Volk, Abstammung und Namen
Dáin gehörte zu Durins Volk, jenem Stamm der Zwerge, der auch die Langbärte genannt wird und seine Herkunft auf Durin den Unsterblichen zurückführte. Er entstammte einer Nebenlinie des Königshauses: Dáin I., der in den Grauen Bergen vor der Tür seiner eigenen Hallen von einem Kaltdrachen erschlagen wurde, hatte drei Söhne, und während der älteste, Thrór, das Volk nach Erebor führte, zog der jüngste, Grór, mit seinem Anhang ostwärts in die Eisenberge. Von Grór stammte Náin, von Náin der hier behandelte Dáin, der somit als Urenkel Dáins I. zugleich ein naher Verwandter Thorin Eichenschilds war, dessen Großvater Thrór jener Bruder Grórs gewesen war. Die Eisenberge, ein Bergland östlich des Einsamen Berges, blieben über Generationen der Sitz dieses Zweiges und das Rückgrat seiner Macht.
Der Name Dáin ist, wie alle bekannten Zwergennamen dieser Zeit, kein zwergischer Name im eigentlichen Sinne. Die Zwerge nahmen für den Umgang mit anderen Völkern äußere Namen aus den Sprachen der Menschen des Nordens an und hielten ihre wahren Namen in der eigenen Sprache so streng geheim, dass sie sie nicht einmal auf ihren Grabmälern verzeichneten. Was Dáin unter seinesgleichen hieß, ist daher nirgends überliefert. Die Ordnungszahl II. unterscheidet ihn von seinem Urgroßvater gleichen Namens; solche Wiederholungen sind in Durins Geschlecht die Regel, in dem Namen wie Náin, Thráin und Dáin über Jahrhunderte wiederkehren. Nach den Aussprachehinweisen des Anhangs bildet das ái einen Zwielaut, der dem englischen Wort für „Auge“ entspricht, der Name klingt also einsilbig.
Sein Beiname Eisenfuß — im englischen Original „Ironfoot“ — wird in den Quellen nirgends erklärt; weder ein Ereignis noch eine körperliche Eigentümlichkeit wird damit verbunden, und die Nähe zum Namen seiner Heimat, der Eisenberge, bleibt Vermutung. Als Titel führte er zunächst den eines Herrn der Eisenberge, den er nach dem Fall seines Vaters übernahm; der Königstitel unter dem Berge kam ihm erst später und unter Umständen zu, die andernorts zu erzählen sind. Die deutschen Ausgaben geben den Beinamen einhellig mit Eisenfuß wieder, wobei die ältere Übersetzung ihn als Dáin II. Eisenfuß führt, die jüngere meist schlicht als Dáin II. Eisenfuß.
Von Azanulbizar bis zur Schlacht von Thal
Im Jahr 2799 des Dritten Zeitalters, am Ende des langen Krieges zwischen Durins Volk und den Orks des Nebelgebirges, führte Náin die Krieger der Eisenberge spät in die Schlacht, die im Tal von Azanulbizar vor dem Osttor Morias geschlagen wurde; unter ihnen war sein Sohn Dáin, nach zwergischem Maß kaum den Jugendjahren entwachsen. Der frische Zuzug entschied ein Treffen, das schon verloren schien, und trieb die Orks zurück auf die Stufen des Tores. Dort aber forderte Náin den Ork-Häuptling Azog heraus, und Azog erschlug ihn. Dáin drang bis an die Schwelle vor und tötete Azog, schlug ihm den Kopf ab und stieß ihn den Zwergen zu Füßen; sie setzten ihn auf einen Pfahl und legten ihm jenen Beutel geringer Münzen in den Mund, mit dem Azog einst den Mord an Thrór verhöhnt hatte. Dáin war damals zweiunddreißig Jahre alt, und von diesem Tag an war sein Name im ganzen Norden bekannt.
Der Sieg brachte den Zwergen nicht zurück, was sie gesucht hatten. Thráin wollte in die wiedergewonnenen Hallen einziehen, doch Dáin, der als einziger bis zum Tor vorgedrungen war und hineingesehen hatte, trat ihm entgegen: In der Tiefe wache noch immer jenes Verderben, das Durins Volk einst vertrieben habe, und keine Macht der Zwerge dieser Tage könne ihm standhalten. Man folgte seinem Wort, das Heer zerstreute sich, und Dáin brachte die Überlebenden der Eisenberge heim. Dort herrschte er als Herr eines Landes, das der Untergang Erebors im Jahr 2770 nicht mitgerissen hatte, während die Erben Thrórs im Westen umherzogen und schließlich im Ered Luin siedelten. Über hundertvierzig Jahre lang blieb er in den Quellen ohne weitere Erwähnung; die Eisenberge waren in dieser Zeit das einzige ungebrochene Reich der Langbärte im Norden.
Erst 2941 tritt Dáin wieder hervor. Als Thorin Eichenschild den Einsamen Berg zurückgewonnen hatte, Smaug über der Seestadt gefallen und der Berg von den Menschen Thals und dem Heer des Waldlandkönigs eingeschlossen war, sandte Thorin durch die Raben des Berges Botschaft nach Osten. Dáin kam in Eilmärschen mit fünfhundert Zwergen, gerüstet und schwer bewaffnet, und lagerte vor der Belagerung; sein Erscheinen hätte um ein Haar den Kampf zwischen Zwergen, Elben und Menschen ausgelöst, denn er verlangte den Abzug der Belagerer, ehe über den Hort verhandelt werde. Bevor es dazu kam, brach das Heer der Orks und Warge aus dem Norden hervor, und die drei Parteien wandten sich gemeinsam gegen sie. In dieser Schlacht der Fünf Heere hielten Dáins Zwerge den einen Flügel, während Thorin mit seinen Gefährten ausbrach und tödlich verwundet wurde. Mit Thorin fielen Fíli und Kíli; damit erlosch die unmittelbare Linie Thráins, und Dáin, der nächste männliche Verwandte, wurde König unter dem Berge.
Was Thorin verweigert hatte, ordnete Dáin ohne Streit. Er ließ den Toten tief unter dem Berg beisetzen, den Arkenstein auf der Brust und das Elbenschwert Orcrist auf dem Grab, und teilte danach den Hort aus: Die Ansprüche der Menschen, deren Stadt durch den Drachen vernichtet worden war, wurden abgegolten, viel Gold ging an die Seestadt, und auch der Anteil, der dem Hobbit zugesagt worden war, wurde erfüllt, wenngleich dieser nur wenig davon annahm. Aus dieser Regelung erwuchs ein dauerhaftes Einvernehmen mit Bard, der Thal wieder aufbaute und dort König wurde. In den folgenden Jahrzehnten sammelten sich verstreute Zwerge um Erebor, die Werkstätten kamen erneut in Gang, und der Handel zwischen Berg, Thal und den Ländern am Fluss brachte dem Norden eine Blüte, wie er sie seit dem Fall Thrórs nicht gekannt hatte.
Sein alter Vorbehalt gegen Moria blieb bestehen. Als Balin im Jahr 2989 aufbrach, um die verlassenen Hallen Khazad-dûms neu zu besiedeln, und Ori, Óin und andere mit ihm zogen, gab Dáin die Erlaubnis nur widerstrebend und ohne Vertrauen in das Unternehmen. Fünf Jahre später, 2994, wurde Balin erschlagen und die kleine Kolonie vernichtet; von den Ausgezogenen kehrte keiner zurück, und in Erebor blieb ihr Ende jahrzehntelang ungewiss. Damit bestätigte sich, was Dáin als junger Zwerg vor dem Osttor ausgesprochen hatte, und die Frage nach Moria war für seine Regierungszeit entschieden.
Schicksal verhüllt — enthüllenSchicksal enthüllt — wieder verhüllenDieser Abschnitt verrät, wie es ausgeht.
Schicksal
In den Jahren vor dem Ringkrieg suchte Mordor die Zwerge auf seine Seite zu ziehen. Ein Bote Saurons kam mehrfach nach Erebor, fragte nach einem Hobbit und einem Ring und stellte für Auskunft die Rückgabe der einst geraubten Zwergenringe und die Herrschaft über Moria in Aussicht, verband dies aber mit unverhohlener Drohung. Dáin hielt ihn hin und schickte statt einer Antwort Glóin und dessen Sohn Gimli nach Bruchtal, wo sie im Oktober 3018 beim Rat Elronds die Lage des Nordens vortrugen. Als der Krieg ausbrach, zog das Heer aus Dol Guldur gegen Thal; Dáin und König Brand traten ihm entgegen und wurden am 17. März 3019 zurückgeschlagen. Dáin fiel an diesem Tag vor dem Tor Erebors, wo er den Leichnam Brands verteidigte, zweihundertzweiundfünfzig Jahre alt und mit unversehrter Axt; die Überlebenden beider Völker verschanzten sich im Berg und hielten der Belagerung stand, bis am 27. März sein Sohn Thorin III. Steinhelm und Bard II. die Feinde aus Thal vertrieben.
Amt, Stärke und ihre Grenzen
Im Gefüge des Legendariums ist Dáin zuerst eine militärische Größe: der Herr eines Landes, das Truppen stellen kann, und selbst ein Kämpfer von ungewöhnlicher Kraft. Die Zwerge, die er vor den Einsamen Berg führte, werden im Hobbit als schwer gerüstete Fußtruppe geschildert — Kettenpanzer bis über die Knie, eiserne Beinlinge, Helme, dazu breitblättrige Hauen, kurze breite Schwerter und Rundschilde auf dem Rücken. Solche Ausrüstung erklärt zugleich die Reichweite und die Schranke dieser Macht: Sie taugt zum Halten einer Linie und zum Kampf im Gebirge, und genau das leisteten seine Reihen, während die Entscheidung der Schlacht der Fünf Heere anderswoher kam, nämlich mit dem Eingreifen der Adler und Beorns. Dáins persönliche Waffentat vor Morias Tor blieb eine Ausnahme; sie machte ihn berühmt, verschob aber kein Kräfteverhältnis.
Als König unter dem Berge beruhte seine Stellung auf Verwandtschaft und auf der Anerkennung derer, die ihm folgten, nicht auf einem Erbgang in gerader Linie. Seine eigentlichen Mittel waren wirtschaftlicher Art: Erz und Schmiedekunst, ein wieder besiedelter Berg, ein gesicherter Handelsweg und ein Bündnis mit den Menschen am Fluss. Was seiner Herrschaft dagegen fehlte, war jene ältere Grundlage, auf die sich die Herren der Langbärte einst gestützt hatten. Von den sieben Ringen, die den Zwergen gegeben worden waren, hatten Drachen mehrere vernichtet, und den letzten hatte Sauron Thorins Vorgänger Thráin in Dol Guldur abgenommen; Dáins Königtum war also ein Königtum ohne Ring. Auch das alte Reich unter Khazad-dûm blieb außerhalb seiner Möglichkeiten, wie er selbst früh und später bestätigt festgestellt hatte.
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Schicksal
Im Ringkrieg fällt Erebor eine Aufgabe zu, die in den erzählten Hauptsträngen kaum sichtbar wird: Der Berg und Thal banden das Heer, das vom Carnen nach Norden zog, und hielten damit eine Front, die weder Bruchtal noch Lórien selbst hätten decken können. Die Grenzen dieser Leistung sind in derselben Überlieferung verzeichnet. Dáin und Brand konnten den Angriff nicht abweisen, sondern nur aufhalten; beide Könige fielen, ihre Völker wurden hinter die Tore des Berges zurückgedrängt und dort eingeschlossen. Befreit wurde die Belagerung nicht durch zwergische Waffen, sondern durch den Sturz Saurons, nach dem die Feinde vor Thal ihren Halt verloren. Dáins Macht war regional, tapfer und verlässlich — und sie hing, wie alle Mächte des Nordens, am Ausgang eines Geschehens, das weit im Süden entschieden wurde.
Verwandte, Gegner und Verbündete
Genealogisch steht Dáin an der Stelle, an der ein Seitenzweig die Hauptlinie ablöst: Thorin Eichenschild und er waren Vettern zweiten Grades, denn ihre Großväter Thrór und Grór waren Brüder gewesen. Dieses Verhältnis war weder das eines Untergebenen noch das eines Nebenbuhlers. Schon vor dem Tor Morias hatte er dem Oberhaupt seines Hauses, Thráin, offen widersprochen und sich durchgesetzt, ohne dass daraus ein Zerwürfnis erwuchs; und als Thorin ihn Jahrzehnte später rief, kam er ohne Zögern. Die Bindung an den Vater, den er im selben Treffen verlor, ist in den Quellen nicht ausgeführt, wirkt aber im Weiteren fort: Dáin erbte dessen Herrschaft über die Eisenberge und dessen Feindschaft zugleich. Sein eigener Erbe trug den Namen Thorin; wann dieser Sohn geboren wurde, verzeichnet die Überlieferung nicht, sodass offenbleibt, ob der Name ein Gedenken war.
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Schicksal
Auf der anderen Seite steht ein Bündnis, das über den einzelnen Mann hinausreichte. Aus der Auseinandersetzung um den Hort ging kein Groll hervor, sondern ein Einvernehmen mit Bard, das dessen Sohn Bain und dessen Enkel Brand überdauerte, bis Dáin und Brand nebeneinander vor demselben Tor starben. Aus Feinden vor der Belagerung wurden Nachbarn, die einander stützten — eine der wenigen dauerhaften Verbindungen zwischen Zwergen und Menschen, die das Dritte Zeitalter kennt. Auch dem Hobbit gegenüber verhielt er sich großzügig, obwohl dieser den Arkenstein aus dem Berg gebracht hatte; unter seinen Gaben war eine Halskette aus Silber und Perlen, die Beutlin auf dem Rückweg dem Elbenkönig überreichte und damit an jene Partei weitergab, gegen die Dáin selbst kurz zuvor noch aufmarschiert war.
Seine Gegnerschaften sind ungleich verteilt. Persönlich war nur eine: die zu Azog, dem Mörder seines Vaters, und es ist eine stille Fügung der Überlieferung, dass das Heer, das ihn vor Erebor stellte, von Bolg geführt wurde, dem Sohn eben dieses Ork-Häuptlings. Der spätere, weit gefährlichere Feind blieb dagegen ohne Gesicht: Mit Sauron verband ihn kein Blut und keine alte Rechnung, nur ein Angebot, das er nicht annahm. Wie er in dieser Lage handelte, sagt mehr über ihn als jede Waffentat — statt zu antworten, schickte er Glóin und dessen Sohn Gimli nach Bruchtal und legte die Sache in fremde Hände, die er für zuverlässiger hielt als die eigenen Mittel. Gandalf hat später bemerkt, wie viel im Norden davon abhing, dass Erebor und Thal in diesen Jahren überhaupt noch bestanden.
Adaptionen
Als Figur mit Sprechrolle tritt Dáin bislang nur in einer einzigen Verfilmung auf: in Peter Jacksons Hobbit-Trilogie, und dort erst im abschließenden dritten Teil, der die Schlacht vor dem Einsamen Berg erzählt. Gespielt wird er von Billy Connolly, dessen Darstellung digital überarbeitet wurde; die Rolle ist als grimmig-polternder Haudegen angelegt, während das Buch ihn vor allem als besonnenen Heerführer und späteren Ordner der Verhältnisse zeigt. Die auffälligste Abweichung betrifft sein Auftreten selbst: Statt der schwer gerüsteten Fußtruppe aus den Eisenbergen führt der Film eine berittene Streitmacht ein, und Dáin selbst erscheint auf einem Eber. Schwerer wiegt eine Verschiebung, die ihn seiner bekanntesten Tat beraubt — da die Trilogie Azog als durchgehenden Gegenspieler Thorins am Leben lässt, entfällt Dáins Sieg über den Ork-Häuptling vor den Toren Morias; in der Rückblende des ersten Films spielt er keine Rolle. Auch der Ausgang bleibt offen: Die Filme enden, ehe die Teilung des Hortes und Dáins Herrschaft über Erebor gezeigt würden.
In den älteren Bearbeitungen fehlt er ganz. Der Zeichentrickfilm von Rankin/Bass verdichtet den Roman auf gut anderthalb Stunden und rafft die Schlacht der Fünf Heere so stark, dass für das Aufgebot aus den Eisenbergen und seinen Anführer kein Raum bleibt; Thorins Nachfolge wird dort nicht verhandelt. In den Verfilmungen des Herrn der Ringe ist Dáin ohnehin keine handelnde Figur, da er in der Vorlage fern der erzählten Wege stirbt. Ralph Bakshis Fassung bricht bei der Hornburg ab und lässt den Krieg im Norden gänzlich unerwähnt, ebenso der Rankin/Bass-Film zum letzten Teil der Geschichte. Am ehesten bewahrt die sechsundzwanzigteilige Hörspielfassung der BBC den nördlichen Handlungsstrang, weil sie den Rat in Bruchtal vergleichsweise vollständig ausspielt; Dáin bleibt aber auch dort ein genannter Name ohne eigene Stimme.