Namen und Herkunft

Der Name, unter dem dieses Volk in den Chroniken erscheint, geht auf mehrere Sprachen Mittelerdes zurück. Im Sindarin lautet die Bezeichnung orch, in der Mehrzahl yrch, im Quenya urko; im Anhang zum Herrn der Ringe erläutert Tolkien, dass „Ork“ im Text lediglich die Übertragung dieser Wörter darstellt. Hobbits kannten dasselbe Volk überwiegend unter der Bezeichnung Goblin, wie schon aus dem Bericht über Bilbo Beutlins Gefangenschaft unter den Bergen hervorgeht. Innerhalb der Schwarzen Sprache, die Sauron seinen Heeren aufzwang, wurde zudem nach Rang unterschieden: Uruk bezeichnete die großen, kampferprobten Orks etwa aus Isengart und Mordor, während Snaga, „Sklave“, als abwertende Bezeichnung für die geringeren, unfreien unter ihnen diente.

Die im Silmarillion überlieferte Erzählung von der Entstehung der Orks setzt an den frühesten Zeiten der Welt an, in den Kerkern Utumnos, Melkors erster Festung im äußersten Norden. Elben, die er nahe ihrem Erwachen am Wasser von Cuiviénen aufgriff, wurden dort über lange Zeitalter hinweg gequält und entstellt und so nach und nach zu den ersten Orks umgeformt; ihre Abstammung aus dem Volk der Erstgeborenen erklärt zugleich den tiefen, uralten Hass, den beide seither füreinander hegen. Betont wird dabei, dass Melkor selbst kein Leben zu erschaffen vermochte, sondern nur verderben konnte, was bereits bestand – ein Gedanke, der in den Überlieferungen der Elben immer wieder zur Deutung der Orks herangezogen wird.

Dass sich hinter den Orks tatsächlich verderbte Elben verbergen könnten, wird auch im Herrn der Ringe selbst angedeutet: Der Ent Baumbart erwägt gegenüber Merry und Pippin, ebenso wie die Trolle einst als finstere Gegenstücke zu den Ents geschaffen worden seien, könnten auch die Orks als Verhöhnung der Elben ins Dasein gerufen worden sein, ohne dass er selbst Gewissheit darüber besäße. Im Hobbit wiederum begegnet für die größere, wildere Art dieser Wesen gelegentlich die ältere, im Englischen wurzelnde Bezeichnung Hobgoblin, die dort neben Goblin und Ork als eine von mehreren Benennungen für dasselbe Volk nebeneinandersteht.

Geschichte

Schon in den frühen Kriegen des Ersten Zeitalters bildeten die Orks das Rückgrat der Heere, mit denen Morgoth aus Angband gegen die neu erwachten Elbenreiche Beleriands vorstieß. In der Schlacht unter den Sternen, der Dagor-nuin-Giliath, wagten sich seine Scharen erstmals in größerer Zahl gegen die Noldor vor und wurden zurückgeschlagen, kehrten in den folgenden Jahrhunderten jedoch immer zahlreicher wieder. Ihr Vordringen trug wesentlich zum Untergang der verbündeten Elbenreiche in der Nírnaeth Arnoediad bei, und auch bei späteren Verheerungen Beleriands, etwa dem Fall Doriaths und Gondolins, stellten sie den Großteil der angreifenden Streitmacht.

Mit dem endgültigen Sturz Morgoths im Krieg des Zorns, als die Heerscharen Valinors Angband erstürmten, verloren die Orks zugleich ihren Herrn und ihre größte Festung. Ein Teil ihrer Scharen wurde in jener letzten Schlacht vernichtet, andere entkamen jedoch in die verborgenen Weiten des Ostens und Nordens von Mittelerde und hielten sich fortan versteckt in Höhlen und Gebirgen. Ohne die lenkende Macht ihres Erschaffers verfielen sie für lange Zeit in Zersplitterung, blieben aber als schleichende Bedrohung für die aufkommenden Reiche der Elben und Menschen bestehen.

Im Zweiten Zeitalter sammelte Sauron, einst selbst Gefolgsmann Morgoths, die versprengten Orks von neuem unter seiner Herrschaft und machte sie zur Grundlage der Streitmacht, mit der er von Mordor aus nach der Vorherrschaft über Mittelerde griff. Gegen das Bündnis der Letzten Allianz von Elben und Menschen, das sich am Ende des Zeitalters gegen ihn erhob, stellte er Heere, die überwiegend aus Orks bestanden. Ihre Niederlage vor den Toren Mordors und der Sturz Saurons selbst bedeuteten für die Orks abermals den Verlust ihres Anführers und eine erneute Zerstreuung.

Im Dritten Zeitalter breiteten sich Orks von neuem in den Gebirgen aus und besiedelten unter anderem die Minen von Moria, nachdem die Zwerge diese durch die Erweckung eines Balrogs verlassen hatten, sowie zahlreiche Höhlen unter dem Nebelgebirge. Als der Zwergenkönig Thrór dort von einem Ork erschlagen wurde, entzündete dies den Krieg der Zwerge und Orks, der in der blutigen Schlacht von Azanulbizar vor den Toren Morias gipfelte und die Orkgemeinschaften der nördlichen Gebirge für Generationen schwächte. Wenig später bedrängten die unter dem Nebelgebirge verbliebenen Goblins Bilbo Beutlin und die Zwerge um Thorin Eichenschild auf ihrer Reise zum Erebor und stellten mit ihren Verbündeten aus dem Norden eines der Heere, die in der Schlacht der Fünf Heere aufeinandertrafen.

Gegen Ende des Dritten Zeitalters, als Sauron in Mordor offen zur Macht zurückkehrte und Saruman sich heimlich in seinen Dienst begab, wuchsen die Orkheere beider Herren zu neuer Stärke heran. In Isengart züchtete Saruman einen kräftigeren Schlag, die Uruk-hai, die dem Sonnenlicht standhielten und den älteren, kleineren Orks weit überlegen waren; es gibt Hinweise darauf, dass er dabei sogar Menschen in ihre Zucht einkreuzte. Diese Streitmacht griff im Krieg um den Ring Rohan an und wurde in der Schlacht um Helms Klamm vernichtend geschlagen, während Isengart selbst kurz darauf durch die Ents zerstört wurde. Zugleich sandte Sauron aus Minas Morgul und Mordor gewaltige Orkheere gegen Gondor, die in der Schlacht auf den Pelennor-Feldern und schließlich vor dem Schwarzen Tor selbst aufgerieben wurden.

Mit der Vernichtung des Einen Rings und dem endgültigen Sturz Saurons verloren die Orks Mordors ihren Herrn ein drittes Mal in ihrer Geschichte; führerlos gerieten viele in Panik, flohen in die Wildnis oder wurden in den folgenden Wochen aufgerieben. Als organisierte Macht war ihr Reich damit gebrochen, doch verschwanden sie nicht gänzlich: versprengte Gruppen hielten sich weiterhin in Gebirgen und Wäldern auf, und selbst in Moria stießen Kolonisten aus dem Volk Gimlis noch Jahre nach Kriegsende auf ihren Widerstand. Als eigenständige, herrschende Macht in Mittelerde jedoch traten die Orks nach dem Ende des Dritten Zeitalters nicht wieder in Erscheinung.

Lebensweise und Werke

Orks sind Geschöpfe der Finsternis: Helles Sonnenlicht ist ihnen zuwider, und wo immer möglich, ziehen sie sich bei Tag in Höhlen, Stollen und die Schatten ihrer Festungen zurück, um erst mit Einbruch der Nacht auszuschwärmen. Diese Lichtscheu prägt ihre gesamte Lebensweise: Sie graben sich tief in Gebirge und Erdreich ein, legen weitläufige Tunnelsysteme an und richten sich in unterirdischen Hallen ein, die kaum Tageslicht kennen. Offenes Land bei Sonnenschein zu durchqueren gilt unter ihnen als Zumutung, der sie sich, wenn irgend möglich, durch Nachtmärsche entziehen.

Handwerklich sind Orks vor allem im Dienst der Zerstörung und des Krieges begabt: Sie schmieden grobe, aber wirksame Waffen, brauen Gifte, bauen Belagerungsgerät und zeigen sich als geschickte Bergleute und Stollengräber, ohne dass ihren Werken je jene Schönheit eigen wäre, die den Arbeiten der Elben oder Zwerge nachgesagt wird. Lebendigem und Wachsendem begegnen sie mit offener Feindschaft; Bäume etwa fällen und verstümmeln sie mitunter aus reiner Zerstörungslust, ohne das Holz je zu nutzen. Auch sprachlich sind sie zersplittert: Jeder Stamm entwickelt eigene, raue Mundarten, die selbst unter Orks kaum wechselseitig verständlich sind, sodass sich zur Verständigung über Stammesgrenzen hinweg eine verderbte Form der Gemeinsprache oder, unter Saurons Herrschaft, die ihm auferlegte Schwarze Sprache einbürgert.

Untereinander sind Orks von Misstrauen, Neid und offener Grausamkeit geprägt: Streit um Beute, Rang oder Befehlsgewalt endet nicht selten im Mord an den eigenen Stammesgenossen, und verschiedene Orkvölker, etwa jene Sarumans und jene Saurons, begegnen einander mit kaum weniger Verachtung als ihren äußeren Feinden. Berichten zufolge schrecken hungernde oder erzürnte Orks selbst vor dem Verzehr der eigenen Toten nicht zurück. Zusammengehalten werden ihre Scharen weniger durch Treue als durch die Furcht vor ihren Herren, und das Leben des Einzelnen gilt ihnen wenig.

Stämme, Häuser und Anführer

Namentlich bekannte Orkführer treten in den Chroniken meist als Herrscher einzelner Gebirgsreiche auf, nicht als Häupter eines einheitlichen Volkes. So gebot Golfimbul, ein König der Orks vom Berg Gram, über die Scharen, die einst ins Auenland vorstießen und in der Schlacht auf den Grünfeldern von Bandobras „Bullenbeißer“ Tuk geschlagen wurden, der ihm dabei der Überlieferung nach das Haupt vom Rumpf trennte. Größeres Gewicht erlangte später das Herrschergeschlecht Azogs, der die versprengten Orks des Nebelgebirges und Morias nach der Verwüstung Erebors neu sammelte; sein Tod im Zweikampf vor den Toren Morias entfachte die Schlacht von Azanulbizar, und sein Sohn Bolg führte die überlebenden Krieger jener Sippe eine Generation später gegen Erebor und Thal in die Schlacht der Fünf Heere.

Im Krieg um den Ring wird sichtbar, wie tief das Misstrauen einzelne Orkverbände selbst dann trennte, wenn sie demselben Feldzug dienten. Als die Uruk-hai Isengarts unter ihrem Hauptmann Uglúk mit einem Trupp minderer Mordor-Orks unter Grishnákh zusammentreffen, um Merry und Pippin gefangen nach Norden zu bringen, entlädt sich der Streit um Befehlsgewalt und Beute beinahe im offenen Kampf der beiden Rotten gegeneinander. Ähnlich rivalisieren am Turm von Cirith Ungol die dort ansässige Wache unter Hauptmann Shagrat mit dem aus Minas Morgul heranrückenden Trupp Gorbags; der Streit um Frodos Mithrilhemd endet darin, dass sich beide Mannschaften gegenseitig aufreiben, so dass Sam den gefangenen Frodo am Ende nahezu unbewacht vorfindet.

In der Erzählung

In der Erzählung selbst erfüllen Orks vor allem eine dramaturgische Funktion: Sie sind der Feind, gegen den Mut und Zusammenhalt der Gefährten ohne moralische Zerrissenheit erprobt werden können, eine namenlose Masse, deren Bekämpfung keine Frage der Schuld aufwirft. Im Hobbit erscheinen sie noch in einem eher grotesk-komischen Ton, als polternde, reimende Gestalten unter dem Berg, die Bilbo und die Zwerge gefangen nehmen, fast wie Schreckgestalten eines Kindermärchens. Im Herrn der Ringe verschiebt sich dieser Ton merklich: In den Minen von Moria und vor den Toren Mordors werden die Orks zur konkreten, kriechenden Bedrohung, die den Krieg gegen das beschauliche Auenland und die freien Völker greifbar macht und dem Leser die zunehmende Bedrängnis Mittelerdes körperlich vor Augen führt.

Bezeichnend ist, dass Tolkien den Orks im Herrn der Ringe wiederholt eigene Stimme gibt: Wenn Sam, als Ork verkleidet, auf dem Marsch durch Mordor das Gezänk seiner Bewacher mit anhört, erlebt der Leser Saurons Kriegsmaschine von innen, nicht als finstere, geschlossene Front, sondern als ein Gefüge aus Argwohn, Antreiberei und nackter Furcht vor der Peitsche. Diese Innenansicht entzaubert das Böse, statt es zu erhöhen: Sie zeigt eine Ordnung, die allein durch Zwang zusammengehalten wird, und stellt ihr stillschweigend die freiwillige Treue der Gefährten gegenüber. Zugleich mildert der oft schroff-komische Tonfall dieser Wortwechsel für Momente die Schwere der Szenerie, ohne die Bedrohlichkeit der Lage aufzuheben.

Gerade weil die Erzählung die Orks so unzweideutig als Feinde zeichnet, wiegt es umso schwerer, dass sie an wenigen Stellen auch als leidende Geschöpfe aufscheinen: Als Sam ihr Gespräch belauscht, erkennt er für einen Augenblick, dass auch sie Getriebene sind, die unter derselben Herrschaft leiden, die er selbst bekämpft, und die Erzählung enthält sich dabei jeder abschließenden Deutung. Diese kurze Regung von Mitgefühl, die keine Folgen für Sams Handeln hat, macht die Orks zur schärfsten Probe auf die Grenzen von Mitleid und Verdammung innerhalb der Geschichte: Anders als Gollum wird ihnen keine Erlösung zugestanden, doch die Erzählung lässt offen, ob dies an ihrem Wesen liegt oder allein daran, dass niemand ihnen je die Möglichkeit dazu gibt.

Entwürfe und Fassungen

In den frühesten Fassungen der Mythologie, den Verlorenen Geschichten, erscheinen die Orks bereits als Diener Melkos, doch ihre Herkunft wird dort noch nicht mit den Elben verknüpft: Sie gelten als monströse Geschöpfe, die Melko selbst aus Erdhitze und Schlamm gezüchtet und vervielfältigt habe, eine rein stoffliche, dämonische Zeugung ohne den späteren Gedanken einer Verhöhnung der Erstgeborenen. In der Erzählung vom Fall Gondolins tragen sie zudem den Beinamen Glamhoth, „lärmende Horde“, mit dem die Bewohner der verborgenen Stadt die gegen sie anstürmenden Scharen belegen – eine Benennung, die in den späteren, veröffentlichten Fassungen nicht mehr auftaucht.

Jahrzehnte später kehrte Tolkien in den Aufsätzen, die unter dem Titel Myths Transformed gesammelt sind, noch einmal grundsätzlich zur Frage der Orks zurück und äußerte deutliches Unbehagen an der im Silmarillion erzählten Herkunft aus gequälten Elben: Wenn Melkor tatsächlich fühlende, vernunftbegabte Geschöpfe des Einen derart habe verderben können, werfe dies schwer lösbare Fragen nach deren Erlösungsfähigkeit und nach den Grenzen von Melkors Schöpfermacht auf. Als Alternativen erwog er, die Orks stattdessen von corrumpierten, nach ihrem Erwachen versklavten Menschen abstammen zu lassen oder sie als tierhafte, von niederen bösen Geistern beherrschte Hüllen ohne eigene, ihnen zugehörige Seele zu verstehen – Überlegungen, die Tolkien nebeneinander festhielt, ohne sich auf eine endgültige Fassung festzulegen.

Adaptionen

In Peter Jacksons Filmtrilogie werden die Orks überwiegend durch Masken- und Prothesenarbeit an Darstellern verkörpert und in den großen Schlachtszenen durch digital erzeugte Massen ergänzt. Deutlich sichtbar wird die Bearbeitung an einzelnen Figuren: Der Uruk-Hauptmann Lurtz, gespielt von Lawrence Makoare, ist eine Erfindung des Films und tötet dort Boromir, während das Buch den Anführer des Angriffs nicht benennt. Ebenso erhält Gothmog, im Roman nur beiläufig als Befehlshaber aus Minas Morgul erwähnt, in der Verfilmung eine ausgeführte Rolle als Feldherr auf den Pelennor-Feldern, wiederum von Makoare dargestellt; Uglúk wird von Nathaniel Lees, Grishnákh von Stephen Ure gesprochen und gespielt. Die Entstehung der Uruk-hai zeigen die Filme als Ausgraben aus Schlammgruben unter Isengart – ein Vorgang, den die Vorlage nirgends beschreibt. In der später gedrehten Hobbit-Trilogie wiegt die auffälligste Abweichung noch schwerer: Azog, von Manu Bennett in Bewegungsaufnahme gespielt, überlebt dort die Schlacht von Azanulbizar und verfolgt Thorin durch alle drei Filme, obwohl er nach den Anhängen bereits dort fiel; Bolg übernahm Lawrence Makoare, dem Großen Ork lieh Barry Humphries die Stimme.

Die älteren Bearbeitungen gehen anders vor. Ralph Bakshis Zeichentrickfassung stellt die Orkheere über abgefilmte und nachgezeichnete Realaufnahmen dar, wodurch sie sich in Bewegung und Erscheinung merklich von den übrigen Figuren des Films abheben. Die Fernsehfassung von Rankin/Bass legt den Orks ein eigenes Marschlied in den Mund, das in Tolkiens Text keine Entsprechung hat und dort die Antreiberei unter Saurons Aufsehern zusammenfasst. Die BBC-Hörspielfassung in sechsundzwanzig Teilen kann dagegen wegen ihres Umfangs gerade jene Szenen bewahren, die kürzere Bearbeitungen streichen, darunter die Wortwechsel der Wachen und die Streitigkeiten der Orkhauptleute.