Herkunft und Namen

Der geläufigste elbische Name des Berges, Orodruin, entstammt dem Sindarin und wird im Namensverzeichnis des Silmarillion sinngemäß mit „Berg der lodernden Flamme“ wiedergegeben – eine unmittelbare Anspielung auf sein feuriges Inneres. Dieser Name war vor allem unter den Elben und den mit ihnen vertrauten Weisen Mittelerdes gebräuchlich und prägt entsprechend die älteren, stärker elbisch geprägten Überlieferungen. Den Hobbits und den meisten anderen Sprechern der Gemeinsprache dürfte er dagegen kaum geläufig gewesen sein.

Im täglichen Sprachgebrauch der Gefährten und ihrer Zeitgenossen setzte sich stattdessen die schlichte Bezeichnung Schicksalsberg durch, die gelegentlich auch als Feuerberg oder feuerspeiender Berg umschrieben wird. Diese Namen gehen, der im Anhang zur Übersetzung erläuterten Erzählfiktion des Werks folgend, nicht auf das Elbische, sondern auf eine volkstümlichere Benennung in der Gemeinsprache zurück, die für die Leser ins Englische und in der vorliegenden Fassung ins Deutsche übertragen wurde. Anders als der altehrwürdige Name Orodruin trägt diese Bezeichnung kein elbisches Pathos, sondern beschreibt nüchtern, was der Berg für jeden bedeutet, der sich ihm nähert.

Einen dritten Namen erhielt der Berg, als Sauron im Dritten Zeitalter offen nach Mordor zurückkehrte und ihn Amon Amarth nannte, was im Sindarin ebenfalls so viel wie „Berg des Verhängnisses“ bedeutet. Anders als Orodruin, das die geologische Beschaffenheit des Berges benennt, spricht aus Amon Amarth die eigene, finstere Deutung des Namensgebers: Sauron verband den Ort selbst mit jenem Verhängnis, dem er andere zu unterwerfen suchte. Die drei Namen bestehen fortan nebeneinander und spiegeln je nach Sprecher und Anlass eine andere Sicht auf denselben Berg wider.

Lage und Beschaffenheit

Der Schicksalsberg erhebt sich im nördlichen Teil Mordors, jenes von Bergketten umschlossenen Landes im Südosten Mittelerdes, das Sauron sich als Herrschaftsgebiet auserkoren hatte. Anders als die gewaltigen Grenzwälle des Ered Lithui im Norden und der Ephel Duath im Westen und Süden steht der Berg für sich allein, mitten in der weiten, aschgrauen Ebene des Gorgoroth, die sich zwischen den Randgebirgen erstreckt. Von den Sperrtürmen des Schwarzen Tores und den Straßen, die von dort ins Innere des Landes führen, ist er als dunkler, rauchender Kegel weithin sichtbar, und seine Nähe zum Auge Saurons in Barad-dûr macht die karge Ebene um ihn her zu einem der am schärfsten überwachten Landstriche Mordors.

Der Berg selbst besteht aus geschichteten Aschehalden und erstarrten Lavaströmen, die sich zu einem hohen, kegelförmigen Massiv auftürmen; seine unteren Hänge sind von älteren, erkalteten Ergüssen bedeckt, während aus dem Gipfelbereich noch immer Rauch und zuweilen Feuer aufsteigt. An seinem Fuß windet sich ein einzelner Pfad, von den Dienern Saurons eigens angelegt, in Kehren zu einer Öffnung im Osten des Berges empor, durch die man ins Innere gelangt. Diese Zugänglichkeit ist kein Zufall der Natur, sondern Ausdruck der Bestimmung, die der Berg unter Saurons Herrschaft erhielt: ein Ort, der begehbar sein sollte für den, der zu seiner Feuerkammer vordringen musste oder wollte.

Schon in den Tagen vor Saurons Ankunft war der Berg als feuerspeiender Gipfel bekannt, doch erst mit seiner Wahl als Sitz der Rings-Schmiede wuchs er über seine bloße geologische Erscheinung hinaus zu einem Wahrzeichen ganz Mordors. Die karge, lebensfeindliche Weite des Gorgoroth, die ihn umgibt, verstärkt seine Sonderstellung: kein anderer Ort im Land ist zugleich so sichtbar und so unnahbar, kein anderer Gipfel trägt eine vergleichbare Bedeutung für die Geschicke Mittelerdes.

Geschichte

Der Schicksalsberg trat mit dem Jahr 1600 des Zweiten Zeitalters endgültig in die überlieferte Geschichte Mittelerdes: In diesem Jahr vollendete Sauron, wie es die Zeittafel der Chronik verzeichnet, in den Feuern des Berges heimlich den Einen Ring, mit dem er die Träger der übrigen Ringe der Macht seinem Willen unterwerfen wollte. Von diesem Augenblick an war der Berg untrennbar mit dem Schicksal des Ringes verknüpft, dessen Anfang und dessen späteres Ende gleichermaßen in seinem Inneren lagen.

Am Ende des Zweiten Zeitalters, im Jahr 3441, wurde Sauron im Krieg des Letzten Bündnisses von Elben und Menschen bezwungen, und Isildur schnitt ihm auf den Hängen des Berges den Ring vom Finger. Elrond, der bei diesem Kampf zugegen war, berichtete Jahrhunderte später beim Rat von Bruchtal, wie er und Círdan Isildur damals drängten, hinauf zu den Feuern der Sammath Naur zu steigen und den Ring darin zu vernichten, solange dies noch möglich war. Isildur aber weigerte sich, das Erbe seines Vaters und seines Bruders den Flammen zu überlassen, und behielt den Ring als Zeichen seines Sieges. Mit Saurons Niederlage erloschen die Feuer des Berges, und er lag fortan kalt und rauchlos, gleich einem erstarrten Aschehaufen, während die Zeitalter verstrichen.

Erst als Sauron, nach langen Zeitaltern verborgener Wiedererstarkung, in der zweiten Hälfte des Dritten Zeitalters offen nach Mordor zurückkehrte, erwachten auch die Feuer des Berges aufs Neue. Gandalf berichtete Frodo, dass über dem Gipfel seither wieder Rauch und Feuerschein zu sehen seien, ein untrügliches Zeichen dafür, dass ihr Herr seine Kräfte gesammelt hatte und seine Diener aufs Neue an den Schmieden und Gruben Mordors arbeiten ließ. Der Berg wurde damit gewissermaßen wieder zum Herzstück von Saurons Reich, so wie er es in den Tagen der Ringschmiede gewesen war.

Am Ende des Dritten Zeitalters wurde der Berg zum Ziel einer letzten, verzweifelten Unternehmung: Frodo Beutlin und sein Gefährte Sam Gamdschie erreichten nach monatelanger, entbehrungsreicher Wanderung durch Mordor die Hänge des Schicksalsbergs und stiegen den einzigen Pfad zur Feuerkammer Sammath Naur empor. Dort, am Rand des Abgrunds, vermochte Frodo sich im entscheidenden Augenblick nicht dazu zu bringen, den Ring den Flammen zu übergeben, und beanspruchte ihn stattdessen für sich selbst. Erst der ihnen seit Langem nachstellende Gollum, der Frodo den Ring gewaltsam vom Finger riss, brachte durch seinen eigenen Sturz in die Feuer das Werk zu Ende, das die Gefährten sich vorgenommen hatten. Nach der Zeitrechnung der Chronik geschah dies am 25. März des Jahres 3019 des Dritten Zeitalters, und mit dem Ring vergingen in jenem Augenblick auch Saurons Macht und Gestalt.

Die Vernichtung des Ringes erschütterte den Berg bis in seine Grundfesten: Der Gipfel brach auf, glühende Ströme flossen über seine Hänge, und Asche und Rauch stiegen so gewaltig empor, dass die Anhöhe, auf der Frodo und Sam Zuflucht gesucht hatten, binnen kurzem in den Feuern zu versinken drohte. Nur der rasche Eingriff Gwaihirs und der übrigen Adler, die auf Gandalfs Bitten herbeieilten, bewahrte die beiden Hobbits davor, mit dem Berg unterzugehen, und trug sie aus dem einstürzenden Land hinaus. Mit Saurons endgültigem Fall verlor der Schicksalsberg seine Stellung als Zentrum feindlicher Macht, doch als Ort, an dem sowohl der Eine Ring geschaffen als auch vernichtet worden war, blieb er in der Erinnerung der Überlebenden für alle Zeit mit dem Ausgang des Ringkrieges verbunden.

Volk und Herrschaft

Der Schicksalsberg selbst kannte keine Bewohner im eigentlichen Sinn: Seine Aschehalden und erstarrten Lavaströme boten selbst den Orks Mordors keinen dauerhaften Wohnraum, und einzig der schmale Pfad zur Feuerkammer der Sammath Naur wurde überhaupt von Saurons Dienern begangen. Die Herrschaft über den Berg lag daher uneingeschränkt bei Sauron selbst, der ihn als den innersten und zugleich am wenigsten bedrohten Winkel seines Reiches betrachtete. Gewöhnlich hielt eine Wache am Zugang zur Feuerkammer Wacht, doch in den letzten Tagen des Ringkrieges zog Sauron auch diese ab, da er all seine Kraft auf den offenen Krieg vor dem Schwarzen Tor richtete und es für undenkbar hielt, dass sich noch jemand unbemerkt bis zum Berg selbst vorwagen könnte.

Innerhalb Mordors nahm der Berg dennoch eine herausgehobene Stellung ein: Er lag im unmittelbaren Blickfeld Barad-dûrs und damit im Zentrum jenes Landesteils, den Sauron am strengsten überwachte, während sich weiter südlich, um den See Núrnen, fruchtbarere, von Menschen bestellte Landstriche erstreckten. Diese Männer waren, wie sich aus Sams Blick über die Ebene Gorgoroth ergibt, keine freien Bewohner, sondern Sklaven, die im Dienst des Dunklen Turms die Felder bestellten und Mordors Heere versorgten – ein Verhältnis, das die karge, unbewohnte Umgebung des Schicksalsbergs in scharfen Gegensatz zu den bewirtschafteten, doch gleichfalls unfreien Gebieten im Süden des Landes setzt.

Mit Saurons Fall endete diese Ordnung, und die Frage der Herrschaft über die Länder um den Schicksalsberg fiel an die Sieger des Ringkrieges. König Elessar gewährte, als er seine Herrschaft über die südlichen und östlichen Reiche ordnete, den befreiten Sklaven Mordors die Ländereien um Núrnen zu eigenem Recht und schloss Frieden mit den Ostlingen und den Völkern des Südens, die zuvor unter Saurons Befehl gestanden hatten. Über den Schicksalsberg selbst, dessen Feuer mit dem Untergang des Ringes erloschen waren, herrschte fortan niemand mehr; er blieb, was er vor Saurons Ankunft gewesen war, ein unbewohnter, sich selbst überlassener Berg am Rand eines nun herrenlosen Landes.

Rolle in der Erzählung

Für die Gemeinschaft des Ringes ist der Schicksalsberg von Anfang an weniger ein Ziel im geographischen Sinn als ein Fluchtpunkt, der die gesamte Handlung ausrichtet: Schon beim Rat von Elrond wird klar, dass jeder Plan, Sauron zu besiegen, zwangsläufig dorthin führen muss, wo der Ring einst entstand. Anders als die übrigen Stationen der Reise, die Schutz, Rat oder Verbündete versprechen, bietet der Berg nichts dergleichen; er ist der einzige Ort in Mittelerde, an dem eine Waffe nicht erobert, sondern vernichtet werden kann, und diese Umkehrung des gewohnten Heldenauftrags – nicht Sieg, sondern Zerstörung als Ziel – bestimmt den Charakter der gesamten zweiten Buchhälfte.

Je näher Frodo und Sam dem Berg kommen, desto mehr wird er zum Gegenspieler im eigentlichen Sinn, während Sauron selbst der Erzählung fern bleibt: Die schiere Entfernung durch die Ebene Gorgoroth, der Mangel an Wasser und Nahrung, die Erschöpfung und die wachsende Last des Ringes machen den Weg zum Berg zu einer Prüfung, die nicht in Kämpfen, sondern im bloßen Weitergehen besteht. Damit verschiebt sich das Erzählinteresse von äußerer Bedrohung auf inneren Widerstand, und der Berg fungiert als Bühne, auf der sich zeigt, was von Frodos Willen und Sams Treue am Ende noch trägt.

Am Gipfel selbst kulminiert diese Entwicklung in einer Wendung, die dem gesamten Werk seinen moralischen Grundton gibt: Nicht heldenhafte Entschlossenheit, sondern das Versagen des Protagonisten und ein Zufall, der auf früherem Mitleid beruht, entscheiden den Ausgang. Der Berg steht damit nicht für einen Ort des Triumphs, sondern für die Einsicht, dass der Sieg über eine derartige Macht sich der eigenen Absicht entzieht – ein Gedanke, den die Erzählung durch Gandalfs frühere Warnungen an Frodo bereits vorbereitet hatte und der dem Ende der Queste seine eigentümliche, unheroische Schwere verleiht.