Herkunft und Namen
Beren war ein Mensch Gondors und gehörte jenem Geschlecht an, das in Anhang A als Haus Húrin geführt wird. Dessen Ausgangspunkt ist Húrin von Emyn Arnen, ein Truchsess König Minardils, von dem ausdrücklich vermerkt ist, dass er hoher númenórischer Abkunft war; seit seinen Tagen wählten die Könige ihre Verwalter aus keinem anderen Hause mehr, und das Hofamt wurde erblich. Aus diesem erblichen Amt wurde eine erbliche Herrschaft, als Mardil das Reich im Namen eines Königs zu führen begann, der nicht wiederkehrte. In dieser zweiten, regierenden Reihe steht Beren an neunzehnter Stelle, nach Egalmoth. Er war damit weder König noch Anwärter auf die Krone, sondern Sachwalter eines Thrones, den zu besetzen sein Haus sich nicht anmaßte.
Der Name selbst ist sindarinischer Form und in Mittelerde nicht neu: Er war zuvor von Beren, dem Sohn Barahirs aus dem Hause Beors, getragen worden, einem Menschen des Ersten Zeitalters, dessen Geschichte in Gondor bekannt blieb. Damit fügt sich der Truchsess in eine Namensgewohnheit seines Hauses ein, die immer wieder in die Ältesten Tage zurückgreift — neben Egalmoth und Ecthelion, die Herren Gondolins gehört hatten, stehen Húrin, Túrin und Hador aus der Überlieferung der Edain. Auffällig ist, was diese Reihe nicht enthält: die hochelbischen Namensformen, mit denen sich die Könige Gondors geschmückt hatten. Eine Deutung des Namens gibt das veröffentlichte Werk für diesen Träger nicht; was er im Munde seiner Zeitgenossen bedeutete, bleibt unbezeugt.
Über die Herkunft im engeren, familiären Sinn schweigt die Überlieferung. Anhang A hält für das Amt allgemein fest, dass es erblich war und an den Sohn oder ersatzweise an den nächstverwandten Mann fiel, benennt aber nirgends, welche einzelnen Übergänge der zweiten und welche der ersten Möglichkeit folgten. Für Beren ist deshalb die Stellung in der Reihe belegt, die Abstammung dagegen nicht: Wer sein Vater war, ob er überhaupt der Sohn seines Vorgängers war, wo und wann er geboren wurde, steht nirgends geschrieben. Auch eine Mutter, Geschwister oder eine Gemahlin nennt keine Quelle. Was bleibt, ist ein Name in einer Liste, ein Haus und eine Ordnungszahl — eine Sparsamkeit, die für die mittleren Truchsesse Gondors eher die Regel als die Ausnahme ist.
Geschichte
Wann Beren das Truchsessenamt übernahm, sagt keine Quelle unmittelbar; die Liste in Anhang A verzeichnet allein die Todesjahre der Amtsträger. Da für seinen Vorgänger Egalmoth das Jahr 2743 des Dritten Zeitalters eingetragen ist und für ihn selbst 2763, ergibt sich eine Herrschaft von etwa zwei Jahrzehnten. Über die ersten anderthalb Jahrzehnte davon schweigen die Annalen vollständig: keine Bauten, keine Gesandtschaften, keine Feldzüge. Alles, was von seiner Amtszeit datiert überliefert ist, drängt sich in deren letztes Drittel zusammen — und es handelt sich durchweg um Ereignisse, die nicht er in Gang setzte, sondern die über Gondor und seine Nachbarn hereinbrachen.
Im Jahr 2758 traf Gondor ein Angriff von See her, der lange vorbereitet worden war. Drei große Flotten liefen aus Umbar und aus den Häfen der Haradrim aus und fielen mit erheblicher Macht über die Küsten des Reiches her; die Landungen reichten nach Norden bis zur Mündung des Isen. Es war der schwerste Vorstoß der Corsaren seit Menschengedenken, und er band die Kräfte Gondors auf ganzer Länge seiner Küstenlinie. Beren stand damit vor der Lage, sein eigenes Land an mehreren Stellen zugleich verteidigen zu müssen, ohne über Truppen zu verfügen, die er anderswohin hätte entsenden können.
Genau darin liegt die Bedeutung dieses Jahres für die Nachbarschaft: Im selben Winter wurde Rohan von Westen und von Osten her überrannt, Wulf nahm Edoras, und Helm Hammerhand zog sich in die Hornburg zurück. Aus Gondor kam keine Hilfe, weil Gondor selbst angegriffen war — die Chronik der Rohirrim hält das ausdrücklich fest und nennt dabei Berens Namen. Auf den Krieg folgte der Lange Winter von 2758 auf 2759, dessen Härte bis nach Eriador hinaufreichte und in Rohan mehr Menschen tötete als das Schwert. Helm starb in Schnee und Frost, seine Söhne fielen; erst Fréaláf brach den Bann, erschlug Wulf und begann in Edoras die zweite Linie der Könige. Berens Rolle in diesen Vorgängen ist eine des Fehlens: Er ist der Nachbar, der nicht kommen konnte.
In dasselbe Jahr 2759 fällt die folgenreichste Einzelentscheidung, die von ihm überliefert ist. Saruman erschien unerwartet bei der Erhebung Fréaláfs, trat als Freund und Helfer der Menschen des Westens auf und erbat von Beren die Schlüssel des Orthanc. Beren gewährte sie. Der Ring von Isengart war Besitz Gondors, das befestigte Nordtor seiner Landmark, doch das Reich hatte längst nicht mehr die Leute, es angemessen zu besetzen; einem mächtigen Verbündeten, der sich anbot, die Wacht dort zu übernehmen, war unter den Umständen des Jahres 2759 schwer zu widerstehen. Nach dem Recht war es keine Schenkung, sondern eine Statthalterschaft: Saruman saß in Isengart als Sachwalter der Truchsesse, so wie diese selbst Sachwalter eines abwesenden Königs waren.
Den Seekrieg überlebte er, ohne ihn zu beenden. Die Eindringlinge blieben nach 2759 an den Küsten und im Süden festgesetzt, und ihre endgültige Vertreibung schreibt Anhang A nicht ihm zu, sondern seinem Nachfolger Beregond. Für 2763 verzeichnet die Truchsessenliste Berens Tod. Umstände, Ort und Alter nennt keine Quelle; ob er im Feld starb, an Krankheit oder an Jahren, ist nirgends gesagt, und ein Grab wird ihm nicht zugewiesen. Er hinterließ ein Reich, das den Angriff überstanden, aber nicht abgeschüttelt hatte, und einen Nachbarn im Norden, der sich aus eigener Kraft wieder aufgerichtet hatte.
Im Rückblick der Chronisten wiegt die Übergabe der Schlüssel schwerer als der Krieg. Fast zwei Jahrhunderte nach Berens Tod, im Jahr 2953, verschloss Saruman Isengart, befestigte es neu und begann es als Eigentum zu behandeln — die Statthalterschaft war zur Herrschaft geworden, ohne dass Gondor sie je förmlich aufgegeben hätte. Dass die Entscheidung von 2759 aus der Not eines einzelnen Jahres getroffen wurde und dennoch bis in den Ringkrieg fortwirkte, gehört zu den stilleren Ironien der gondorischen Überlieferung. Bezeichnend ist auch, wo Beren überhaupt greifbar wird: Das meiste über ihn steht nicht in der Geschichte seines eigenen Reiches, sondern in der des Hauses Eorl. Drei Jahreszahlen, ein Angriff, eine Gewährung — mehr gibt das veröffentlichte Werk über die zwanzig Jahre seiner Herrschaft nicht her.
Rolle und Befugnisse
Das Amt, das Beren innehatte, war in seinen Befugnissen kaum vom Königtum unterschieden und in seinen Zeichen sorgfältig davon geschieden. Die Truchsesse regierten mit voller Gewalt, doch stets im Namen eines Königs, dessen Rückkehr die Formel ihres Amtsgelöbnisses offenhielt: Stab und Herrschaft zu führen, bis jener wiederkomme. Eine Krone nahmen sie darum nicht an und den Thron bestiegen sie nicht; ihr Sitz war ein schwarzer Stuhl am Fuß der Stufen, über denen der Hochsitz leer stand, und ihr Zeichen war ein weißer Stab. Auch ihr Banner blieb ohne Bild — Baum, Sterne und Krone gehörten dem König —, sodass die Herrschaft der Verwalter sich in allem Sichtbaren als Vertretung darstellte. Nichts deutet darauf hin, dass Beren an dieser Ordnung gerührt oder sie auch nur in Frage gestellt hätte.
Innerhalb dieser Grenzen war die Macht des Amtes tatsächlich und ungeteilt. Dem Truchsess unterstanden Heer und Schiffe, die Besatzungen der Grenzwerke und die Lehen des Reiches, und er verfügte über dessen Festungen; wie weit diese Verfügungsgewalt reichte, zeigt am deutlichsten, dass Beren über das Nordtor der Landmark allein entscheiden konnte. Was ihn einschränkte, war nicht das Recht, sondern der Schwund. Gondor war seit Jahrhunderten im Rückgang: Minas Ithil war seit 2002 in der Hand des Feindes, Osgiliath seit 2475 zerstört und aufgegeben, die Ostgrenze auf den Anduin zurückgenommen und die Zahl derer, die Waffen tragen konnten, längst zu klein für die Länge der zu haltenden Linien. Die Befugnisse waren unversehrt geblieben, die Mittel nicht.
Eine zweite Grenze lag im Erbrecht der Krone. Der Truchsess konnte das Reich verwalten, aber keinen König einsetzen; ein Anspruch auf die Herrschaft stand nach dem Herkommen nur einem Erben aus der Linie Anárions zu, und über einen solchen Anspruch hatte in Gondor der Rat befunden, nicht der Verwalter aus eigener Vollmacht. Eine dritte ergab sich aus dem Bündnis mit der Mark: Der Eid, den Cirion und Eorl geschworen hatten, band beide Reiche zu gegenseitigem Beistand — eine Bindung, die Macht verleiht und zugleich verpflichtet, und die einzulösen Beren im Winter 2758 die Kraft fehlte. Bezeichnend ist schließlich, was die Überlieferung über ihn festhält: durchweg das Amt, nirgends den Mann. Weder Kriegskunst noch Weisheit, weder Härte noch Milde werden ihm zugeschrieben. Seine Macht ist die seines Stuhles, und über sie hinaus gibt das veröffentlichte Werk ihm keine.
Beziehungen
Auffällig an Beren ist, wie wenige Menschen die Überlieferung überhaupt in seine Nähe stellt. Kein Verwandter erscheint an seiner Seite, weder ein Vorfahr noch ein Erbe, und was ihn mit Egalmoth vor ihm und Beregond nach ihm verbindet, ist allein die Ordnung der Liste; ob sie einander verwandt waren, bleibt offen. An die Stelle der Familie tritt bei ihm das Haus als Ganzes — eine Gemeinschaft, die ihre Zusammengehörigkeit weniger über einzelne Väter und Söhne behauptete als über das gemeinsame Amt und die Herkunft aus Emyn Arnen. Was von ihm kenntlich bleibt, ergibt sich aus dem, was er verwaltete, nicht aus dem, wem er zugehörte.
Die einzige Begegnung, die ihm die Quellen als persönliche zuschreiben, ist die mit Saruman, und auch sie ist einseitig überliefert: Der Zauberer tritt auf, bittet und erhält. Was Beren erwiderte, welchen Eindruck er von seinem Gast gewann, ob er Bedingungen stellte oder Bedenken äußerte, wird nirgends gesagt. Es ist das Verhältnis eines sterblichen Amtsträgers zu einem Angehörigen jenes Ordens, dessen Ansehen im Westen damals unangefochten war und der dem Weißen Rat vorstand — ein Gefälle, das sich schon in den Zeitmaßen zeigt: Der eine war vier Jahre später tot, der andere hielt die ihm anvertraute Feste noch zwei Jahrhunderte danach. Von der anderen Seite her gesehen war Beren austauschbar, nicht ein Freund, sondern jene Instanz, die über den Schlüssel verfügte.
Seine Verbündeten sind besser bezeugt als seine Gegner. Im Norden standen ihm Helm und, nach dem Untergang von dessen Söhnen, der Schwestersohn Fréaláf gegenüber, Männer, an die ihn ein alter Eid band, ohne dass eine Quelle je ein Wort zwischen ihnen berichtet; die Bindung war Verpflichtung, nicht Umgang. Die Feinde dagegen bleiben ohne Gesicht: Aus Umbar und aus dem Süden kamen Flotten und Heere, doch kein Anführer wird genannt, mit dem er verhandelt oder den er geschlagen hätte — anders als der Mark, der in Wulf ein Gegenüber mit Namen und Anspruch erwuchs. So besteht das Beziehungsgeflecht dieses Truchsessen aus zwei Arten von Fäden: solchen, die er nicht bedienen konnte, und einem einzigen, den er in gutem Glauben knüpfte und der lange nach ihm zur Fessel für andere wurde.