herrschaft geben die Anhänge Auskunft: In Lothlórien wie im Waldreich im Norden stellten die Waldelben die Bevölkerung, während die Herrschenden von den Sindar herkamen und von außen hinzugetreten waren. Nach außen tritt dieses Volk kaum in Erscheinung; nur wenige verlassen das Land, und nur einzelne beherrschen die Gemeinsame Sprache, darunter die Wachen, die den Rand des Waldes versehen.

Galadriel und Celeborn führen keinen Königstitel, sondern heißen Herr und Herrin der Galadhrim, und sie üben ihre Herrschaft sichtbar gemeinsam aus. Die Gefährten werden von beiden zugleich empfangen, in einer Halle hoch in einem Mallorn, und beide fragen abwechselnd nach dem Weg und nach dem Verbleib des verlorenen Gefährten. Als die Rede auf die Bergwerke kommt, spricht Celeborn zunächst hart gegen die Zwerge und stellt Gimlis Aufnahme in Frage; Galadriel widerspricht ihm offen und hält fest, dass niemand am Tisch schuldlos wäre, wenn man so rechnete, worauf Celeborn sein Wort zurücknimmt. In dieser Ordnung führt Celeborn das Wort nach außen, doch in strittigen Fragen gibt das Urteil der Herrin den Ausschlag.

Das Verhältnis zu den Nachbarn ist von Zurückhaltung bestimmt und wird an der Grenze geregelt. Die Wachen unter Haldir, dem seine Brüder Rúmil und Orophin zur Seite stehen, halten die Reisenden an, prüfen sie und geleiten sie weiter; Gimli soll dabei mit verbundenen Augen geführt werden, bis Aragorn durchsetzt, dass die Auflage für alle gilt. Zu Thranduils Waldelben besteht Verwandtschaft, aber wenig Verkehr — Legolas wird als Angehöriger des nördlichen Zweiges begrüßt und dennoch nach Herkunft und Auftrag befragt. Zu den Zwergen war seit dem Ende ihres Reiches im Gebirge kein Umgang mehr geblieben, und Gimli ist der erste seines Volkes seit langer Zeit, der in die Naith gelangt; beim Abschied erbittet er als Gabe nichts als eine Strähne aus dem Haar der Herrin, und was ihm verweigert worden war, wird ihm dreifach gewährt. Auf der Seite der Menschen wiederum kennt Boromir vor allem die Gerüchte, die in Gondor über die Herrin des Waldes umlaufen, und die Scheu der Rohirrim vor dem Waldrand entspricht dem, was ihr Name für das Land besagt.

In der Erzählung

Im Gang der Handlung ist der Wald zuerst ein Ort des Anhaltens nach einem Verlust. Die Gefährten erreichen ihn erschöpft und verwundet, unmittelbar aus der Finsternis der Bergwerke kommend; ihre Wunden werden versorgt, und sie schlafen zum ersten Mal seit langem ohne Furcht. Vor allem aber wird hier um Gandalf getrauert: Aus dem Wald dringen Klagegesänge der Elben herüber, von denen Legolas den anderen nur andeutungsweise berichten mag, und Frodo setzt selbst Verse auf den Gefallenen, denen Sam eine Zeile über dessen Feuerwerk hinzufügt. Was in den Stollen keine Zeit hatte, wird an dieser Station nachgeholt, und erst danach kann die Frage nach dem weiteren Weg überhaupt gestellt werden.

Der zweite Strang ist die Prüfung. Schon beim Empfang sieht Galadriel jedem der Gefährten der Reihe nach in die Augen, und jeder trägt hinterher den Eindruck davon, dass ihm etwas angeboten worden sei, was er im Innersten begehrt; Boromir spricht am widerwilligsten darüber, und von hier nimmt sein Misstrauen gegen die Herrin seinen Ausgang. Später führt sie Frodo und Sam an ein steinernes Becken im Garten, in dem Bilder von Vergangenem, Gegenwärtigem und Möglichem erscheinen: Sam sieht sein Heimatland aufgerissen und will umkehren, Frodo erblickt das suchende Auge. Als er ihr daraufhin den Ring aus freien Stücken anbietet, weist sie ihn zurück und nimmt damit an, dass ihre Macht schwinden und sie über das Meer gehen wird.

Beim Abschied erhält jeder eine Gabe, und diese Gaben begleiten die Erzählung bis an ihr Ende: Die grauen Mäntel verbergen die Träger vor feindlichen Augen, das elbische Seil bringt Frodo und Sam die Felswand des Emyn Muil hinab, das Glas mit dem Licht des Sterns leuchtet in der Höhle Kankras, und die Erde aus dem Garten der Herrin lässt das verwüstete Auenland rascher wieder wachsen, als es sonst möglich wäre. Zugleich zeigt die Erzählung zwei einander widersprechende Bilder des Landes nebeneinander: Éomer warnt in der Steppe vor dem Goldenen Wald und den Netzen der Zauberin, während Aragorn festhält, dass Gefahr dort nur findet, wer sie mitgebracht hat, und Gimli den Vorwurf zurückweist. So steht der Wald weniger für Sicherheit als für ein Bewahren, dessen Preis den Bewahrenden selbst bekannt ist — die Gefährten erfahren noch während ihres Aufenthalts, dass ein Sieg über den Feind auch dieses Land beenden wird.

Entwürfe und Varianten

Die erhaltenen Arbeitsstufen zeigen, dass der Wald und seine Herrschenden erst im Zuge der Niederschrift des zweiten Buches entstanden sind. Der Herausgeber hält ausdrücklich fest, dass Galadriel in den älteren Schichten der Mythologie nirgends vorkommt: Sie tritt zuerst in den Kapitelentwürfen zum Aufenthalt der Gefährten auf und wurde erst nachträglich in die Ältesten Tage zurückverlegt, wo sie am Anfang gar keinen Platz gehabt hatte. Auch die Rollenverteilung im Herrscherpaar lag zunächst anders. In einer frühen Fassung führt der Herr des Waldes den Namen Galdaran, und das steinerne Becken im Garten gehört noch ihm — es erscheint dort als sein Spiegel, ehe die Szene und mit ihr die Deutungsmacht über die Bilder auf die Herrin übergeht. Solche Verschiebungen betreffen nicht Nebenzüge, sondern gerade die Auftritte, die den Ort später prägen.

Die Vorgeschichte des Waldlandes blieb bis zuletzt offen. In den späten Aufzeichnungen zur Namenkunde der Eldar nimmt Tolkien den Stoff noch einmal auf und gibt Celeborn eine Herkunft aus dem Volk der Teleri in Aman, womit dieser nicht mehr als Verwandter Thingols aus Beleriand gilt; von dort aus verschiebt sich zwangsläufig auch die Frage, wann und auf welchem Weg das Paar überhaupt östlich des Gebirges anlangte. Dieselben Notizen halten fest, dass der Name Galadriel auf ein Wort für Glanz zurückgeht und mit dem Baumwort, das im Namen der Galadhrim steckt, nichts zu tun hat — ein Klanganklang, den die Überlieferung sonst gern zusammenzieht. Eine abschließende Fügung dieser späten Entwürfe hat Tolkien nicht mehr vorgenommen.

Adaptionen

Unter den älteren Bearbeitungen behandelt Ralph Bakshis Zeichentrickfilm von 1978 den Aufenthalt im Goldenen Wald knapp. Der Film, der zu großen Teilen im Rotoskopie-Verfahren nach abgefilmten Realaufnahmen entstand, führt die Gefährten zwar zu Galadriel — gesprochen von Annette Crosbie —, kürzt den Abschied und die Übergabe der Gaben aber so weit, dass die Gegenstände, die die Vorlage bis zum Schluss mitführt, für den weiteren Verlauf keine Rolle mehr spielen; da die Handlung ohnehin nach der Schlacht in Helms Klamm abbricht, entfällt deren späterer Gebrauch von selbst. Die BBC-Hörspielfassung von 1981 verfährt umgekehrt: Sie nimmt sich in ihren sechsundzwanzig Halbstundenfolgen Zeit für das Waldland, behält die Klage um den gefallenen Gefährten wie auch die Prüfung durch die Herrin bei — Galadriel wird dort von Marian Diamond gesprochen — und gilt deshalb als die vorlagennächste der frühen Bearbeitungen.

In Peter Jacksons Verfilmung von 2001–2003 fällt der Wald in den ersten Teil; Galadriel wird von Cate Blanchett gespielt, Celeborn von Marton Csokas, Haldir von Craig Parker. Die auffälligste Abweichung betrifft das Becken im Garten: Das Bild des verwüsteten Auenlandes, das im Buch Sam gezeigt wird, ist hier Frodo zugeordnet, womit die Szene ganz auf den Ringträger zugespitzt wird. Celeborns Anteil an der Herrschaft schrumpft merklich — der Streit um Gimlis Aufnahme und der Widerspruch der Herrin entfallen, sodass das Paar nicht mehr als gemeinsam urteilende Instanz auftritt. Die Gaben sind in der Kinofassung bis auf das Glas mit dem Sternenlicht gestrichen und erst in der erweiterten Fassung enthalten, dort auch Gimlis Bitte um eine Strähne aus dem Haar Galadriels. Am weitesten entfernt sich der zweite Teil von der Vorlage: Haldir führt dort eine Abteilung Elben nach Helms Klamm und fällt in der Schlacht, während er im Buch den Wald nicht verlässt und ein solcher Auszug der Galadhrim über ihre Grenzen hinaus nirgends berichtet wird. Schließlich ist der monatelange Aufenthalt auf wenige Szenen zusammengezogen, sodass der in der Vorlage betonte Verlust des Zeitgefühls kaum Raum findet.