Herkunft und Namen
Gil-galad gehörte den Noldor an, jenem Zweig der Eldar, der aus Aman nach Mittelerde zurückgekehrt war, und zwar dem Hause Finwes in der Linie Fingolfins. Im veröffentlichten Silmarillion wird er als Sohn Fingons geführt, des ältesten Sohnes Fingolfins, und damit als Angehöriger der zweiten in Beleriand herangewachsenen Generation dieses Geschlechts; er zählte mithin nicht zu den Verbannten selbst, sondern zu deren Nachkommen, denen der Bann über die Rückkehr nach Westen nur mittelbar galt. Verwandtschaftlich stand er Turgon von Gondolin und dessen Tochter Idril nahe, ferner Elrond, der aus Idrils Linie stammte. Über seine Kindheit schweigen die Quellen weitgehend; überliefert ist allein, dass er die Jahre des Niedergangs von Hithlum nicht in der Obhut seines Vaters verbrachte, sondern in die Sicherheit der Küstenlande gebracht wurde.
Sein Geburtsname lautete Ereinion und wird gewöhnlich als „Spross der Könige“ gedeutet — eine Bildung, die das Wort für „König“ im Plural enthält und den Träger von vornherein in die Abfolge der noldorischen Herrscher stellt. Bekannt wurde er jedoch unter dem sindarischen Beinamen Gil-galad, der aus gil („Stern“) und galad („Licht“, „Glanz“) zusammengesetzt ist und sich als „Stern strahlenden Lichts“ wiedergeben lässt. Solche Namengebung entsprach der Gewohnheit Beleriands, wo das Sindarin die Sprache des täglichen Umgangs war und die aus Aman mitgebrachten Namen häufig hinter einem Beinamen zurücktraten. Bei Gil-galad ging diese Verdrängung so weit, dass der Beiname den Geburtsnamen in der späteren Überlieferung fast vollständig ersetzte.
In den zu Lebzeiten Tolkiens veröffentlichten Texten erscheint die Gestalt ausschließlich unter der Form Gil-galad, verbunden mit dem Titel eines Hochkönigs der Noldor. Für die Aussprache gilt die allgemeine Regel, dass g stets hart zu sprechen ist, wie im englischen „get“; die Betonung liegt auf der ersten Silbe des Doppelnamens. Der Name blieb in Mittelerde weit über das Ende des Zweiten Zeitalters hinaus geläufig und wurde selbst im Auenland noch in Bruchstücken elbischer Dichtung bewahrt.
Geschichte
Die erste greifbare Nachricht über Gil-galad betrifft die Jahre des Untergangs von Beleriand. Nachdem die Heere Morgoths die Häfen der Falas, Brithombar und Eglarest, gebrochen hatten, wich er mit Círdan und den Überlebenden der Küstenvölker auf die Insel Balar aus, die vor den Sirionmündungen lag und fortan als letzte Zuflucht der Elben im Süden diente. Von dort wurden Schiffe nach Westen entsandt, die den Weg nach Valinor suchen sollten, doch keines fand ihn. Als Turgon beim Fall von Gondolin umkam, fiel die Würde des Hochkönigs der Noldor in Mittelerde an Gil-galad; er war der letzte, der sie trug. Nach dem Überfall der Söhne Feanors auf die Siedlung an den Sirionmündungen nahm Balar die Geretteten auf, unter ihnen Elrond und Elros, und Gil-galads Herrschaft umfasste damit den Rest all jener Völker, die im Kampf gegen Angband nicht untergegangen waren.
Der Krieg des Zorns endete mit der Niederwerfung Morgoths, doch auch mit der Zerstörung Beleriands, das im Meer versank. Gil-galad blieb in Mittelerde und gründete im Zweiten Zeitalter das Reich Lindon, jenen schmalen Landstreifen westlich des Blauen Gebirges, der von Ossiriand übrig geblieben war; Círdan siedelte an der Bucht von Lhûn und errichtete dort die Grauen Anfurten. In diesen Jahrhunderten entstand die Verbindung zu Númenor, dessen Herrscher aus dem Geschlecht jener Menschen stammten, die an der Seite der Eldar gefochten hatten. Die Überlieferung bewahrt unter anderem ein Schreiben Gil-galads an König Tar-Meneldur, das der Seefahrer Aldarion nach Númenor brachte und in dem der Hochkönig vor einem im Osten wachsenden Schatten warnte und um Beistand für die Küstenländer bat. Die Númenórer nahmen die Warnung zunächst nicht ernst genug, doch das Bündnis blieb über Jahrhunderte bestehen.
Um das Jahr 750 des Zweiten Zeitalters wanderte ein Teil der Noldor aus Lindon ostwärts und gründete unter Celebrimbor Eregion am Westhang des Nebelgebirges. Gil-galad hielt die Verbindung zu diesem Reich aufrecht, verlor aber allmählich die unmittelbare Gewalt über dessen Schmiede. Als um 1200 ein Gesandter in schöner Gestalt auftrat, der sich als Bote der Valar und Lehrer verborgener Künste ausgab, wies Gil-galad ihn ab: Er nahm weder dessen Gaben noch dessen Botschaften an und verweigerte ihm den Zutritt zu Lindon, denn ihm wie Elrond erschien der Fremde trotz aller Anmut nicht vertrauenswürdig. In Eregion dagegen fand jener Annatar Gehör, und aus der Zusammenarbeit mit den Schmieden gingen zwischen 1500 und 1590 die Ringe der Macht hervor; erst als Sauron um 1600 heimlich den Einen Ring in den Feuern des Schicksalsberges schuf, wurde der Betrug offenbar.
Der offene Krieg begann 1693. Celebrimbor brachte die Drei, die er allein und ohne Saurons Beteiligung geschaffen hatte, außer Reichweite des Feindes und sandte zwei von ihnen nach Lindon; Gil-galad behielt Vilya, den Ring der Luft, und gab Narya in die Hände Círdans. Eregion fiel 1697, Celebrimbor kam um, und das von Gil-galad entsandte Heer unter Elrond war zu schwach, um die Stadt zu entsetzen; es wich nach Norden aus und gründete in einem verborgenen Tal die Zuflucht Bruchtal. Zwei Jahre später war ganz Eriador überrannt und Lindon selbst bedroht. Die Wende brachte 1700 die große Flotte, die Tar-Minastir aus Númenor sandte: Zwischen ihr und den Truppen Gil-galads wurde Saurons Macht zerschlagen, und 1701 war Eriador befreit. Dem Westen folgte ein langer Frieden, in dem Gil-galad seine Herrschaft festigte, ohne den Feind endgültig beseitigt zu haben.
Erst der Untergang Númenors im Jahr 3319 rückte die Lage erneut. Elendil und seine Söhne, vom Sturm nach Mittelerde getragen, errichteten die Reiche Arnor und Gondor, und zwischen ihnen und dem Hochkönig entstand ein enges Einvernehmen. Als Sauron 3429 Minas Ithil nahm und Gondor angriff, schlossen Gil-galad und Elendil im folgenden Jahr das Letzte Bündnis von Elben und Menschen. Das Heer sammelte sich in Bruchtal und zog 3434 über das Nebelgebirge nach Osten; auf der Dagorlad, der Ebene vor dem Schwarzen Tor, wurde Saurons Macht in offener Feldschlacht geschlagen. Danach folgte die Belagerung von Barad-dûr, die sieben Jahre währte und beiden Seiten schwere Verluste zufügte — auf elbischer Seite fiel unter anderem Oropher, der König des Waldlandreiches.
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Schicksal
Im Jahr 3441 trat Sauron zuletzt selbst hervor. Gil-galad und Elendil warfen ihn nieder und beendeten damit den Krieg, doch beide kamen dabei um; die Überlieferung berichtet, dass Gil-galad an der Glut des Feindes verbrannte. Sein Speer Aeglos, der ihm den Ruf des unbezwinglichen Kämpfers eingetragen hatte, blieb ohne Träger; Elrond und Círdan, die ihm bis zuletzt zur Seite standen, überlebten als einzige seiner nächsten Gefährten. Vilya ging vor oder mit seinem Tod an Elrond über, der ihn durch das ganze Dritte Zeitalter hindurch führte. Da Gil-galad keinen Erben hinterließ, erlosch mit ihm die Hochkönigswürde der Noldor in Mittelerde; die verbliebenen Noldor lebten unter Círdan in Lindon und in Bruchtal weiter, und was von seinem Namen blieb, war Erinnerung in Lied und Aufzeichnung.
Rolle und Vermögen
Die Würde, die Gil-galad im Zweiten Zeitalter trug, war weniger ein Amt der Verwaltung als ein Anspruch auf Vorrang: Hochkönig der Noldor hieß, an der Spitze jenes Geschlechts zu stehen, das den Krieg gegen Morgoth geführt hatte, und als oberste Instanz zu gelten, wo elbische Reiche gemeinsam handelten. Sein unmittelbarer Herrschaftsbereich blieb dabei schmal. Lindon war ein Landstreifen zwischen Gebirge und Meer, und schon die Grauen Anfurten standen unter Círdan, der als Verbündeter, nicht als Untergebener erscheint. Eregion wurde zwar von Noldor aus Lindon gegründet, ging aber eigene Wege, und die Schmiedegilde Celebrimbors entzog sich dem Zugriff des Hochkönigs so weit, dass dessen Misstrauen gegen den Fremden aus dem Osten dort ohne Wirkung blieb. Östlich des Nebelgebirges wiederum herrschten sindarische Fürsten über die Waldelben, die den Anspruch der Noldor eher duldeten als anerkannten und im Feld auf eigenem Befehl bestanden.
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Schicksal
Was ihm Ansehen verschaffte, war vor allem seine Rolle als Heerführer. Die Überlieferung hebt seinen Speer Aeglos hervor, dessen sindarischer Name die Begriffe für Schnee und Spitze verbindet, und schreibt ihm nach, dass sich kein Gegner ihm entgegenstellen konnte, solange er die Waffe führte. Die Quellen kennen bei ihm indes keine verborgenen Künste, keine Zauberei und keine Gabe der Vorausschau; sein Vermögen war das eines Feldherrn, der Truppen sammelt, Bündnisse schließt und Entscheidungen im offenen Kampf sucht. Eben darin lagen auch die Grenzen: Der Verlust Eregions war mit Waffengewalt nicht abzuwenden, die Befreiung Eriadors gelang erst mit númenórischer Hilfe, und am Ende genügte seine Stärke zwar, den Feind niederzuwerfen, doch nicht, ihn zu überleben.
Auch die Ringe erweiterten seine Macht nicht in dem Maße, das ihr Ruf vermuten lässt. Vilya galt als der mächtigste der Drei, doch die Drei waren nicht zum Krieg und nicht zur Beherrschung anderer geschaffen, sondern zum Bewahren, Heilen und Abwehren des Verfalls; solange der Eine bestand, konnten sie zudem nicht offen gebraucht werden, ohne den Träger zu verraten. Von einem Einsatz Vilyas durch Gil-galad berichtet keine Quelle. Im Dritten Zeitalter lebte seine Stellung vor allem in der Erinnerung derer fort, die ihn gekannt hatten: Elrond, der ihm als Herold gedient hatte, konnte im Rat zu Bruchtal aus eigener Anschauung darlegen, weshalb der Sieg des Letzten Bündnisses unvollständig geblieben war. Denn geschlagen wurde damals ein Heer, nicht die Ursache seiner Macht, und was Gil-galad mit seinem Leben erkaufte, war ein Aufschub von rund drei Jahrtausenden.
Verwandtschaft, Gefährten und Gegner
Die längste und beständigste Bindung seines Lebens war die zu Círdan. Sie reichte von den zerstörten Häfen der Falas über die Jahre auf Balar bis in die Zeit Lindons und überdauerte damit jede andere Gefährtenschaft, die von Gil-galad überliefert ist. Bemerkenswert ist, dass Círdan nicht zu den Noldor gehörte und nie als Gefolgsmann erscheint, sondern als eigenständiger Herr der Küsten, dessen Rat der Hochkönig suchte, statt ihn zu befehligen. In dieses Verhältnis gehört auch, dass Gil-galad einen der Drei nicht in den eigenen Händen behielt, sondern dem Schiffbauer überließ — eine Entscheidung, die weniger von Freigebigkeit spricht als von einem nüchternen Urteil darüber, wo eine Gabe des Bewahrens besser aufgehoben sei als bei einem Kriegsfürsten.
Enger noch, aber anders geartet war das Verhältnis zu Elrond, der ihm zugleich entfernter Verwandter, Herold und Feldhauptmann war und in dieser dreifachen Stellung die Nähe zum Hochkönig durch das ganze Zweite Zeitalter hindurch bewahrte. An Celebrimbor wiederum zeigt sich, wie weit die alten Zerwürfnisse zurückgetreten waren: Der Herr Eregions entstammte dem Hause Feanors, das der Linie Fingolfins in Beleriand feindlich gegenübergestanden hatte, und dennoch bestand zwischen beiden Reichen ein Einvernehmen, das in der Stunde der Not trug. Getrübt blieb es allein dadurch, dass Gil-galads Warnung vor dem Fremden in Eregion kein Gehör fand — eine Freundschaft also, die im Ernstfall hielt, in der Vorsicht aber versagte.
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Schicksal
Auf der Seite der Menschen tritt Elendil hervor, dessen Bündnis mit dem Hochkönig nicht als Lehnsverhältnis, sondern als Zusammenschluss zweier gleichrangiger Herrschaften geschildert wird und in dem gemeinsamen Ende auf den Hängen des Schicksalsberges seinen Abschluss fand. Ihm gegenüber steht Sauron als der einzige Gegner, den die Quellen für Gil-galad namentlich festhalten; die Feindschaft begann nicht mit Waffen, sondern mit einer Zurückweisung, und sie blieb über Jahrhunderte hinweg die feste Achse seines Handelns. Dass sein Andenken bewahrt blieb, verdankt sich am Ende jenen, die ihn überlebten: Von seinen Nächsten blieben nur Círdan und Elrond, und in ihrer Erinnerung — nicht in einer Nachkommenschaft — setzte sich fort, was von ihm blieb.
Entwürfe und Varianten
Die Gestalt tritt in Tolkiens Arbeitspapieren früh auf, doch mit wechselnder Herkunft. In den Texten, die im fünften Band der „History of Middle-earth“ gesammelt sind, erscheint Gil-galad als Sohn Felagunds und übernimmt nach dessen Tod die Führung der überlebenden Elben; in dieser Fassung ist er also dem Hause Finarfins zugeordnet und nicht dem Fingolfins. Erst in späteren Annalen wandert er in die Linie Fingolfins hinüber: Die „Graue Chronik“ berichtet, dass Fingon seinen Sohn Ereinion nach dem Bruch der Belagerung Angbands zu den Häfen der Falas sandte, damit er dort in Sicherheit aufwachse. Diese Version lag dem veröffentlichten „Silmarillion“ zugrunde und bestimmte die Genealogie, die sich seither eingebürgert hat.
In seinen letzten Lebensjahren verwarf Tolkien auch diese Lösung. Die späten Aufsätze, darunter die Abhandlung über den Lautwandel im Hause Finwes, machen Gil-galad zum Sohn Orodreths, der seinerseits nicht mehr als Bruder Finrods, sondern als Sohn Angrods und damit als Enkel Finarfins geführt wird; Finduilas wird auf diesem Wege zur Schwester Gil-galads. Der Name kehrt so in das Geschlecht Finarfins zurück, aus dem er in der frühesten Fassung gekommen war, nun aber über eine andere Zwischenstufe. Christopher Tolkien hat später eingeräumt, dass die im „Silmarillion“ gedruckte Vaterschaft Fingons eine Entscheidung des Herausgebers gewesen sei, die dem Stand der späten Manuskripte nicht entsprach. Da keiner dieser Texte zu Lebzeiten des Verfassers erschien, bleibt der Widerspruch offen: Die publizierte Überlieferung nennt Fingon, die Entwürfe zuletzt Orodreth, und eine dritte, ältere Schicht weist auf Felagund.
Adaptionen
In Peter Jacksons Filmtrilogie erscheint Gil-galad ausschließlich in der Vorgeschichte, die dem eigentlichen Geschehen vorangestellt ist; dargestellt wird er von Mark Ferguson, ohne Sprechtext, und sein Name fällt im gesprochenen Text der Kinofassungen nicht. Die auffälligste Abweichung betrifft den Ausgang der Schlacht am Schicksalsberg: Während die Bücher Gil-galad und Elendil gemeinsam den Feind niederwerfen und dabei umkommen lassen, zeigt der Film beide nacheinander von Sauron erschlagen, sodass allein Isildur als derjenige übrig bleibt, der die Entscheidung herbeiführt. Damit entfällt der Anteil des Hochkönigs am Sieg fast vollständig. Ebenso bleibt unerwähnt, dass er einen der Drei trug und dass Vilya an Elrond überging; die Ringträgerschaft der Elben wird in den Filmen nicht auf ihn zurückgeführt. In Ralph Bakshis Zeichentrickfassung, deren Vorspann die Vorgeschichte des Ringes in geraffter Form abhandelt, tritt er gar nicht als eigenständige Figur hervor.