Name, Haus und Herkunft
Der Name Belegorn ist sindarinischer Prägung und fügt sich in das Namensgut, das in Gondor über Jahrhunderte gepflegt wurde. Er lässt sich aus zwei Elementen lesen, die in Tolkiens elbischen Namen vielfach wiederkehren: beleg in der Bedeutung „groß, mächtig“ und orn für „Baum“. Eine ausdrückliche Deutung gerade dieses Namens hat Tolkien nicht hinterlassen; gesichert sind allein die Bestandteile, die aus den Verzeichnissen der elbischen Namenselemente hervorgehen und etwa in Beleg oder Celeborn begegnen. Ein Beiname ist für ihn nirgends überliefert. In den Aufzeichnungen erscheint er ausschließlich unter diesem einen Namen, ohne Zusatz und ohne die kennzeichnenden Titel, die manchen Königen Gondors beigegeben wurden.
Belegorn gehörte dem Haus Húrin an, jenem Geschlecht, das seinen Namen von Húrin von Emyn Arnen trägt. Dieser war ein Mann hoher númenórischer Abkunft und diente König Minardil als Truchsess; nach ihm blieb das Amt bei seinen Nachkommen und wurde schließlich erblich weitergegeben, sodass die Truchsesse Gondors eine eigene Linie neben der königlichen bildeten. Als die Königslinie erlosch, ging die tatsächliche Regierung auf dieses Haus über, ohne dass seine Angehörigen Krone oder Königstitel angenommen hätten: Sie führten die Herrschaft im Namen des Königs, dessen Rückkehr offengehalten wurde. In diese bereits gefestigte Ordnung wurde Belegorn hineingeboren, als vierter Träger der herrschenden Würde.
In der Reihe der Herrschenden Truchsesse steht er zwischen Herion vor ihm und Húrin I. nach ihm. Über das genaue Verwandtschaftsverhältnis zu seinem Vorgänger schweigen die Anhänge: Sie halten für die Linie insgesamt nur fest, dass die Würde erblich war und an den Sohn oder ersatzweise an den nächstverwandten Mann fiel, benennen aber nirgends, welche der Übergänge von dieser Regel abwichen. Belegred als Vater anzunehmen wäre daher ebenso ungedeckt wie jede andere Zuschreibung; belegt ist die Abfolge, nicht die Abstammung. Bemerkenswert bleibt die Namenswahl des Hauses, das immer wieder auf Namen aus den Älteren Tagen zurückgriff — Húrin, Túrin, Beren, Hador, Barahir —, und in dieses Muster fügt sich auch Belegorn mit seinem ersten Namenselement ein.
Geschichte
Die Zeittafeln der Truchsesse führen zu jedem Namen eine einzige Jahreszahl, und diese bezeichnet nicht den Beginn, sondern das Ende der Amtszeit. Für Belegorn ergibt sich daraus, dass seine Herrschaft mit dem Tod Herions im Jahr 2148 des Dritten Zeitalters begann und bis zu seinem eigenen Tod 2204 währte — annähernd sechsundfünfzig Jahre, gerechnet aus den beiden überlieferten Daten, nicht aus einer eigenen Angabe der Anhänge. Das Amt, das ihm zufiel, hatte zu dieser Zeit bereits eine feste äußere Gestalt angenommen: Die Truchsesse nahmen den alten Thron nicht ein, trugen weder Krone noch Zepter und führten allein einen weißen Stab als Zeichen ihrer Würde; ihr Platz war ein schwarzer Sessel am Fuß der Stufen, auf denen der leere Sitz der Könige stand. Belegorn war der vierte, der in dieser Ordnung regierte, und der erste, dessen Amtsantritt fast ein Jahrhundert nach dem Ausbleiben Earnurs lag.
Das Reich, dessen Verwaltung er antrat, war ein geschrumpftes. Die Große Pest von 1636 hatte Osgiliath entvölkert und den Sitz der Herrschaft nach Minas Anor verlegt; die alte Brückenstadt am Anduin verfiel danach zusehends und wurde nie wieder besiedelt. Schwerer noch wog der Verlust von Minas Ithil, das 2002 nach langer Belagerung fiel und seither als Minas Morgul den Dienern Saurons gehörte, während die westliche Schwesterstadt fortan Minas Tirith hieß. Mit der Stadt ging auch der Palantír von Ithil verloren, und die Grenze des Reiches lag nun in Sichtweite eines feindlichen Turms. Nach Norden hin war Calenardhon seit der Pest weitgehend leer geblieben, eine Provinz mehr dem Namen als der Bevölkerung nach. Nichts davon geschah in Belegorns Jahren, aber alles davon bestimmte, was er zu verwalten hatte.
Seine gesamte Amtszeit fällt in den Wachsamen Frieden, jene Spanne von 2063 bis 2460, die begann, als Sauron vor Gandalfs Nachforschungen aus Dol Guldur wich und sich in den Osten zurückzog. In diesen vier Jahrhunderten verzeichnen die Zeittafeln für Gondor keinen Angriff aus Mordor, und auch aus Minas Morgul ging kein Vorstoß hervor, der Aufnahme gefunden hätte. Der Frieden war, wie sein Name sagt, kein Sieg, sondern ein Aufschub: Die Wachen an den Grenzen wurden gehalten, die Ursache der Bedrohung aber war nicht beseitigt, sondern nur aus dem Blickfeld gerückt. Belegorn regierte damit in der ruhigsten Phase, die Gondor zwischen dem Fall von Minas Ithil und der Wiederkehr des Feindes beschieden war — und in einer der am dünnsten überlieferten.
Denn eine Tat wird ihm nirgends zugeschrieben. Weder Krieg noch Bündnis, weder Bauwerk noch Gesetz erscheinen unter seinem Namen; die Anhänge nennen ihn ausschließlich in der Aufzählung der Herrschenden Truchsesse und geben ihm nichts bei als seine Stelle in der Reihe und sein Todesjahr. Das ist kein Zufall der Überlieferung, sondern deren Bauform: Tolkien hat die Truchsessen-Linie als Namensliste angelegt und nur dort in Erzählung übergehen lassen, wo ein Ereignis von Rang daran hing — bei Cirion und dem Eid, der Rohan begründete, bei den Kämpfen um die Furten und den Angriffen der Haradrim, bei den Truchsessen des ausgehenden Zeitalters. Für die Inhaber zwischen Mardil und Cirion tritt kaum je etwas anderes hervor als Name und Jahr. Belegorn gehört zu diesen Gestalten, deren geschichtliches Gewicht ganz in der Kontinuität liegt, die sie sicherten.
Im Jahr 2204 endete seine Herrschaft mit seinem Tod. Über dessen Umstände sagt keine Quelle etwas: Es fehlt jeder Hinweis auf Krankheit, Alter, Gewalt oder einen Ort des Sterbens, und auch eine Grablege wird nicht eigens genannt, obwohl die Truchsesse Gondors in der Stillen Straße hinter der Feste bestattet wurden, wo neben den Häusern der Könige auch ihre Gräber standen. Auf ihn folgte Húrin I., dessen Jahr in der Liste 2244 lautet und der damit rund vier Jahrzehnte regierte. Dass dieser Nachfolger den Namen des Ahnherrn aus Emyn Arnen wieder aufnahm, ist die einzige Auffälligkeit, die der Übergang bietet; ob er Belegorns Sohn war, halten die Anhänge nicht fest, da sie für die Linie insgesamt nur die Weitergabe an den Sohn oder den nächsten Verwandten vermerken. So bleibt von Belegorn, was die Verzeichnisse verbürgen: ein Platz, eine Spanne und ein Jahr.
Amtsgewalt und ihre Grenzen
Die Gewalt eines Herrschenden Truchsessen war ihrem Umfang nach die eines Königs und ihrem Rechtsgrund nach die eines Sachwalters. Vor Mardil hatte das Amt dem Thron gedient: Der Truchsess war der oberste Beamte des Königs, von diesem bestellt und an dessen Weisung gebunden. Nach dem Ausbleiben Earnurs blieb der Aufgabenkreis derselbe, doch fehlte, wer ihn hätte anweisen können. Der Truchsess führte fortan die Heere, sprach Recht, verfügte über die Einkünfte und die Festungen des Reiches und entschied, was sonst dem König zugestanden hätte — alles im Namen eines Abwesenden. Versagt blieb ihm allein die Würde selbst: Der Sitz der Könige stand leer, und die Krone lag im Grab Earnils, wo der letzte König sie vor seinem Ausritt zurückgelassen hatte.
Wie belastbar diese Trennung war, hatte sich zwei Jahrhunderte vor Belegorns Amtszeit gezeigt. Als König Ondoher im Jahr 1944 mit beiden Söhnen im Kampf gegen die Wagenfahrer fiel, führte der Truchsess Pelendur die Regierung ein Jahr lang allein; er und der Rat Gondors wiesen den Anspruch des Arvedui von Arthedain ab und übertrugen die Krone Earnil. Ein Truchsess konnte demnach über die Thronfolge mitentscheiden, trat aber nicht selbst in sie ein, auch dann nicht, wenn die Macht dazu bereits in seinen Händen lag. Diese Zurückhaltung war keine Eigenart einzelner Männer, sondern die Bedingung des Amtes: Noch der letzte Herrschende Truchsess beharrte darauf, dass ihm die Regierung Gondors gehöre und nur einem wiederkehrenden König zu weichen habe.
Über das Amt hinaus verfügte Belegorn über nichts, was ihn ausgezeichnet hätte. Er war ein sterblicher Mann númenórischer Abkunft ohne Gaben, die ihn von anderen seines Standes unterschieden hätten; die lange Lebensdauer der Dúnedain war in Gondor längst im Schwinden begriffen, und die Anhänge geben ihm weder ein besonderes Alter noch eine besondere Kraft bei. Der Palantír von Anor stand in seinen Jahren im Weißen Turm, doch überliefert ist dessen Gebrauch durch einen Truchsessen allein für Denethor II., und auch dort als spätes und teuer bezahltes Wagnis. Von Belegorn selbst berichtet keine Quelle einen Ratschluss, ein Urteil oder einen Heerzug. Was sich über seine Macht sagen lässt, ist mithin eine Aussage über das Amt und nicht über den Mann, der es führte.
Verwandtschaft, Verbündete und Gegner
Was sich bei Belegorn an Bindungen fassen lässt, ist ausschließlich verwandtschaftlicher Art und zugleich vollständig unbenannt. Er gehörte einem Geschlecht an, dessen Zusammenhalt das Amt überhaupt erst trug, doch keine einzelne Person wird ihm als Vater, Bruder, Gemahlin oder Kind zugeordnet. Diese Leerstelle betrifft nicht ihn allein: Die Aufzählung der Truchsesse nennt für die frühen Amtsträger weder Ehen noch Geschwister, und Frauen des Hauses treten in den Anhängen erst am Ende des Zeitalters hervor, bei der Gemahlin Denethors II. aus Dol Amroth. Wer bei Belegorn nach Familie sucht, findet mithin eine Ordnung statt einer Person — die Zugehörigkeit zu einem Haus, dessen Glieder sich in der Reihe ablösten, ohne dass die Übergänge im Einzelnen ausgeschrieben worden wären.
Ebenso wenig ist ein Verbündeter für seine Jahre überliefert. Die Freundschaft, die Gondors auswärtige Beziehungen im weiteren Verlauf am stärksten prägen sollte — das Bündnis mit den Reitern aus dem Norden, die unter Eorl zu Hilfe kamen und dafür Calenardhon erhielten —, lag mehr als drei Jahrhunderte jenseits seines Todes und gehörte der Amtszeit Cirions an. Zu Elben oder Zwergen wird für diese Zeit keine Verbindung vermerkt, und auch die Fürstenhäuser der Lehen erscheinen erst später mit Namen. Belegorn steht damit in keiner Beziehung, die als Wahl kenntlich wäre; er stand in denen, die er vorfand.
Bei den Gegnern verhält es sich umgekehrt: Sie sind benannt, aber untätig. Jenseits des Anduin hielten die Ringgeister die Stadt, die sie zweihundert Jahre vor seinem Amtsantritt genommen hatten, und im Osten war Sauron nach seinem Rückzug aus Dol Guldur unerkannt, doch nicht beseitigt. Dazu kamen die alten Feindschaften des Südens, die Gondor mit den Völkern Harads seit Generationen verbanden. Für Belegorns Jahrzehnte verzeichnen die Zeittafeln jedoch keinen Zusammenstoß mit einem von ihnen. Sein Verhältnis zu den Feinden Gondors war eines der Nachbarschaft und der ererbten Wachsamkeit, nicht der Begegnung — eine Gegnerschaft, die bestand, ohne dass sie in seiner Zeit eine Handlung hervorgebracht hätte.