Der Krieg
Als Celebrimbor durchschaute, dass Sauron sich über den Einen Ring auch die Herrschaft über die Träger der Drei Ringe der Elben sichern wollte, ließ er diese sogleich verbergen und brach jede weitere Verbindung zu ihm ab. Sauron warf daraufhin seine Verstellung ab und erklärte den Elbenreichen offenen Krieg: Im Jahr 1693 des Zweiten Zeitalters begann der Krieg der Elben gegen Sauron. Zwei Jahre später fielen seine Heere von Osten her in Eriador ein und richteten ihren Hauptstoß gegen Eregion, das Land der Elbenschmiede, in dem die Ringe entstanden waren.
Eregion wurde belagert und überrannt; Celebrimbor fiel im Kampf um sein Land, und Sauron bemächtigte sich vieler der dort geschmiedeten Ringe, die nicht mehr rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden konnten. Elrond, der mit einer aus Lindon entsandten Streitmacht zum Entsatz aufgebrochen war, erreichte die Stadt nicht mehr rechtzeitig; er sammelte die versprengten Überlebenden der Noldor und zog sich mit ihnen nordwärts zurück, wo er in einem verborgenen Tal die Feste Bruchtal gründete. Die Zwerge von Moria, denen Sauron durch die Westtore Einlass abverlangte, verweigerten ihm den Zutritt und verschlossen ihre Tore für lange Zeit. Sauron beherrschte danach fast ganz Eriador und drängte weiter gegen Lindon und Bruchtal vor, wo Gil-galad und Elrond standhielten, ohne ihn aus eigener Kraft zurückschlagen zu können.
Die Wende brachte erst das Eingreifen Númenors: Auf Bitten Gil-galads sandte Tar-Minastir im Jahr 1700 eine große Flotte nach Lindon, deren Landung Saurons Belagerung brach und seine Truppen zur Umkehr zwang. Im folgenden Jahr wurde er vollständig aus Eriador vertrieben, und die westlichen Lande fanden für viele Menschenalter Ruhe, ehe Saurons Macht an anderer Stelle von Neuem wuchs.
Verlauf
Der Ausgang des Krieges entschied sich nicht allein in der offenen Feldschlacht, sondern auch in dem, was Sauron bei der Plünderung Eregions in die Hände fiel. Unter den Arbeiten der Gwaith-i-Mírdain, die Celebrimbors Volk nicht mehr rechtzeitig verbergen konnte, befanden sich zahlreiche der geringeren Ringe, die noch keinem Träger übergeben worden waren. Diese Beute erwies sich als folgenreicher als der Verlust der Stadt selbst: In den Jahrzehnten nach dem Krieg schöpfte Sauron aus ihr die Sieben Ringe, die er an Zwergenfürsten weitergab, und die Neun, mit denen er Menschenkönige an sich band. Was 1697 in Eregion erbeutet wurde, wirkte damit weit über den eigentlichen Krieg hinaus in die spätere Geschichte des Zweiten und Dritten Zeitalters hinein.
Mit dem Fall der Stadt erklärte sich Sauron offen zum Herrn aller Ringe und verlangte von den übrigen Elbenreichen die Auslieferung dessen, was ihm noch fehlte. Gil-galad und Elrond wiesen den Anspruch zurück. Aus diesem Augenblick an wurde der Krieg, der mit dem Kampf um eine einzelne Stadt begonnen hatte, zu einem offenen Ringen um die Vorherrschaft im Nordwesten Mittelerdes, in dem es Sauron nun nicht mehr um Eregion allein, sondern um die Unterwerfung aller dortigen Elbenreiche ging. Mit dem Titel „Herr aller Ringe“, den er sich hier zulegte, trat er fortan in den Angelegenheiten Mittelerdes auf, auch nachdem der Krieg selbst längst entschieden war.
Dass Tar-Minastir 1700 eingriff, war auch für Númenor selbst ein Novum: Zum ersten Mal seit der Gründung der Insel führten ihre Krieger auf dem Festland einen offenen Kampf gegen Sauron, statt den Menschen Mittelerdes, wie bis dahin üblich, nur als Handelsmacht und Lehrmeister gegenüberzutreten. Der Erfolg der Landung bestätigte den Elbenreichen, dass Númenor bereit war, mit eigenen Kräften in die Angelegenheiten des Festlands einzugreifen. Dieser erste unmittelbare Zusammenstoß zwischen Sauron und den Männern von Númenor blieb nicht der letzte; er kündigte eine Rolle der Insel in Mittelerde an, die sich Jahrhunderte später, in offener Feindschaft zwischen beiden Mächten, noch einmal und weit folgenschwerer zeigen sollte.
Nach seiner Vertreibung 1701 zog sich Sauron nach Mordor zurück und suchte für viele Menschenalter keinen offenen Krieg mehr im Nordwesten. Was mit diesem Krieg endgültig verloren ging, war das enge Bündnis zwischen den Noldor Eregions und den Zwergen von Moria, das der Stadt einst ihren Wohlstand gegeben hatte; eine vergleichbar enge Zusammenarbeit zwischen beiden Völkern entstand danach nicht wieder. Acht Jahre lagen zwischen dem Beginn des Krieges 1693 und Saurons endgültiger Vertreibung 1701, eine kurze Spanne verglichen mit den Jahrhunderten, die Eregion zuvor bestanden hatte, doch genug, um die politische Ordnung Eriadors von Grund auf zu verändern und die Landkarte des Nordwestens für den Rest des Zweiten Zeitalters festzulegen.
Parteien und Anführer
Auf Saurons Seite nennen die Quellen keinen weiteren Anführer und kein verbündetes Volk; der Krieg erscheint in der Überlieferung durchweg als sein persönliches Unternehmen. Den Elbenreichen stand dagegen kein einzelner Oberbefehlshaber vor, sondern eine gestufte Führung: Gil-galad hielt als Hoher König der Noldor in Lindon die politische Leitung des Widerstands in der Hand, die Verteidigung Eregions selbst lag bei Celebrimbor, und die von Lindon entsandte Streitmacht unterstand Elrond. Weitere Anführer einzelner Kontingente werden nicht genannt; diese drei sind die einzigen Namen, die die Überlieferung der elbischen Seite des Krieges als Befehlshaber zuordnet. Innerhalb dieser Führung war die Rolle keineswegs gleichrangig verteilt: Gil-galads Wort band die gesamte Streitmacht Lindons, während Celebrimbors Befehl sich auf Eregion selbst beschränkte.
Die Zwerge von Moria bildeten in diesem Gefüge einen Sonderfall. Sie schlugen sich keiner der beiden Parteien förmlich zu, wurden weder Gil-galads Verbündete noch Saurons Gefolgsleute, sondern behaupteten eine bewaffnete Zurückhaltung, die im Ergebnis gegen Sauron wirkte, ohne dass die Quellen sie deshalb zu Kriegsteilnehmern im engeren Sinn machen. Die Überlieferung ordnet Moria damit weder der einen noch der anderen Seite fest zu; es bleibt in dieser Erzählung eine eigenständige Macht am Rand des Krieges, nicht dessen Partei. Ein Anführer der Zwerge wird für diese Jahre nicht namentlich genannt.
Auf elbischer Seite trat 1700 mit Tar-Minastirs Flotte eine dritte Partei bewaffnet in den Krieg ein; welche Befehlshaber ihm unterstanden, wird nicht überliefert, ebenso wenig Namen weiterer Anführer auf Seiten der Menschen. Für keine der beteiligten Parteien ist während der eigentlichen Kampfhandlungen ein Seitenwechsel bezeugt. Der einzige Bruch eines Bündnisses liegt vor dem Kriegsbeginn, in dem Augenblick, als Sauron die ihm bis dahin von den Elbenschmieden entgegengebrachte Zusammenarbeit von sich aus aufkündigte und sich offen gegen sie stellte. Von da an standen sich die Fronten für die gesamte Dauer des Krieges fest gegenüber, ohne dass die Überlieferung von Überläufern auf der einen oder anderen Seite berichtet.
Folgen
Politisch blieb Eriador nach 1701 ohne die Ordnung, die es vor dem Krieg getragen hatte. Eregion war als Elbenreich ausgelöscht und wurde nicht wieder besiedelt; wo einst die Gwaith-i-Mírdain gearbeitet hatten, blieb verödetes Land, durch das später nur noch Reisende zwischen Bruchtal und Moria zogen. Lindon unter Gil-galad und das neu gegründete Bruchtal unter Elrond blieben als einzige größere Noldor-Reiche im Nordwesten übrig; eine dritte, vergleichbar bedeutende Elbenmacht auf dem Festland nördlich von Lothlórien entstand danach nicht wieder. Die Landkarte, die Eriador im späteren Dritten Zeitalter zeigt, mit Bruchtal als einzigem festen Elbensitz zwischen Nebelgebirge und Blauen Bergen, geht auf diese Verschiebung zurück.
Auch das Verhältnis zwischen Elben und Zwergen veränderte sich dauerhaft. Moria blieb zwar bestehen und unter dem Berg reich, doch die verschlossenen Tore, mit denen die Zwerge auf Saurons Vordringen geantwortet hatten, wurden zum Sinnbild einer Zurückgezogenheit, die über den Krieg hinaus anhielt: Moria trat fortan kaum noch als politischer Partner der umliegenden Elbenreiche auf, sondern als ein für sich bestehendes, nach außen weitgehend verschlossenes Reich. Die Bevölkerung Eriadors selbst dünnte in den Jahrzehnten nach dem Krieg spürbar aus; Landstriche, die zuvor unter dem Schutz Eregions gestanden hatten, blieben herrenlos, und erst die spätere Einwanderung von Menschen und, viele Zeitalter danach, von Hobbits füllte Teile dieses leeren Landes wieder.
Für das Verhältnis zwischen Mittelerde und Númenor markierte der Krieg einen bleibenden Einschnitt: Nach Tar-Minastirs Eingreifen betrachteten die Elbenreiche des Nordwestens Númenor fortan als eine Macht, auf deren militärischen Beistand im Ernstfall zu rechnen war, nicht nur als fernen Handelspartner. Diese Erwartung blieb über die folgenden Jahrhunderte bestehen, auch als sich Númenor selbst innerlich zu wandeln begann und sein Verhältnis zu den Elben und zu den Valar sich verschlechterte. Sauron seinerseits mied den offenen Krieg gegen die vereinten Kräfte der Elben und Númenors fortan über viele Menschenalter; erst mit dem Erstarken seiner Macht in Mordor und, weit später, mit dem Fall Númenors selbst trat er wieder offen gegen sie an.
In der Erzählung
Innerhalb von „Der Herr der Ringe“ selbst wird dieser Krieg nirgends als zusammenhängende Handlung erzählt, sondern nur im knappen, chronikalischen Ton des Anhangs B abgehandelt: Jahr für Jahr, in kurzen Einträgen, ohne ausgeführte Schlachtenschilderung. Für den Leser des Hauptwerks erscheint der Krieg damit ausschließlich als vorausliegende Geschichte, die im Rückblick Sinn stiftet — sie liefert die Erklärung dafür, warum Moria seine Tore verschlossen hält, warum es Bruchtal überhaupt gibt und warum die Drei Ringe der Elben unberührt von Saurons Willen geblieben sind. Die eigentliche Handlung setzt an diesen längst feststehenden Ergebnissen an, ohne den Weg dorthin selbst zu zeigen; der Krieg bleibt reine Vorgeschichte, kein erzähltes Ereignis.
Greifbar wird er innerhalb der Haupthandlung nur mittelbar, in der Erinnerung derer, die ihn selbst durchlebt haben. Am Rat von Elrond spricht Elrond von seiner eigenen Vergangenheit und davon, was er über die Schmiede von Eregion und die Herkunft der Ringe weiß; er tut dies nicht als Erzähler einer fremden Sage, sondern als Zeitzeuge, dessen bloße Anwesenheit den knappen Chroniknotizen erst Gewicht verleiht. Für die Versammelten – und für den Leser – wird der Krieg dadurch nicht zu ferner Mythologie, sondern zur gelebten Geschichte einer Figur, die im weiteren Verlauf der Geschichte selbst noch handelt. Diese Verankerung in einer bekannten Gestalt ist die einzige Form, in der der Krieg innerhalb der Rahmenhandlung überhaupt „erzählt“ wird.
Eine ganz andere Erzählhaltung nimmt das nachgelassene Material in „Unfinished Tales“ ein. In der Abhandlung zur Geschichte von Galadriel und Celeborn wird derselbe Krieg nicht als abgeschlossene Erzählung, sondern als Gegenstand widersprüchlicher Überlieferung vorgestellt, mit nebeneinanderstehenden, einander teils widersprechenden Angaben zum Aufenthalt Galadriels und Celeborns während dieser Jahre. Der Krieg erscheint hier nicht als festes Faktum, sondern als etwas, das die eigene Überlieferung selbst nur bruchstückhaft bewahrt hat – eine Erzählweise, die zu einem Ereignis passt, dessen wichtigste Zeugin, die Stadt Eregion, mitsamt vielen, die dort lebten, unterging, bevor sie ihre eigene Geschichte weitergeben konnten.