Herkunft und Namen
In den zu Lebzeiten des Verfassers veröffentlichten Büchern tritt Celeborn ohne Stammbaum auf. Er erscheint als Herr der Galadhrim, der das Waldland Lórien gemeinsam mit Galadriel regiert, und was über seine früheren Zeitalter gesagt wird, bleibt andeutungsweise; die Erzählung stellt ihn vor, ohne ihn herzuleiten. Der Name selbst ist sindarin und folgt den Ausspracheregeln des Anhangs E: Das anlautende C ist ausnahmslos ein K-Laut, und jeder Vokal wird einzeln gesprochen, sodass drei deutlich getrennte Silben entstehen. Die im deutschen Sprachgebrauch verbreitete Anlautform mit weichem Zischlaut, nach dem Muster von „Zelle“, widerspricht diesem Regelwerk.
Die posthum herausgegebene Überlieferung füllt die Lücke auf zweierlei Weise, und beide Fassungen stehen nebeneinander. Der Bericht des Silmarillion macht Celeborn zu einem Sinda aus Doriath und zu einem Verwandten Thingols, also zu einem Elben der Grauelben, der Aman nie gesehen hat und dessen Herkunft ganz in Beleriand wurzelt. In dieser Linie liegt auch der Beiname „der Weise“, der ihm in der Überlieferung um Lórien beigelegt wird und weniger eine Amtsbezeichnung meint als ein über lange Zeitalter gesammeltes Urteilsvermögen. Von hier aus erklärt sich zugleich, warum er in den späteren Zeitaltern als Bewahrer eines älteren, östlich der Berge fortlebenden Elbentums gezeichnet wird.
Der Name bedeutet dem Wortsinn nach „Silberbaum“: Er setzt sich aus dem sindarin Element für Silber und dem für Baum zusammen, und dieselbe Verbindung begegnet als Baumname auf Tol Eressea. Eine späte Fassung verschiebt die Herkunft grundlegend und macht Celeborn zu einem Fürsten der Teleri aus Aman, der mit Galadriel nach Osten zog; dort trägt er die telerische Namensform Teleporno, gebildet aus den entsprechenden Wörtern jener Sprache, und „Celeborn“ ist deren sindarine Entsprechung. Beide Versionen sind mit vollem Gewicht ausgearbeitet, ohne dass eine die andere ausdrücklich aufhebt, sodass die Frage nach Volkszugehörigkeit und Ursprung dieser Gestalt unentschieden bleibt.
Geschichte
Der überlieferte Lebenslauf beginnt in Beleriand. Nach dem Bericht, den das Silmarillion trägt, gehört Celeborn zum Volk Thingols und lebt im verborgenen Reich Doriath, und dort begegnet er Galadriel, die mit den Noldor über das Eis nach Mittelerde gekommen ist; aus dieser Begegnung wird die Ehe, die von da an über alle folgenden Zeitalter fortbesteht. Den Untergang Doriaths und die Zerstörung Beleriands überstehen beide, doch anders als der größte Teil der Noldor nehmen sie das Angebot der Rückkehr über das Meer nicht an. Zu Beginn des Zweiten Zeitalters wohnen sie eine Zeitlang in Lindon südlich des Lhûn, im Land Harlindon, das damals unter der Oberhoheit Gil-galads steht. Von dort aus wenden sie sich später nach Osten, über die Berge in die Länder des Binnenlandes.
Für das Zweite Zeitalter geben die nachgelassenen Aufzeichnungen mehrere, einander widersprechende Wege an; gesichert ist keine der Fassungen. In einer von ihnen ist Celeborn zeitweilig in Eregion tätig, jenem Elbenland westlich des Nebelgebirges, in dem die Schmiede unter Celebrimbor die Ringe der Macht hervorbringen und in dem ein ungewöhnlich enger Verkehr mit dem Zwergenreich Khazad-dûm besteht — ein Verkehr, dem er selbst mit altem Vorbehalt begegnet, weil die Erinnerung an das Ende Doriaths nachwirkt. Als Sauron im Jahr 1697 des Zweiten Zeitalters Eregion verwüstet, führt Celeborn nach dieser Darstellung einen Ausfall gegen die Vorhut des Feindes, wird jedoch vom Rückweg abgeschnitten und schließt sich den Truppen an, die Elrond aus Lindon heranführt. Aus diesem Rückzug nach Norden geht die Gründung Bruchtals durch Elrond hervor. Andere Fassungen lassen ihn stattdessen früh nach Lórien gelangen; die Widersprüche sind nicht aufgelöst.
Im Dritten Zeitalter wird die Zeitrechnung wieder fest. Die Tochter Celebrían vermählt sich im Jahr 109 mit Elrond von Bruchtal; aus dieser Ehe stammen Elladan, Elrohir und Arwen, sodass Celeborn zum Großvater der Erben Bruchtals wird. Im Jahr 2509 wird Celebrían auf der Reise durch das Nebelgebirge von Orks überfallen und verwundet, und im Jahr darauf verlässt sie Mittelerde über das Meer — ein Verlust, der die Familie über Jahrhunderte prägt. Bereits zuvor, im Jahr 1981, geht in Lórien die Herrschaft Amroths zu Ende, als dieser nach dem Fortgang Nimrodels verlorengeht; das Waldland verliert zugleich einen Teil seines Volkes an die Wanderung nach Süden. Von da an führen Celeborn und Galadriel die Galadhrim gemeinsam, ohne dass er den Königstitel annimmt.
Im Januar des Jahres 3019 tritt Celeborn zum ersten Mal in der Haupterzählung auf. In Caras Galadhon empfängt er die Gefährten, zählt sie und fragt nach dem Neunten; als er von Gandalfs Sturz in Moria erfährt, spricht er vom lange gefürchteten Schrecken unter dem Caradhras und wirft den Zwergen vor, ihn geweckt zu haben, nimmt diese Worte aber auf Galadriels Einspruch hin zurück und begegnet Gimli von da an mit Freundlichkeit. Beim Abschied gilt seine Sorge dem weiteren Weg: Er stellt Boote bereit, erklärt den Lauf des Anduin, die Stromschnellen von Sarn Gebir, das Gelände der Emyn Muil und die Insel Tol Brandir und lässt offen, ob die Gemeinschaft westlich oder östlich des Stroms weiterziehen soll. Ausdrücklich warnt er davor, in den Fangorn-Wald einzudringen.
Während des Ringkrieges wird Lórien selbst angegriffen. Aus Dol Guldur ziehen im März 3019 dreimal Heere gegen das Waldland — am elften, am fünfzehnten und am zweiundzwanzigsten des Monats —, und alle drei Angriffe werden abgewiesen, wenn auch nicht ohne Schaden an den Bäumen am Waldrand. Am achtundzwanzigsten März, nach dem Fall Barad-dûrs, überschreitet Celeborn an der Spitze der Galadhrim den Anduin und nimmt die Festung ein; ihre Mauern werden niedergelegt und ihre Verliese geöffnet. Am sechsten April treffen Celeborn und Thranduil in der Mitte des Waldes zusammen und teilen den befreiten Düsterwald, der nun Eryn Lasgalen heißt: Thranduil nimmt den Norden, das Waldvolk in der Mitte bleibt sich selbst überlassen, und Celeborn übernimmt den südlichen Teil unterhalb der Engen als Ost-Lórien.
Schicksal verhüllt — enthüllenSchicksal enthüllt — wieder verhüllenDieser Abschnitt verrät, wie es ausgeht.
Schicksal
Nach dem Krieg reisen Celeborn und Galadriel nach Minas Tirith, wo zur Sommermitte 3019 die Vermählung Aragorns mit ihrer Enkelin Arwen stattfindet. Auf dem Rückweg begleiten sie den Zug, der Théoden nach Edoras zur Bestattung geleitet und danach nach Isengart weiterzieht; erst jenseits davon trennen sie sich von Elronds Gesellschaft und kehren über das Gebirge nach Lórien zurück. Im Jahr 3021 geht Galadriel mit den Ringträgern von den Grauen Anfurten über das Meer; Celeborn bleibt zurück. Die Überlieferung berichtet, dass er danach nach Bruchtal übersiedelte, wo die Söhne Elronds noch eine Weile blieben, und dass niemand aufgezeichnet hat, wann er zuletzt zu den Anfurten zog. Mit ihm verließ die letzte lebendige Erinnerung an die Älteren Tage Mittelerde.
Rolle und Fähigkeiten
Im Gefüge der Elbenfürsten des späten Dritten Zeitalters steht Celeborn an der Spitze eines Volkes, nicht an der Spitze einer verborgenen Macht. Die Erzählung ordnet ihn den Großen zu — sein Sitz in Caras Galadhon wird wie ein Hof geschildert, mit Empfang, Rede und Rat —, doch der Schutz, unter dem das Waldland liegt, geht nicht von ihm aus. Er trägt keinen der Drei Ringe: Nenya ist Galadriels Besitz, und die Bewahrung Lóriens wird ausdrücklich an ihn gebunden, während Elrond und Círdan die beiden anderen halten. Damit ist Celeborn der einzige Herrscher dieses Ranges, dem kein Ringwerk zu Gebote steht; Zauberkunst, Sehergabe oder ein Werk seiner Hand wird ihm an keiner Stelle zugeschrieben.
Was er an Macht ausübt, ist Herrschaftsmacht im schlichten Sinn: Verfügung über ein Volk, über dessen Grenzwachen, Boote und Vorräte, und ein genaues Kennen der Länder ringsum. Sein Beitrag zur Fahrt der Gefährten besteht in Auskunft und Ausrüstung, nicht in einer Gabe von besonderer Wirkung; die Wegbeschreibung, die er gibt, endet folgerichtig in einer offenen Wahl, denn er beansprucht nicht, den richtigen Weg zu wissen. Ausdrücklich verweigert er es, seinen Rat als Bindung zu setzen. Im Krieg zeigt sich dieselbe Art von Fähigkeit — Führung eines Heeres, Einnahme einer Feste, geordnete Aufteilung eines befreiten Landes —, also Können des Feldherrn und des Fürsten.
Die Grenzen sind entsprechend deutlich gezogen. Unter den Mitgliedern des Weißen Rates wird Galadriel genannt, Celeborn nicht; die Beratungen über Sauron und den Ring laufen an ihm vorbei. Das ihm beigelegte Urteilsvermögen bewährt sich nicht als Unfehlbarkeit, sondern darin, dass er ein voreiliges Wort über die Zwerge vor versammelter Runde zurücknimmt. Auch seine Stellung ist nicht aus sich selbst tragfähig: Als Galadriel über das Meer geht, hat das Waldland seine Bewahrerin verloren, und der Herr allein hält es nicht; er verlässt es und lebt danach unter den Söhnen Elronds. Die nachgelassene Überlieferung fügt hinzu, dass sein Wissen aus Erfahrung stammt, aus der Länge der Zeitalter, die er durchmessen hat, und nicht aus einem Amt oder einer verliehenen Kraft.
Verwandtschaft, Bündnis und Feindschaft
Keine andere Bindung bestimmt diese Gestalt so vollständig wie die Ehe mit Galadriel. Der Text führt Celeborn nie allein ein: Die Gefährten treten vor zwei gleich hohe Sitze unter dem Baum, die Begrüßung ergeht von beiden, und was in Caras Galadhon entschieden wird, ist Sache des Paares. Gerade dadurch wird das Gefälle sichtbar, denn die Szene um Moria zeigt eine Ehe, in der öffentlicher Widerspruch möglich ist — sie tritt seinem harten Urteil vor versammelter Runde entgegen, und er weicht, ohne dass er dabei an Ansehen verliert. Die Verbindung überdauert die Zeitalter und endet nicht in einer Trennung im eigentlichen Sinn, sondern in einem Zurückbleiben.
Aus dieser Ehe erwächst das einzige Haus, dem Celeborn als Vater angehört, und über die Vermählung Celebríans wird Elrond sein Schwiegersohn. Damit sind Lórien und Bruchtal nicht bloß verbündet, sondern verschwägert, und diese Bindung trägt bis zum Ende: Nach dem Krieg reisen beide Häuser in einem Zug, und als Galadriel und Elrond fort sind, sucht Celeborn die Söhne seiner Tochter auf. Über die Enkelin Arwen reicht die Verwandtschaft in das wiederhergestellte Königtum hinein, ohne dass ihm dort eine Rolle zufiele; er ist bei der Vermählung Gast, nicht Handelnder. Was diese Linie über ihn erzählt, ist eine Zugehörigkeit, die er nicht gestiftet, aber getragen hat.
Die älteste Bindung führt zu Thingol zurück, dessen Verwandter er in der überlieferten Fassung ist; aus dieser Herkunft erklärt sich auch sein Misstrauen gegenüber den Zwergen, das zwischen Sindar und Naugrim eine lange Vorgeschichte hat. Sein Verhältnis zu Gimli ist deshalb bemerkenswert: Aus einem allgemeinen Vorbehalt wird Freundlichkeit gegenüber einem Einzelnen, und der Zwerg wird beim Abschied ausgenommen von dem, was Celeborn über dessen Volk gesagt hatte. Sauron dagegen bleibt ein Gegner, dem er nie gegenübersteht; die Feindschaft trägt sich über die Festung jenseits des Stromes aus. Zu Thranduil, dem nächsten Elbenherrscher, gibt es vor dem Kriegsende keinen berichteten Verkehr — erst die gemeinsame Teilung des befreiten Waldes macht aus zwei getrennten Reichen eine Nachbarschaft.
Entwürfe und abweichende Fassungen
In den nachgelassenen Entwurfsbänden hat diese Gestalt keine Vorgeschichte. Die Silmarillion-Texte der dreißiger Jahre kennen keinen Elbenfürsten dieses Namens, und auch die Wurzelwortliste jener Jahre, die sogenannten Etymologien, verzeichnet nur die beiden Bestandteile, aus denen der Name später gefügt ist — das Element für Silber und das für Baum —, ohne dass ein Träger genannt wäre. Erst während der Arbeit am Herrn der Ringe, als das Waldland am Anduin in den Handschriften überhaupt entsteht, tritt der Herr der Galadhrim hinzu; seine Verbindung mit Doriath und mit Thingol ist demnach nicht der Ausgangspunkt der Figur, sondern eine nachträgliche Verknüpfung des neuen Stoffes mit der älteren Überlieferung. Die Manuskripte dieser Zeit schreiben elbische Namen zudem vielfach mit K, wo der Druck später C setzt — eine Gewohnheit, die den Lautwert unmittelbar abbildet und die Ausspracheregel des Anhangs vorwegnimmt.
Am anderen Ende der Entstehungsgeschichte stehen die späten Aufsätze aus den letzten Lebensjahren des Verfassers. In der Abhandlung über den Lautwandel im Hause Feanors erscheint Celeborn unter seinem telerischen Namen, und derselbe Text erklärt bei dieser Gelegenheit auch die Namensform Galadriels: Sie geht auf einen Beinamen zurück, Alatáriel, den er ihr in seiner eigenen Sprache gab und der erst später ins Sindarin übertragen wurde. Damit rückt das Paar aus Beleriand nach Aman zurück, und die erste Begegnung fällt in die Zeit vor dem Auszug der Noldor. Diese Aufzeichnungen sind Entwurf geblieben und stehen unverbunden neben der Fassung, die der Herausgeber zuvor in den veröffentlichten Text aufgenommen hatte; sie zeigen vor allem, dass die Frage nach Volk und Herkunft dieser Gestalt bis zuletzt offen weitergearbeitet wurde und nicht durch eine spätere Entscheidung abgeschlossen ist.
Adaptionen
In Peter Jacksons Filmtrilogie wird Celeborn von Marton Csokas gespielt. Sein Auftritt beschränkt sich im Wesentlichen auf die Ankunft der Gefährten in Caras Galadhon, wo das Herrscherpaar gemeinsam die Treppe herabsteigt und die Reisenden empfängt; die Redeanteile liegen dabei fast vollständig bei Galadriel, während der Herr Lóriens auf wenige Sätze zurückgenommen ist. Damit entfällt der gesamte Vorgang, der die Figur in der Vorlage kenntlich macht: das Zählen der Gefährten und die Frage nach dem fehlenden Neunten, das harte Wort über die Zwerge und dessen öffentliche Rücknahme, vor allem aber die ausführliche Wegberatung beim Abschied mit Booten, Stromkunde und der Warnung vor dem Fangorn. Die Übergabe der Gaben ist in der Kinofassung des ersten Teils ebenfalls gestrichen und erst in der erweiterten Schnittfassung enthalten. In den beiden folgenden Filmen fehlt die Figur, und der Angriff auf Lórien wie der spätere Zug gegen Dol Guldur kommen nicht vor. Ein letzter Auftritt erfolgt in der Schlussszene an den Grauen Anfurten, wo Celeborn im Kreis der scheidenden Elben steht — die Vorlage lässt ihn dort gerade nicht auftreten, sondern ausdrücklich zurückbleiben.
Celeborn tritt darin bislang nicht in Erscheinung; er wird nur genannt, und zwar als Galadriels Gemahl, der in den Krieg zog und nicht zurückkehrte, sodass sein Verbleib als offene Frage geführt wird. Insgesamt zeigt die Bearbeitungsgeschichte eine gleichbleibende Tendenz: Wo Lórien auf die Leinwand kommt, wandert das Gewicht zu Galadriel, und der Herr der Galadhrim verliert Text, Handlung oder beides.