Name und Benennung

Der Name ist beschreibend und kommt ohne mythische Deutung aus: Er bezeichnet die breite Öffnung, die dort entsteht, wo das Nebelgebirge im Süden endet und die nördlichen Ausläufer des Weißen Gebirges noch nicht eingesetzt haben. Im englischen Original steht dafür schlicht „Gap“, also eine Lücke oder ein Durchlass. Die Carroux-Übersetzung gibt das Wort mit „Pforte“ wieder. Damit wird der Ort stärker als Durchgang und Tor gedeutet, weniger als bloße Unterbrechung des Gebirges. Tolkiens Erzähler und seine Figuren gebrauchen die Bezeichnung wie einen eingeführten Landschaftsnamen, den jeder Reisende kennt. Sie wird nicht erklärt, sondern vorausgesetzt, etwa wenn Gandalf beim Rat in Bruchtal die Lage Isengards mit ihr bestimmt.1

Der Zusatz „von Rohan“ ordnet die Pforte dem Reich der Rohirrim zu und ist deshalb jünger als die Landschaft selbst. Solange das Gebiet als Provinz Gondors galt, trug es den Sindarin-Namen Calenardhon, sinngemäß „grüne Provinz“. Aus derselben Zeit stammt die ältere Bezeichnung „Pforte von Calenardhon“. Erst als Truchsess Cirion das fast entvölkerte Land Eorl und seinem Volk überließ, verschob sich die Benennung. Der Übergang kam also nicht durch einen neuen Blick auf die Landschaft zustande, sondern durch einen politischen Besitzwechsel. Wer „Pforte von Rohan“ sagt, spricht aus der Sicht der Zeit nach diesem Bund.2

Auch der Bestandteil „Rohan“ ist keine Eigenbildung der Reiter, sondern gondorischer Herkunft. Er geht auf eine Sindarin-Form zurück, die sich als „Pferdeland“ verstehen lässt. Tolkien hat in seinen Briefen erläutert, dass die Ähnlichkeit mit dem gleichlautenden bretonisch-französischen Adelsnamen zufällig ist und keine Anspielung darstellt. Der Name der Pforte verbindet damit zwei Sprachschichten: einen schlichten englischen Landschaftsbegriff, der für die Gemeinsprache steht, und einen elbischen Landesnamen, den die Menschen Gondors ihren Verbündeten gaben. Die Rohirrim selbst dürften die Gegend in ihrer eigenen Sprache anders genannt haben. Ein solcher Name ist in den Texten jedoch nicht überliefert.3

  1. 1Der Herr der Ringe, Buch II, Kap. 2, The Council of Elrond
  2. 2Nachrichten aus Mittelerde, Teil 3, Kap. 2, Cirion and Eorl and the Friendship of Gondor and Rohan
  3. 3Briefe, Letter 297

Land und Lage

Die Pforte ist kein Pass im engeren Sinn, sondern eine weite, offene Landschaft ohne Höhenzug, der sie überragen würde. Im Norden läuft das Nebelgebirge nach langem Weg von Norden nach Süden hier aus, im Süden setzen die ersten Vorberge des Weißen Gebirges ein, das von dort nach Osten weiterzieht. Dazwischen öffnet sich das Land nach Westen und Osten gleichermaßen. Am Südende des Nebelgebirges, dicht an diesem Durchlass, liegt Isengard. Gandalf nutzt beim Rat in Bruchtal die Nähe zur Pforte, um den Zuhörern die Lage von Sarumans Festung begreiflich zu machen. Schon diese Art der Ortsangabe zeigt, dass die Pforte als bekannter Fixpunkt der Landkarte gilt.1

Durch die Pforte fließt der Isen. Er entspringt im Nebelgebirge, zieht an Isengard vorbei zunächst nach Süden und wendet sich dann nach Westen dem Meer zu. Auf seinem Weg durch die offene Senke liegen die Furten des Isen, an denen die alte Straße zwischen Gondor und den nördlichen Ländern den Fluss überquerte. Der Isen galt als Westgrenze der Mark. Jenseits davon beginnen die Länder, in denen die Dunländer siedeln und die nie fest zu Rohan gehörten. Die Pforte ist damit zugleich Verkehrsweg und Grenzsaum, an dem das Reiterland in fremdes Gebiet übergeht.2

Ihre Bedeutung erhält die Pforte vor allem daraus, dass sie der einzige breite Landweg zwischen den beiden Gebirgen ist. Wer von Eriador nach Süden oder Osten will, ohne die hohen Pässe des Nebelgebirges zu wagen, muss hier hindurch. Das zeigt sich, als die Gefährten in Bruchtal ihren Weg beraten: Der Umweg nach Süden über die Pforte wird erwogen, aber als gefährlich eingeschätzt, weil er dicht an Isengard vorbeiführt. Wer Isengard hält, überwacht damit auch diesen Durchgang. Seit Saruman sich gegen die Freien Völker gewandt hat, ist die Pforte deshalb keine sichere Straße mehr, sondern ein Engpass unter den Augen eines Feindes.3

  1. 1Der Herr der Ringe, Buch II, Kap. 2, The Council of Elrond
  2. 2Nachrichten aus Mittelerde, Teil 3, Kap. V, The Battles of the Fords of Isen
  3. 3Der Herr der Ringe, Buch II, Kap. 3, The Ring Goes South

Geschichte

Zur Zeit seiner Macht betrachtete Gondor die Pforte als Schwachstelle seiner Nordgrenze und sicherte sie mit zwei Festungen. Am Südende des Nebelgebirges entstand der Ring von Isengard, in der Sprache Gondors Angrenost genannt, mit dem Turm Orthanc in seiner Mitte. Gegenüber, am Nordrand des Weißen Gebirges, lag eine zweite Befestigung am Eingang der Glitzernden Höhlen von Aglarond, die später unter dem Namen Hornburg bekannt wurde. Zwischen diesen beiden Stützpunkten ließ sich der offene Durchgang überwachen, und über die Furten des Isen führte der Verkehr zwischen dem Südreich und den nördlichen Ländern. Solange Gondor Menschen genug hatte, blieb diese Sperre besetzt.1

Mit der Großen Seuche des Jahres 1636 des Dritten Zeitalters begann der Niedergang dieser Ordnung. Das Land um die Pforte verlor einen großen Teil seiner Bewohner und erholte sich davon nicht mehr. Die Besatzungen der Festungen schrumpften, und die Hut über den Durchgang wurde zur Pflicht weniger, die fern vom Kernland Gondors lebten. Dunländer drangen von Westen her in die entvölkerten Gebiete vor. Erst mit dem Bund zwischen Cirion und Eorl im Jahr 2510 fiel die Verteidigung der Pforte an ein neues Volk, das die Grenze am Isen nun aus eigenem Interesse hielt.2

Die schwerste Bewährungsprobe der frühen Mark kam mit dem Langen Winter 2758 bis 2759. Dunländer unter Wulf setzten über den Isen und überrannten das Land, während Gondor zur selben Zeit von Korsaren an seinen Küsten bedrängt wurde und keine Hilfe schicken konnte. König Helm Hammerhand zog sich in die Klamm zurück, die seither seinen Namen trägt, und starb dort im Winter. Erst Fréaláf gelang es, die Eindringlinge zu vertreiben und die Herrschaft wiederherzustellen. Die Erfahrung zeigte, wie verwundbar Rohan an seiner Westflanke war, wenn die Pforte nicht fest in verlässlicher Hand lag.3

Noch im Jahr 2759 kam Saruman nach Isengard. Truchsess Beren überließ ihm die Schlüssel von Orthanc, und in Rohan sah man darin zunächst einen Gewinn: Ein mächtiger Verbündeter wachte nun über den Nordrand der Pforte. Über Generationen galt Saruman als Freund der Mark. Im Jahr 2953 aber befestigte er Isengard neu und handelte von da an zunehmend als eigene Macht. Aus der Wacht über den Durchgang wurde allmählich die Herrschaft über ihn.4

Im Ringkrieg wurde die Pforte zum Schlachtfeld. Am 25. Februar 3019 griffen Sarumans Truppen die Reiter an den Furten des Isen an, und Théodred, der Sohn König Théodens, fiel dort. Am 2. März folgte ein zweiter Angriff, der die Verteidiger unter Erkenbrand zerstreute und den Weg nach Osten öffnete. Das Heer aus Isengard zog daraufhin gegen die Hornburg, wo Théoden Zuflucht gesucht hatte. In derselben Zeit brachen die Ents aus Fangorn gegen Isengard auf, zerstörten den Ring und setzten ihn unter Wasser, während Huorns den Rückzug des geschlagenen Heeres abschnitten. Damit war Sarumans Macht über die Pforte gebrochen.5

Nach dem Krieg blieb die Pforte, was sie der Landschaft nach immer gewesen war: der breite Landweg zwischen den Gebirgen. Als die Gefährten nach der Krönung nach Norden heimkehrten, kamen sie an Isengard vorbei und fanden Baumbart dort, wo einst Sarumans Festung gestanden hatte. Die Ents hatten das Tal inzwischen neu bepflanzt, und Orthanc sollte nach dem Willen des Königs unberührt bleiben. Der Durchgang war damit nicht mehr Grenzfestung eines misstrauischen Herrn, sondern wieder offene Straße unter der Obhut verbündeter Mächte. Von weiteren Kämpfen um die Pforte berichten die Texte nicht.6

  1. 1Nachrichten aus Mittelerde, Teil 3, Kap. V, The Battles of the Fords of Isen; Der Herr der Ringe, Buch III, Kap. 8, The Road to Isengard
  2. 2Nachrichten aus Mittelerde, Teil 3, Kap. II, Cirion and Eorl and the Friendship of Gondor and Rohan; Der Herr der Ringe, Anhang B, The Tale of Years
  3. 3Der Herr der Ringe, Anhang A, II The House of Eorl; Der Herr der Ringe, Anhang B, The Tale of Years
  4. 4Der Herr der Ringe, Anhang A, II The House of Eorl; Der Herr der Ringe, Anhang B, The Tale of Years
  5. 5Der Herr der Ringe, Buch III, Kap. 7, Helm's Deep; Der Herr der Ringe, Buch III, Kap. 8, The Road to Isengard; Der Herr der Ringe, Anhang B, The Tale of Years
  6. 6Der Herr der Ringe, Buch VI, Kap. 6, Many Partings

Völker und Herrschaft

Über die Menschen, die an der Pforte lebten, geben die Texte nur Umrisse. Westlich des Isen siedelten die Dunländer, deren Land nie fest in eine der großen Herrschaften eingebunden war. Die Anhänge beschreiben sie als Überrest alter Völker, die schon lange zuvor in den Tälern des Weißen Gebirges ansässig gewesen waren. Zu ihrer Verwandtschaft zählen auch jene Menschen, deren Geister als Tote von Dunharg im Gebirge umgingen. Sie sprachen eine eigene Sprache, die mit der Rede der Rohirrim nichts gemein hatte.1

Östlich des Flusses unterstand das Land den Königen der Mark, die in Edoras Hof hielten. Den westlichen Teil des Reiches bildete die Westfold. Zu ihr gehörten die Klamm und die Hornburg, und sie stand unter einem eigenen Herrn, der dem König verpflichtet war. Im Ringkrieg war dies Erkenbrand, der die Männer seines Landes selbst ins Feld führte. Den Nordrand des Durchgangs beherrschte zur selben Zeit Saruman von Isengard aus. Die Pforte war damit in zwei Hände geteilt, deren Verhältnis zueinander sich in den Jahren vor dem Krieg von Bündnis zu offener Feindschaft wandelte.2

Das Verhältnis zwischen Rohirrim und Dunländern blieb über Jahrhunderte gespannt. Die Dunländer hielten an dem Anspruch fest, das Land sei ihnen genommen und den Reitern aus dem Norden gegeben worden. Saruman nutzte diesen alten Groll, schürte ihn mit falschen Behauptungen über die Grausamkeit der Reiter und brachte so viele Dunländer dazu, an der Seite seiner Orks gegen die Mark zu ziehen. Nach der Schlacht um die Hornburg zeigte sich, dass die Gefangenen mit ihrer Hinrichtung gerechnet hatten. Stattdessen mussten sie helfen, die Schäden des Kampfes zu beseitigen, und durften nach einem Eid, den Isen nicht mehr in Waffen zu überschreiten, in ihre Heimat zurückkehren. Diese Milde beendete den Streit nicht förmlich, nahm ihm aber für die Zeit nach dem Krieg die Schärfe.3

  1. 1Der Herr der Ringe, Anhang F, The Languages and Peoples of the Third Age, Of Men
  2. 2Der Herr der Ringe, Buch III, Kap. 7, Helm's Deep; Der Herr der Ringe, Anhang A, II, The House of Eorl
  3. 3Der Herr der Ringe, Buch III, Kap. 7, Helm's Deep; Der Herr der Ringe, Buch III, Kap. 8, The Road to Isengard

In der Erzählung

Im Roman betritt kaum jemand die Pforte, während die Leser ihn begleiten. Sie wirkt vor allem als Ort, über den gesprochen wird, und prägt dadurch die Entscheidungen der Figuren. Boromir hat den Weg nach Norden durch sie genommen, als er von Gondor nach Bruchtal zog. Sein Bericht vom Rat lässt ahnen, wie mühsam dieser Weg inzwischen geworden ist. Dass die Gefährten den bequemeren Landweg im Süden meiden, hat erzählerische Folgen: Es treibt sie zuerst auf den Caradhras und nach dessen Scheitern in die Tiefen von Moria. Die Pforte bestimmt den Gang der Handlung also gerade dadurch, dass niemand sie betritt.1

Unmittelbar erlebt wird der Durchgang erst im dritten Buch, als Théoden nach der Nacht in der Klamm mit Gandalf und seinen Begleitern nach Westen reitet, um Saruman in seinem Sitz aufzusuchen. An den Furten finden sie ein Grab, in dem die Gefallenen der früheren Kämpfe bestattet worden sind. Der Fluss führt kaum noch Wasser, ein erstes Zeichen dafür, dass in Isengard etwas Unerhörtes vorgefallen ist. So wird der Ritt durch die offene Senke zum Übergang zwischen zwei Teilen der Geschichte: Hinter den Reitern liegt die Abwehr eines Angriffs, vor ihnen die Begegnung mit dem Besiegten.2

Im Gefüge des Buches steht die Pforte für die Verbindung zwischen dem stillen Nordwesten und dem Krieg im Süden. Solange sie frei ist, bleiben Eriador und die Länder am Anduin durch einen Landweg verbunden. Sobald ein Herr an ihrem Rand eigene Ziele verfolgt, wird dieselbe Offenheit zur Schwäche. Tolkien beschreibt sie selten um ihrer selbst willen, sondern fast immer aus der Sicht von Reisenden, die hindurch müssen oder den Weg scheuen. Sie ist ein Ort des Durchziehens, nicht des Verweilens, und ihr Zustand zeigt jeweils an, wie es um die Freiheit der Wege im Westen steht.3

  1. 1Der Herr der Ringe, Buch II, Kap. 2, The Council of Elrond; Der Herr der Ringe, Buch II, Kap. 3, The Ring Goes South
  2. 2Der Herr der Ringe, Buch III, Kap. 8, The Road to Isengard
  3. 3Der Herr der Ringe, Buch II, Kap. 3, The Ring Goes South; Der Herr der Ringe, Buch III, Kap. 8, The Road to Isengard

In Verfilmungen und Hörspielen

Als eigener Schauplatz spielt die Pforte in den Adaptionen kaum eine Rolle; greifbar wird sie vor allem in Peter Jacksons Filmtrilogie, und auch dort nur als genannter Ausweg. Der Film verlegt die Frage nach der Route aus der Beratung in Bruchtal auf den Weg selbst. Erst als die Gefährten am Caradhras im Schnee festsitzen, schlägt Boromir, gespielt von Sean Bean, den Landweg durch die Pforte und weiter nach Gondor vor. Aragorn, dargestellt von Viggo Mortensen, verwirft das mit dem Hinweis auf die Nähe zu Isengard. Die Abwägung, die im Roman vor dem Aufbruch geführt wird, erscheint damit als kurzer Wortwechsel in einer Notlage. Der Grundgedanke bleibt jedoch erhalten: Der bequemere Weg im Süden scheidet aus, weil Saruman ihn überwacht.1

Deutlicher weicht die Trilogie bei den Kämpfen an den Furten des Isen vom Buch ab. Die beiden Gefechte an der Westgrenze der Mark werden nicht als eigene Handlung gezeigt. Théodred stirbt im Film nicht auf dem Schlachtfeld, sondern wird verwundet nach Edoras gebracht und erliegt dort seinen Verletzungen. Auch der Zug Théodens durch die offene Senke nach Isengard wird stark verkürzt, sodass die Pforte als Landschaft zwischen den Gebirgen kaum Gestalt annimmt. Für die übrigen Fassungen, etwa Bakshis Zeichentrickfilm von 1978 oder das Hörspiel der BBC von 1981, lassen sich keine gesicherten Besonderheiten in der Darstellung dieses Ortes festhalten.2

  1. 1Der Herr der Ringe (Filmtrilogie), 2001–2003
  2. 2Der Herr der Ringe (Filmtrilogie), 2001–2003; Der Herr der Ringe (Film 1978), 1978; Der Herr der Ringe (Hörspiel 1981), 1981