Name und Herkunft

Seinen Namen verdankt das Geschlecht nicht dem gleichnamigen Helden der Ältesten Tage, sondern einem Mann aus Gondors Königszeit: Húrin von Emyn Arnen, der unter König Minardil das Amt des Truchsessen versah. Emyn Arnen bezeichnet eine Hügelgruppe in Ithilien, östlich des Anduin gegenüber der Hauptstadt, und der Zusatz ordnet den Ahnherrn damit einem bestimmten Landstrich zu. Das Haus wurde somit nicht nach seinem Amt, sondern nach seinem Stammvater benannt, eine Benennung, die es auch in der Zeit beibehielt, in der seine Angehörigen längst an Stelle der Könige herrschten. Daneben ist die sachliche Bezeichnung als Haus der Truchsessen belegt, die nicht die Abkunft, sondern die Aufgabe in den Vordergrund stellt.1

Über die Abstammung des Ahnherrn gibt die Überlieferung nur eine knappe, aber gewichtige Auskunft: Húrin galt als Mann von hoher númenórischer Herkunft. Innerhalb Gondors stellt ihn das in die Nachfolge der Getreuen, die nach dem Untergang über das Meer gekommen waren, auch wenn die Quelle keine Linie nennt, die ihn mit dem Königshaus Elendils verbinden würde. Von den späteren Königen wurde dieses Erbe offenbar als Vertrauenskapital verstanden, denn nach Húrin suchten sie ihre Truchsessen nur noch unter seinen Nachfahren aus. Wie die einzelnen Amtsträger miteinander verwandt waren, lässt der Text dagegen offen; er hält lediglich fest, dass das Amt nach Pelendur innerhalb der Familie weitergereicht wurde.2

Das Bewusstsein dieser Herkunft blieb im Haus bis in die Zeit des Ringkriegs lebendig. Faramir führt gegenüber Frodo seine Familie auf Mardil zurück, den ersten Truchsess, der nach dem Verschwinden des letzten Königs die Herrschaft übernahm, und betont zugleich, dass sein Geschlecht sich stets als Verwalter, nicht als Träger der Krone verstand. Gandalf wiederum bemerkt über Denethor, dass in ihm das Blut Westernis nahezu unvermischt fortwirke, ein Urteil, das die númenórische Abkunft des Hauses nach vielen Jahrhunderten noch einmal bekräftigt. Namen und Erinnerung des Geschlechts waren damit eng an jene Ordnung gebunden, in deren Dienst es einst getreten war.3

  1. 1Der Herr der Ringe, Anhang A, I (iv), The Stewards
  2. 2Der Herr der Ringe, Anhang A, I (iv), The Stewards
  3. 3Der Herr der Ringe, Buch IV, Kap. 5; Der Herr der Ringe, Buch V, Kap. 1

Geschichte

Die Geschichte des Hauses beginnt im siebzehnten Jahrhundert des Dritten Zeitalters, als Gondor bereits von inneren Wirren und äußeren Feinden bedrängt war. Húrin von Emyn Arnen diente König Minardil, der im Jahr 1634 bei Pelargir fiel, als Korsaren aus Umbar die Stadt überfielen. Die Könige der folgenden Generationen hielten an dem einmal gewählten Geschlecht fest, sodass das Amt des Truchsessen über lange Zeit an eine einzige Familie gebunden blieb, ohne schon im strengen Sinn erblich zu sein. In dieser Phase war der Truchsess ein hoher Diener der Krone, der den König beriet und in dessen Abwesenheit die Geschäfte führte, aber keine eigene Herrschaft beanspruchte.1

Eine erste Bewährungsprobe kam 1944, als König Ondoher und seine beiden Söhne im Kampf gegen die Wagenfahrer fielen. Der Truchsess Pelendur hielt daraufhin für eine Weile die Regierung in Händen, und im Rat Gondors gehörte er zu den maßgeblichen Stimmen, die den Anspruch Arveduis aus dem Nordreich auf die Krone zurückwiesen. Stattdessen fiel die Wahl auf den siegreichen Heerführer Earnil, der aus dem Haus Anárions stammte. Mit Pelendur trat zugleich die Wende ein, die das Amt fortan innerhalb der Familie weitergab, sodass es nicht mehr von der Gunst des jeweiligen Königs abhing.2

Den tiefsten Einschnitt brachte das Jahr 2050. König Earnur, Earnils Sohn, folgte der Herausforderung des Hexenkönigs nach Minas Morgul und kehrte nicht zurück; einen Erben hinterließ er nicht. Mardil, der ihm als Truchsess gedient hatte, übernahm die Lenkung des Reiches, und mit ihm begann die Reihe der herrschenden Truchsessen. Sie regierten im Namen eines Königs, dessen Wiederkehr man zwar nicht mehr erwartete, den man aber auch nicht förmlich für abgesetzt erklärte. Äußerlich blieb diese Zurückhaltung gewahrt: Die Truchsessen saßen nicht auf dem Thron, sondern auf einem schlichten Stuhl zu seinen Füßen, trugen einen weißen Stab als Zeichen ihres Amtes und führten ein Banner ohne Wappenbild.3

Die erste Zeit ihrer Herrschaft fiel in den sogenannten Wachsamen Frieden, in dem Sauron sich aus Dol Guldur zurückzog und Gondor für einige Jahrhunderte Ruhe fand. Nach dessen Ende nahm der Druck von Osten und Süden jedoch wieder zu. Unter dem Truchsess Cirion geriet das Reich 2510 in schwere Not, als Balchoth und Orks Calenardhon überrannten; erst das Eingreifen Eorls und seiner Reiter auf dem Feld von Celebrant wendete die Lage. Cirion überließ den Nordmännern daraufhin das entvölkerte Land, aus dem das Reich Rohan hervorging, und begründete damit ein Bündnis, das über Jahrhunderte Bestand haben sollte.4

In den folgenden Jahrhunderten verwalteten die Truchsessen einen langsamen, aber stetigen Rückzug. Unter Beren wurden 2759 die Schlüssel Orthancs an Saruman übergeben, der sich im nahezu verlassenen Isengart niederließ. Als 2872 der Weiße Baum in Minas Tirith verdorrte, ließ man ihn stehen, da sich kein Schössling fand, der ihn hätte ersetzen können. Ithilien wurde unter dem Druck der Orks aus Mordor von den meisten seiner Bewohner verlassen, und Gondor sicherte sich dort mit verborgenen Stützpunkten wie Henneth Annûn ab. Unter Ecthelion II. diente ein Hauptmann aus dem Norden, der unter dem Namen Thorongil auftrat und mit einem Angriff auf die Flotte Umbars einen bedeutenden Erfolg errang.5

Denethor II., Ecthelions Sohn, führte das Amt in die Zeit des Ringkriegs. Er vermählte sich mit Finduilas aus Dol Amroth und hatte zwei Söhne, Boromir und Faramir. Der ältere fiel 3019 auf der Fahrt der Gefährten, und während der Belagerung Minas Tiriths nahm Denethor sich in der Verzweiflung selbst das Leben, nachdem er lange heimlich in einen der Palantíri geblickt hatte. Faramir trat damit als letzter herrschender Truchsess die Nachfolge an und legte das Amt bei Aragorns Krönung in dessen Hände zurück. Aragorn bestätigte ihn darin und setzte ihn zudem als Fürsten von Ithilien ein, mit Sitz in Emyn Arnen, sodass das Haus an den Ort zurückkehrte, von dem es einst seinen Ausgang genommen hatte.6

  1. 1Der Herr der Ringe, Anhang A, I (iv), The Stewards; Der Herr der Ringe, Anhang B, The Tale of Years
  2. 2Der Herr der Ringe, Anhang A, I (iv), Gondor and the Heirs of Anárion; Der Herr der Ringe, Anhang A, I (iv), The Stewards
  3. 3Der Herr der Ringe, Anhang A, I (iv), The Stewards; Der Herr der Ringe, Anhang B, The Tale of Years
  4. 4Der Herr der Ringe, Anhang A, II, The House of Eorl; Der Herr der Ringe, Anhang B, The Tale of Years
  5. 5Der Herr der Ringe, Anhang B, The Tale of Years; Der Herr der Ringe, Anhang A, I (iv), The Stewards
  6. 6Der Herr der Ringe, Buch V, Kap. 7; Der Herr der Ringe, Buch VI, Kap. 5; Der Herr der Ringe, Anhang A, I (iv), The Stewards

Sprache, Sitten und Verhältnis zum Tod

Wie die übrigen Geschlechter númenórischer Abkunft in Gondor kannte auch das Haus der Truchsessen neben der Gemeinsprache eine elbische Sprache, das Sindarin, das unter den Vornehmen des Reiches gepflegt wurde. Am deutlichsten zeigt sich das an den Namen: Die Truchsessen trugen fast durchweg sindarinische Namen, während die Könige vor ihnen überwiegend Namen in Quenya geführt hatten. Auffallend oft griffen sie dabei auf Gestalten aus der Überlieferung der Ältesten Tage zurück, und so begegnen in der Reihe der Amtsträger Namen wie Húrin und Túrin, Turgon und Ecthelion, Beren und Boromir. Man darf darin ein Haus erkennen, das seine Erinnerung über Númenor hinaus bis zu den Edain und ihren elbischen Verbündeten in Beleriand zurückreichen ließ.1

Im täglichen Leben teilte das Haus die Bräuche Gondors, wie sie sich in Faramirs Gefolge in Ithilien beobachten lassen: Vor dem Mahl wandten sich die Männer schweigend nach Westen, dem versunkenen Númenor zu, darüber hinaus dem Elbenland und dem, was jenseits davon liegt. Daneben bewahrte das Geschlecht eigene Erbstücke. Das große Horn, das Boromir trug, stammte von Vorondil, dem Vater Mardils, der in den Ebenen von Rhûn die wilden Rinder Araws gejagt hatte, und wurde jeweils vom ältesten Sohn geführt. Kriegsdienst und Gelehrsamkeit standen nebeneinander: Denethor galt als tief bewandert in alter Lehre, und Faramir, der Überlieferung und Musik mehr zugetan war als sein Bruder, suchte den Umgang mit Mithrandir.2

Das Verhältnis zu Tod und Zeit sah Faramir selbst mit kritischem Blick. Gegenüber Frodo beschreibt er, wie die Númenórer in Gondor nach endlosem Leben verlangt, den Toten prächtigere Häuser errichtet hätten als den Lebenden und in stillen Hallen über ihren Ahnenreihen gebrütet hätten, während die Kinderlosigkeit um sich griff. Die Truchsessen selbst ruhten in einem eigenen Grabhaus an der Stillen Straße, Rath Dínen, wo man ihre Leiber einbalsamiert beisetzte. Denethors Entschluss, sich und Faramir stattdessen verbrennen zu lassen, verwarf diesen Brauch ausdrücklich, und Gandalf hielt ihm entgegen, so hätten nur heidnische Könige unter der Herrschaft der Dunklen Macht gehandelt.3

  1. 1Der Herr der Ringe, Anhang A, I (iv), The Stewards; Der Herr der Ringe, Anhang F, I, Of Men
  2. 2Der Herr der Ringe, Buch IV, Kap. 5; Der Herr der Ringe, Buch V, Kap. 1; Der Herr der Ringe, Anhang A, I (iv), The Stewards
  3. 3Der Herr der Ringe, Buch IV, Kap. 5; Der Herr der Ringe, Buch V, Kap. 4; Der Herr der Ringe, Buch V, Kap. 7

Linien, Verwandtschaft und Verbindungen

In einzelne Zweige gliedert die Überlieferung das Haus nicht; sie kennt nur eine Linie, deren innere Verwandtschaft über weite Strecken im Dunkeln bleibt. Anhang A trennt jedoch zwei Abschnitte der Folge: die Truchsessen, die noch unter Königen dienten, und die herrschenden Truchsessen, deren Zählung mit Mardil einsetzt. Da das Amt ausdrücklich an den Sohn oder, wo ein solcher fehlte, an den nächsten Verwandten fiel, lässt sich aus der bloßen Namensreihe nicht ablesen, wo die Folge von Vater zu Sohn abbrach und auf eine Seitenlinie überging. Gesichert sind die Vater-Sohn-Verhältnisse erst in den letzten Generationen vor dem Ringkrieg, von Ecthelion II. über Denethor II. zu dessen Söhnen.1

Deutlicher treten die Verbindungen nach außen hervor. Denethors Gemahlin Finduilas war eine Tochter Adrahils von Dol Amroth, sodass Fürst Imrahil, ihr Bruder, der Oheim Boromirs und Faramirs war und das Haus der Truchsessen mit dem Fürstenhaus am Meer verwandt wurde. Faramir wiederum vermählte sich nach dem Krieg mit Éowyn, der Schwester Éomers, und band damit das Geschlecht an das Königshaus Rohans. Die Linie setzte sich danach fort: Ein Enkel Faramirs namens Barahir gilt als Verfasser der Erzählung von Aragorn und Arwen, die nach dem Tod des Königs niedergeschrieben wurde.2

Zur Frage, welchem Stamm der Menschen das Haus angehörte, bietet die Überlieferung Gondors eine eigene Einteilung, die Faramir gegenüber Frodo erläutert: Man unterschied die Hohen Menschen westlicher Abkunft, die Mittleren Menschen, zu denen man die Rohirrim rechnete, und die Wilden. Das Haus zählte sich zur ersten Gruppe, doch Faramir räumt ein, dass Gondor selbst den Mittleren Menschen ähnlicher geworden sei und Kampf und Tapferkeit um ihrer selbst willen zu schätzen gelernt habe. Dass die Abkunft innerhalb einer einzigen Familie verschieden deutlich hervortreten konnte, hält Gandalf fest: Das alte Erbe zeige sich rein in Denethor und in Faramir, nicht aber in Boromir.3

  1. 1Der Herr der Ringe, Anhang A, I (iv), The Stewards
  2. 2Der Herr der Ringe, Anhang A, I (iv), The Stewards; Der Herr der Ringe, Buch VI, Kap. 5; Der Herr der Ringe, Prolog, Note on the Shire Records
  3. 3Der Herr der Ringe, Buch IV, Kap. 5; Der Herr der Ringe, Buch V, Kap. 1

Rolle in der Erzählung

Im „Herrn der Ringe“ erscheint das Haus nicht als ferne Dynastie, sondern in drei Männern einer einzigen Familie, einem Vater und seinen beiden Söhnen. An ihnen verhandelt das Buch eine Frage, die über Gondor hinausreicht: Was wird aus einem Amt, wenn derjenige ausbleibt, für den es verwaltet wird? Schon Boromir trägt diese Frage mit sich, als er in Bruchtal dem Erben Isildurs gegenübertritt und dessen Anspruch eher prüfend als freudig aufnimmt. Anhang A bewahrt dazu eine Kindheitsszene: Der junge Boromir wollte von seinem Vater wissen, nach wie vielen Jahrhunderten ein Truchsess zum König werde, und Denethor erwiderte, anderswo genügten dafür vielleicht wenige Jahre, in Gondor aber keine noch so lange Zeit.1

Zur eigentlichen Probe wird für das Haus der Ring. Die Erzählung lässt jedes seiner drei Mitglieder auf ihn antworten, und die Antworten fallen verschieden aus. Boromir erliegt dem Verlangen, die Waffe zum Wohl seiner Stadt an sich zu nehmen, und bedrängt Frodo am Amon Hen. Faramir hat den Ring in Ithilien gleichsam in Reichweite und verzichtet dennoch, ohne zu zögern. Denethor schließlich hätte ihn weder zerstört noch benutzt sehen wollen, sondern verborgen in den Tiefen seiner Stadt, als letzte Reserve für die äußerste Not. Das Geschlecht wird so zum Spiegel, in dem das Buch die Versuchung der Macht an Menschen guten Willens durchspielt.2

Den Gegenentwurf formuliert Gandalf, als er Denethor bei ihrer ersten Unterredung zu verstehen gibt, auch er sei ein Truchsess, beauftragt mit der Sorge um alles, was in dunkler Zeit bewahrt werden soll. Das Amt erscheint damit nicht als Herrschaft, sondern als Treuhandschaft, die ihren Sinn verliert, sobald man sie als Besitz begreift. Denethor klammert sich an die Macht, bis er an ihr zerbricht; Faramir gibt sie zurück, und schon die Kapitelüberschrift über den Truchsess und den König stellt beide Ämter nebeneinander, ohne das eine gegen das andere auszuspielen. So steht das Haus in der Erzählung für die Möglichkeit treuen Dienens ohne Krone und zugleich für die Gefahr, die jedem Verwalten innewohnt.3

  1. 1Der Herr der Ringe, Buch II, Kap. 2; Der Herr der Ringe, Anhang A, I (iv), The Stewards
  2. 2Der Herr der Ringe, Buch II, Kap. 10; Der Herr der Ringe, Buch IV, Kap. 5; Der Herr der Ringe, Buch V, Kap. 4
  3. 3Der Herr der Ringe, Buch V, Kap. 1; Der Herr der Ringe, Buch V, Kap. 7; Der Herr der Ringe, Buch VI, Kap. 5

Entwürfe und Varianten

Das Haus der Truchsessen ist beim Schreiben entstanden und wurde nicht vorab entworfen. In den frühen Fassungen des „Herrn der Ringe“, wie sie in der „History of Middle-earth“ vorliegen, erscheint Gondors Herrscherfamilie zunächst nur mit Boromir als Vertreter seiner Stadt. Einen jüngeren Bruder sah die Planung nicht vor. Faramir trat erst im Frühjahr 1944 hinzu, als Tolkien die Kapitel in Ithilien niederschrieb. In einem Brief an seinen Sohn Christopher bemerkte er selbst, dass diese Gestalt unerwartet aufgetaucht sei und er sie nicht bewusst erfunden habe. Die Entwürfe zum Vierten Buch zeigen, wie die Begegnung im Wald erst allmählich die Form gewann, in der ein Hauptmann Gondors die Rolle des Bruders übernimmt. Damit erhielt die Familie jenes Gegenüber zweier Söhne, auf dem ihre Darstellung im veröffentlichten Werk beruht.1

Auch die lange Vorgeschichte des Hauses bildete sich erst nach der Haupterzählung heraus, nämlich bei der Arbeit an den Anhängen. Die Vorstufen der Königs- und Truchsessenlisten, die Christopher Tolkien unter dem Titel „The Heirs of Elendil“ herausgegeben hat, zeigen, wie die Reihe der Amtsträger samt ihrer Zeitrechnung Schritt für Schritt ausgearbeitet wurde. Dort lässt sich verfolgen, wie Tolkien die Verbindung der Truchsessen mit der Geschichte Gondors ordnete und ihre Stellung gegenüber dem Königshaus festlegte. Für die Frage, wer innerhalb der Linie wessen Sohn war, liefern jedoch auch diese Materialien keine durchgehende Auskunft, die über den veröffentlichten Anhang hinausginge.2

  1. 1The War of the Ring, Teil 2, Faramir; Briefe, Letter 66
  2. 2The Peoples of Middle-earth, Teil 1, Kap. 7, The Heirs of Elendil

In Verfilmungen und Hörspielen

Die bekannteste Umsetzung des Hauses bieten Peter Jacksons Filme, in denen Sean Bean den Boromir, David Wenham den Faramir und John Noble den Denethor spielt. Gerade diese Familie ist dort von einigen der am häufigsten besprochenen Abweichungen betroffen. Am stärksten verändert erscheint Faramir: Anders als im Roman, wo er dem Ring ohne Zögern entsagt, erliegt er im Film zunächst der Versuchung, die Waffe seinem Vater zu bringen, und führt Frodo und Sam deshalb nach Osgiliath, bevor er sie ziehen lässt. Die erweiterte Fassung des zweiten Films fügt eine Rückblende hinzu, die im Buch keine Entsprechung hat und alle drei Männer gemeinsam zeigt; sie soll Denethors Bevorzugung des älteren Sohnes greifbar machen. Auch bei der Verteidigung Minas Tiriths weicht der Film ab, denn die Leuchtfeuer nach Rohan werden dort gegen Denethors Willen entzündet, während der Truchsess im Roman selbst um Hilfe hatte bitten lassen.1

Die Hörspielfassung der BBC, die der Buchvorlage insgesamt eng folgt, besetzt Denethor mit Peter Vaughan und Boromir mit Michael Graham Cox. Derselbe Sprecher hatte Boromir bereits drei Jahre zuvor in Ralph Bakshis Zeichentrickfilm seine Stimme geliehen. Da Bakshis Film nach der Schlacht um Helms Klamm abbricht und der geplante zweite Teil nie entstand, bleibt das Haus dort auf Boromir beschränkt; weder sein Bruder noch sein Vater treten auf. Erst im Hörspiel erscheint die Familie damit in der Breite, die der Roman ihr gibt, und mit ihr die Szenen in Ithilien und in der Zitadelle.2

  1. 1Der Herr der Ringe (Filmtrilogie), 2001–2003
  2. 2Der Herr der Ringe (Hörspiel 1981), 1981; Der Herr der Ringe (Film 1978), 1978