Herkunft und Namen
Tar-Súrion entstammte dem Haus Elros, jener Linie, die seit Elros Tar-Minyatur das Zepter Númenors trug. Geboren wurde er im Jahr 1174 des Zweiten Zeitalters als drittes Kind Tar-Anárions; über den Vater führte seine Abstammung auf Tar-Ancalime zurück, die erste Herrscherin des Inselreichs, und weiter auf deren Vater Tar-Aldarion. Vor ihm standen zwei Schwestern, die das Zepter von sich wiesen, sodass die Anwartschaft auf das dritte der Kinder überging. Über seine Jugend verzeichnet die Aufstellung der Königslinie nichts als Herkunft und Jahreszahl — ein Schweigen, das für die Herrscher der mittleren Jahrhunderte Númenors nicht ungewöhnlich ist, deren Regierungen die Annalen meist nur mit Namen, Zahlen und Verwandtschaftsangaben festhalten.
Der Name folgt dem Brauch des Königshauses, den Zepternamen im Hochelbischen zu führen. Das vorangestellte Tar- ist kein Bestandteil des Rufnamens, sondern das Titelelement der númenórischen Herrscher, das „hoch, erhaben“ bedeutet und in dieser Funktion durch die gesamte Reihe von Elros bis in die Spätzeit erscheint; erst der zwanzigste Herrscher brach damit und nahm seinen Namen in der Sprache der Menschen des Landes an. Für Súrion selbst gibt Tolkien keine Deutung. Erkennbar ist ein Quenya-Element súrë „Wind“, das in flektierter Form auch in Galadriels Abschiedsklage vorkommt, verbunden mit der Endung -ion, die im Quenya sowohl Abstammung als auch schlichte männliche Namensbildung anzeigt. Eine Übersetzung im Sinne von „Windessohn“ bleibt damit naheliegend, aber unbelegt; überliefert ist der Name ohne Glosse, ein Beiname oder eine Nebenform in einer anderen Sprache ist nicht verzeichnet.
Seiner Art nach war Tar-Súrion ein Mensch, ein Númenórer aus dem Geschlecht der Edain, denen die Valar nach dem Ende der Kriege um die Silmaril die Insel im Westen und ein Leben von weit größerer Dauer als anderen Sterblichen verliehen hatten. Im Königshaus fiel diese Lebensspanne am längsten aus, was die knappen Zahlenreihen der Königslinie erklärt: Herrschaften über anderthalb Jahrhunderte waren dort die Regel, nicht die Ausnahme. Als Angehöriger des Hauses wuchs er in Armenelos im Landesinneren auf, in einer Zeit, da die Númenórer bereits weit über das Meer fuhren, der Schatten späterer Jahrhunderte aber noch nicht auf die Insel gefallen war. Im Alltag sprach man Adûnaisch; das Hochelbische blieb der Sprache der Urkunden, der Feiern und eben der Namen vorbehalten, unter denen die Herrscher in die Aufzeichnungen eingingen.
Herrschaft und Lebensgang
Das Zepter kam ihm im Jahr 1394 zu, nachdem Tar-Anárion es nach einhundertvierzehn Jahren aus der Hand gegeben hatte; der Vater lebte danach noch ein Jahrzehnt und starb 1404. Súrion war zu diesem Zeitpunkt zweihundertzwanzig Jahre alt und stand damit, gemessen an den Maßstäben des Hauses Elros, in der Mitte seines Lebens. Dass die Anwartschaft überhaupt bei ihm lag, war die Folge des zweifachen Verzichts seiner älteren Schwestern, den die Königsliste nüchtern vermerkt, ohne einen Beweggrund zu nennen — eine Zurückhaltung, die dem knappen Charakter dieser Aufstellung entspricht. Ein Streit um die Nachfolge ist nirgends überliefert; der Übergang vollzog sich innerhalb der Ordnung, die seit Tar-Aldarion galt und die dem ältesten Kind ohne Rücksicht auf das Geschlecht den Vorrang gab.
Einhundertzweiundsechzig Jahre lang führte er das Zepter, von 1394 bis 1556. Aus dieser ganzen Zeit ist keine einzige Handlung überliefert: kein Feldzug, keine Fahrt, keine Gründung, kein Erlass. Was die Königsliste über ihn festhält, erschöpft sich in Geburtsjahr, Regierungsdauer, Abdankung, Todesjahr und der Reihenfolge seiner Kinder. Diese Leere ist kein Zufall der Überlieferung allein, sondern kennzeichnet die gesamte Reihe zwischen Tar-Ancalime und Tar-Minastir: Erst wo die Geschicke Númenors sich mit denen Mittelerdes verschränken, wird die Chronik wieder gesprächig. Für Tar-Súrions Regierung heißt das, dass sie in den Quellen weniger als Handlung erscheint denn als Zeitraum — als eine lange, offenbar ungestörte Spanne zwischen zwei bewegteren Epochen.
Der Rahmen dieser Jahre lässt sich dennoch umreißen. Seit etwa 1200 legten die Númenórer an den Küsten Mittelerdes dauerhafte Häfen an, nicht mehr nur Ankerplätze für die Rückfahrt, und ihre Schiffe kamen regelmäßig in die Buchten des Westens. Zu den Menschen jener Länder traten sie in dieser Zeit noch als Lehrer und Wohltäter: Sie brachten Korn und Wein, unterwiesen sie im Ackerbau und in der Bearbeitung von Holz und Stein, und wurden als Könige aus dem Meer geehrt, ohne Tribut zu fordern. Von Herrschaftsansprüchen auf dem Festland ist für diese Generation nichts berichtet. Der erste Schatten, das Murren über die Sterblichkeit und den Bann der Valar, fiel erst unter seinem Urenkel Tar-Ciryatan und dessen Sohn Tar-Atanamir auf das Inselreich.
In dieselbe Zeit fielen jedoch, unbemerkt von Númenor, die Vorgänge in Eregion, aus denen alles Spätere erwuchs. Sauron war in schöner Gestalt und unter dem Namen Annatar zu den Noldor gekommen; Gil-galad wies ihn ab, doch die Schmiede des Eregion nahmen seine Lehre an. Um das Jahr 1500, also mitten in Tar-Súrions Regierung, erreichte ihre Kunst den Höhepunkt, und sie begannen mit dem Schmieden der Ringe der Macht. Die Drei wurden 1590 vollendet, sechzehn Jahre nach seinem Tod, der Eine bald darauf. Kein Zeugnis verbindet den neunten Herrscher mit diesen Ereignissen; die Verstrickung Númenors in den Krieg um die Ringe blieb seinen Nachkommen vorbehalten.
Im Jahr 1556 gab Tar-Súrion das Zepter ab. Er folgte damit dem Brauch, den die Herrscher Númenors seit alters hielten: Sie legten die Herrschaft nieder, solange sie noch bei Kräften und klarem Sinn waren, und starben erst später als Altkönige — ein Verzicht, an dem sich Jahrhunderte später Tar-Atanamir als Erster nicht mehr messen ließ, der das Zepter bis zu seinem Tod festhielt. Achtzehn Jahre lebte Súrion noch ohne Amt, ehe er 1574 starb, vierhundert Jahre alt. Über diese letzte Spanne schweigen die Aufzeichnungen ebenso wie über seine Regierung; auch der Name einer Gemahlin ist nicht überliefert.
Auf ihn folgte sein ältestes Kind, seine Tochter Telperien, als zweite Herrscherin Númenors und zehnte in der Reihe — anders als bei seinen Schwestern wurde das Recht der Erstgeborenen diesmal wahrgenommen. Tar-Telperien blieb unvermählt und regierte länger als ihr Vater, bis zu ihrem Tod im Jahr 1731; kinderlos, wie sie war, konnte das Zepter nicht an ihre Nachkommen fallen. So kehrte die Erbfolge in die Linie des zweiten Kindes zurück: Isilmo, Súrions Sohn, wurde Vater des Minastir, und diesem kam die Herrschaft nach dem Tod seiner Tante zu, einhundertfünfundsiebzig Jahre nachdem der Großvater das Zepter niedergelegt hatte. Über Isilmo, der nie herrschte, verzeichnet die Königsliste nichts als diese Stellung zwischen zwei Trägern des Zepters. Von Tar-Minastir an führte die ununterbrochene Reihe der Könige über Tar-Ciryatan und Tar-Atanamir in jene Jahrhunderte, in denen Númenors Macht wuchs und seine Zuversicht schwand.
Rolle und Macht
Was Tar-Súrion mit dem Zepter zufiel, war ein Amt, keine Gabe. Die Herrscher Númenors trugen keine Krone; Zeichen ihrer Würde war das Zepter allein, das von Hand zu Hand weitergereicht wurde und dessen Übernahme die Herrschaft begründete. Es verlieh Verfügung über die Insel und ihre Bewohner, über Häfen, Werften und Flotten, doch keine übernatürliche Fähigkeit: Die Númenórer blieben Menschen, ausgezeichnet nur durch längeres Leben, größere Gestalt, Wissen und die Meisterschaft zur See. Dieselbe Ordnung, die ihnen das gewährt hatte, zog ihnen auch die Grenze, und sie galt für den König wie für den geringsten seiner Untertanen: Nach Westen zu fahren, bis die eigenen Küsten außer Sicht gerieten, war ihnen verwehrt.
Ein Vorrecht jedoch kam dem Träger des Zepters allein zu, und es ist die einzige Befugnis des Königsamtes, die über bloße Verwaltung hinausging. Auf dem Meneltarma, der ungeweihten und doch heiligen Höhe im Herzen des Landes, gab es weder Tempel noch Bild noch eine Priesterschaft; dreimal im Jahr aber stieg das Volk hinauf, im Frühling zur Bitte, im Hochsommer zum Lobpreis, im Herbst zum Dank. Sprechen durfte dort nur der König, und er sprach zu Eru; im Übrigen herrschte auf dem Gipfel Schweigen, selbst wenn eine große Menge versammelt war. Dass Tar-Súrion diese Feiern hundertzweiundsechzig Jahre lang hielt, sagt keine Quelle ausdrücklich — es folgt allein daraus, dass in seiner Zeit weder ein Aussetzen der Bräuche noch ein Bruch mit ihnen berichtet wird.
Zu diesem Amtsrahmen tritt für seine Person nichts hinzu. Kein Werk, kein Bauwerk, kein Schiff und keine Waffe ist mit seinem Namen verbunden, kein Rat, kein Urteil, kein Wort; er begegnet in keiner Erzählung, sondern ausschließlich in der Aufstellung der Königslinie, und dort nur mit Zahlen und Verwandtschaftsangaben. Seine Bedeutung im Legendarium ist demnach eine rein genealogische: Er ist die Stelle, an der die Herrschaft weiterging, nicht eine Kraft, die etwas bewirkte. Auch die Macht des Zepters selbst war begrenzt und zeitlich befristet — sie endete, wo die Sterblichkeit begann, jene Bedingung des Menschengeschlechts, die die Herrscher dieser Jahrhunderte noch ohne Groll hinnahmen. Wer bei Tar-Súrion mehr sucht als Herkunft, Dauer und Nachkommenschaft, sucht in einer Quelle, die dazu nichts hergibt.
Verwandtschaft und Bindungen
Das Haus, in das Súrion hineingeboren wurde, war kein einträchtiges. Seine Großmutter Tar-Ancalime ging aus einer Ehe hervor, die zerbrach: Aldarion galten das Meer und seine Schiffe mehr als der eigene Haushalt, und Erendis verzieh ihm das nicht; die Tochter wuchs bei der Mutter im Binnenland auf, fern von den Häfen und in offener Abneigung gegen die Ehe erzogen. Ancalimë selbst vermählte sich spät und widerstrebend mit Hallacar aus Hyarastorni, und ihr Zusammenleben blieb bis zuletzt zerrüttet; aus ihm ging ein einziger Sohn hervor, Súrions Vater. Vor diesem Hintergrund erscheint die dürre Notiz über zwei Schwestern, die das Zepter nicht wollten, weniger als Sonderfall denn als weitere Wendung eines Musters, das dieser Zweig des Hauses Elros über drei Geschlechterfolgen hinweg ausbildete.
Bemerkenswert ist dabei, wo in seiner Verwandtschaft die Herrschaft tatsächlich bei Frauen lag. Beide Herrscherinnen, die Númenor in seinen ersten anderthalb Jahrtausenden kannte, stehen ihm unmittelbar nahe: die Großmutter, die als erste das Zepter nahm, und die eigene älteste Tochter, die es als zweite trug. Eine dritte gab es erst am Ende der Königsreihe, und ihr wurde die Herrschaft entrissen, ehe sie sie ausüben konnte. Súrion steht damit genau zwischen zwei Ausnahmen — von der einen erbte er, an die andere gab er weiter —, ohne dass die Überlieferung ihm dabei eine eigene Stimme zuspräche.
Über die Familie hinaus verzeichnet keine Quelle für ihn eine Bindung: keinen Freund, keinen Ratgeber, keinen Widersacher, keinen Bund mit einem Volk Mittelerdes. Was blieb, war die alte Verwandtschaft des Hauses mit den Eldar — Elros und Elrond von Bruchtal waren Brüder gewesen, und die Herren Númenors waren dem Herrn des Tales mithin Blutsverwandte —, dazu die Freundschaft mit den Elben von Eressëa, deren Schiffe in jenen Jahrhunderten noch nach Westen an die Insel kamen und Gaben brachten. Ob Tar-Súrion an diesen Begegnungen Anteil hatte, sagt niemand. Seine einzige belegte Beziehung ist die zur Reihe selbst: Er empfing und gab weiter.