Herkunft und Namen

Hador ist ein Mann Gondors aus dem Dritten Zeitalter und gehört jenem Geschlecht an, das die Anhänge zum Herrn der Ringe als Haus Húrin führen. Benannt ist dieses Haus nach Húrin von Emyn Arnen, einem Truchsess König Minardils, den der Bericht ausdrücklich als Mann von hoher númenórischer Abkunft bezeichnet; seit seinen Tagen blieb das Amt bei seiner Sippe, und aus ihr ging später mit Mardil der erste herrschende Truchsess hervor. Hador zählt damit nicht zu einem der älteren Völker Mittelerdes, sondern zu den Menschen des südlichen Königreichs, deren führende Familien ihre Herkunft auf die Verbannten von Númenor zurückführten. Die überlieferte Reihe der herrschenden Truchsessen weist ihm den siebten Platz zu, zwischen Túrin I. und Barahir; über die einzelnen Übergänge von einem Träger des Amtes zum nächsten schweigt der Anhang, denn er hält nur allgemein fest, dass die Würde erblich war und an den Sohn oder ersatzweise an den nächstverwandten Mann fiel.

Der Name selbst ist weit älter als Gondor. Er gehörte zuerst einem Herrn der Edain in der Ersten Zeit, Hador mit dem Beinamen Lórindol, dem die Überlieferung das Land Dor-lómin als Lehen der Noldor zuschreibt und der als Elbenfreund unter den Menschen des Westens galt. Sein Beiname wird dort als Verweis auf das goldene Haar seines Geschlechts gedeutet; für den Namen Hador selbst gibt keine der zu Lebzeiten oder posthum veröffentlichten Fassungen eine Übersetzung, sodass sich seine Bedeutung nicht aus den Quellen sichern lässt. Nach jenem ersten Träger wurde eines der drei Häuser der Edain benannt, und aus dieser Verbindung bezieht der Name sein Gewicht.

Dass ein Truchsess Gondors diesen Namen trug, ist kein Einzelfall, sondern folgt einer Gewohnheit seines Hauses. Wer die Liste der Truchsessen durchgeht, findet dort Húrin, Túrin, Barahir, Beren, Beleg und Dior ebenso wie Ecthelion, Egalmoth und Turgon — durchweg Namen, die aus den Erzählungen der Ältesten Tage stammen, aus dem Kreis der Edain und der Elben von Beleriand. Die Herren des Hauses Húrin knüpften ihre Kinder damit an eine Vergangenheit, die älter war als das Königtum, dem sie dienten, und die ihre eigene Abkunft aus dem Westen bezeugte. Königliche Namen im Sinne der Herrscher von Gondor sind es nicht; die Truchsessen nahmen weder Krone noch Thronnamen an. Hador steht in dieser Reihe als einer unter mehreren, deren Namen mehr über den Anspruch ihres Hauses verraten als die knappen Angaben, die von ihrem Leben erhalten geblieben sind.

Die Jahre seiner Truchsessenschaft

Von Hadors Leben ist eine einzige Zahl erhalten, und sie steht ohne jede Erzählung da: Die Liste der herrschenden Truchsessen setzt hinter seinen Namen das Jahr 2395 des Dritten Zeitalters. Solche Angaben bezeichnen dort das Ende der Amtszeit, also den Tod des Trägers; wann sie begann, ergibt sich jeweils aus dem Eintrag des Vorgängers. Für Hador heißt das, dass seine Zeit mit dem Tod Túrins I. im Jahr 2278 anhebt und hundertsiebzehn Jahre später endet. Alles, was sich über ihn sagen lässt, muss sich zwischen diesen beiden Zahlen halten, denn ein Bericht über Feldzüge, Bauten oder Entscheidungen fehlt vollständig — die Anhänge nennen ihn, ohne ihm eine einzige Handlung zuzuschreiben.

Bemerkenswert ist gerade die Dauer. Soweit die Reihe erkennen lässt, hat kein anderer herrschender Truchsess das Amt annähernd so lange geführt; am nächsten kommt ihm Cirion mit achtundsiebzig Jahren, während die meisten übrigen zwischen dreißig und fünfzig Jahren blieben. Eine Amtszeit dieser Länge setzt ein sehr hohes Alter voraus, denn niemand trat als Kind an die Spitze des Reiches. Damit gehört Hador zu den wenigen Gestalten der späteren Geschichte Gondors, bei denen die schwindende Lebenskraft númenórischer Abkunft, von der die Anhänge sonst berichten, noch einmal nicht durchschlägt. Was er mit dieser langen Zeit anfing, sagt keine Quelle.

Die Stille der Überlieferung hat einen erkennbaren Grund. Hadors gesamte Amtszeit fällt in jene Spanne, welche die Jahrestafel als Wachsamen Frieden führt: Von 2063 an war der Schatten aus Dol Guldur gewichen, und erst 2460, fünfundsechzig Jahre nach Hadors Tod, kehrte er mit größerer Macht dorthin zurück. In diesen Jahrzehnten verzeichnet die Tafel für den Süden kaum ein Ereignis; die großen Einbrüche der Ostlinge und die Kämpfe um Ithilien liegen davor oder danach. Hador regierte also in einer Zeit, die nach außen ruhig war, deren Ruhe aber niemand für dauerhaft hielt — der Name des Zeitraums bezeichnet keine Sorglosigkeit, sondern Wachsamkeit ohne Kampf.

Das Reich, dem er vorstand, war dabei bereits ein verkleinertes. Minas Ithil war schon 2002 gefallen und trug seither den Namen Minas Morgul; die Feste jenseits des Anduin blieb in feindlicher Hand, und Osgiliath lag zwischen den beiden Städten als geschwächter Übergang. Im Norden war Calenardhon seit der Großen Pest von 1636 weitgehend entvölkert und wurde nur noch lose gehalten; das Bündnis mit den Éothéod und die Übergabe des Landes durch Cirion im Jahr 2510 gehören einer Zeit an, die Hador nicht mehr erlebte. Auch die Ferne des Nordens bleibt ihm fremd: Dass im Auenland 2340 mit Isumbras I. die Reihe der Tuks das Thainsamt übernahm und die Altbocks das Bockland besiedelten, geschah mitten in seiner Amtszeit, ohne dass zwischen beiden Welten eine Verbindung bestanden hätte.

Nach 2395 ging das Amt an Barahir über, der es bis 2412 hielt, und danach an Dior. Wie rasch die Ruhe endete, zeigt die dritte Generation nach Hador: In den Tagen Denethors I. brachen 2475 die Uruks aus Mordor hervor, überrannten Ithilien und zerstörten Osgiliath endgültig, bis Boromir, der Sohn des Truchsessen, sie zurückwarf. Gemessen daran erscheint Hadors lange Amtszeit als der letzte ungestörte Abschnitt vor dem erneuten Druck aus dem Osten. Die Überlieferung hat davon nichts festgehalten als seinen Platz in der Reihe und das Jahr seines Todes — ein Befund, der für die meisten Truchsessen zwischen Mardil und Cirion gilt und der weniger über die Bedeutungslosigkeit dieser Männer aussagt als über die Auswahl dessen, was die Chronisten Gondors für berichtenswert hielten.

Das Amt und seine Schranken

Das Amt, das Hador führte, war seiner Anlage nach eine Stellvertretung. Seit Mardil übten die Truchsessen die volle Gewalt der Könige aus, ohne deren Namen zu tragen: Sie nahmen weder Krone noch Thron, sondern führten als Zeichen ihrer Würde allein einen weißen Stab, und ihr Banner blieb weiß ohne jedes Zeichen, während das der Könige schwarz war und den Weißen Baum unter sieben Sternen und einer Krone zeigte. Ihre Herrschaft galt ausdrücklich nur so lange, bis der König zurückkehre — eine Bedingung, die keiner von ihnen fallen ließ, obwohl seit dem Verschwinden Earnurs kein Anwärter mehr auftrat und niemand einen solchen erwartete. Auch der Sitz hielt den Unterschied fest: Der Truchsess saß auf einem schwarzen Stuhl am Fuß der Stufen, der Thron darüber blieb leer.

Die Vollmacht, die daraus erwuchs, war in der Sache groß und in ihren Grenzen genau bezeichnet. Der Truchsess gebot über die Heere des Reiches, rief die Lehen zum Aufgebot und entschied über Krieg und Frieden; er konnte jedoch weder das Königtum an sich nehmen noch die Ordnung der Nachfolge ändern, und seine eigene Würde ging nicht durch Wahl, sondern innerhalb seines Hauses weiter. Übernatürliche Macht gehörte nicht dazu. Die Truchsessen waren sterbliche Menschen Gondors, denen dieselbe schwindende Lebenskraft zugemessen war wie ihren Zeitgenossen, und keine Quelle schreibt dem Amt eine geweihte oder magische Seite zu. Selbst der Stein von Minas Anor, der in der Stadt verwahrt lag, wird erst für Denethor II. in Gebrauch genommen; dass ein früherer Truchsess in ihn zu blicken gewagt hätte, berichtet der Anhang nirgends.

Für Hador selbst lässt sich all dies nur aus dem Amt erschließen, nicht aus einem Zeugnis über ihn. Kein Gesetz, kein Aufgebot, kein Ratschluss und kein Gegenstand ist mit seinem Namen verbunden, und die Reihe der Truchsessen führt ihn ohne Beiwort. Wer ihm daher Fähigkeiten oder Wirkungen zuschreiben wollte, müsste sie aus der Länge seiner Zeit oder aus dem Rang seines Hauses ableiten, und beides trägt eine solche Folgerung nicht. Was sich sagen lässt, ist der Umriss der Stellung, die er innehatte: die höchste weltliche Gewalt eines Reiches, das seinen König seit vierhundert Jahren nicht mehr besaß, ausgeübt von einem Mann, dessen Person die Überlieferung nicht festgehalten hat.

Sippe, Treue und die ungenannten Nächsten

Von den Menschen, die Hador nahestanden, nennt die Überlieferung keinen einzigen. Weder eine Gemahlin noch Kinder, weder Geschwister noch ein Vater erscheinen neben seinem Namen; die einzige bezeugte Bindung ist die an sein Haus, und diese ist eine Zugehörigkeit, keine Person. Dass dieses Schweigen kein Gesetz der Quelle ist, zeigt der Anhang selbst: Für andere Träger des Amtes hält er Verwandtschaft ausdrücklich fest — Boromir wird dort als Sohn Denethors I. geführt, Denethor II. als Sohn Ecthelions II. Bei Hador unterbleibt jede solche Angabe, und auch Túrin I. und Barahir, die ihm in der Liste vorangehen und folgen, sind darin nur Nachbarn, nicht nachweisbar Verwandte.

Die Bindung, die sein Amt trug, wies nach oben ins Leere und war doch genau bestimmt. Welchem Königshaus die Treue der Truchsessen galt, hatte lange vor Hador eine Entscheidung aus seinem eigenen Hause festgelegt: Als nach dem Fall Ondohers Arvedui aus dem Norden die Krone Gondors für sich beanspruchte, wies der Truchsess Pelendur den Anspruch zurück, und das Reich hielt sich fortan allein an die Nachkommen Anárions. Die Erben Isildurs bestanden unterdessen fort und lebten in Hadors Tagen als Häuptlinge der Dúnedain im Norden, ohne dass Gondor von ihnen Notiz genommen hätte. Der Herr, auf dessen Rückkehr seine Amtsführung sich berief, war also kein beliebiger König, sondern einer aus einer Linie, die seit Earnur keinen Anwärter mehr hervorgebracht hatte.

Was bei anderen Truchsessen den Kern der Überlieferung ausmacht, fehlt bei ihm in jeder Richtung: kein König, dem er diente, kein fremdes Volk, mit dem er sich verband, kein namentlich genannter Gegner. Die Beziehungen, die sich belegen lassen, sind daher solche des Amtes und nicht des Lebens — die Reihe, in der er steht, und der Übergang, den sein Tod auslöste. Für die Nachwelt ist Hador vor allem eine Jahreszahl im Lebenslauf seines Nachfolgers geblieben. Dieser Befund ist arm, aber er ist gesichert; ihn durch wahrscheinliche Verwandtschaften aufzufüllen, hieße über die Quellen hinauszugehen.