Herkunft und Namen
Der Name, unter dem ihn Merry und Pippin kennenlernen, ist eine schlichte Übertragung in die Gemeinsame Sprache: Baumbart, zusammengesetzt aus den Wörtern für Baum und Bart, und damit eher eine Beschreibung als ein Eigenname. Daneben steht die elbische Form Fangorn, deren Bestandteile sich als „Bart“ und „Baum“ deuten lassen; sie bezeichnet zugleich den Wald, in dem er lebt, sodass Hüter und Ort denselben Namen tragen und Erzähler wie Zuhörer beide auseinanderhalten müssen. Wo von ihm ohne Namen die Rede ist, genügt oft der Beiname der Älteste. Er selbst hält all diese Bezeichnungen für Behelfsnamen. In seiner eigenen Sprache trägt er einen Namen, der mit den Jahren gewachsen ist, weil er die Geschichte dessen erzählt, dem er gehört; ihn auszusprechen dauert nach seinem Empfinden zu lange, und er hütet sich, ihn Fremden zu überlassen — wie er überhaupt für unklug hält, Namen rasch und leichthin herzugeben.
Er gehört zum Volk der Ents, das die Elben Onodrim nennen (im Singular Onod, im Plural Enyd), während die Form Ent aus der Sprache der Rohirrim stammt. Ihre Aufgabe fassen sie selbst als Hirtenamt: Sie behüten Bäume, halten sie in Ordnung und wenden Schaden von ihnen ab, wobei sie über die Zeit selbst baumähnlich geworden sind. Nach Baumbarts Bericht waren es die Elben, die vor langer Zeit die Bäume weckten und die Ents das Sprechen lehrten — ein Dienst, den er ihnen bis in die Gegenwart hoch anrechnet, auch wenn er die Elben im Übrigen für ein hastiges Volk hält. Die daraus erwachsene Entisch genannte Sprache ist langsam, vokalreich und weitläufig; nichts wird in ihr gesagt, dessen Aussprechen die Sache nicht wert wäre.
Über den Ursprung dieses Volkes berichten erst die später herausgegebenen Überlieferungen. Danach sorgte sich Yavanna, der die wachsenden Dinge anvertraut sind, um die wehrlosen Bäume, als absehbar wurde, dass die Werke Aules und die Kinder Ilúvatars Äxte und Feuer über die Wälder bringen würden. Auf ihre Fürsprache hin und durch Manwes Vermittlung wurde bestimmt, dass Geister in Gestalt von Wächtern erwachen sollten, wenn die Kinder Ilúvatars ins Leben träten — die Hirten der Bäume. In dieser Herleitung sind die Ents also weder Menschen noch Elben noch Geschöpfe eines Schmiedewerks, sondern eine eigene, zum Schutz des Waldes bestimmte Art, deren Alter unmittelbar an die Frühzeit der Welt reicht und für die genaue Jahreszahlen weder überliefert noch sinnvoll sind.
Geschichte
Wie alt der Älteste ist, lässt sich in Jahren nicht ausdrücken, doch sein Gedächtnis reicht in Landschaften zurück, die es längst nicht mehr gibt. Er zählt Weidenwiesen, Ulmenwälder, Buchenhaine und Kiefernhöhen auf, die zu jenen westlichen Ländern gehörten, welche am Ende des Ersten Zeitalters im Meer versanken; er selbst hat sie im Frühling und im Herbst gesehen und trauert ihnen nach, ohne sich in dieser Trauer aufzuhalten. Als Maß für das Alter aller späteren Übel dient ihm die Große Finsternis, an die er sich erinnert. Aus jener Zeit stammt auch sein Bild von der Ausdehnung der Wälder: Das Gehölz, das später Fangorn heißt, war einst nur ein östliches Stück eines zusammenhängenden Waldes, der bis an die Berge im fernen Westen reichte, und man konnte ihn durchwandern, ohne offenes Land zu betreten. Was seither geschah, beschreibt er im Wesentlichen als ein Schrumpfen.
Den schwersten Einschnitt in der Geschichte seines Volkes bildet der Verlust der Entfrauen. Sie hatten sich, anders als die Ents, nicht den wilden Wäldern zugewandt, sondern dem geordneten Wachstum, und legten jenseits des Anduin Gärten an, in denen sie Bäume und Kräuter nach ihrem Sinn zogen; die Menschen jener Gegend lernten von ihnen den Ackerbau. Zwischen beiden Teilen des Volkes wuchs eine Entfremdung, die niemand rechtzeitig ernst nahm. In den Kriegen gegen Sauron wurden die Gärten verwüstet, und als die Ents später über den Fluss zogen, um nach ihnen zu suchen, fanden sie nur die kahlen Braunen Lande. Seither hat man nichts Gesichertes mehr von ihnen gehört, und weil ohne sie keine jungen Ents mehr geboren wurden, ist das Volk zahlenmäßig immer kleiner geworden; einige seiner Angehörigen sind über die Zeit baumhaft und schläfrig geworden, andere zu den halbwachen Huorns, die noch Stimmen haben, aber selten sprechen.
Im Dritten Zeitalter kam mit Saruman ein neuer Nachbar. Seit dieser sich im Jahr 2759 in Isengart niedergelassen hatte, war er zunächst ein geduldeter Besucher des Waldes: Er ging umher, stellte Fragen, hörte zu, und der Hüter erzählte ihm bereitwillig von Dingen, die er sonst niemandem erzählt hätte. Später blieb er aus, verschloss sich in seinem Ring aus Stein und begann, Orks zu ziehen und Feuer zu unterhalten, für die Bäume gefällt wurden — nicht zum Bauen, sondern als Brennstoff. Der Älteste hat diesen Wandel lange beobachtet, ohne zu handeln; sein Urteil, dass Saruman einen Verstand aus Metall und Rädern angenommen habe und um wachsende Dinge nur noch insoweit besorgt sei, als sie ihm dienten, ist das Ergebnis dieser jahrzehntelangen Beobachtung. Zugleich wurde der Wald selbst finsterer, und die Reiter Rohans mieden ihn.
Am 29. Februar 3019 traf er am Waldrand auf Merry und Pippin, die den Orks entkommen waren. Er trug sie zu seiner Wohnstatt an einem Quellhang unterhalb des Methedras, gab ihnen von einem Trunk, der sie stärkte, und ließ sich erzählen, was draußen vorging. Erst durch diesen Bericht erfuhr er, wie weit Sarumans Anschläge reichten und dass die Zerstörung an seiner Grenze kein örtlicher Übergriff war. Daraufhin rief er die Ents zu einer Versammlung in einem Talkessel des Waldes. Drei Tage lang wurde nach Art seines Volkes beraten, langsam und ohne Drängen; am Ende stand ein Entschluss, den er selbst für möglicherweise letzten Zug der Ents hielt, und man brach in Marschordnung nach Süden auf.
Am Abend des 2. März erreichte der Zug Isengart. Die Ents brachen die Ringmauer auf, zerstörten die Werke und Schmieden im Talkessel und leiteten die Isen in den Ring, sodass die Schächte und Feuer ersäuft wurden; die Zerstörung war am folgenden Tag vollendet. Am schwarzen Turm selbst scheiterten sie: Sein Gestein widerstand ihren Händen, und Saruman blieb darin eingeschlossen. Ein Teil der Huorns war unterdessen weitergezogen und vernichtete bei Helms Klamm die fliehenden Heerhaufen. Als Théoden und Gandalf am 5. März vor Isengart erschienen, fanden sie den Ort unter der Aufsicht des Ältesten, der die Bewachung des Turms übernahm, während die Reiter mit dem Eingeschlossenen verhandelten.
Schicksal verhüllt — enthüllenSchicksal enthüllt — wieder verhüllenDieser Abschnitt verrät, wie es ausgeht.
Schicksal
Nach dem Krieg wurde ihm der Talkessel förmlich überlassen; die Ents pflanzten dort Bäume und stellten eine Wache aus wachsamem Gehölz um den Turm. Die Bewachung des Gefangenen endete jedoch damit, dass er ihn ziehen ließ — nach eigener Auskunft, weil ihm ein Gefangener ohne Zähne auf die Dauer zuwider war; Gandalf hielt ihm später vor, dass Saruman auch ohne Macht noch schaden könne. Als die heimkehrende Gesellschaft im selben Jahr an Isengart vorüberkam, war der Ort schon in einen Baumgarten verwandelt. Bei dieser Begegnung fragte er Celeborn und Galadriel nach den Entfrauen und erhielt keine Auskunft, die Hoffnung getragen hätte. Von Merry und Pippin nahm er mit der Bitte Abschied, ihm Nachricht zu senden, falls im Norden je etwas von den Verschollenen bekannt würde; ein Wiedersehen erwartete er nicht.
Rolle und Fähigkeiten
Im Gefüge der Mächte, die gegen Sauron stehen, nimmt der Älteste eine Sonderstellung ein: Er gehört keinem Bündnis an, sitzt in keinem Rat und lässt sich auch von den Hobbits nicht auf eine Seite ziehen. Auf die Frage, wo er stehe, antwortet er sinngemäß, er sei auf niemandes Seite ganz, weil niemand ganz auf seiner Seite sei; was ihn bindet, sind die Bäume und der Wald, nicht die Anliegen der Völker. Seine eigentliche Aufgabe ist die eines Aufsehers: Er geht durch sein Gebiet, hält es in Ordnung und weiß, was darin wächst und was sich darin regt. Dazu gehört ein Gedächtnis für Namen und Arten, das er in langen Aufzählungen der lebenden Geschöpfe verwahrt — eine Art gesprochenes Verzeichnis, in das er die Hobbits, die darin fehlten, kurzerhand als neue Zeile einfügt. Gandalf rechnet ihn dennoch zu den Kräften, mit denen zu rechnen ist, und nennt ihn das älteste noch umhergehende Wesen unter der Sonne.
Seine Kraft ist die eines gewachsenen Dinges und darum schwer zu bemessen. Ents heben und tragen Lasten, die kein Mensch bewegt, und ihre Hände zerlegen Mauerwerk und Fels, als wäre es trockene Rinde; Eisenwerk und verriegelte Tore halten ihnen nicht stand. Hinzu kommt Ausdauer: Ein Marsch von vielen Meilen und eine ganze Nacht Arbeit erschöpfen sie nicht. Der Älteste verfügt außerdem über die halbwachen Huorns, die seinem Wort folgen und sich in Bewegung setzen, ohne dass er selbst dabei sein muss. Wirkung hat schließlich das, was er zu trinken gibt: Die Getränke aus seinen Krügen nähren und stärken über das gewöhnliche Maß hinaus, und die beiden Hobbits sind nach diesen Tagen sichtbar gewachsen, was noch in Bree auffällt.
Die Grenzen dieser Macht sind ebenso deutlich. Ents sind nicht unverwundbar: Eines der Werke Sarumans setzte einen von ihnen in Brand, und Feuer wie Axt bleiben die Mittel, gegen die sie nichts Dauerhaftes ausrichten. Auch am Stein des Turms endete ihre Kraft, wie bereits erzählt. Der Älteste befiehlt zudem nicht; über einen Aufbruch entscheidet die Versammlung, und sie braucht dafür Tage, weil Eile bei seinem Volk als Fehler gilt — eine Zurückhaltung, die ihn Sarumans Treiben lange hat gewähren lassen. Über Gesinnungen hat er keine Gewalt: Den Gefangenen kann er verwahren, aber nicht ändern, und am Ende gibt er ihn frei. Vor allem aber ist sein Volk zu klein geworden, um mehr als einen einzigen Schlag zu führen; er selbst hält den Zug nach Isengart für möglicherweise den letzten, den die Ents unternehmen.
Beziehungen
Das Verhältnis zu Merry und Pippin ist die einzige enge Bindung, die der Älteste im Verlauf des Krieges zu Fremden eingeht, und sie entsteht aus einer bei ihm sonst seltenen Bereitschaft, zuzuhören. Er begegnet den beiden zunächst mit Vorsicht, prüft sie mit Fragen und ordnet sie erst ein, nachdem er sie eine Weile hat reden lassen; danach behandelt er sie mit einer väterlichen Nachsicht, die sich auch darin zeigt, dass er sie warnt, wohin sein Entschluss sie führen wird. Bemerkenswert ist die Umkehrung des Gefälles: Der Älteste ist derjenige, der lernt, während die beiden Jüngsten der Gesellschaft ihm die Auskunft geben, die sein Handeln auslöst. Umgekehrt gewinnen sie an ihm einen Maßstab für Geduld, den sie später gegen die Hast ihrer eigenen Welt setzen.
Innerhalb des eigenen Volkes steht er als Ältester unter Gleichen, nicht als Herr. Er nennt Finglas und Fladrif als die beiden anderen, die aus derselben frühen Zeit stammen wie er, und beschreibt sie fast als Verlorene: der eine ist über den Sommern schläfrig und baumhaft geworden, der andere hat sich nach Verwundungen durch Orks in die Höhen zurückgezogen und meidet die Ebene. Näher steht ihm Bregalad, der jüngste der handelnden Ents, dem der Älteste den Namen einst gab, weil er einer Frage zustimmte, ehe sie zu Ende gestellt war — eine für sein Volk unschickliche Raschheit, die im Fall der gefällten Ebereschen zur richtigen Antwort wurde. Von den Entfrauen spricht er ohne Bitterkeit, aber mit einer Genauigkeit, die die Dauer des Verlusts zeigt; den Namen Fimbrethil nennt er dabei als den ihren.
Nach außen ordnet er alle Übrigen danach, wie sie sich zu wachsenden Dingen verhalten. Gandalf gilt ihm deshalb als der einzige der Zauberer, dem an Bäumen wirklich gelegen ist, und dieses Urteil trägt die Zusammenarbeit vor Isengart, ohne dass daraus ein Bündnis mit den Völkern der Menschen würde; Théoden gegenüber bleibt er höflich und unverbindlich. Saruman wiederum ist für ihn weniger ein Feind als ein Nachbar, der das Vertrauen missbraucht hat, das ihm einmal geschenkt wurde — die Bitterkeit richtet sich auch gegen die eigene Redseligkeit von damals. Zu den Elben hält er eine alte, respektvolle Distanz: Mit Celeborn und Galadriel spricht er als seinesgleichen über eine Welt, die sich verändert hat, und Legolas gegenüber öffnet er den Wald mit einer Einladung, die dieser gemeinsam mit Gimli anzunehmen verspricht.
Entwürfe und Varianten
Der Name Baumbart taucht in Tolkiens Arbeitsnotizen früher auf als die Gestalt, die ihn am Ende trägt. In den Plänen zur Fortsetzung der Reise erscheint er zunächst als Riese, dessen Gesinnung offengelassen wird und der eher zu den Gefahren der Wildnis gerechnet ist als zu möglichen Verbündeten. Zu den dort erwogenen Möglichkeiten gehört, dass er selbst es sei, der den Zauberer festhält und damit dessen Ausbleiben erklärt — eine Aufgabe, die in der ausgeführten Erzählung an den Turm in Isengart überging. Von einem Hirtenamt, von einem eigenen Volk mit eigener Sprache und von der Doppelung des Namens für Wesen und Wald ist in dieser Schicht noch nichts zu erkennen; der Name ist vorerst kaum mehr als ein Bild für eine große, baumhafte Erscheinung, über deren Rolle noch nicht entschieden war.
Mit der Ausarbeitung des dritten Buches verschob sich das Bild grundlegend. In den Entwürfen zu dem Kapitel, das seinen Namen trägt, steht die Figur bereits fast fertig da: die Begegnung am Waldrand, die gedehnte Sprechweise, die Deutung des eigenen Amtes als Hüterschaft. Der Zug ins Riesenhafte blieb erhalten, wurde jedoch umgewertet — aus einer Bedrohung wurde ein Wächter, und das Motiv der Gefangenschaft fiel dem neuen Nachbarn im Steinring zu. Eine Spur der älteren, unbestimmten Vorstellung ist im veröffentlichten Text stehen geblieben, wo im Auenland von baumgroßen Wesen jenseits der Nordmoore erzählt wird, ohne dass diese Gerüchte ausdrücklich mit den Ents verknüpft würden. Auch die Bezeichnung Ent selbst, dem Altenglischen entnommen, meint dort einen Riesen und bewahrt damit die Herkunft der frühen Konzeption, obwohl das Volk in der fertigen Erzählung mit Riesen nichts mehr gemein hat.
In Film und Hörspiel
Von den älteren Bearbeitungen berührt nur ein Teil die Gestalt überhaupt. Ralph Bakshis Zeichentrickfilm von 1978 führt die Handlung bis zur Schlacht an Helms Klamm und bricht dort ab; ein zweiter Teil kam nie zustande. Damit fällt alles, was im Buch auf die Begegnung am Waldrand folgt — die Versammlung, der Zug nach Isengart, die Bewachung des Turms —, aus dem Film heraus, und der Hüter des Waldes bleibt eine kurze Erscheinung ohne eigenen Handlungsbogen. Die BBC-Hörspielfassung von 1981 verfährt umgekehrt: Sie verteilt den Stoff auf sechsundzwanzig halbstündige Folgen und gilt als die werkgetreueste der älteren Bearbeitungen. Baumbart wird dort von Stephen Thorne gesprochen; das Medium kommt der gedehnten, vokalreichen Sprechweise entgegen, die der Roman beschreibt, und sowohl die Beratung als auch der Angriff bleiben erhalten, wenn auch gerafft und teilweise über den Erzähler vermittelt.
In Peter Jacksons Trilogie wird die Figur als Verbindung einer großen mechanischen Puppe mit digitaler Animation umgesetzt; die Stimme stammt von John Rhys-Davies, der zugleich Gimli spielt. Die auffälligste Abweichung betrifft den Entschluss zum Krieg. Wo im Roman die Versammlung nach drei Tagen aus eigenem Antrieb den Aufbruch beschließt, endet sie im Film mit der Entscheidung, sich herauszuhalten; erst als Pippin ihn bittet, die Hobbits nach Süden zu tragen, sieht Baumbart die Kahlschläge an seiner Grenze selbst und wendet sich zum Angriff. Der Anstoß liegt damit bei einer List des Hobbits statt bei der Beratung des eigenen Volkes, und die jahrzehntelange Beobachtung des Nachbarn im Steinring wird durch einen einzelnen Anblick ersetzt. Verschoben ist ebenso das Ende des Zauberers: Die Kinofassung lässt es offen, die erweiterte Fassung zeigt seinen Tod in Isengart durch die Hand seines eigenen Dieners, sodass Verwahrung und spätere Freilassung des Gefangenen gänzlich entfallen. Erhalten bleibt dagegen, in der erweiterten Fassung, der Trunk, der die beiden Hobbits sichtbar wachsen lässt.