Herkunft und Namen
Ar-Pharazôn entstammte dem Königshaus der Nachfahren Elros', der langlebigen Linie der Dúnedain von Númenor. Er war der Sohn Gimilkhads, der selbst als Haupt der sogenannten „Königsleute“ nach der Macht gestrebt, sein Vorhaben aber nicht mehr hatte vollenden können, und somit ein Vetter Tar-Míriels, der eigentlichen Erbin des Zepters. In diesem Zweig des Königshauses, der sich von den Getreuen, die an der Freundschaft zu Elben und Valar festhielten, zunehmend abgewandt hatte, wuchs Ar-Pharazôn heran, und mit ihm das Bestreben seines Vaters, den alten Brauch der Erbfolge über die Töchter zu missachten.
Vor seiner Thronbesteigung trug er schlicht den Namen Pharazôn. Erst mit der Übernahme des Zepters legte er sich, wie es unter den Königsleuten seit Generationen Brauch war, einen Titel in der adûnaischen Sprache zu, Ar-Pharazôn, während die entsprechende Form in der Hochsprache der Eldar, Tar-Calion, daneben Bestand hatte. Beide Namen tragen den Sinn des Goldenen; sie halten damit sowohl den Glanz seiner Herrschaft fest als auch, in der Bevorzugung der adûnaischen vor der quenyarischen Form, die fortschreitende Abkehr seines Hauses von der elbenfreundlichen Tradition der früheren Könige.
In den Überlieferungen ist er vor allem als Ar-Pharazôn der Goldene bekannt, ein Beiname, der seinen Reichtum und den äußeren Glanz seiner Zeit festhält. Zugleich gilt er, seinem Geschlecht der Dúnedain gemäß, als hochgewachsen und von großer Kraft und Ausdauer, wie es dem langlebigen Volk Númenors eigen war, doch überragte sein Stolz selbst diese ererbten Gaben und kennzeichnete ihn von Jugend an als den hochmütigsten unter den Königen seines Hauses.
Geschichte
Im Jahr 3255 des Zweiten Zeitalters, nach langem Zwist zwischen den Königsleuten und den Getreuen, die dem alten Bündnis mit den Elben und Valar treu geblieben waren, ergriff Pharazôn das Zepter Númenors und nannte sich fortan Ar-Pharazôn. Den rechtmäßigen Anspruch seiner Cousine Tar-Míriel umging er, indem er sie gegen ihren Willen zur Frau nahm und damit den althergebrachten Brauch der Erbfolge über die älteste Tochter des Hauses Elros gewaltsam beendete. Als fünfundzwanzigster und letzter König bestieg er so einen Thron, dessen Legitimität von Anbeginn auf Zwang statt auf Herkommen gegründet war.
Bald nach seiner Thronbesteigung erreichten Ar-Pharazôn Nachrichten aus Mittelerde, dass sich dort ein Herrscher namens Sauron erhoben habe, der sich selbst zum König der Menschen ausrief und Númenors Vorherrschaft in den Küstenlanden bedrohte. Von Stolz und Herrschsucht getrieben, ließ Ar-Pharazôn eine gewaltige Flotte rüsten und landete mit einem Heer von solcher Pracht und Stärke bei Umbar, dass Saurons eigene Diener sich von ihm abwandten. Sauron selbst erkannte, dass ihm offener Widerstand nichts nützte, unterwarf sich und wurde von Ar-Pharazôn als Geisel mit nach Númenor genommen.
Was als Triumph über einen gedemütigten Gegner begann, wandte sich rasch in sein Gegenteil: Innerhalb weniger Jahre gewann Sauron durch Schmeichelei und scheinbare Weisheit das Vertrauen des Königs und wurde zu seinem engsten Ratgeber. Unter seinem Einfluss ließ Ar-Pharazôn den heiligen Weißen Baum Nimloth fällen und errichtete in Armenelos einen Tempel, in dem fortan Melkor als Herr der Finsternis und Geber der Freiheit verehrt wurde. Wer sich diesem neuen Kult widersetzte, wurde verfolgt, und viele der Getreuen wurden Sauron dort geopfert, während die Furcht vor dem Tod, die Sauron im Volk schürte, den König immer tiefer in dessen Abhängigkeit trieb.
Während Ar-Pharazôns Herrschaft sich so verdüsterte, sammelten sich um Amandil, den Herrn von Andúnië und Vater Elendils, die letzten Getreuen im Verborgenen. Amandil, der um das drohende Unheil wusste, wagte schließlich die Fahrt gen Westen, um bei den Valar selbst um Gnade zu bitten, und wurde seither nicht mehr gesehen, während sein Sohn Elendil mit den eigenen Söhnen im Osten der Insel eigene Schiffe für den Fall der Not bereithielt.
Als Ar-Pharazôn spürte, wie das Alter ihn trotz aller Macht Númenors einholte, redete Sauron ihm ein, die Unsterblichkeit der Valar sei ihm durch Gewalt zu entreißen, und weckte damit dessen letzten und größten Hochmut. Um das Jahr 3310 ließ der König die gewaltigste Flotte ausrüsten, die je gebaut worden war, und segelte mit ihr gegen das Verbot der Valar nach Aman, um Unsterblichkeit zu erzwingen. Im Jahr 3319 landete er mit seinem Heer an den Küsten Amans, doch die Antwort der Valar traf Númenor mit dem Untergang: Die Insel versank in den Fluten, und Ar-Pharazôn selbst wurde mit seinem gesamten Heer unter den einstürzenden Bergen begraben, wo er der Überlieferung nach bis zum Ende der Welt gefangen bleibt.
Rolle und Macht
Als König verkörperte Ar-Pharazôn die weltliche Macht Númenors auf ihrem Höhepunkt: Unter seiner Herrschaft gebot die Insel über die größte Flotte und das gewaltigste Heer, das die Dúnedain je aufgestellt hatten, und seine Autorität erstreckte sich über zahlreiche Fürsten und Stadthalter an den Küsten Mittelerdes, die Númenor tributpflichtig waren. Innerhalb der Insel selbst hatte sich unter den Königsleuten ein Verständnis des Königtums durchgesetzt, das dem Zepterträger nahezu unumschränkte Gewalt zusprach und die überkommenen Bindungen an Rat und Brauch zunehmend zurückdrängte; Ar-Pharazôn nutzte diese Machtfülle rücksichtsloser als jeder seiner Vorgänger.
Seine Macht war dabei durchweg weltlicher, nicht zauberischer Natur: Sie gründete auf Reichtum, Schiffen, Waffen und der schieren Zahl seiner Krieger, nicht auf verborgenem Wissen oder eigener Zauberkraft. Ebendiese materielle Übermacht genügte, um Sauron zur Unterwerfung zu zwingen, dessen eigene Gefolgsleute angesichts der Größe der númenórischen Streitmacht von ihm abfielen, ohne dass es überhaupt zur offenen Schlacht kam. Ar-Pharazôns eigentliche Stärke lag damit weniger in persönlicher Fähigkeit als in der schieren Wucht dessen, was Númenor unter ihm aufzubieten vermochte.
Ebenso deutlich zeigten sich die Grenzen dieser Macht. Gegenüber Sauron erwies sich Ar-Pharazôn nicht als überlegen an Willen oder Urteilskraft, sondern als empfänglich für Schmeichelei und scheinbar kluge Beratung, wodurch sich die Unterwerfung des Gefangenen rasch in eine geistige Abhängigkeit des Königs verkehrte, gegen die keine Flotte etwas ausrichten konnte. Vor allem aber blieb Ar-Pharazôn trotz aller irdischen Macht dem Los der Menschen unterworfen und ebenso sterblich wie jeder seines Volkes; ebendiese Grenze wollte er zuletzt mit Waffengewalt gegen Aman selbst überwinden. Dass ihm dieser Versuch misslang, zeigte, dass seine Macht, so groß sie unter den Menschen auch war, den Bereich des Sterblichen niemals zu überschreiten vermochte.
Beziehungen
Die erzwungene Ehe mit Tar-Míriel blieb, soweit die Überlieferung erkennen lässt, ohne persönliche Nähe: Ar-Pharazôn hatte sie sich als Werkzeug seines Herrschaftsanspruchs genommen, nicht als Gefährtin, und nichts in den Quellen deutet auf ein späteres Einvernehmen zwischen beiden hin. Am Hof trat an die Stelle dieser leeren Bindung zusehends Sauron, dem der König sein Vertrauen schenkte, während die Königin ohne erkennbaren Einfluss blieb. Selbst im Untergang Númenors blieben die beiden getrennt: Ar-Pharazôn stand mit seinem Heer vor den Küsten Amans, als Míriel in der Heimat vergeblich versuchte, den heiligen Berg Meneltarma zu ersteigen, ehe die hereinbrechende Flut sie ereilte.
Auffälliger noch ist die Umkehrung, die sich im Verhältnis zu Sauron vollzog: Wer als Sieger einen Gefangenen nach Númenor gebracht hatte, wurde binnen weniger Jahre selbst zum Empfangenden, der sich in allem auf den Rat des Unterworfenen verließ. Diese Abhängigkeit war keine erzwungene, sondern eine freiwillig gesuchte, denn Ar-Pharazôn zog Saurons Schmeichelei jedem Einwand seiner eigenen Berater vor und ließ sich damit von einem Gegner lenken, den er zuvor besiegt zu haben glaubte. Gerade weil er sich niemandem wirklich unterlegen fühlen wollte, wurde er zum willigen Empfänger einer Beratung, die sein Selbstbild als der Größte unter den Königen ungestört ließ.
Gegenüber den Getreuen, die Sauron zum Opfer fielen, trat Ar-Pharazôn kaum persönlich in Erscheinung; sein Verhältnis zu ihren Anführern blieb eines der Distanz, nicht der offenen Auseinandersetzung. Amandil von Andúnië, dessen Geschlecht seit jeher der Krone am nächsten stand, suchte den König nicht mehr auf, sondern wandte sich, als jede andere Hoffnung schwand, an die Valar selbst, während sein Sohn Elendil sich im Verborgenen auf den Untergang vorbereitete. Es ist eine der bezeichnenden Ironien seiner Herrschaft, dass ausgerechnet jenes Geschlecht, dem Ar-Pharazôn nie eigene Beachtung schenkte, in Elendil und dessen Söhnen jene Linie stellte, die nach dem Untergang Númenors die Reiche Arnor und Gondor begründete, während mit Ar-Pharazôn selbst die Linie der Könige Númenors endete.