Herkunft und Namen
Samweis Gamdschie ist ein Hobbit des Auenlandes, geboren im Jahr 1380 der Auenland-Zeitrechnung, das dem Jahr 2980 des Dritten Zeitalters entspricht. Er stammt aus dem arbeitenden Stand von Hobbingen: sein Vater Hamfast, den alle nur „der Ohm“ nannten, versorgte den Garten von Beutelsend, der Großvater Hobson hatte sein Brot als Seiler verdient. Der Stammbaum, den der Anhang C der Familie widmet, verzeichnet ihn zwischen mehreren älteren Geschwistern; Amt und Handwerk des Gärtners gingen vom Vater auf den Sohn über, samt der bescheidenen Wohnhöhle unterhalb des Hügels. Ungewöhnlich für seine Herkunft war, dass er bei Bilbo Beutlin Lesen und Schreiben lernte und eine hartnäckige Neigung zu alten Versen und zu allem Elbischen entwickelte — eine Schwäche, die der Ohm mit Kopfschütteln quittierte.
Der Name „Samweis“ gehört, wie fast alle Hobbitnamen des Buches, zu Tolkiens Übersetzungsfiktion: Was das Rote Buch überliefert, ist das Westron, und der Verfasser gibt es in englischem Gewand wieder. Der tatsächliche Rufname der Figur lautet demnach Banazîr, in der Alltagsform verkürzt zu Ban, und bedeutet so viel wie „halbweise“, also schlicht, einfältig im wohlwollenden Sinn. Wiedergegeben wird er durch ein altenglisches samwís, das der Verfasser lediglich in moderner Schreibung stehen lässt. Dasselbe Verfahren betrifft den Vater: Hamfast entspricht einem altenglischen Wort für „daheimbleibend“ und übersetzt das westronische Ranugad, kurz Ran. Die Namen sind also Programm — beide bezeichnen Bodenständigkeit, nicht Glanz.
Auch der Familienname ist eine Übertragung. Im Westron heißt das Geschlecht Galbasi, in verkürzter Form Galpsi, benannt nach dem Dorf Galabas, dessen Namensglieder man mit „Wild“ und einer alten Ortsendung deutet, die dem englischen Element in Ortsnamen auf -wich entspricht. Daraus formt der Verfasser das Dorf Gamwich und den daraus abgeschliffenen Sippennamen Gamdschie. Da es sich um einen hobbitischen, nicht um einen eldarischen Namen handelt, gilt die Anhang-E-Regel vom stets harten G hier nicht: Das zweite G klingt weich, weshalb die deutschen Fassungen die Aussprache getreu in der Schreibung nachbilden. Als „Meister Samweis“ erscheint er in der Überschrift seines Stammbaums — eine Anrede, die ihn aus dem Kreis der bloß Dienenden heraushebt, ohne ihn seiner Herkunft zu entfremden.
Geschichte
In die große Geschichte tritt Sam durch einen Zufall der Gartenarbeit. Im Frühjahr 1418 der Auenland-Zeitrechnung, dem Jahr 3018 des Dritten Zeitalters, schnitt er unter dem Fenster von Beutelsend das Gras, während Gandalf drinnen Frodo eröffnete, welchen Ring dieser verwahrte. Der Zauberer zog den Lauscher durch das Fenster herein und verhängte eine Strafe, die für Sam eine Erfüllung war: Er sollte den Herrn begleiten. Am 23. September brachen die beiden auf; im Waldviertel trafen sie auf Gildor und seine Elben, danach führte der Weg über den Alten Wald und Bree zur Wetterspitze, wo Frodo am 6. Oktober verwundet wurde, und weiter nach Bruchtal, das sie am 20. Oktober erreichten. Bei Elronds Rat saß Sam abermals ungeladen im Verborgenen und trat erst hervor, als über den Aufbruch bereits entschieden war.
Am 25. Dezember 1418 verließ die Gemeinschaft Bruchtal. Sam führte das Pony, das man in Bree erstanden hatte, und musste es vor dem Tor von Moria zurücklassen — ein Abschied, der ihn mehr bekümmerte als die Gefahr darunter. In Lothlórien blickte er auf Galadriels Drängen in deren Spiegel und sah Bilder des Auenlandes, gefällte Bäume und ein aufgerissenes Land, ohne deuten zu können, ob sie Gegenwart oder Zukunft zeigten. Zum Abschied erhielt er ein Kästchen mit grauer Erde aus dem Obstgarten der Herrin und ein Seil aus elbischem Gespinst, beides später von entscheidendem Nutzen. Als sich die Gemeinschaft Ende Februar 1419 am Amon Hen auflöste, erriet er als Einziger, dass Frodo allein nach Osten wollte, warf sich ins Wasser hinter das ablegende Boot und wäre beinahe ertrunken.
Von da an ist Sams Weg der Weg des Ringträgers. In den Emyn Muil überwältigten die beiden Gollum, und das elbische Seil wurde zur Fessel; Sam duldete den Führer, ohne ihm je zu trauen. Durch die Totensümpfe kamen sie vor das Schwarze Tor, dann südwärts nach Ithilien, wo Faramirs Männer sie aufgriffen und wo Sam sich mit einer unbedachten Bemerkung über Boromir und den Ring verriet — und damit unfreiwillig Faramirs Standhaftigkeit erwies. Über die Kreuzung und an Minas Morgul vorbei stiegen sie die Treppen von Cirith Ungol hinauf. Dort, in Kankras Höhle, trieb Sam die Spinne mit Frodos Schwert und dem Sternenglas der Herrin zurück, fand seinen Herrn regungslos und hielt ihn für tot. Die Entscheidung, die er in dieser Stunde traf, nahm ihm Ring, Schwert und Glas ab und machte ihn selbst zum Träger.
Noch vor dem Turm hörte er die Orks reden und erkannte, dass Frodo lebte und gefangen war. Als er den Ring anlegte, um in die Feste zu gelangen, zeigte ihm dieser das Bild eines Samweis des Starken, der Mordor mit gezogenem Schwert in einen einzigen blühenden Garten verwandeln würde; sein Sinn für das Maß der eigenen Kräfte und die Liebe zu einem wirklichen kleinen Garten wiesen die Verlockung ab. Er fand Frodo in der obersten Kammer, gab ihm den Ring zurück und ertrug den kurzen Argwohn, mit dem der Ausgeplünderte ihn ansah. In Orkrüstungen durchquerten sie im März 1419 die Ebene Gorgoroth, ohne Wasser und beinahe ohne Hoffnung; am 25. März trug Sam den Erschöpften die letzte Strecke den Schicksalsberg hinauf. Nach dem Untergang des Ringes und Gollums holten die Adler die beiden aus der brechenden Asche.
Auf dem Feld von Cormallen wurden die beiden Hobbits vor dem versammelten Heer geehrt; Sam führte man dabei als „Samweis den Kühnen“ an. Nach der Krönung Elessars und der langen Heimreise über Bruchtal, wo Bilbo noch lebte, fanden sie im Herbst 1419 das Auenland unter fremder Herrschaft vor — genau das Bild, das der Spiegel gezeigt hatte. Am 3. November führte Sam neben Merry und Pippin die Auenländer in der Schlacht von Wasserau. Das Jahr danach galt seine Arbeit den zerstörten Bäumen: Mit der Erde aus Galadriels Kästchen half er den Setzlingen im ganzen Land, und in der Feldmark pflanzte er das einzige Samenkorn eines Mallornbaums, das je im Auenland Wurzel schlug. 1420 wurde ein Jahr sprichwörtlicher Fülle; am 1. Mai heiratete er Rosie Kattun, 1421 kam Elanor zur Welt, und im September desselben Jahres begleitete er Frodo zu den Grauen Anfurten, von wo er als Herr von Beutelsend und Hüter des Roten Buches zurückkehrte.
Schicksal verhüllt — enthüllenSchicksal enthüllt — wieder verhüllenDieser Abschnitt verrät, wie es ausgeht.
Schicksal
Die zweite Hälfte seines Lebens verlief im Amt. 1427 wurde er zum ersten Mal zum Bürgermeister von Michelbinge gewählt, 1434 erhob König Elessar Thain, Herrn von Bockland und Bürgermeister in den Rat des Nordreichs. 1436 begrüßte er den König an der Brandyweinbrücke; seine Tochter Elanor trat in den Dienst der Königin Arwen, und 1442 reiste er mit Frau und Tochter für ein Jahr nach Gondor. Siebenmal insgesamt trug er das Amt, zuletzt von 1469 bis 1476, als er sechsundneunzig Jahre alt war. Rosie starb 1482 zur Jahresmitte; am 22. September desselben Jahres ritt Sam von Beutelsend fort, übergab auf den Turmbergen Elanor das Rote Buch und wurde dort zum letzten Mal gesehen. Bei ihren Nachkommen, den Schönkindern, hielt sich die Überlieferung, er sei als letzter der Ringträger über das Meer gegangen.
Rolle und Fähigkeiten
Im Gefüge der Erzählung ist Sam die Gestalt des Dienenden, und das Werk behandelt diese Stellung nicht als Nebensache. Sein Auftrag geht von Gandalf aus, bleibt aber von Anfang an persönlich gebunden: Er dient nicht einer Sache, sondern einem Herrn, und aus dieser Bindung erwächst die Beharrlichkeit, die dem Unternehmen fehlt, sobald die Gemeinschaft auseinanderbricht. Das Kapitel, das ihn vor die schwerste Wahl seines Lebens stellt, trägt seinen Namen im Titel — eine Hervorhebung, die das Buch keiner anderen untergeordneten Figur gewährt. Damit gehört er zu der sehr kleinen Zahl derer, die den Einen Ring getragen und aus freiem Entschluss wieder abgegeben haben; die Rückgabe kostet ihn Überwindung, aber keinen langen inneren Kampf.
Übernatürliche Fähigkeiten besitzt er keine. Was ihn trägt, ist Handwerk: die Pflanzenkunde des Gärtners, der sichere Umgang mit Feuer und Kochgerät, die Sorge um Vorräte und Wasser, die Kenntnis von Knoten und Seilen, ohne die der Abstieg aus den Emyn Muil nicht gelänge. Dieses Können ist zweischneidig — der Rauch seines Kochfeuers in Ithilien verrät die Wanderer an Faramirs Späher. Auch die beiden Gaben, die er aus Lothlórien mitnimmt, wirken nicht als Waffen: Das Glas der Herrin spendet Licht dort, wo Licht abhanden gekommen ist, die graue Erde erweist ihre Kraft erst Jahre später und nur, wo überhaupt etwas wachsen kann. Als Kämpfer bleibt er Gelegenheitsstreiter: Kankra treibt er zurück, ohne sie zu töten, und in den Turm gelangt er nicht durch Stärke, sondern weil die Besatzung sich im Streit um Beute selbst aufgerieben hat.
Die Grenzen sind im Text deutlich markiert. Den Ring vermag er zu tragen, solange die Strecke kurz bleibt; je näher der Berg rückt, desto schwerer wird er auch für ihn, und die Last am Ende von Frodo zu nehmen ist ihm versagt — tragen kann er nur den Träger. Ebenso wenig verleiht ihm das Amt, das ihm nach dem Krieg zufällt, Macht im gewöhnlichen Sinn: Das Auenland kennt kaum Obrigkeit, dem Bürgermeister von Michelbinge unterstehen Postdienst und Ordnungshüter, doch seine vornehmste Pflicht ist der Vorsitz bei Festen. Die eigentliche Sicherung des Landes kommt von außen, durch den Erlass des Königs, der es zum freien Gebiet erklärt und Menschen das Betreten verwehrt. Sams Wirkung bleibt an das Maß gebunden, das er selbst gewählt hat: an Garten, Haus und ein überschaubares Land.
Beziehungen
Die Bindung an Frodo Beutlin beginnt als Dienstverhältnis und behält dessen äußere Form bis zuletzt: Sam spricht seinen Gefährten auch dann noch als seinen Herrn an, als beide längst dasselbe Elend teilen. Frodo hingegen behandelt ihn früh als Vertrauten und beruft sich am Ende ausdrücklich auf ihn als den, der weiterleben und das Angefangene bewahren soll. Wie zweideutig diese Treue sein kann, zeigt sich schon vor dem Aufbruch: Merry und Pippin hatten Sam zum wichtigsten Zuträger ihrer heimlichen Nachforschungen gemacht, und als die Sache in Krickloch offen zutage trat, stand er zwischen Freundschaft und Ergebenheit. Der Standesabstand zu den beiden — Erben alter Geschlechter, er der Sohn des Gärtners — verschwindet nie ganz, wird aber nach der Heimkehr bedeutungslos.
Im Auenland ist Sam von Anfang an in ein dichtes Netz verwandtschaftlicher Verhältnisse eingebunden. Zum Ohm besteht ein Verhältnis aus Ehrerbietung und leiser Nachsicht: Der Vater bleibt die Autorität, die Sam in Sprichwörtern mit sich führt, auch wo dessen Weltbild längst nicht mehr reicht. Die Verbindung zu den Kattuns von Wasserau ist doppelt geknüpft — eine seiner Schwestern heiratete in die Bauernfamilie ein, ehe er selbst deren Tochter Rosie nahm. Aus dieser Ehe geht eine ungewöhnlich große Kinderschar hervor, deren Ältester der Erzählung noch einmal nahekommt: Den Namen Elanor schlug Frodo vor, nach der Blume, die Sam in Lothlórien gesehen hatte. Später verband sich das Haus mit dem der Tuks, und Elanor selbst zog auf die Turmberge, wo ihre Nachkommen das Erbe der Aufzeichnungen hüteten.
Gegner im eigentlichen Sinn hat Sam wenige, und der wichtigste ist ein Mitreisender. Gegen Gollum richtet sich ein Misstrauen, das er selbst dadurch ordnet, dass er dem Geschöpf zwei Spitznamen gibt, je nachdem, welche seiner beiden Naturen gerade spricht. Diese Wachsamkeit rettet Frodo mehrfach, hat aber ihren Preis: Auf den Treppen vor Cirith Ungol trifft Sam den zurückkehrenden Führer in einem Augenblick, der etwas wie Reue trägt, und fährt ihn barsch an — danach ist der Verrat entschieden. Kleinere Widersacher bleiben ihm im Auenland: der Müllerssohn Ted Sandigmann, der schon vor der Reise über Sams Elbengeschichten spottete und sich nach der Rückkehr auf die Seite der Fremden geschlagen hatte. Dem stehen die Elben gegenüber, allen voran Galadriel, deren Gaben und deren Andenken ihn stärker prägen als jede Feindschaft.
Entwürfe und Varianten
Die frühesten erhaltenen Entwürfe der Anfangskapitel kennen keinen Gärtner. Der Ring geht dort auf einen Hobbit namens Bingo Bolger-Baggins über, einen jüngeren Verwandten Bilbos, und seine Reisegefährten heißen Odo, Frodo und Marmaduke — durchweg Angehörige begüterter Sippen, sodass das Gefälle zwischen Herrn und Dienstboten, aus dem die spätere Erzählung einen guten Teil ihrer Spannung zieht, noch gar nicht angelegt war. Sam tritt erst in einer dritten Arbeitsphase hinzu, als Tolkien den Ringträger mit einem Bediensteten aus Hobbingen ausstattete; mit ihm entstand auch jene Szene der belauschten Unterredung, die den Gärtner in das Unternehmen zwingt. Im selben Zug verschoben sich die Namen: Aus Bingo wurde Frodo, der bisherige Frodo Tuk erhielt den Namen Peregrin, Marmaduke wurde zu Meriadoc, und Odo verschwand ganz, während einzelne seiner Züge auf andere Gestalten übergingen.
Am anderen Ende der Arbeit steht ein Stück, das Tolkien schließlich preisgab: ein Epilog, der den Schluss des Werkes um einige Jahre überschreiten sollte. Er liegt in zwei Fassungen vor und zeigt Sam im Jahr 1436 der Auenland-Zeitrechnung in Beutelsend, umringt von seinen Kindern, die ihn über die Aufzeichnungen des Roten Buches und über den Verbleib einzelner Gefährten ausfragen; gegen Ende trifft ein Schreiben des Königs ein, das dessen Kommen an die Brandyweinbrücke ankündigt. Nach den Einwänden früher Leser strich Tolkien das Kapitel, behielt jedoch seinen sachlichen Kern: Die Ankündigung des Königs kehrt in der Zeittafel des Anhangs wieder, während das häusliche Bild, das der Epilog von Sams späteren Jahren entwirft, ungedruckt blieb, bis Christopher Tolkien es im Rahmen der Entwurfsbände zugänglich machte.
Die Figur in Adaptionen
Die bekannteste Verkörperung stammt aus der Kinotrilogie Peter Jacksons (2001–2003), in der Sean Astin die Rolle übernahm. Ältere Bearbeitungen kennen Sam allein als Sprechrolle: Im Zeichentrickfilm Ralph Bakshis von 1978 lieh ihm Michael Scholes die Stimme, im Fernseh-Zeichentrickfilm „Die Rückkehr des Königs“ von Rankin/Bass (1980) sprach ihn Roddy McDowall. In der sechsundzwanzigteiligen Hörspielfassung der BBC von 1981 gab Bill Nighy den Gärtner. Wie viel vom Weg der Figur überhaupt erzählt wird, fällt dabei sehr unterschiedlich aus: Bakshis Film bricht nach der Schlacht um Helms Klamm ab und lässt Sams Gang durch Mordor gänzlich aus, während der Rankin/Bass-Film umgekehrt im Wesentlichen erst nach Cirith Ungol einsetzt und die Vorgeschichte einer Rahmenerzählung überlässt.
Die Filmtrilogie weicht an mehreren Stellen erkennbar von der Vorlage ab. Am folgenreichsten ist ein eingefügter Bruch zwischen den Gefährten: Auf den Treppen vor Cirith Ungol gelingt es Gollum, den Verdacht der unterschlagenen Wegzehrung auf Sam zu lenken, woraufhin Frodo ihn fortschickt; Sam kehrt erst um, als er die Spur der beiden wieder aufnimmt. Ohne Entsprechung im Buch ist ferner die Verschleppung der Hobbits nach Osgiliath, wo Sam vor Faramir eine Rede über das Durchhalten hält. Nach der Vernichtung des Rings folgt im Film kein Aufstand im Auenland: Die Heimkehr mündet unmittelbar in die Hochzeit mit Rosie Kattun und den Abschied an den Grauen Anfurten, sodass Sams Anteil an der Schlacht von Wasserau und an der Wiederbepflanzung des Landes entfällt. Erhalten bleibt dagegen, dass er den Ring nach Kankras Angriff an sich nimmt und ihn im Turm zurückgibt.