Name und Fertigung

Der Name der drei Juwelen ist Quenya und gehört zu jenem Wortfeld, das das Leuchten mit weißem oder silbernem Licht bezeichnet; dasselbe Element kehrt in Silpion wieder, dem älteren Namen des weißen Baumes Valinors. Näher noch steht der Name dem Stoff silima, den Féanor selbst erschuf und aus dem er die Juwelen formte, sodass die Benennung zugleich Werkstoff und Wesen der Sache nennt. Der Quenya-Plural ist unregelmäßig gebildet und lautet Silmarilli; im deutschen Gebrauch hat sich dagegen die invariante Form „die Silmaril“ eingebürgert, neben der auch die eingedeutschte Mehrzahl begegnet. Wo die Erzählungen die Steine nicht beim Namen nennen, umschreiben sie sie als die Großen Juwelen, die Drei Juwelen oder als die Juwelen Féanors — Wendungen, die weniger den Gegenstand als seinen Schöpfer und seinen Rang unter allen Werken der Noldor bezeichnen.

Gefertigt wurden sie von Féanor, dem ältesten Sohn Finwes und dem kunstfertigsten der Noldor, in Tirion während der Jahre der Bäume. Er arbeitete lange und im Verborgenen daran, und wie er den Stoff silima bereitete, verriet er niemandem; das Wissen blieb bei ihm allein. Die Juwelen glichen in ihrer Gestalt großen, dreifach geformten Kristallen, doch war ihre Substanz härter als Diamant, und keine Gewalt innerhalb des Reiches von Arda vermochte sie zu brechen oder zu versehren. In ihrem Inneren aber schloss Féanor das vermischte Licht der Zwei Bäume ein, und dieses Licht war darin lebendig geblieben: Die Steine schienen aus sich selbst, und in der Finsternis leuchteten sie stärker als jedes andere Feuer.

Varda weihte die vollendeten Juwelen, sodass fortan nichts Unreines und nichts von böser Gesinnung sie berühren konnte, ohne verbrannt und verzehrt zu werden; auch sterbliches Fleisch war von dieser Berührung ausgenommen. Mandos sprach über ihnen das Wort, dass in ihnen das Schicksal Ardas beschlossen liege — Erde, Meer und Luft seien darin gebunden. Yavanna wiederum erkannte, dass in ihnen bewahrt sei, was die Bäume an Licht hervorgebracht hatten, und dass dieses Licht anderswo nicht wieder zu finden wäre. Féanor hing an seinem Werk mit einer Liebe, die bald zur Eifersucht wurde, und zeigte die Steine nur noch selten; das Werk selbst aber konnte er, so sehr er auch sein Können später prüfte, kein zweites Mal vollbringen.

Wesen, Licht und Grenzen

Was die Steine im Kern ausmacht, zeigte sich erst, als es kein Vergleichsmaß mehr gab: Nach der Verfinsterung Valinors war das Licht der Zwei Bäume, wie es vor ihrer Vergiftung gewesen war, an keinem Ort mehr zu finden außer in den drei Juwelen. Yavanna erklärte den Versammelten, sie vermöge die Bäume nur dann noch einmal zu erwecken, wenn das in den Steinen verschlossene Licht freigegeben werde — und das hieß, die Steine zu brechen. Féanor verweigerte es, und die Valar nahmen sie ihm nicht mit Gewalt ab. Daran wird die eigentümliche Beschaffenheit der Juwelen kenntlich: Sie bewahren, aber sie geben nichts zurück, ohne selbst zu vergehen. Sonne und Mond, die später aus der letzten Blüte und der letzten Frucht der Bäume bereitet wurden, tragen ein geringeres Licht als jenes, das in den Steinen liegt.

Die einzige tätige Wirkung, die den Steinen zugeschrieben wird, ist das Brennen. Als Morgoth die Juwelen in seine eiserne Krone fassen ließ, versengten sie ihm die Hände; die Verbrennung schwärzte sie und der Schmerz hörte nicht wieder auf, doch legte er die Krone deshalb nicht ab. Ebenso erging es dem Wolf, der einen der Steine samt der Hand verschlang, die ihn hielt: Das Feuer im Leib trieb ihn in Raserei. Darüber hinaus schreibt die Erzählung den Juwelen nichts zu. Sie verleihen ihrem Träger keine Kraft, keinen Schutz und keine Herrschaft; Morgoth gewann durch ihren Besitz kein Vermögen, das er nicht schon gehabt hätte. Sie sind Zeichen und Beute, kein Werkzeug — und keine Stelle nennt sie heilend, weissagend oder in irgendeiner Weise wirksam über das Leuchten und das Versehren der unreinen Hand hinaus.

Vom Licht der Steine blieb in den späteren Zeitaltern nur ein Abglanz greifbar. Der Stern, der über Mittelerde steht, war den Elben ein Zeichen der Hoffnung, und das Wasser in der Phiole, die Galadriel dem Ringträger in Lórien mitgab, hatte dieses Sternenlicht aufgenommen. In der Dunkelheit unter Cirith Ungol leuchtete es auf und wirkte gegen das Geschöpf, das dort hauste, wie sonst kein Licht — doch war es eben nur das Licht des Sterns in Wasser gefangen, also der Widerschein eines Widerscheins. Der Stein selbst bleibt in allem Späteren unerreichbar, und was von ihm bleibt, ist eine Leuchtkraft, die den Trägern über eine dunkle Stunde hilft, ohne ihnen mehr zu geben.

Geschichte: Der Weg der Juwelen

Verloren gingen die Steine in derselben Stunde, in der Valinor verfinstert wurde. Féanor bewahrte sie damals nicht in Tirion, sondern in der Feste Formenos im Norden, wohin er nach dem Streit mit seinem Halbbruder und dem Urteil der Valar mit seinem Vater Finwe gegangen war. Während die Valar in Valimar versammelt waren und Ungoliant das Licht der Bäume verzehrte, kam Morgoth nach Formenos, erschlug Finwe vor den Toren und nahm alles Geschmeide der Noldor mit sich, die drei Juwelen zuoberst. Dann entwich er in den Norden Mittelerdes, nach Angband, und ließ die Steine in eine eiserne Krone fassen, die er von da an trug. Féanor gab ihm in diesen Tagen den Namen Morgoth und schwor mit seinen sieben Söhnen jenen Eid, der jedem Feindschaft ansagte, der einen der Steine besäße oder zurückhielte; daraus folgten der Auszug der Noldor aus Aman, das Blutvergießen von Alqualonde und der Fluch, der über dem ganzen Haus lag.

Aus der Krone kam nur ein einziger Stein je wieder heraus. Thingol von Doriath setzte ihn als Brautpreis für seine Tochter Lúthien fest, weil er den Sterblichen Beren damit in den sicheren Tod zu schicken meinte. Beren zog aus, verlor auf dem Weg Finrod Felagund und dessen Gefährten und drang zuletzt mit Lúthien allein bis vor Morgoths Thron; unter ihrem Gesang sank der Feind in Schlaf, und Beren schnitt mit dem Zwergenmesser Angrist einen der drei Steine aus dem Eisen. Als er nach einem zweiten griff, brach die Klinge, und ein Splitter traf den Schlafenden, sodass der Rückzug zur Flucht wurde. Am Tor riss Carcharoth, der Wolf Angbands, ihm die Hand mit dem Stein ab und verschlang beides. Erst bei der Jagd auf den Wolf in Doriath wurde das Juwel aus dem Leib des sterbenden Tieres geschnitten; Beren überlebte diese Jagd nicht lange und starb an seinen Wunden, doch löste Lúthiens Bitte ihn und sich selbst noch einmal aus dem Tod.

Thingol behielt den erkauften Stein und ließ ihn von Zwergen aus Nogrod in den Nauglamír fassen, das Halsband, das einst aus Nargothrond nach Doriath gekommen war. Über dem fertigen Werk stritten Auftraggeber und Handwerker, wem es gehöre; die Zwerge erschlugen den König in seinen eigenen Hallen und trugen das Halsband fort. Melian verließ daraufhin Mittelerde, und mit ihr wich der Gürtel, der das Waldreich bis dahin geschützt hatte. Beren aber, der mit Lúthien in Ossiriand lebte, stellte die Räuber an der Furt von Sarn Athrad, erschlug ihren Herrn und gewann das Halsband zurück — der letzte Kampf seines zweiten Lebens. Lúthien trug den Nauglamír danach in Ossiriand, und die Überlieferung hält fest, dass Land und Leute für einen kurzen Zeitraum einem Abbild Valinors glichen.

Nach dem zweiten Hingang der beiden kam der Stein an Dior, ihren Sohn, der das wiederbesiedelte Menegroth als Thingols Erbe hielt und das Halsband anlegte. Die Kunde davon erreichte die Söhne Féanors, und da Dior ihre Forderung unbeantwortet ließ, überfielen sie Doriath; in dieser zweiten Verwandtenschlacht fielen Dior und seine Frau Nimloth, ebenso Celegorm, Curufin und Caranthir. Diors Tochter Elwing entkam mit dem Juwel zu den Mündungen des Sirion, wo sich die Flüchtlinge aus Doriath und die Überlebenden Gondolins sammelten und wo sie Earendil heiratete. Als Maedhros und Maglor auch dort die Herausgabe verlangten und den letzten Angriff führten, stürzte sich Elwing mit dem Stein ins Meer; Ulmo trug sie in Vogelgestalt zu Earendils Schiff. Mit dem Juwel an der Stirn fand Earendil den Weg nach Valinor, den er als Fürsprecher für Elben und Menschen betrat, und sein Schiff wurde danach in die Himmel gesetzt, wo der Stein als Stern über Mittelerde steht.

Die beiden übrigen Steine blieben bis zum Ende des Ersten Zeitalters in der eisernen Krone. Im Krieg des Zorns wurde Angband aufgebrochen, Morgoth überwältigt und aus der Welt gestoßen, und Eonwe nahm die Juwelen an sich, um sie nach Westen zu bringen. Maedhros und Maglor, die letzten Söhne Féanors, forderten sie unter Berufung auf den Eid, wurden abgewiesen und stahlen sie aus dem Lager des Heeres. Da erwies sich, dass ihr Recht darauf erloschen war: Die Steine versengten ihnen die Hände unerträglich. Maedhros stürzte sich mit dem seinen in einen Feuerschlund der aufbrechenden Erde, Maglor warf den anderen ins Meer und wanderte fortan an den Küsten. So kamen die drei Juwelen an voneinander getrennte Orte — einer in die Lüfte, einer in das Feuer unter der Welt, einer in die Tiefe des Wassers — und keiner von ihnen ist seither in die Hände von Elben oder Menschen zurückgekehrt.

Bedeutung in der Erzählung

Die Überlieferung des Ersten Zeitalters ist um die drei Steine herum gebaut, und sie trägt deren Namen, obwohl die Juwelen selbst in keiner Szene handeln. Ihre erzählerische Kraft liegt darin, dass sie begehrt werden: Der Eid, den Féanor und seine Söhne sprachen, verwandelt einen Gegenstand in eine Ursachenkette, die über Jahrhunderte weiterläuft und die Handelnden mehr treibt, als sie sie lenken. Fast jede große Wendung — der Aufbruch aus Aman, die Kriege in Beleriand, der Fall der verborgenen Reiche, die letzte Fahrt über das Meer — lässt sich auf die Frage zurückführen, wer die Steine hält und wer sie fordert. So dienen sie der Erzählung als Angelpunkt, an dem sich sonst weit auseinanderliegende Geschichten treffen.

Zugleich stehen sie für ein Werk, das seinem Schöpfer entgleitet. Was als höchste Kunstfertigkeit beginnt, wird zum Anspruch auf Alleinbesitz, und dieser Anspruch, nicht der Feind im Norden, zerbricht das Haus Féanors von innen. Tolkien selbst hat die Steine in einem Brief an Milton Waldman als Beispiel dafür beschrieben, wie das Schaffen in Besitzgier umschlagen kann, sobald der Schaffende sein Werk nicht mehr freizugeben vermag. Die Juwelen sind darin nicht böse; sie sind eine Probe, die jede Hand prüft, die nach ihnen greift, und deren Ausgang über den Rang der Greifenden mehr aussagt als über die Steine.

Auffällig ist dabei ein durchgehendes Muster: Gewonnen wird ein Stein nur von denen, die keinen Rechtsanspruch auf ihn erheben, und behalten wird er von niemandem. Wer ihn kraft eines Schwurs fordert, verliert ihn und sich selbst; wer ihn als Bittender trägt, öffnet den Weg zur Hilfe aus dem Westen. Am Ende gehört das eine wiedergewonnene Juwel keinem Träger mehr, sondern steht als Zeichen am Himmel, und in dieser Gestalt reicht es bis in die Lieder der späteren Zeitalter hinein, wo in Bruchtal von der Fahrt des Sternenboten gesungen wird. Aus dem Streitgegenstand ist damit ein Trost geworden — allerdings erst, nachdem alles verloren war, was um ihn gestritten hatte.

Entwürfe und Varianten

Die früheste erhaltene Fassung der Geschichte, entstanden gegen Ende der 1910er Jahre, weicht in vielem von der späteren ab. In der Erzählung von Tinúviel im Buch der Verschollenen Geschichten ist Beren kein Sterblicher, sondern selbst ein Elb, und der Herr des Waldreiches — dort Artanor genannt, der Vorläufer Doriaths — heißt Tinwelint; den Brautpreis fordert er halb im Scherz. An der Stelle, die später Sauron einnimmt, steht Tevildo, der Fürst der Katzen, in dessen Küchen Beren eine Zeitlang als Küchenjunge dient. Von dort stammt auch das Messer, mit dem er in Melkos Hallen einen der Steine aus der Krone löst; als er nach einem zweiten greift, zerbricht die Klinge, und der Wolf, hier Karkaras, nimmt ihm die Hand. Auch das Halsband trägt in dieser Schicht noch die ältere Namensform Nauglafring.

Die Versfassung der Jahre zwischen 1925 und 1931 räumt den Katzenfürsten aus und setzt an seine Stelle Thû, den Nekromanten, aus dem später Sauron hervorging; hier erhält auch das Zwergenmesser den Namen Angrist. Weiter noch reicht eine Vorstellung, die Tolkien am Ende aufgab: Die Quenta der frühen dreißiger Jahre und die aus ihr entwickelten Prosafassungen schließen mit der Zweiten Weissagung des Mandos. Danach sollen die drei Steine dereinst aus Luft, Erde und Meer zurückgeholt werden, Féanor selbst soll sie hergeben, und Yavanna soll sie zerbrechen, damit aus dem befreiten Feuer die Zwei Bäume noch einmal erblühen. In den späten Überarbeitungen verschwindet dieser Ausblick ersatzlos; die posthum veröffentlichte Fassung endet ohne ihn, sodass das Licht der Bäume dort endgültig unwiederbringlich bleibt. Der Unterschied ist erheblich, denn die frühere Konzeption gibt der ganzen Überlieferung einen Zielpunkt, den die spätere ihr nimmt.