Herkunft und Namen

Tom Bombadil ist die einzige bedeutende Gestalt des „Herrn der Ringe“, deren Volk und Ursprung im Text nirgends bestimmt werden. Er selbst gibt auf die Frage, wer er sei, keine Auskunft, die sich in die Ordnung der Völker Mittelerdes einfügen ließe: Er nennt sich den Ältesten und erklärt, er sei dagewesen, ehe der Fluss und die Bäume waren, ehe der erste Regentropfen fiel und die erste Eichel keimte, und er habe den Ankunft des Dunkels von außen her miterlebt. Goldbeere antwortet den Hobbits auf dieselbe Frage nur, dass er sei, wie sie ihn gesehen hätten; auf Frodos Nachhaken, ob das ganze Land ihm gehöre, verneint sie und trennt ausdrücklich zwischen dem Meistersein und dem Besitzen. Weder Elb noch Mensch noch Zwerg noch Maia wird als Zuordnung angeboten, und keine der Stellen, an denen andere über ihn sprechen, füllt diese Lücke. Die Offenheit ist keine Auslassung, sondern Bestandteil der Zeichnung.

Auffällig ist stattdessen die Häufung von Namen, die verschiedene Völker ihm gegeben haben. Bei den Elben heißt er Iarwain Ben-adar, was im Sindarin „ältester und vaterloser“ bedeutet und damit sowohl sein Alter als auch seine fehlende Abstammung festhält; die Zwerge nennen ihn Forn, die Menschen des Nordens Orald. Beide letzteren Namen stammen aus germanischer Sprachüberlieferung — „Forn“ steht für das Alte und Vorzeitliche, „Orald“ für das Uralte —, und in einem 1954 abgeschlossenen Nachtrag zum Namensverzeichnis erläuterte Tolkien selbst, dass Orald als „sehr alt“ zu verstehen sei. Kein einziger dieser Namen benennt eine Herkunft, ein Amt oder eine Verwandtschaft; alle vier beschreiben denselben Sachverhalt, das unbestimmbare Alter, jeweils in der Sprache derer, die ihn beobachtet haben.

Der Name Tom Bombadil selbst gehört keiner dieser Überlieferungen an: Er stammt nach der Rahmenfiktion des Buches aus dem Bockland und ist damit eine hobbitische Prägung, die der Erzählung als geläufigste Form dient. Ein Anhang bemerkt zudem, dass Bombadil in der Bucherweiterung als der Name gilt, unter dem die Hobbits ihn kannten, während die Landbewohner des Auenlands ihn kaum je zu Gesicht bekamen. Bombadil ist damit ein Fremdname unter Fremdnamen, keiner davon von ihm selbst gewählt, und die Vielzahl der Bezeichnungen ersetzt im Text die Herkunftsangabe, die nirgends gemacht wird. Wie die Figur sich einordnet, sagt sie allein durch das Wort vom Meister, das nicht Herrschaft, sondern Nicht-unterworfen-Sein meint.

Geschichte

Bombadils Geschichte lässt sich erst spät und nur bruchstückhaft datieren; was vor dem Dritten Zeitalter liegt, ist ausschließlich durch seine eigenen Erzählungen und durch fremde Erinnerung bezeugt. Elrond erinnert sich auf dem Rat, dass ein Wesen dieses Namens vor langer Zeit durch Wälder und Hügel streifte und schon damals älter war als alles Alte — ein Hinweis darauf, dass er dem Ersten der Weisen bereits in früher Zeit begegnet und dann für Zeitalter aus dem Blick geraten war. In der Nacht, die die Hobbits in seinem Haus verbringen, reicht sein Bericht über die Grabhügel weit zurück: in eine Zeit, als dort keine Gräber lagen, sondern Könige und Fürsten herrschten, deren Reiche später zerfielen; er spricht von den Kriegen des Nordens, vom Schatten, der aus Carn Dûm kam, und vom Untergang jener Menschen, die sich ihm entgegenstellten. Eingegriffen hat er in keinen dieser Vorgänge; er beobachtete und blieb.

Erst am 26. September 3018 tritt er in die eigentliche Handlung ein. Frodo, Sam, Merry und Pippin waren an diesem Tag in den Alten Wald geraten, dessen Pfade sie beharrlich vom gewählten Kurs abdrängten, bis sie im Tal des Weidenwinde an einer mächtigen Weide rasteten. Der Baum schläferte sie ein und schloss Merry und Pippin in seinen Stamm; Frodos Rufe blieben ohne Wirkung. Bombadil kam zufällig hinzu — er war unterwegs, um Wasserrosen für Goldbeere zu holen, wie er später erklärt — und zwang den Alten Weidenmann durch bloßes Sprechen und Singen, die Gefangenen freizugeben. Anschließend führte er die vier über die Höhen zu seinem Haus am Rand des Waldes.

Zwei Nächte blieben die Hobbits bei ihm. In dieser Zeit fand die für die spätere Ratsdebatte entscheidende Prüfung statt: Bombadil ließ sich den Einen Ring geben, setzte ihn auf und wurde nicht unsichtbar; er ließ ihn zum Scherz verschwinden und wieder erscheinen und gab ihn ohne Zögern zurück. Als Frodo daraufhin misstrauisch den Ring selbst anlegte, um zu prüfen, ob er den echten zurückerhalten habe, sah Bombadil ihn weiterhin — eine Wirkung, die sonst nirgends im Bericht vorkommt. Er erkundigte sich zudem nach dem Auenland und nannte Bauer Maggot einen Bekannten, was zeigt, dass er zumindest sporadisch Umgang mit den Anwohnern seines Gebiets pflegte. Vor dem Aufbruch am 27. September lehrte er die Hobbits einen Reim, mit dem sie ihn in Not rufen könnten, wies ihnen den Weg über die Hügelgräberhöhen und ließ sie ausdrücklich wissen, dass seine Hilfe an der Grenze seines Landes ende.

Bereits am folgenden Tag, dem 28. September, war der Reim nötig. Nebel fiel über die Höhen, die Hobbits verloren einander, und ein Grabunhold verschleppte sie in eine Grabkammer, wo sie in Leichentücher gehüllt und mit altem Schmuck belegt neben einem gezogenen Schwert lagen. Frodo, der als Einziger wach blieb, erwog kurz die Flucht mit dem Ring, entschied sich dagegen, hieb dem Unhold die tastende Hand ab und rief dann um Hilfe. Bombadil erschien, vertrieb den Unhold mit einem Spruch aus dem Hügel, brach das Grab auf und weckte die Bewusstlosen. Aus dem Hort trug er den Schmuck ins Freie, damit er niemanden mehr binde, legte eine Brosche für Goldbeere beiseite und gab jedem der vier eine der langen Dolchklingen, die einst Menschen von Westernis im Kampf gegen die Macht von Carn Dûm geschmiedet hatten. Danach begleitete er sie mit den wiedergefundenen Ponys bis zur Oststraße nahe Bree, verwies sie an das Gasthaus dort und kehrte um, ohne die Grenze seines Landes zu überschreiten.

Am 25. Oktober 3018 wurde er auf dem Rat in Bruchtal zum Gegenstand einer ernsthaften Erwägung: Erestor schlug vor, den Ring in seine Obhut zu geben, da er offenkundig Macht über ihn habe. Gandalf widersprach — Bombadil habe keine Macht über den Ring, sondern nur über sich selbst; er würde die Notwendigkeit der Bewahrung nicht begreifen, das Ding als Nichtigkeit behandeln und es vermutlich verlieren oder verschenken. Elrond ergänzte, er sei in ein schmales, selbstgesetztes Gebiet zurückgezogen und werde es nicht verlassen; um Hilfe bitten könne man ihn nicht sinnvoll, da er nicht kommen werde. Glorfindel schließlich hielt fest, dass ein solcher Rückzug nur so lange trage, wie außerhalb Widerstand geleistet werde: Fiele alles andere, wäre Bombadil als Letzter an der Reihe. Der Rat verwarf den Vorschlag; die Figur bleibt damit auch politisch außerhalb des Kriegsgeschehens.

Mittelbar wirkt sein Eingreifen dennoch bis in die Entscheidungsschlachten hinein. Die Klinge aus dem Hügelgrab, die Merry am 15. März 3019 auf dem Pelennor führte, war eben jenem alten Widerstand gegen Angmar entstammt; erst ihr Stich löste die Bindung, die den Körper des Hexenkönigs zusammenhielt, und ermöglichte Éowyns tödlichen Streich. Der Erzähler hält ausdrücklich fest, dass keine andere Waffe diese Wirkung gehabt hätte. Bombadil selbst tritt danach nicht mehr auf: Auf dem Rückweg der Hobbits im Herbst 3019 trennte sich Gandalf bei Bree von ihnen, um zum Alten Wald abzubiegen und ein langes Gespräch mit ihm zu führen — Inhalt und Ausgang dieser Begegnung werden nicht berichtet. Es ist die letzte Erwähnung der Figur in der Erzählung.

Rolle und Fähigkeiten

Bombadils Macht zeigt sich im Bericht ausschließlich als Wirkung des gesprochenen und gesungenen Wortes. Er verfügt über keine Waffe, kein Gefolge und kein Herrschaftszeichen; wo er einen fremden Willen bricht, geschieht es durch einen Spruch in Versen, nicht durch Kampf. Dieselbe Wirkung reicht bis ins Harmlose: Die im Nebel versprengten Ponys der Hobbits kommen auf seinen Ruf zurück, und die Namen, die er ihnen dabei gibt, behalten sie ihr Leben lang; sein eigenes Reittier folgt ihm ohne Zaumzeug. Auffällig ist ferner das vollständige Fehlen von Furcht — in seinem Haus fällt die Angst von den Gästen ab, und Dinge, die anderen tödlich sind, begegnet er mit Gelächter. Sein Wissen um die Vorzeit und um die Geschichte der Landschaft, in der er lebt, gehört ebenso zu dieser Ausstattung wie die Fähigkeit, Wetter und Wege seines Gebiets zu lesen.

Seine Unempfindlichkeit gegenüber dem Einen Ring, die an anderer Stelle geschildert ist, wird im Text nirgends als Überlegenheit ausgelegt. Gandalfs Deutung auf dem Rat läuft vielmehr darauf hinaus, dass der Ring an ihm keinen Angriffspunkt findet, weil ihn nichts von dem reizt, was der Ring zu geben verspricht: Herrschaft über andere, Dauer, Verbergung. Er kann das Ding weder zerstören noch seine Natur verändern, und es wird ihm auch keinerlei Einfluss darauf zugeschrieben; seine Beziehung dazu ist die der Gleichgültigkeit, nicht der Kontrolle. Ebenso wenig macht die Erzählung ihn zu einem Verbündeten im militärischen Sinn — er hilft, solange die Hilfsbedürftigen in seinem Land sind, und stellt selbst klar, wo diese Zuständigkeit endet.

Damit ergeben sich drei klar benannte Grenzen: eine räumliche, denn außerhalb seines schmalen Gebiets ist von ihm nichts bezeugt; eine sachliche, denn seine Meisterschaft ist ein Nicht-unterworfen-Sein und kein Besitz, der sich auf Fremdes ausdehnen ließe; und eine zeitliche, da sein Abseitsstehen nach Glorfindels Einschätzung nur so lange trägt, wie andernorts Widerstand geleistet wird. Sein einziger Beitrag zum Ausgang des Ringkriegs bleibt mittelbar und geht auf eine Gabe zurück, deren Bedeutung er selbst nicht absehen konnte. In der Anlage des Legendariums steht er so als Grenzfall da: ein Wesen, an dem die Logik von Macht und Besitz nicht greift, das ihr aber auch nichts entgegenzusetzen hat. Die Erzählung nutzt ihn nicht, um diese Logik zu widerlegen, sondern um zu zeigen, dass sie nicht alles umfasst.

Beziehungen

Die einzige dauerhafte Bindung, die der Bericht ihm zuschreibt, ist die zu Goldbeere. Sie wird als Tochter des Flusses eingeführt und ist damit selbst dem Wasser des Landstrichs zugehörig, in dem beide leben; ihre Begegnung liegt nach Bombadils Andeutungen weit zurück und wird an den Weidenwinde geknüpft, ohne dass eine Vorgeschichte erzählt würde. Das gemeinsame Haus ist als Haushalt gezeichnet, nicht als Hof: Sie deckt den Tisch, sie erklärt den Gästen, dass der anhaltende Regen ihr Wasch- und Herbstputztag sei, und sie singt am Abend wie am Morgen. Auffällig ist die Arbeitsteilung im Gespräch — wo Bombadil ernste Fragen in Verse und Unsinn auflöst, gibt Goldbeere den Hobbits knappe, ruhige Auskünfte. Sie ist damit im Text weniger Gefährtin einer Aufgabe als die Stimme, die für ihn spricht.

Zu den Wesen seines Gebiets unterhält er ein Verhältnis, das die Erzählung nicht als Feindschaft anlegt. Den Alten Weidenmann kennt er genau — er weiß um dessen Alter, um sein zähes Wurzelwerk und um die Gedanken, die der Baum gegen alles Gehende hegt —, und er vertreibt ihn nicht, sondern schickt ihn zurück in den Schlaf. Ebenso spricht er von den Bäumen des Alten Waldes als von Nachbarn mit eigenen Launen, deren Geschichten er kennt und weitererzählt. Selbst gegenüber dem Grabunhold bleibt sein Vorgehen ein Fortschicken, kein Vernichten. Diese Beziehungen erklären den Titel des Meisters von innen her: Er steht mit den Bewohnern seines Landes in Umgang, ohne sie zu besitzen, und keines von ihnen ist ihm Gefolgschaft schuldig.

Nach außen hin sind seine Verbindungen dünn und einseitig. Zu den Hobbits des Auenlands unterhält er nur lose Bekanntschaften — Bauer Maggot nennt er ausdrücklich als Vertrauten —, und über Frodo und dessen Gefährten weiß er mehr, als sie erwarten, ohne dass er sich um ihre Sache kümmerte. Die Weisen wiederum kennen ihn, doch verkehren sie nicht mit ihm: Elrond erinnert sich an ihn wie an eine ferne Erscheinung, Gandalf beurteilt ihn nüchtern und ohne Ehrfurcht, und beide sprechen in Bruchtal über ihn statt mit ihm. Bezeichnend ist, dass am Ende Gandalf den Umweg zu ihm nimmt und nicht umgekehrt; die beiden werden dabei als Gegensatz gezeichnet, der eine ständig unterwegs, der andere seit jeher am selben Ort. Bombadil hat keinen Herrn, keine Verbündeten im politischen Sinn und keine Gegner, die er suchen würde — seine Beziehungen bestehen zu dem, was zu ihm kommt.

Entwürfe und Varianten

Die Figur ist älter als das Werk, in dem sie steht. Tom Bombadil erschien zuerst 1934 in einem Gedicht in einer Oxforder Zeitschrift; dort sind Goldbeere als Tochter des Flusses, eine alte Weide und ein Grabunhold bereits versammelt, ohne jede Verbindung zu Ring, Auenland oder Mittelerde. Als Tolkien Ende der dreißiger Jahre an eine Fortsetzung des „Hobbit“ ging, griff er auf dieses vorhandene Personal zurück und schob es in die Wanderung der Hobbits ein. Die Entwürfe, die Christopher Tolkien in „The Return of the Shadow“ zugänglich gemacht hat, zeigen entsprechend, dass die Kapitel über den Alten Wald, das Haus am Waldrand und die Hügelgräber schon in der ersten Niederschrift weitgehend ihre spätere Gestalt besaßen und danach nur wenig umgearbeitet wurden — ein auffälliger Gegensatz zu benachbarten Partien, die Tolkien mehrfach vollständig neu ansetzte.

Verändert hat sich dagegen das Umfeld der Szene. In der frühesten Fassung trägt nicht Frodo den Ring, sondern Bingo Bolger-Baggins; der Name Frodo gehört zunächst einem der Begleiter, und die Rolle Merrys liegt bei einer Gestalt namens Marmaduke Brandybuck. Die Begegnung mit Bombadil, mit dem Alten Weidenmann und mit dem Grabunhold wurde also mit anderer Besetzung geschrieben, ehe die Namen an ihre endgültigen Träger übergingen. Erst später entstand auch die Erörterung, ob der Ring in Bombadils Obhut gegeben werden solle: Sie gehört zum Kapitel über den Rat in Bruchtal, das Tolkien häufiger umgeschrieben hat als nahezu jedes andere und dessen aufeinanderfolgende Stufen in „The Treason of Isengard“ nebeneinander abgedruckt sind. Was in der Druckfassung wie eine von vornherein feststehende Abwägung wirkt, ist damit das Ergebnis eines langen Suchens nach der Stellung dieser Figur im Ganzen.

Adaptionen

Keine der Verfilmungen hat Tom Bombadil bisher in die Handlung des Ringkriegs übernommen. Ralph Bakshis Zeichentrickfassung von 1978 führt die Hobbits vom Auenland unmittelbar nach Bree; der Alte Wald, das Haus am Waldrand und die Hügelgräberhöhen entfallen ersatzlos, und da der Film nach der Schlacht um Helms Klamm abbricht und nie fortgesetzt wurde, kommt die Figur auch nachträglich nicht vor. Peter Jacksons Trilogie verfährt ebenso, hier jedoch mit erzählerischen Folgen: Mit den drei ausgelassenen Kapiteln fällt auch die Herkunft der Dolche fort, die im Buch aus dem aufgebrochenen Grab stammen. Die Hobbits erhalten ihre Waffen stattdessen von Streicher auf dem Weg zur Wetterspitze, sodass die Klinge, mit der Merry später den Hexenkönig trifft, ohne die im Roman ausschlaggebende Vorgeschichte bleibt. Einzelne Bestandteile der gestrichenen Episode wurden versetzt: In der erweiterten Fassung des zweiten Teils greift ein Baum Merry und Pippin im Fangorn an, und Baumbart übernimmt dabei die rettende Rolle, die dem Buch nach Bombadil zufällt.

In den Hörspiel- und Fernsehfassungen ist die Figur dagegen vertreten. Die BBC-Radiofassung von 1981, mit sechsundzwanzig halbstündigen Teilen die vollständigste der älteren Bearbeitungen und diejenige, die dem Buch am genauesten folgt, behält die Begegnung im Alten Wald bei; gesprochen wurde Bombadil von Norman Bird.