Herkunft, Wesen und Namen

Aule gehört zu den Aratar, den acht Mächtigsten der Valar, und zählt zu jenen Geistern, die aus den Gedanken Ilúvatars hervorgingen, ehe die Welt gemacht war. Er trat mit den Valar in Arda ein, um das Gesungene in Wirklichkeit zu überführen, und sein Anteil daran waren die Stoffe selbst: die Gesteine und Metalle, aus denen die Erde besteht, die Gebirge und die Becken der Meere. Sein Gebiet ist demnach kein Ort, sondern eine Beschaffenheit — die feste Substanz Ardas, die er kennt und beherrscht wie ein Handwerker sein Werkstoff. In der Aufzählung der Valar wird ihm an Macht Melkor zur Seite gestellt, dem er in vielem gleicht, denn auch dieser hatte anfangs Kraft und Wissen in den gleichen Dingen; unterschieden sind sie darin, dass Aule das Gemachte nicht besitzen, sondern hervorbringen und weitergeben will.

Der Name Aule ist quenyisch und wird nach den Ausspracheregeln der Anhänge dreisilbig gelesen: Das auslautende ë bleibt stets hörbar und verstummt nie, das anlautende au klingt wie in einem gedehnten „au“. Neben dem Namen steht durchweg der Beiname des Schmieds, der ihn als Meister aller Fertigkeiten kennzeichnet, die Formen aus Stoff gewinnen — der Metallbearbeitung ebenso wie der Steinmetzarbeit und des Bauens. Bei den Zwergen trägt er den Namen Mahal, ein Wort aus deren eigener, von ihm gelehrten Sprache Khuzdul; darin sehen sie ihn als ihren Urheber und Bildner an. Die Sindar wiederum nannten ihn Belegol, doch begegnet dieser Name weit seltener als die quenyische Form, die in den Überlieferungen der Noldor bewahrt blieb.

Zu seinem Wesen gehört die Verbindung mit Yavanna, der Königin der Erde, die ihm vermählt ist: Wo er die unbelebte Materie formt, sorgt sie für das Wachsende, und aus dieser Zuordnung entsteht ein Spannungsverhältnis, das die Erzählungen über beide bestimmt. Aules Freude liegt im Machen und im Werk selbst, nicht im Erzeugnis als Besitz, und ebenso wenig sucht er Ruhm oder Lob dafür; bereitwillig gibt er weiter, was er weiß, und ist eher geneigt zu schenken als zu bewahren. Diese Neigung zum Lehren macht ihn unter den Valar zu dem, der sich den Kindern Ilúvatars und ihrem Wissensdrang am stärksten zuwendet. In ihr wurzelt jedoch auch die Gefahr, der er ausgesetzt ist, denn die Ungeduld des Schaffenden kann dazu verleiten, dem eigenen Entwurf vorzugreifen — ein Zug, den die Überlieferung offen benennt, ohne ihn dem Hochmut Melkors gleichzusetzen.

Geschichte

Aules früheste Taten fallen in die Zeit vor den gezählten Jahren, als die Valar in ein noch ungeformtes Arda hinabstiegen und begannen, die Erde nach dem Vorbild der Musik einzurichten. Was er dabei aufbaute, riss Melkor nieder, und lange Zeitläufte hindurch bestand sein Werk darin, immer wieder zu erneuern, was der andere zerstört hatte. Als endlich eine Ordnung erreicht war, schuf Aule die beiden großen Leuchten, Illuin im Norden und Ormal im Süden, und stellte sie auf gewaltige Säulen, die er selbst errichtet hatte; Varda füllte sie mit Licht, Manwe heiligte sie. Unter diesem doppelten Schein wuchs der Frühling Ardas, und die Valar wohnten auf der Insel Almaren inmitten des großen Sees. Melkor jedoch stürzte die Säulen um, und im Sturz der Leuchten zerbrach die Gestalt der Länder; die Valar verließen Mittelerde und zogen nach Aman hinüber.

Nach dem Erwachen der Elben zogen die Valar gegen Utumno, und Aule lieferte das Werkzeug des Sieges: Er schmiedete Angainor, die Kette, mit der Melkor gebunden und vor die Tore von Mandos geführt wurde, wo dieser drei Zeitalter lang gefangen blieb. In den Jahren des Friedens danach fanden die Noldor in Valinor zu ihm, und keine Sippe der Elben stand ihm näher; von ihm lernten sie das Bergen und Schneiden der Steine, die Bearbeitung der Metalle und die Kunst, Wissen in Zeichen festzuhalten. Zu seinen liebsten Schülern gehörte Mahtan, ein großer Schmied der Noldor, dessen Tochter Nerdanel Feanor zur Frau nahm; von Mahtan empfing Feanor einen wesentlichen Teil der Handwerkslehre, die später in den Silmaril eingehen sollte. Ebendiese Kunstfertigkeit machte die Noldor jedoch empfänglich für Melkors Einflüsterungen, als er wieder freigelassen war, denn er verstand, ihren Ehrgeiz im Machen gegen die Valar zu kehren. Auch Sauron war ursprünglich ein Geist aus Aules Gefolge gewesen und blieb selbst nach seinem Übertritt zu Melkor in den Fertigkeiten dieses Volkes mächtig.

Noch ehe die Elben erwacht waren, hatte Aule eine Tat begangen, die ihn beinahe ins Unrecht setzte. In einer Halle tief unter den Bergen Mittelerdes bildete er heimlich sieben Väter eines neuen Geschlechts, gedrungen und zäh, gemacht für ein Land, das damals unter Melkors Schatten lag; er tat es aus Ungeduld, weil ihn die Erwartung der Kinder Ilúvatars und der Wunsch nach eigenen Schülern drängte. Ilúvatar sprach ihn darauf an und hielt ihm vor, dass er Wesen zu schaffen suche, denen er kein eigenes Sein zu geben vermöge und die sich nur so weit regen könnten, wie sein Gedanke sie lenkte. Aule widersprach nicht, sondern legte sein Werk unter den Hammer, um es zu zerschlagen; da wichen die Sieben zurück und baten um Schonung, denn Ilúvatar hatte ihnen bereits eigenes Leben verliehen und die Bitte des Machenden angenommen. Zur Bedingung wurde jedoch gesetzt, dass sie nicht vor den Erstgeborenen erwachen dürften. Aule legte sie an weit voneinander entfernten Orten zur Ruhe und kehrte zu seiner Arbeit zurück.

Als Yavanna davon erfuhr, kam es zwischen den Gatten zu einer Auseinandersetzung von großer Tragweite: Sie sah voraus, dass die Kinder seines Sinnes Bäume fällen und die Erde aufbrechen würden, ohne nach dem zu fragen, was wächst. Aule antwortete, dass auch die Kinder Ilúvatars den Wald nutzen würden und dass alles Gemachte den Stoff der Welt beanspruche; Yavanna aber trug ihre Sorge vor Manwe, und in dessen Schau der Musik zeigte sich, dass Hirten für die Bäume bestimmt seien, Geister, die im Wald erwachen und ihn schützen würden. So gehen die Ents mittelbar auf die heimliche Schöpfung des Schmiedes zurück, als deren Gegengewicht sie erweckt wurden. Die sieben Väter selbst schliefen, bis die Elben erwacht waren; danach erhoben sie sich an ihren getrennten Ruhestätten und begannen jene Wanderungen, aus denen die Häuser der Zwerge hervorgingen.

Nach der Vergiftung der Zwei Bäume und dem Diebstahl der Silmaril trug Yavanna aus dem Verdorbenen eine letzte Frucht und eine letzte Blüte, und wiederum war es Aule mit seinem Volk, der die Gefäße dafür bildete, in denen ihr Licht bewahrt und über den Himmel geführt werden konnte; mit dem ersten Aufgang dieser Lichter beginnt die Rechnung der Sonnenjahre. Sein Verhältnis zu den Noldor überdauerte deren Aufbruch, doch von seinen Lehren blieb in Beleriand vor allem das Handwerk zurück, während die Kunst der Zwerge und die der Elben sich in Nogrod und Belegost begegneten. Weit später, im Dritten Zeitalter, wirkte er noch einmal mittelbar in die Geschichte hinein: Als die Valar Abgesandte nach Mittelerde bestimmten, um dem Widerstand gegen Sauron beizustehen, wählte Aule Curumo aus seinem Gefolge, der als Erster der Istari übers Meer ging. Dessen späterer Hang zu Maschinen, Rädern und Schmiedewerk verweist auf diese Herkunft ebenso wie auf ihre Gefährdung.

In den Überlieferungen, die bis in die Zeit des Ringkriegs reichen, erscheint Aule nur noch im Zeugnis seiner Geschöpfe. Durin, der Älteste der Sieben Väter, erwachte allein und gründete jenes Reich unter dem Nebelgebirge, dessen Herrscherreihe seinen Namen weiterführte; seine Nachkommen hielten die Erinnerung an den Bildner in Sprache und Brauch fest und gaben sie an keine andere Sippe weiter. Nach ihrem eigenen Bekenntnis sorgt Mahal für sie und sammelt sie nach dem Tod in Hallen, die abseits der übrigen in Mandos liegen; er habe ihren Vätern vor Zeiten verkündet, dass Ilúvatar sie am Ende annehmen und ihnen einen Platz unter seinen Kindern geben werde. Damit steht das Volk der Zwerge auf einer eigenen, von den Elben und Menschen verschiedenen Grundlage — als das einzige Geschlecht Ardas, das seine Herkunft nicht unmittelbar auf Ilúvatar, sondern auf einen der Valar zurückführt und dessen Fortbestand gleichwohl von jenem bestätigt wurde.

Rolle und Vermögen

Innerhalb der Ordnung der Valar ist Aules Amt das des Handwerkers, nicht das des Herrschers: Er verwaltet kein Reich und gebietet keinem Volk, sondern hat Vollmacht über die Stoffe, aus denen alles Gemachte besteht. Sein Vermögen reicht so weit, wie Arda aus Materie gebildet ist, und alle Fertigkeiten, die Menschen und Elben später als Künste betreiben — Bergbau, Schmiedewerk, Steinbearbeitung, Bauen —, führt die Überlieferung auf seine Lehre zurück. Auch die Schrift zählt dazu, deren Zeichen die Noldor von ihm empfingen, ehe sie eigene Systeme entwickelten. Um ihn versammelt sich ein Gefolge von Maiar, die seine Neigung zum Werk teilen; dass aus diesem Kreis sowohl Curumo als auch Sauron hervorgingen, zeigt, wie eng bei ihm Können und Gefährdung beieinanderliegen. In den Ratsversammlungen der Valar hat seine Stimme Gewicht, doch tritt er dort seltener hervor als in seinen Hallen.

Die Grenzen dieses Vermögens sind in den Quellen ungewöhnlich deutlich bezeichnet. Aule kann Stoff formen, ordnen und mit Kunst durchdringen, aber er kann kein Sein hervorbringen: Die Unvergängliche Flamme, die eigenes Dasein und eigenen Willen verleiht, liegt allein bei Ilúvatar. Was er ohne diese Gabe bildet, bewegt sich nur, soweit sein eigener Gedanke es lenkt — genau dies wurde ihm bei den Sieben Vätern vorgehalten, und er bestritt es nicht. Auch das Machen selbst bleibt gebunden, denn es verbraucht, was schon da ist; Yavannas Einwand gegen seine Geschöpfe zielt auf ebendiesen Punkt. Hinzu kommt, dass ein erheblicher Teil seiner Arbeit nicht Neuschöpfung war, sondern Wiederherstellung des von Melkor Zerstörten, sodass sein Wirken über weite Zeiträume den Charakter der Ausbesserung trug.

Eine zweite Schranke ist nicht sachlicher, sondern sittlicher Art: Die Valar dürfen die Kinder Ilúvatars nicht zwingen, und Aule, dessen Stärke gerade im Formen liegt, ist dieser Zurückhaltung besonders unterworfen. Er lehrt, aber er bestimmt nicht, was die Belehrten mit dem Gelernten anfangen — das Schicksal der Noldor und ihrer Werke belegt es. Im späteren Verlauf tritt seine Macht überhaupt nur noch mittelbar in Erscheinung, durch Gesandte, die in schwacher Gestalt und ohne Erlaubnis zu offener Machtentfaltung nach Mittelerde geschickt wurden. Gegenüber den Zwergen schließlich ist sein Verhältnis eines der Fürsorge und nicht des Befehls; ihr Fortbestand ruht auf einer Zusage, die nicht er, sondern Ilúvatar gegeben hat.

Beziehungen

Im Kreis der Valar steht Aule in einem Gefüge, das seine Eigenart eher begrenzt als verstärkt. Die Ehe mit Yavanna verbindet ihn mit einer Macht, deren Sorge dem gilt, was sein Werk beansprucht; die Überlieferung stellt beide nicht als Gegensatz dar, sondern als zwei Zuständigkeiten, die einander im Streitfall zur Rechenschaft ziehen. Über ihnen steht Manwe, vor den Yavanna ihre Klage bringt und dessen Entscheid Aule ohne Widerrede hinnimmt — ein Verhältnis der Unterordnung, das er auch gegenüber Ilúvatar wahrt, als ihm sein heimliches Werk vorgehalten wird. Gerade diese Bereitschaft, das eigene Vorhaben preiszugeben, trennt ihn von jenem unter den Valar, dem er an Wissen und Kraft am nächsten kam.

Bezeichnend für Aule sind weniger Bündnisse als Schülerschaften, und diese enden auffallend oft im Verlust. Aus seinem Gefolge der Maiar ging jener Geist hervor, der sich Melkor anschloss und dessen Kunstfertigkeit später gegen alle Völker Mittelerdes gewandt wurde; aus demselben Kreis kam der Erste der Istari, dessen Sinn für Getriebe und Schmiedewerk am Ende in eigene Herrschaftspläne umschlug. Unter den Elben lehrte er Mahtan, und über ihn erreichte sein Wissen ein Haus, das sich von den Valar lossagte. Aule bindet seine Schüler nicht: Er gibt weiter, was er kann, und behält keine Verfügung über den Gebrauch. Sein Verhältnis zu ihnen ist darum eines der offenen Hand, die auch das Verlorene nicht zurückfordert.

Zwischen den Völkern verteilt sich die Zuneigung zu den Valar ungleich, und Aules Anteil ist scharf umrissen. Die Vanyar hingen Manwe und Varda an, die Teleri wandten sich Ulmo und Osse zu, den Herren des Wassers; die Noldor aber richteten ihr Streben auf den Schmied, und keine andere Sippe der Eldar stand ihm so nahe. Allein die Zwerge gehen über Verehrung hinaus und nennen ihn ihren Bildner, sodass zwischen ihnen und ihm ein Verhältnis besteht, das kein anderes Geschlecht Ardas zu einem der Valar unterhält. Melkor schließlich ist ihm Gegenspieler ohne persönliche Feindschaft: Nichts deutet auf Hass, wohl aber darauf, dass dessen Verderben stets dort ansetzt, wo Aule am stärksten ist — beim Können, beim Machen und beim Stolz auf das eigene Werk.

Entwürfe und Varianten

In der ältesten Fassung der Mythologie, den frühen „Lost Tales“, ist der Schmied bereits vollständig ausgebildet, trägt aber ein anderes Namenkleid. Er heißt dort neben Aule auch Talka Marda, „Schmied der Welt“, und seine Gemahlin erscheint unter dem Namen Palúrien, der erst später hinter Yavanna zurücktrat; der noch nicht zu Melkor erweiterte Widersacher heißt Melko. Von Aule stammen in dieser Schicht die Fesseln, mit denen jener gebunden wurde — die Kette Angaino sowie zwei weitere Bänder für Hände und Füße —, wobei die frühe Form des Kettennamens noch ohne das spätere Schluss-r steht. Deutlich abweichend ist die Vorgeschichte der beiden Leuchten: Nicht Aule errichtete ihre Träger, sondern Melko bot sich an, die Säulen zu stellen, und bildete sie heimlich aus Eis, sodass sie unter dem Schein der Lampen dahinschmolzen und stürzten. Die Zuständigkeit für die Säulen wanderte erst in den späteren Bearbeitungen zum Schmied selbst.

Am stärksten verschoben hat sich die Herkunft der Zwerge. Die frühen Erzählungen kennen die Nauglath von Nogrod als ein habgieriges, unschön gezeichnetes Volk, dessen Ursprung offen bleibt; von einer Bildung durch einen der Valar ist nicht die Rede, und ihr Anteil am Untergang Doriaths bestimmt ihr Bild. Erst in den Fassungen der dreißiger Jahre erscheint die Zuschreibung an Aule, dort noch knapp und ohne die Prüfung durch Ilúvatar, verbunden mit dem Urteil, den Zwergen wohne kein eigener Geist inne und sie hätten am Ende keinen Teil — eine Aussage, die später ins Gegenteil gewendet wurde. Auch die Namensüberlieferung schwankt: Die etymologischen Wortlisten führen für ihn die noldorische Form Belegol und daneben Barthan, beide auf die Vorstellung des Welt-Erbauers zurückgehend. Das Gespräch mit Yavanna über die wachsenden Dinge gehört einer späten Schicht an und fehlt den älteren Zusammenfassungen der Sage vollständig.