Name, Art und Herkunft
Der Name Smaug wird in den Erzählungen selbst nicht gedeutet; er gehört keiner der Sprachen an, die in Mittelerde beschrieben werden. Tolkien hat ihn außerhalb der Erzählung als philologischen Einfall erläutert: gebildet nach einer Vergangenheitsform des germanischen Verbs „smugan“, das ein Hindurchzwängen durch eine enge Öffnung bezeichnet — ein Wortspiel auf die Gewohnheit der Drachen, sich in Berghöhlen einzunisten. Zur Aussprache hat der Verfasser eigens angemerkt, dass sich der Name auf das englische „cow“ reimt, im Deutschen also auf „Haus“; die verbreitete Lesart nach dem Muster von „Smog“ verfehlt sie. An Beinamen tragen die Erzählungen mehrere: der Goldene, der Prächtige, der Schreckliche. Die Wendung vom obersten und größten aller Unglücksfälle stammt aus einer Schmeichelrede, die ihm im Berg entgegengebracht wurde und die er mit sichtlichem Wohlgefallen aufnahm.
Smaug ist ein Feuerdrache, geflügelt und von gewaltigem Wuchs, mit gepanzertem Leib und einem Atem, der Stein zu Schlacke brennt. Zu seiner Art gehört mehr als Stärke: Er spricht, versteht die Sprachen der Menschen und Zwerge und führt Gespräche mit einer Beredsamkeit, die den Unerfahrenen einwickelt und ihn Dinge preisgeben lässt, die er verschweigen wollte. Ebenso kennzeichnend ist seine Habgier. Von einem Hort, auf dem er lange geruht hat, kennt er jedes einzelne Stück und bemerkt das Fehlen selbst geringer Gegenstände. Die Erzählung nennt die Wirkung solcher Schätze auf ihre Besitzer eine Krankheit, die vom Drachen ausgeht und Menschen wie Zwerge befällt, lange nachdem das Gold den Wurm verlassen hat.
Über Smaugs Jugend schweigen die Quellen. Er stammt aus dem Norden, aus jenen öden Hochländern jenseits der Grauen Berge, wo sich die Drachen im Dritten Zeitalter vermehrt hatten und von wo aus sie den Zwergen Durins Volkes seit langem zusetzten; mehr als einer ihrer Könige fiel dort einem Wurm zum Opfer, ehe Smaug überhaupt in die Überlieferung eintritt. Weiter zurück führt die Abstammung in die Ältesten Tage: Die Feuerdrachen entstammen der Brut, die Morgoth in Angband heranzog, und die Eldar nannten Glaurung den Vater der Drachen. Was von diesem Geschlecht die Zerstörung Beleriands überdauerte, zog sich in den fernen Norden zurück. Smaug gilt als der letzte der großen Würmer, der zu seiner Zeit noch tätig war; nach ihm nennen die Berichte keinen mehr von seinem Rang.
Geschichte
Die Vorgeschichte von Smaugs Anschlag liegt im Aufstieg Erebors. Thráin I. hatte den Einsamen Berg im Jahr 1999 des Dritten Zeitalters zum Königssitz gemacht, doch erst unter Thrór, der 2590 mit dem größeren Teil von Durins Volk aus dem Grauen Gebirge dorthin zurückkehrte, gelangte das Reich unter dem Berg zu seiner größten Blüte. Die Zwerge häuften Gold und geschmiedetes Gerät an, und am Fuß des Berges wuchs die Stadt Thal, deren Menschen von dem Handel lebten, der den Fluss hinab und wieder herauf ging. Der Ruf eines solchen Reichtums verbreitete sich weit, auch dorthin, wo die letzten Würmer im Norden hausten. Die Erzählung setzt voraus, dass Drachen von fern wahrnehmen, wo sich Gold sammelt, und dass ein wachsender Hort sie unweigerlich anzieht.
Im Jahr 2770 kam Smaug aus dem Norden über Erebor. Er fiel zuerst über den Berg her, verbrannte die Hänge und drang durch das Haupttor in die Hallen ein; die Zwerge, die er dort antraf, tötete er. Wer entkam, entkam durch Zufall oder durch einen verborgenen Ausgang: König Thrór, sein Sohn Thráin II. und dessen Sohn Thorin gelangten durch eine geheime Tür an der Westflanke des Berges ins Freie. Danach wandte sich der Drache gegen Thal. Die Stadt wurde niedergebrannt, und Girion, ihr Herr, kam dabei um; seine Frau und sein Kind entkamen den Fluss hinab, und aus dieser Linie stammte später Bard. Smaug sammelte alles Gold und Edelgestein, das er in den Hallen fand, zu einem einzigen Lager im untersten Saal und legte sich darauf.
Was folgte, war eine ungewöhnlich lange Ruhe. Über hundertsiebzig Jahre hinweg tat Smaug nichts, was in die Chroniken einginge; er verließ den Berg nur selten und ließ das Land ringsum veröden, bis es keinen Namen mehr trug als den der Wüstenei des Drachen. Für Durins Volk begann damit die Zeit der Wanderung und der Armut: Thrór zog schließlich fort und fand den Tod in Moria, und der Krieg, der daraus erwuchs, kostete die Zwerge mehr, als ihnen der Berg je eingebracht hatte. Von den Menschen des Nordens hielt sich eine Siedlung auf Pfählen im Langen See, wo man den Untergang Thals in Liedern bewahrte und sich erzählte, das Gold werde eines Tages wieder fließen. Wer aus der Ferne kam, sah nur den kahlen Berg und bisweilen, bei Nacht, einen Schein über seinen Toren.
Den Anstoß zu Smaugs Ende gab nicht in erster Linie der Anspruch der Zwerge auf ihr Erbe. Die nachgelassenen Aufzeichnungen zur Vorgeschichte der Fahrt geben Gandalfs Erwägung wieder: Solange der Drache lebte, blieb er eine Waffe, deren sich der Feind bedienen konnte, und ein Wurm in Saurons Diensten hätte den Norden aufgerollt und den Weg nach Eriador und in die letzten Zufluchtsorte der Eldar geöffnet. Aus dieser Sorge heraus förderte Gandalf das Unternehmen Thorins und setzte den Hobbit Bilbo Beutlin darin durch. Ein zweiter Faden lief aus dem Jahr 2850 herüber, als der Zauberer in den Verliesen von Dol Guldur den gefangenen Thráin fand und von ihm die Karte Thrórs und den Schlüssel zur geheimen Tür empfing. Im Frühjahr 2941 kam beides zusammen, und im Sommer brach die Gesellschaft von dreizehn Zwergen und einem Hobbit nach Osten auf.
Im Herbst 2941 öffnete sich der verborgene Eingang an Durins Tag, und Bilbo stieg als erster den Gang hinab. Er nahm einen zweihenkligen Becher aus dem Hort, dessen Verlust der Drache sogleich bemerkte; die Wut darüber trug Smaug an den Berghang, wo er die Ponys der Gesellschaft verschlang und den Vorsprung vor der Tür zerschlug. Bei einem zweiten Gang in die Tiefe hielt der Unsichtbare ein Gespräch mit ihm aus, das für Smaug schmeichelhaft genug verlief, dass er sich erhob und seine gepanzerte Unterseite zeigte: Über der linken Brust fehlte eine Schuppe. Bilbo trug diese Beobachtung nach oben; eine alte Drossel hörte mit, was in dem Kreis der Zwerge darüber gesprochen wurde. Kurz darauf schloss der Drache den Geheimgang von außen und verließ den Berg.
Schicksal verhüllt — enthüllenSchicksal enthüllt — wieder verhüllenDieser Abschnitt verrät, wie es ausgeht.
Schicksal
Smaug schloss aus dem Fund des Fasses und aus dem Geruch des Eindringlings, dass die Menschen vom See hinter dem Anschlag stünden, und flog in der Nacht nach Esgaroth. Die Stadt war gewarnt, die Brücke zerstört, doch das Feuer griff über, und die Dächer brannten. Bard, ein Bogenschütze aus Girions Geschlecht, hielt am längsten stand; die Drossel setzte sich zu ihm und gab weiter, was sie am Berg gehört hatte. Mit seinem letzten Pfeil traf er die unbeschuppte Stelle, als der Drache tief über das Wasser strich. Smaug stürzte auf die brennende Stadt und riss sie mit sich in den See; seine Gebeine blieben in den Untiefen liegen und wurden gemieden. Sein Tod im Jahr 2941 räumte den Norden von seiner ältesten Bedrohung und löste zugleich den Streit um den herrenlosen Hort aus, der binnen weniger Wochen in die Schlacht der Fünf Heere mündete.
Rolle und Fähigkeiten
Im Gefüge des Dritten Zeitalters verkörpert Smaug eine Macht ohne Herrschaft. Er gebietet über kein Volk, hält keine Diener und stellt kein Heer; was er an sich bringt, verwaltet er nicht, sondern bewacht es. Darin unterscheidet er sich von den Würmern der Ältesten Tage, die in den Kriegen Morgoths vor Heeren herzogen und einem fremden Willen dienten. Seine Bedeutung für die Verhältnisse zwischen Düsterwald und den Eisenbergen beruhte auf einer schlichten Rechnung: Niemand in jenen Landen besaß die Mittel, ein gepanzertes Ungeheuer aus einer Festung aus Stein zu vertreiben. Die Zwerge im Elend hielten ihren Anspruch auf den Berg über drei Geschlechter hinweg aufrecht, ohne ihn je einlösen zu können, und den Menschen am Langen See blieb nichts, als sich außer Reichweite zu halten.
Zu seiner Ausstattung als Feuerdrache kam ein Zuwachs, den er sich selbst verschafft hatte: Vom langen Liegen auf dem Hort hatten sich Gold und Edelgestein in die weiche Unterseite gedrückt und dort eine Kruste gebildet, härter als jedes geschmiedete Panzerhemd. Seine Sinne sind auf Beute und Besitz geeicht; fremden Geruch nimmt er noch nach Stunden auf, und in den Hallen entgeht ihm kein Laut, selbst wenn er zu schlafen scheint. Am gefährlichsten aber ist seine Rede. Wer ihm zuhört, gerät in einen Zustand, den die Erzählung als Bann beschreibt — eine Mischung aus Erstarrung und dem Drang, wahrheitsgemäß zu antworten; auch der Blick seiner Augen wirkt lähmend. Bilbo begegnete dem, indem er von sich nur in Rätselworten sprach und den Augen auswich.
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Schicksal
Diesen Fähigkeiten stehen deutliche Grenzen gegenüber. Smaug ist kein Geistwesen, sondern ein sterblicher Leib, und was er weiß, weiß er durch Wahrnehmung und Schluss. Den Dieb in seinen Hallen konnte er riechen und hören, doch nicht sehen; über dessen Herkunft stellte er Vermutungen an, die fehlgingen und ihn in die für ihn verhängnisvolle Richtung lenkten. Zauberei im engeren Sinne übt er nicht aus: Er verwandelt nichts, gebietet weder über Wetter noch über andere Geschöpfe, und seine einzige Fernwirkung ist die Furcht, die sein Ruf verbreitet. Auch seine Eitelkeit gehört zu diesen Grenzen, denn sie ließ sich gegen ihn wenden. Beständiger als er selbst erwies sich allein die Wirkung seines Goldes, die Menschen wie Zwerge noch ergriff, als er längst in den Untiefen des Sees lag.
Verwandtschaft und Gegenspieler
Verwandtschaft im eigentlichen Sinne kennt die Überlieferung bei Smaug nicht. Weder ein Gefährte noch eine Brut noch ein Nachkomme wird irgendwo genannt; was ihn mit seinem Geschlecht verbindet, ist Abstammung, nicht Bindung. Darin liegt zugleich der Abstand zu Glaurung, der die Heere Morgoths anführte und einem Herrn gehorchte: Smaug handelt für sich, und keine Quelle weiß von einem Auftrag, den er entgegengenommen hätte. Umso bemerkenswerter ist jene Verbindung, die nie zustande kam — die zwischen dem Drachen und dem Feind im Süden, die Gandalf in seinen Erwägungen vor der Fahrt als das eigentlich Bedrohliche ansah. Die für den Norden gefährlichste Beziehung Smaugs blieb eine Möglichkeit, und eben deshalb wog sie schwer.
Die beständigste Feindschaft verbindet ihn mit Durins Volk, doch sie ist auffällig einseitig. Auf zwergischer Seite trägt sie Namen und reicht über drei Geschlechter: Thrór, Thráin II. und Thorin hielten den Anspruch auf den Berg als persönliche Sache aufrecht, und Thorin, der die Zerstörung als junger Zwerg mit angesehen hatte, machte sie zur Aufgabe seines Lebens. Für Smaug dagegen sind Zwerge eine Gattung, kein Gegenüber. Er unterscheidet sie nach Geruch und Gerede, nicht nach Häusern oder Königen, und die Vorstellung, dass ein Erbe unter ihnen auf ihn wartet, kommt ihm nicht als Möglichkeit, sondern allenfalls als Spott in den Sinn.
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Schicksal
Die einzige Begegnung, in der Smaug einem Einzelnen wirklich gegenübertritt, ist die mit Bilbo — und sie ist ein Wortwechsel, kein Kampf. Der Drache behandelt ihn zunächst als Kuriosum, dann als Zeugen, den er über seine Hintermänner ausfragt; dass er die Antworten falsch zusammensetzt und die Menschen am See verantwortlich macht, entscheidet den Ausgang mehr als jede Waffe. Auf der Gegenseite schließt sich ein Kreis, den Smaug selbst gezogen hat: Bard stammt von Girion ab, dem Herrn der Stadt, die er verbrannte. Vermittelt wird zwischen beiden durch eine Drossel, denn zwischen den Menschen von Thal und den Vögeln des Berges hatte eine Verständigung bestanden, die den Untergang der Stadt überdauerte. So kommt der Drache durch Bindungen zu Fall, die er weder kannte noch für möglich hielt.
In Verfilmungen und Hörspielen
Smaug gehört ausschließlich zum Stoff des „Hobbit“; die Adaptionen des „Herrn der Ringe“ — Ralph Bakshis Zeichentrickfilm von 1978, die Rankin/Bass-Fassung des letzten Teils von 1980 — kommen ohne ihn aus. Seine erste bewegte Gestalt erhielt er in dem Zeichentrickfilm für das amerikanische Fernsehen, den Arthur Rankin jr. und Jules Bass 1977 vorlegten. Gesprochen wurde er dort von Richard Boone. Die Fassung presst den Roman in etwa neunzig Minuten und gibt einen erheblichen Teil ihrer Laufzeit an Lieder ab, weshalb die beiden Unterredungen zwischen Dieb und Drache stark zusammengezogen erscheinen und der Wortwechsel um Herkunft und Namen des Eindringlings kaum Raum behält. Auch der Bogenschütze, der den Drachen fällt, tritt beinahe ohne Vorbereitung auf: Seine Abstammung und die Vorgeschichte der zerstörten Stadt bleiben unerzählt, sodass der Schuss weniger als Abschluss einer langen Rechnung wirkt denn als glücklicher Zufall.
In Peter Jacksons dreiteiliger Verfilmung von 2012 bis 2014 sprach Benedict Cumberbatch die Rolle und lieh ihr zugleich über Bewegungsaufnahme das Spiel; derselbe Darsteller gab auch die Stimme des Nekromanten. Die Verteilung des Stoffes auf drei Filme trennt, was im Buch unmittelbar aufeinander folgt: Smaug erscheint erst im letzten Drittel des zweiten Teils, der nach ihm benannt ist, während sein Angriff auf die Seestadt an den Anfang des dritten rückt. Die auffälligste Abweichung betrifft die Zwerge. Statt vor der Geheimtür zu warten, dringen sie in den Berg ein und liefern dem Drachen eine ausgedehnte Verfolgung durch die Schmieden, an deren Ende der Versuch steht, ihn in geschmolzenem Gold zu ersticken — ein Vorgang, für den die Vorlage keinen Anhalt bietet. Verändert ist auch der Weg zum tödlichen Pfeil: Der Schütze ist hier ein Kahnführer mit Familie, der die Waffe von einer behelfsmäßigen Vorrichtung abschießt, und die vermittelnde Rolle der Drossel, die im Buch Beobachtung und Schuss verbindet, tritt fast völlig zurück.