Herkunft und Namen
Der Name Beregond ist sindarinischer Prägung, wie sie unter den Geschlechtern Gondors seit langem üblich war: Die Hohen Häuser des Reiches sprachen im Alltag die Gemeinsame Sprache, wählten ihre Namen jedoch aus dem Sindarin, während die Könige daneben die hochelbische Form pflegten. Das zweite Glied des Namens, gond, bezeichnet den Stein und begegnet ebenso im Landesnamen Gondor, dem „Steinland“, wie in älteren Bildungen des Ersten Zeitalters. Ein zusammenhängender Deutungsversuch des ganzen Namens wird in den Quellen nirgends geboten; wer ihn unternimmt, verlässt das Belegte. Bemerkenswert bleibt allein, dass derselbe Name Jahrhunderte später ein zweites Mal auftritt, getragen von einem Mann der Bürgenwache in Minas Tirith – ein Namensvetter ohne nachweisbare Verwandtschaft, kein Hinweis auf eine gemeinsame Linie.
Seinem Volk nach zählte Beregond zu den Dúnedain Gondors, dem Menschengeschlecht númenórischer Abkunft, das sich im Süden Mittelerdes gehalten hatte. Sein Haus führt sich auf Húrin von Emyn Arnen zurück, einen Truchsess König Minardils, der von hoher númenórischer Art war und dessen Nachkommen das Amt über Generationen hinweg besetzten. Aus dieser Stellung wurde später erbliches Recht: Seit Mardil, dem ersten regierenden Truchsess, ging die Würde innerhalb desselben Hauses weiter, und mit ihr die Verwaltung eines Reiches, dessen Thron leer stand. Beregond gehört damit zu jenem Zweig der gondorischen Oberschicht, der Herkunft nicht aus königlichem Blut, sondern aus einem Amt und dessen Fortdauer bezog.
Über Geburt, Jugend und nächste Angehörige schweigen die Anhänge. Die Reihe der Truchsesse nennt Beregond an zwanzigster Stelle, hinter Beren und vor Belecthor II., doch sie verzeichnet nur Namen und Jahreszahlen, keine Abstammungsverhältnisse im Einzelfall. Ausdrücklich heißt es lediglich, das Amt sei vom Vater auf den Sohn oder auf den nächsten Verwandten übergegangen – welche der Übergänge dem einen und welche dem anderen Weg folgten, bleibt ungesagt. Wer Beregond als Sohn seines Vorgängers führt, ergänzt also eine Annahme, die der Text nicht deckt; gesichert ist die Reihenfolge, nicht die Vaterschaft. Auch eine Mutter, Geschwister oder ein Beiname sind nirgends überliefert, sodass die Herkunft dieser Gestalt sich in der Zugehörigkeit zum Hause Húrin erschöpft.
Geschichte
Das Amt, in das Beregond eintrat, war in den Jahren unmittelbar zuvor bis an seine Grenzen geprüft worden. Unter seinem Vorgänger Beren, dem neunzehnten Truchsess, liefen lange vorbereitete Flotten aus Umbar und dem Harad die Küsten Gondors an; die Angreifer setzten an vielen Stellen an Land, bis hinauf zur Mündung des Isen. Im selben Zeitraum wurde Rohan von Westen und Osten her überrannt, und die Rohirrim wurden in die Täler der Weißen Berge zurückgedrängt. In dieses Jahr, 2758, fiel überdies der Beginn des Langen Winters, der beide Reiche von der Hilfe des jeweils anderen abschnitt und mehr Menschen durch Kälte und Hunger tötete als durch Waffen. Erst danach ordneten sich die Verhältnisse neu: Helm starb im Winter, Fréaláf nahm die Herrschaft in Rohan auf, und Beren übergab Saruman die Schlüssel von Orthanc, der sich 2759 in Isengart niederließ.
Mit dem Tod Berens im Jahr 2763 fiel die Herrschaft an Beregond, und er hielt sie fast fünf Jahrzehnte lang. Die Aufstellung der Truchsesse in den Anhängen verzeichnet für ihn nichts als Namen und Jahreszahl; sie ist eine Amtsliste und keine Erzählung, und sie behandelt ihn darin nicht anders als die meisten seiner Vorgänger. Aus der Länge der Amtszeit lässt sich immerhin ablesen, dass Gondor in diesen Jahren keinen Wechsel an der Spitze erlebte, wie ihn Niederlagen oder innere Zerwürfnisse sonst erzwangen. Was die Aufgabe verlangte, ergibt sich aus der Lage des Reiches: die Grenze gegen Mordor und den Süden zu halten und das Erbe eines Königtums zu verwalten, das seit Jahrhunderten keinen Träger mehr hatte. Über einzelne Entscheidungen, Feldzüge oder Bauten Beregonds sagen die Anhänge nichts.
Die Jahre seiner Herrschaft sind gleichwohl nicht ereignislos, nur liegen die verzeichneten Ereignisse außerhalb Gondors. 2770 fiel Smaug über den Einsamen Berg her und vernichtete das Königreich unter dem Berge samt der Stadt Thal. 2790 wurde Thrór in Moria erschlagen, und daraus erwuchs von 2793 an der Krieg der Zwerge und Orks, der 2799 vor dem Osttor Morias in der Schlacht von Nanduhirion sein blutiges Ende fand. Aus den zersprengten Scharen dieses Krieges kamen von 2800 an jene Orks aus dem Norden, die Rohan über Jahrzehnte hin heimsuchten – bis weit über Beregonds Tod hinaus. Gondor erscheint in diesen Annalen nirgends als Beteiligter; weder Hilfe noch Bedrohung wird für diese Zeit vermerkt.
Dieses Schweigen ist selbst ein Befund und sollte nicht vorschnell als Ruhe gedeutet werden. Die Zeittafel des Roten Buches folgt für das achtzehnte und neunzehnte Jahrhundert des Dritten Zeitalters vor allem den Vorgängen im Norden – Zwerge, Rohan, das Auenland – und nennt den Süden nur dort, wo er unmittelbar betroffen ist. Selbst die große Krise von 2758 wird überwiegend aus der Sicht Rohans berichtet, und was Gondor an seinen eigenen Küsten tat, bleibt knapp. Für Beregonds Zeit heißt das: Die Überlieferung erlaubt kein Urteil darüber, ob seine Herrschaft friedlich war oder nur unbeschrieben blieb. Sicher ist allein, dass der schleichende Rückgang an Menschen und Kraft, den die Anhänge dem Gondor dieser Jahrhunderte insgesamt zuschreiben, auch seine Jahre bestimmt haben muss.
Beregond starb im Jahr 2811, und das Amt ging auf Belecthor II. über. In dessen Zeit fiel ein Vorgang, den die Truchsesse als übles Zeichen empfanden: 2852 verdorrte der Weiße Baum vor dem Turm, und da sich kein Schössling fand, ließ man den toten Stamm stehen, wo er stand. Beregond hat also noch unter dem letzten lebenden Baum Gondors geherrscht, ohne dass die Quellen dies eigens anmerkten. Die Reihe, in der er steht, brach nicht ab: Sie führte über Thorondir, Túrin II., Turgon und Ecthelion II. bis zu Denethor II., in dessen Amtszeit der Ringkrieg und mit ihm die Rückkehr des Königs fiel. Was von Beregond bleibt, ist mithin ein Glied dieser Kette – ein Name mit einer Jahreszahl, getragen von einer Ordnung, die eben dadurch Bestand hatte, dass sie auch die unbeschriebenen Jahrzehnte überdauerte.
Rolle und Amtsgewalt
Was Beregond an Macht besaß, war die Macht seines Amtes, und dieses Amt war seit dem Erlöschen des Königtums ungewöhnlich weit gefasst. Seit Mardil im Jahre 2050 die Führung übernahm – nachdem Earnur nach Minas Morgul geritten und nicht wiedergekehrt war –, lag bei den Truchsessen die volle Gewalt über Gondor: Gebot über die Heere, Einsetzung der Hauptleute, Recht und Abgaben, Entscheidung über Krieg und Frieden. Diese Vollmacht war jedoch stets als Stellvertretung gefasst, geübt im Namen eines Königs, dessen Rückkehr das Amt förmlich offenhielt. Mit der Erblichkeit ging auf jeden Nachfolger auch die Verpflichtung über, Stab und Herrschaft nur so lange zu führen, bis der König wiederkäme.
Die Grenzen dieser Gewalt waren so genau bestimmt wie ihr Umfang, und sie zeigten sich vor allem im Sinnbildlichen. Kein Truchsess nahm die Krone, und keiner setzte sich auf den Hochsitz im Turmsaal; sein Platz war ein schwarzer steinerner Sessel am Fuß der Stufen, über denen der Thron leer stand. Als Zeichen des Amtes diente ein weißer Stab, und das Banner der Truchsesse blieb weiß ohne jedes Bild, denn Baum, Sterne und Krone gehörten dem König allein. Über diese äußeren Schranken hinaus verlieh das Amt nichts: Weder Gaben noch Kräfte besonderer Art sind mit ihm verbunden, und was seine Träger vermochten, ruhte auf Herkunft, Erfahrung und dem Gehorsam der Männer Gondors.
Für Beregond selbst lässt sich diese Vollmacht in keine einzige Handlung auflösen. Ihm ist kein Feldzug zugeschrieben, kein Rat, kein Bau, keine Verfügung; auch trägt er keinen Beinamen, wie ihn Mardil als der Standhafte führte oder wie ihn Boromir, der elfte Truchsess, sich in den Kämpfen um die Furten erwarb. Sein Rang bedeutete demnach Zuständigkeit, nicht überliefertes Wirken – und beides ist auseinanderzuhalten. Wer ihn als Feldherrn, Ordner der Grenzwacht oder Erneuerer der Festungen zeichnet, überträgt das Amtsbild auf den Mann und geht damit über die Belege hinaus. Nachweisbar bleibt allein, dass die Ordnung, deren Verwaltung ihm zufiel, unter seiner Hand nicht abbrach und unbestritten an seinen Nachfolger überging.
Bindungen des Amtes: Herr, Bundesgenossen, Nachbarn
Das nächste Verhältnis, in dem Beregond stand, war das zu einem Abwesenden. Die Truchsesse führten ihre Herrschaft nicht aus eigenem Recht, sondern als Treue gegenüber einem Herrn, der seit Jahrhunderten weder Befehl noch Weisung gab; jeder Amtsantritt erneuerte eine Bindung an eine leere Stelle. Persönliche Beziehungen treten daneben kaum hervor: Weder eine Gemahlin noch Kinder, weder Bruder noch Schwester sind für ihn verzeichnet, und auch sein Verhältnis zu Beren und Belecthor II. bleibt, wie an anderer Stelle bereits vermerkt, auf die bloße Abfolge der Namen beschränkt. Dass das Haus Húrin über ihn hinaus fortbestand, ist der einzige familiäre Befund, den die Überlieferung zulässt – und er ist ein Befund über das Geschlecht, nicht über den Mann.
Verbündete besaß Beregond gleichfalls von Amts wegen. Seit Cirion dem Eorl das Land nördlich der Weißen Berge übergeben und beide einen Eid der Freundschaft geschworen hatten, bestand zwischen Gondor und den Rohirrim ein Bündnis, das jeder Truchsess mit dem Stab übernahm; es war Erbstück, nicht persönliche Wahl. In Beregonds Jahren saßen im Norden erst Fréaláf, dann Brytta auf dem Thron der Mark, und die Belastbarkeit des Bundes hatte sich unmittelbar vor seinem Amtsantritt gezeigt. Von einem Austausch zwischen ihm und diesen Königen berichten die Anhänge nichts – kein Ritt, keine Botschaft, keine gemeinsame Waffenhilfe wird ihm zugeschrieben.
Ein Nachbar von eigener Art war der Zauberer in Isengart, der dort mit Erlaubnis der Truchsesse in einer Festung des Reiches wohnte; auch dieses Verhältnis fiel Beregond zu, ohne dass ein Wort darüber überliefert wäre, wie er es handhabte. Einen namentlichen Gegenspieler nennen die Quellen für ihn überhaupt nicht. Die Bedrohung Gondors trug in diesen Jahrzehnten kein Gesicht: Sie lag östlich im Gebirge, in der Stadt, die seit langem von den Namenlosen gehalten wurde, und südlich bei den Häfen, aus denen die Angriffe früherer Jahre gekommen waren. Auch die Männer, die ihm dienten – Hauptleute des Heeres, die Fürsten der Lehen, Dol Amroth voran –, bleiben unbenannt. Beregonds Beziehungsgeflecht ist damit ein Netz aus Stellungen und Pflichten, in dem der Einzelne unsichtbar geblieben ist.